Die Erwartungen an Dark Souls 3 sind immens. Kann das Rollenspiel an Erfolg und Qualität der Vorgänger - und Bloodborne - anknüpfen?
Das Nischendasein haben die Spiele von From Software endgültig hinter sich gelassen. Bloodborne begeisterte Unmengen von Spielern, die sich zuvor nie an Dark Souls herangetraut hatten, und immer mehr Entwickler versuchen inzwischen, das Erfolgsrezept des japanischen Studios zu kopieren. Doch was, wenn dem Team rund um Mastermind Miyazaki im nunmehr dritten Teil der Dark-Fantasy-Saga selbst die Ideen ausgehen?
Déjà-vu
Nein, ganz so schlimm ist es um die Kreativität bei From Software nicht bestellt. Auch in Dark Souls 3 gibt es magische Momente, wahnsinnige Einfälle und mehr oder weniger versteckte Genialität. Oft jedoch bezieht sich das Rollenspiel direkt auf die beiden Vorgänger, bis hin zu beinahe exakten Kopie von Abschnitten und dem erneuten Auftauchen von Charakteren.
Dazu kommen die üblichen Mechaniken, von denen sich das japanische Team nicht lossagen kann oder will - und natürlich auch nicht muss, haben diese sich doch inzwischen zum Markenzeichen entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel das Aufleveln bei einer jungen, hübschen Frau oder der Verlust aller gesammelten Seelen beim Tod, die als Währung und Erfahrungspunkte gleichermaßen dienen.
Ein Nachteil der direkten Referenz an das erste Dark Souls sind die leicht abgedroschene Hintergrundgeschichte sowie die vorhersehbaren Enden. Das Machtgefüge und Zusammenspiel von Menschen, Göttern, Dämonen, Hexen, Feuer, Menschlichkeit und Dunkelheit wurde eben bereits etabliert, Dark Souls 3 fügt dem Ganzen wenig Neues hinzu. Doch die Story und die kryptischen Hintergrundgeschichten von Charakteren, Orten und Gegenständen sind nur ein Teil der Faszination an Dark Souls.
Ein Highlight und absolut vergleichbar mit den Abschnitten in Bloodborne und Dark Souls ist das Leveldesign. Wege teilen sich, verschlingen sich, erstrecken sich nicht nur in die Breite, sondern oft auch vertikal und belohnen aufmerksame Spieler mit versteckten Gegenständen oder Abkürzungen. Statt frei erfundene Pixeltapeten am Horizont zu bestaunen, kann man fast alles, was man aus der Ferne erblickt, im Spiel besuchen und zu Fuß erkunden.
Zwar hängt die Umgebung nicht nahtlos zusammen wie bei Dark Souls und einige Abschnitte wirken vergleichsweise klein, dafür macht es nach wie vor großen Spaß, die Ecken und Winkel der Fantasy-Welt zu durchkämmen. Wie üblich sind ganze Levels und sogar Bosse so gut verborgen, dass manche Spieler sie beim ersten Durchgang wohl gar nicht finden werden.
Kombiniert mit der schieren Anzahl an Waffen und Ausrüstung wie Klamotten und Ringe regt das zum erneuten Durchspielen an - der Modus New Game Plus ist natürlich wieder mit dabei und wartet unter anderem mit neuen, besseren Items auf. Wie in Dark Souls 2 entscheidet man selbst, ob man nach einem der drei Enden weiter nach eventuell übersehenen Geheimnissen sucht oder zu einem neuen Zyklus in New Game Plus wechselt.
Klingentanz
Das flotte, teilweise etwas hektische Kampfsystem von Bloodborne diente beim Überarbeiten der Mechanik von Dark Souls 3 offensichtlich als Inspirationsquelle. Das bedeutet, dass alles deutlich schneller zugeht als noch in Dark Souls 2 und auch Feinde flinker auf den Beinen sind.
Neben Vorteilen wie abwechslungsreicheren Kämpfen (es ist nicht mehr ganz so einfach, sich hinter Schilden zu verstecken) führt das aber auch zu Nachteilen. Gerade eher träge Feinde wie große, gepanzerte Ritter verfolgen mit ihren Attacken den Spieler so zuverlässig bis zum letzten Moment, als würden sie auf Drehscheiben stehen.
