Erst gescheitert, später gut: Wieso auch für Cyberpunk 2077 noch Hoffnung besteht ...
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Zum Start stand Cyberpunk 2077 unter dem Motto "Pleiten, Pech und Pannen". Doch es besteht noch Hoffnung für das Rollenspiel-Epos von CD Projekt Red. Glaubt ihr nicht? Dann lest unseren Report über Spiele, die dank Patches und viel harter Entwicklerarbeit ihre zweite Chance genutzt haben. Mit Video!
Abstürze, Programmfehler und Grafikprobleme: Zum Start war die Konsolenversion von Cyberpunk 2077 ein einziges Trümmerfeld. Manche Spieler hatten Glück und kamen ohne Schwierigkeiten durch das Science-Fiction-Rollenspiel. Andere wiederum beklagten sich über die pure Unspielbarkeit des Action-Abenteuers. Entwickler CD Projekt Red räumte in der Folge persönliche Fehlentscheidungen, mangelhafte Planung und Missmanagement ein. Der Start stürzte die The-Witcher-Macher in eine schwere Krise, die nicht nur Sammelklagen nach sich zog, sondern auch massive Auswirkungen auf den Aktienkurs des Unternehmens hatte.
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Kein Wunder, dass man in Warschau nun um Schadensbegrenzung bemüht ist. Für Cyberpunk 2077 arbeitet das polnische Studio bereits fieberhaft an regelmäßigen Patches, um das Spielerlebnis zu verbessern. Das Next-Generation-Upgrade für Playstation 5 und Xbox Series X/S lässt allerdings noch bis zur zweiten Jahreshälfte 2021 auf sich warten. Trotzdem: CD Projekt Red gibt Cyberpunk 2077 (jetzt kaufen ) so schnell nicht auf und ist damit nicht der einzige Entwickler, der auch nach dem Release eines Spiels "nachsitzen" muss.
Das Nachbessern fehlerhafter Produktionen ist inzwischen längst keine Seltenheit mehr. Es beginnt bei üppigen Day-One-Patches und endet schließlich in der kompletten Neuausrichtung ganzer Projekte. Soll heißen: Auch für die Konsolenversion von Cyberpunk 2077 stirbt die Hoffnung zuletzt. Das haben noch krassere Beispiele aus der Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt.
Fortnite: Vom Problemkind zum Marktführer
Quelle: Zenimax Online
Als The Elder Scrolls Online 2014 erschien, litt das Online-Rollenspiel unter müdem Missionsdesign und allerlei Kinderkrankheiten. Dank stetiger Patches und Content-Updates wurde daraus aber ein MMORPG-Dauerbrenner.
Fortnite war nicht immer der Battle-Royale-Riese, den wir heute kennen. Bevor das Spiel nämlich Milliardenumsätze generierte, geriet Entwickler Epic Games aufgrund der eigenen Ambitionen beinahe ins Straucheln. Erste Konzepte entstanden bereits 2011 während eines Game Jams. Früh war klar, dass man Action- und Bau-Elemente zusammenbringen wollte. Doch der Weg zum fertigen Konzept war lang, und selbst nach dem Release des Spiels gab es massive Probleme.
Während der Entwicklung etwa wechselte Epic Games von der Unreal Engine 3 auf die Unreal Engine 4, verpasste dem Spiel zusätzliche Rollenspielelemente und stellte sogar den Grafikstil von dunkel-düster auf den heute charakteristischen Comic-Look um. Der Einstieg des chinesischen Investors Tencent bei Epic Games sorgte zudem für Unruhen im Unternehmen, der den Abgang namhafter Führungskräfte wie Cliff Bleszinski nach sich zog.
Zum Release der Early-Access-Version am 25. Juli 2017 erntete Fortnite: Rette die Welt lediglich durchwachsene Kritiken. So lobten die Tester zwar die Präsentation des Spiels, jedoch war das Koop-Gameplay längst nicht so innovativ wie erhofft und lief dem damals erstarkten PUBG hinterher. Einige Patches und der Release von Fortnite: Battle Royale (26. September 2017) später, avancierte das Online-Actionspiel für Epic Games zur virtuellen Goldgrube. 2018 bescherte der Battle-Royale-Hit dem US-Unternehmen einen Gesamtumsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar, 2019 waren es immerhin noch 1,8 Milliarden Dollar. Dank regelmäßiger Patches und starkem Games-as-a-Service-Charakter ist Fortnite inzwischen eine der stärksten Marken der Spieleindustrie und längst ein Teil der Popkultur.
No Man's Sky im freien Fall!
Einen ähnlich rigorosen Weg ging auch der britische Entwickler Hello Games mit No Man's Sky. Wie bei Cyberpunk 2077 entstand um das Weltraumerkundungsspiel ein enormer Hype, der bereits im Vorfeld durch Firmengründer Sean Murray, eine (zu) euphorische Berichterstattung in der Fachpresse und diverse Marketing-Tricks generiert wurde. No Man's Sky wurde als "das letzte Spiel, dass ihr jemals spielen müsst" angekündigt. Gigantisch groß, abwechslungsreich und kreativ - so sollte das Erleben und Erforschen der zufällig generierten Planeten sein.
