Feel the Spiel

Special

Spiele steuern durch Geisteskraft: Kein Trick mehr, den nur Luke Skywalker kann. Es funktioniert. Die Aufzeichnungen eines Experiments.

Feel the Spiel Quelle: von Tobias Hartlehnert Im April 2006 meldeten die US-Unternehmen Neuro Sky und Cyber Learning spektakulär, »in wenigen Jahren« ein erschwingliches Gerät auf den Markt bringen zu wollen, mit dem wir Computerspiele mittels Gedanken steuern können. Dabei gibt es das schon!

Zwar nur mit einer einzelnen Steuerungs-Achse. Und ohne Übungsaufwand nicht zu gebrauchen. Auch liest es nicht tatsächlich Gehirnströme aus. Und ob der Preis von 255 € erschwinglich ist, darüber ließe sich streiten. Aber: es funktioniert!

Die Mind Games, ein Set aus zwölf Spielchen, nutzen ein Biofeedback-Verfahren. Mit dem PC über ein USB-Kabel verbunden, misst das dazugehörige Gerät namens »Mind Reflection« unsere Schwankungen zwischen Stress und Entspannung -- am Hautwiderstand. Entspannen wir, schließen sich die Poren. Regen wir uns auf, aktiviert Adrenalin die Schweißdrüsen, die Poren öffnen sich. Das Gerät ermittelt auch, wie leicht oder stark der Zustand uns gepackt hat. Mit Hilfe der Mind Games lernen wir dann, die Vorgänge aktiv zu kontrollieren. Durch Gedanken und Konzentration.

Gedanken-Torpedo

Wir steuern die Spielchen immer besser, indem wir aufbrausen oder zur Ruhe kommen wie auf Knopfdruck. Nachher sind wir mental Herr über jedes gegensätzliche Befehlspaar, das wir uns aussuchen, auch unter Druck: hoch und runter. Links und rechts. Schneller, langsamer. Mehr, weniger. Das ist übertragbar auf Unterhaltungsspiele, wenn die Entwickler mögen.

Für gute Spiele reicht zwar eine einzelne Steuerungs-Achse nicht aus. Weitere Achsen, die zusätzlich zu Joystick und Tastatur funktionieren, ohne eine Bedienung mit Fingern oder Füßen zu erfordern -- die bringen eine Menge neuer Möglichkeiten. Ideen: In Star Wars eine Todesstern-Mission, in der wir den Torpedo allein mit der Macht der Gedanken in den Schacht befördern. Wie passend! Eine Flugsimulation ohne Autopilot, in der wir voll konzentriert sind auf die Luftkämpfe, weil die Höhe der Maschine eine reine Gefühlssache geworden ist. Auf der Seite ein Aufkleber: »Freihändig, ihr Anfänger!« Oder intuitiv hoch- und runterschalten bei einem Autorennen, während die Gegner mit hakenden Schaltern kämpfen. Nur so Ideen. Gewitzte Entwickler hätten bessere.

Die Mind Games haben die Gedanken-Steuerung schon ein Stück wahr gemacht. Was fehlt, ist eine Unterstützung der Hardware in gängigen Computerspielen. Zum Nachvollzug die Aufzeichnungen unseres Experiments. Wie es ist, die Mind Games kennen zu lernen.

TAG 1: Ich bin, also spiele ich

Der zehnte Versuch mit den vier Grundübungen. Einer zu viel für meine Nerven. Es geht noch immer nichts. Der Ballon soll runter auf den Boden. Dazu muss ich locker sein. Eine Weile habe ich mich zusammengerissen. Jetzt fluche ich los, weil der Ballon ungerührt auf halber Höhe hängt, wie festgeklebt. Habe gute Lust, loszubrüllen, dass »ICH SEHR WOHL ENTSPANNT BIN!« Zische dann bloß zwischen den Zähnen durch -- geht ja um Selbstbeherrschung hier.

Dummer Versuch, den Ärger zu verstecken. Nützt natürlich nichts. Die Sensoren an meinen Fingern erkennen die Aufregung. Schwupp! Der Ballon weht hoch und höher! Raus dem Bild. Windgesäusel aus den Boxen klingt zu meiner Besänftigung. Ah, hassenswert! Trotzdem: durchatmen. Alle Sternenkrieger fangen klein an. Vertraue der Macht, Luke. Ich sage es mir sanft: »Ich bin ... ganz ruhig ... und werde ja noch viel ruhiger ... weiß ich bestimmt ...« Abwärtsbewegung des Ballons auf dem Monitor. »... und konzentriere mich, fokussiere auf den Punkt, ja, gleich, schön wieder rein ins Bild und dann landen ... jaaa ... gleeeich ... ja! ... NEIN! ... VERFLIXTER MISTBALLON DU, HIMMEL ICH HASSE DICH SO SEHR VERRECKE DOCH PLATZ AUSEINANDER AAAH!«

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