Quelle: Games Aktuell
Unübersichtlich: Traditionell gibt es NPCs mit eigenen Questlinien - hier geht es um den Crestfallen Warrior. Es ist oft kaum ersichtlich, was man tun muss, um diese voranzutreiben. (PC)
Dafür sind die sogenannten Backstab-Angriffe immer noch zu einfach auszuführen: nähert euch humanoiden Feinden von hinten und haut zu, um ihnen Bonusschaden zuzufügen. Einige der neuen Gegnermodelle aber besitzen Move-Sets, die offensichtlich darauf ausgelegt sind, dieses Spielerverhalten zu kontern - From Software ist sich dieses Problems also durchaus bewusst.
Allgemein ist Dark Souls 3 im Vergleich zu Bloodborne etwas einfacher - und das, obwohl es keine Regain-Mechanik bietet. Mit einem Bogen zum Beispiel kann man einzelne Feinde aus einer Gruppe weglocken oder feige aus dem Hinterhalt riesige Gegner unter dem Einsatz von zig Pfeilen zu Fall bringen. Fairerweise muss man erwähnen, dass die Entwickler auch hier versuchen, solches Verhalten einzudämmen, indem sie die maximale Anzahl Pfeile und Bolzen auf 99 von einer Sorte beschränken.
Quelle: Games Aktuell
Garstig: Diese dämonischen Gegner tauchen weniger oft auf als es die ersten Abschnitte vermuten lassen. Erst gegen Ende des Spiels trifft man sie wieder. (PS4)
Das solche "billigen Tricks" überhaupt möglich sind, liegt auch an der lobenswerten, riesigen Auswahl von Verteidigungswerkzeugen, die sich durch die neuen Stances so flexibel einsetzen lassen wie noch nie zuvor. Aus der Magie-Anzeige gespeist wird bei jeder Waffe - und auch bei jedem Schild! - eine besondere Eigenschaft. Eine Axt zum Beispiel verfügt eventuell über die Besonderheit "Kriegsschrei". Löst man die Fertigkeit aus, bekommt der Held einen kurzen Buff. Mit der Metzgerklinge hingegen regeneriert man nach Aktivierung bei jedem Treffer eine kleine Menge Gesundheit.
Hinzu kommt die Möglichkeit, Schwerter, Lanzen und so weiter mit Elementarkräften wie unter anderem einem Gifteffekt, Feuer-, Elektro- oder Magieschaden zu versehen. Die Qualität der Waffen kann man ebenfalls aufwerten, sodass diese mehr Schaden verursachen und in Kombination mit den Charakterwerten Bonuspunkte abwerfen. Gerade im PvP-Modus dürften die Waffen und deren Vielseitigkeit für spannende Auseinandersetzungen sorgen. Wie es um das Balancing bestellt ist, kann man jedoch noch nicht beurteilen.
Fairer Tod
Nicht zu Unrecht gelten die Souls-Spiele als anspruchsvolle Kost, der Bildschirmtod lauert hinter jeder Ecke. Selten jedoch konfrontiert From Software den Spieler mit unfairen Situationen - die meisten Fallen und Hinterhalte kann man bei genauer Beobachtung der Umgebung im Voraus erkennen und entschärfen oder ihnen aus dem Weg gehen. Ab und zu gibt es Passagen, die offensichtlich möglichst sadistisch gestaltet wurden, ganz so enervierend wie in Dark Souls 2: Scholar of the First Sin fällt das Ergebnis aber zum Glück nicht aus.
Quelle: Games Aktuell
Gruppendynamik: Gegner sind im dritten Teil der Reihe oft in Grüppchen unterwegs und verfolgen euch viel länger als in anderem From-Software-Titeln. (PS4)
Einige der Bosse sind grandios gestaltet und bleiben lange nach dem Abschluss des Abenteuers im Gedächtnis. Auffällig ist eine recht hohe Zahl an Endgegnern, die mit einem Tross normaler Gegner im Schlepptau zu bekämpfen sind. Das ist angesichts des immer noch nicht perfekten Lock-On-Systems und einer gelegentlich verwirrt agierenden Kamera nicht ideal. Ein echtes Highlight in Sachen Animation, Kampfverlauf und Atmosphäre ist der bereits aus der Beta bekannte Kampf gegen den Dancer of the Boreal Valley, der ein weiteres Mal zeigt, dass die Designer bei From Software Meister ihres Handwerk sind.