Quelle: Sony
Zu viel versprochen! Der Hype wurde auch dem Weltraumspiel No Man's Sky zum Verhängnis. Zum Start erntete Entwickler Hello Games massive Kritik für fehlende Funktionen und schwaches Gameplay. Heute kann sich das Spiel dank zahlreicher Updates wirklich sehen lassen.
No Man's Sky erschien am 6. August 2016 und scheiterte am eigenen Hype. Das Science-Fiction-Abenteuer konnte zum Start kaum eine der Versprechungen einhalten, und wie sich später herausstellte, waren zuvor präsentierte Inhalte gar nicht enthalten. Die Erkundung der Galaxie entpuppte sich für die meisten Spieler als monoton und langweilig. Das wiederum sorgte innerhalb der Community für eine ganz ähnliche Reaktion wie zuletzt bei Cyberpunk 2077: Es hagelte massive Kritik. Schlimmer noch: Es folgten sogar Mord- und Gewaltandrohungen in Richtung von Hello Games. Der Hype zeigte hier einmal mehr seine Schattenseiten.
Umso bemerkenswerter, dass das Team hinter No Man's Sky nicht einfach den Kopf in den Sand steckte, sondern an dem Projekt weiterarbeitete. Selbst Sean Murray hielt sich nach Release merklich auf Social Media zurück, gab aber später zu, dass man das Interesse an No Man's Sky unterschätzt habe. Große Updates wie der bereits kurz nach dem Launch veröffentliche Foundation-Patch erweiterten No Man's Sky Stück für Stück um neue Features. Und mit dem im Sommer 2018 - also zwei Jahre nach dem ursprünglichen Release - veröffentlichten NEXT-Update kam auch endlich die längst versprochene Multiplayer-Komponente ins Spiel. Zuletzt veröffentlichten die Briten mit dem Next-Generation-Update ein frisches Grafik-Gerüst für PC, Playstation 5 und Xbox Series X/S. Löblich: Sämtliche Updates waren für Besitzer des Spiels kostenlos.
Quelle: Microsoft
Halo: The Master Chief Collection von 2014 sollte eigentlich der Traum aller Halo-Fans sein. Jedoch kämpfte das Spiel anfangs noch mit Server-Problemen und jeder Menge Bugs. Erst mit der Zeit wurden diese Schwierigkeiten beseitigt.
Auch wenn No Man's Sky längst noch nicht perfekt ist und allein aufgrund der schieren Größe des Spiels noch allerhand Fehler aufweist, so ist dessen Entwicklung beeindruckend. Das zeigt sich übrigens auch bei den User-Ratings: Im Oktober 2016 war No Man's Sky noch eines der von Steam-Nutzern am schlechtesten bewerteten Spiele überhaupt. Inzwischen fallen die Rezensionen immerhin "ausgeglichen" aus, und kürzlich erfolgte Meldungen sind sogar überwiegend "sehr positiv".
Auf den Kopf gestellt
Gerade Online-Spiele machen oftmals eine faszinierende Entwicklung durch. Sie präsentierten sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren als lebendiger Software-Organismus, der von Patches und Upgrades profitieren, aber auch verschlimmbessert werden kann. Eine positive Entwicklung nahm seinerzeit das MMORPG Final Fantasy 14. Square Enix kündigte das Spiel bereits 2009 an. Jedoch zeigten bereits die frühen Alpha-Test- und Beta-Phasen, dass es Probleme bei der Entwicklung gab. Als Final Fantasy 14 schließlich im September 2010 offiziell an den Start ging, hagelte es negative Kritiken von Presse und Spielern.
Quelle: Square Enix
In seiner ersten Version war das Online-Rollenspiel Final Fantasy 14 eine Katastrophe. Erst eine rigorose Patch-Politik und der Neustart als A Realm Reborn brachten den Erfolg.
Nach kurzer Zeit folgte die offizielle Entschuldigung seitens Square Enix, zudem wurden innerhalb des Projekts personelle Konsequenzen gezogen. Naoki Yoshida, der zuvor als Chefentwickler an Dragon Quest 10 gearbeitet hatte, übernahm das Ruder. In einer Doppelfunktion als Producer und Director erstellte er eine Liste an Schwachstellen und legte fest, wie man diese in Zukunft angehen würde. Die Kommunikation mit der Community wurde durch einen Newsletter befeuert. Zeitgleich schraubte das Team intern an den Altlasten der früheren Produktion und an Version 2.0, die im August 2013 unter dem Namen A Realm Reborn erschien. Bereits im Juli 2011 veröffentlichte Square Enix ein erstes Update, das beispielsweise das kritisierte Kampfsystem anpasste.
