Wahl-Special Teil 6 - Die Piraten: "Wir stellen uns eindeutig gegen Zensur"

Special Dominic Eskofier

Welcher Partei sollen Spielefans bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben? Wir haben den großen Parteien Zocker-Fragen gestellt. Jetzt sind die Piraten dran - hier die Antworten!

5. Wo beginnen für Sie so genannte "Killerspiele"?

Piraten: Wir empfinden den Begriff "Killerspiele" als Schlagwort, mit dem die Politik versucht, die eigenen Vorurteile und mangelndes Wissen auf dem Bereich mit der Sorge um das Gemeinwohl zu tarnen. Die Verbindung zwischen dem Spielen von "Killerspielen" und wirklicher Aggression konnte bisher trotz vieler Studien nicht schlüssig bewiesen werden.
Genauso, wie momentan gegen "Killerspiele" argumentiert wird, könnte man auch viele andere Arten von Spielen angreifen: Ist "Monopoly" angesichts der Wirtschaftskrise moralisch noch vertretbar? Soll im Zuge des Paintballverbots weitere Spiele gesperrt werden, wie die Kinderspiele "Cowboy und Indianer", bei dem ethnische Probleme verharmlost werden, oder Schach, welches die Lösung von Konflikten mit militärischen Mitteln verherrlicht?

6. Einige unserer Leser sind volljährig und fühlen sich bevormundet, wenn Spiele extra für den deutschen Markt verändert werden müssen - manchmal soweit, dass die ursprüngliche Handlung verloren geht. Wie steht Ihre Partei zu diesem Problem?

Piraten: §5 Grundgesetz besagt, dass Zensur nicht stattfindet - in Anbetracht der Entwicklungen der letzten Jahre muss man sich aber um das Wohlergehen dieses Artikels große Sorgen machen. So manchem kommt da ein mulmiges Gefühl, wenn um an unzensierte Versionen eines Computerspiels oder Films nur im Ausland zu erwerben sind. Wir stellen uns eindeutig gegen Zensur - und dazu gehört nunmal auch die Zensur von Spielen und Filmen.

Die Piratenpartei wünscht sich informierte, freie Bürger, die selbst wissen, welche Spiele, Zeitungen und Filme sie konsumieren möchten.

7. Wie will Ihre Partei in Zukunft die Medienkompetenz von Erziehungspersonen fördern?

Piraten: Um Medienkompetenz zu fördern, muss zuerst der Wille dazu vorhanden sein. Dazu gehört, dass die Möglichkeiten, die vor allem das Internet bietet, auch nicht PC-affinen Bevölkerungsgruppen erklärt werden. Heutzutage wird es aber leider oftmals als ein wildes Land, dass von Kinderschändern und "Raubkopierern" besiedelt ist, dargestellt.

8. Wie steht Ihre Partei zum Zugangserschwerungsgesetz, mit dem potenziell gefährliche Webseiten gesperrt werden können?

Piraten: Wir sind der Meinung, dass ein solches Gesetz das Fundament für eine Zensurinfrastruktur im Internet erschafft, ohne dabei dem eigentlichen Ziel - nämlich der Bekämpfung der Kinderpornographie - auch nur annähernd gerecht zu werden. Die Lösung "Löschen statt sperren" hat sich als deutlich effektiver herausgestellt, da alle Provider auf einen Hinweis, ihre Rechner würden für Kinderporno missbraucht, prompt reagieren und die Inhalte entfernen. Die "Sperre" lässt dagegen alle Inhalte im Netz und den Verbrechern freien Lauf - und ermöglicht gleichzeitig, in einem intransparentem Verfahren Bundesbürgern den Zugang zu irgendwie "unerwünschten" Inhalten zu blockieren.

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