Asche und Glut
Mechanik und Rollenspielsystem von Dark Souls 3 haben im Vergleich zu den Vorgängern leichte Änderungen erfahren. Die sogenannte Menschlichkeit wurde gestrichen, stattdessen wird die Lebensenergie, Angriffs- und Widerstandskraft mit den Ember-Items erhöht. Die findet man vielerorts in der Spielwelt, unter anderem als Beute diverser Gegner, man kann sie kaufen und auch nach dem Erlegen eines Bosses wird man automatisch in den Bonus-Zustand versetzt. Beim Ableben verliert man die Ember-Kraft. Invasionen von feindlichen Spielern und NPCs sowie das Beschwören von Helfern sind nur im Ember-Status möglich. Anders als die Menschlichkeit kann man nicht mehrere Ember gleichzeitig einsetzen.
Quelle: Games Aktuell
Magisch: Eine Karriere als Zauberer kann man auch in Dark Souls 3 einschlagen. Besonders gegen gepanzerte Feinde sind diese Angriffe effektiv. (PS4)
Das Aufleveln bei der Feuerhüterin bezahlt man mit den von besiegten Feinden gesammelten Seelen. Oder man wendet sich an einen gewissen Charakter, der dem Spieler kostenlos bis zu fünf Bonuslevels spendiert. Nur in diesem Fall wird man wie in Dark Souls zu einer sogenannten Hülle. Das hat dieses Mal aber keine spielerischen Auswirkungen, sondern nur Einfluss auf den Verlauf bestimmter Nebencharakter-Quests, das Ende und natürlich das Aussehen der Spielfigur, die fortan eher einem Zombie als einem gesunden Menschen ähnelt.
Auch in Dark Souls 3 gibt es Nebenfiguren, die scheinbar zufällig auftauchen und wieder verschwinden - nur Experimente und Zufallsentdeckungen geben Aufschluss über die notwendigen Schritte, um Quests zum Abschluss zu bringen, naheliegend sind die Lösungen selten. In dieser Hinsicht passt das zwar gut zur geheimnisvollen Atmosphäre, aber gerade die Covenants, also die Eide, denen man sich zuwenden kann und die vor allem für das Online-Spiel mit anderen Zockern wichtig sind, sollten einfacher zugänglich sein als sie es in Dark Souls 3 sind.
Schöner heißt besser?
Spiele von From Software waren nie bekannt für herausragende Technik oder Grafik - bis Bloodborne erschien. Die schöne Optik des PS4-exklusiven Gruselrollenspiels wurde mit Sony-Unterstützung auf die Beine gestellt, wovon jetzt das Multiplattformspiel Dark Souls 3 profitiert. Die Beleuchtung ist um Welten besser als in Dark Souls 2, genau wie die Texturqualität, das Anti-Aliasing und die Weitsicht.
Kleine Schnitzer muss man jedoch in Kauf nehmen: Ab und zu bricht die Framerate ein, die Ladezeiten bei der Schnellreise könnten kürzer sein und wenn ein Bereich geladen wurde, folgen die hochauflösenden Texturen auf Boden und Wänden manchmal ein bis zwei Sekunden verspätet.
Quelle: Games Aktuell
Was für ein Kampf: Bei diesem Boss kämpft man gelegentlich leider auch gegen die Kamera. Episch inszeniert ist das Duell aber allemal. (PS4)
Dafür ist die Steuerung wie gewohnt einwandfrei und sowohl von Kennern als auch von Neulingen schnell verinnerlicht. Die Menüs könnten zwar übersichtlicher und schöner sein, durch die Möglichkeit, überflüssige Items zu verkaufen oder sie zu lagern, kann man sich das Leben aber einfacher machen.
Ein schöneres, technisch ausgereifteres Dark Souls gab es noch nie. Dafür wiederholen sich Themen, Settings und Charaktere aus den Vorgängern - der Innovations- und Überraschungsfaktor ist geringer. Damit ist sicher: From Software ist im Mainstream angekommen.
Entwickler: From Software | Hersteller: Bandai Namco | Sprache: Deutsch (Texte), Englisch (Stimmen) | Altersfreigabe: Ab 16