Das parallele Weiterentwickeln des bestehenden Spiels und des Nachfolgemodells stellte das gesamte Team vor eine harte Probe. Jedoch waren diese Mühen von Erfolg gekrönt: Am 11. November 2012 schloss Square Enix die Server der Originalversion, garantierte Usern aber den Charaktertransfer und eine kostenlose Version von A Realm Reborn. Nach einer längeren Testphase ging der Quasi-Nachfolger im November 2013 an den Start und ist seitdem aus dem MMORPG-Universum nicht mehr wegzudenken. Die Entwicklung von Final Fantasy 14: A Realm Reborn zeigte zwei Patch-Modelle: das Ausbessern bestehender Schwächen mithilfe regelmäßiger Updates sowie den kompletten Umbau eines Spiels im Hintergrund.
Quelle: Warner Bros.
Die PC-Version von Batman: Arkham Knight war zum Start im Juni 2015 derart unvollständig und kaputt, dass Warner Bros. das Spiel zwischenzeitlich aus dem Verkauf nahm und Kunden ihr Geld zurückgab. Erst nach der Neuveröffentlichung war das Action-Abenteuer vernünftig spielbar.
Die Herausforderungen von Online-Spielen
Final Fantasy 14 und No Man's Sky zählen sicherlich zu den bekanntesten Online-Spielen, die anfangs scheiterten und erst später ihren Erfolg fanden. Aber es gibt noch viele andere Kandidaten. Grand Theft Auto Online etwa ist heute eines der beliebtesten und besten Multiplayer-Actionspiele und bietet unglaubliche Freiheiten. Das war aber nicht immer so.
GTA Online startete am 1. Oktober 2013 auf Playstation 3 und Xbox 360, also nur zwei Wochen nach Grand Theft Auto 5. Und der Beginn war hart: Abstürze, Server-Probleme, verschwundene Speicherdaten und andere Bugs zerstörten den Spielspaß. Entwickler Rockstar Games legte nach und schob ein Update nach dem anderen hinterher, postete Blog-Einträge und entschädigte Spieler, die seit dem Launch dabei waren, mit 500.000 Ingame-Dollars. Mit der Zeit rückten diese Startprobleme in den Hintergrund, und spätestens mit der Einbindung der Heists avancierte GTA Online zu dem Spiel, das sich viele von dieser Marke erwartet hatten.
Quelle: Take Two Interactive
Kaum zu glauben, aber wahr: Selbst GTA Online hatte mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem die Online-Infrastruktur und der mangelnde Content machten dem Spiel zu schaffen.
Gescheiterte Existenzen?
Quelle: Ubisoft
Das Kampfspiel For Honor besaß eine interessante Grundidee, wurde jedoch zum Start von Bugs und Balancing-Problemen geplagt. Auch hier legte Ubisoft regelmäßig nach und lieferte neben zusätzlichem Content neue Funktionen.
Wo wir gerade bei großen Games-Marken sind: Diablo 3 floppte zwar zum Start nicht unbedingt, konnte aber viele treue Fans der Reihe nicht vollends überzeugen. Das lag vor allem an dem recht geringen Umfang, aber auch an Online-Problemen und dem integrierten Auktionshaus. In diesem konnte man nämlich Gegenstände gegen Echtgeld einkaufen. Blizzard wiederum holte sich davon noch einen gewissen Anteil und hatte so einen lukrativen Nebenverdienst. Das Ganze hebelte jedoch die Loot-Mechanik hinter Diablo 3 gnadenlos aus und wirkte sich extrem negativ auf die Motivation der Spieler aus. Blizzard schaffte das einen Monat nach dem Release des Spiels im Mai 2012 gestartete Auktionshaus zwei Jahre später ab. Das kurz darauf veröffentlichte Add-on Reaper of Souls schaffte zumindest in Sachen Spielumfang ein wenig Abhilfe.
An dieser Stelle müssen wir aber natürlich noch eine Reihe weiterer Titel nennen, die zum Launch scheiterten und später noch zu spielbaren Vertretern ihrer Zunft heranwuchsen. Ubisoft kämpfte beispielsweise zum Start von Assassin's Creed Unity im November 2014 mit einer ganzen Reihe von Fehlern. Uns allen jagt die Erinnerung an fehlende Gesichter noch immer Schauer über den Rücken. Wer sich heute Unity kauft, bekommt indes ein solides Assassin's Creed für sein Geld. Gleiches gilt übrigens für das Schwertkampfspiel For Honor (2016), das zum Start noch an Verbindungsproblemen, Balancing-Schwierigkeiten und einem demotivierenden Upgrade-System krankte. Hier brachten ebenfalls regelmäßige Patches mit neuen Funktionen und ein starker Support-Fokus Besserung. Selbst Halo: The Master Chief Collection (2014) stolperte zu Beginn über Bugs, Server-Abbrüche und andere Schwierigkeiten. Die Fangemeinde tobte, ehe Microsoft über die Monate mit steten Patches die Wogen glättete.
Keine Allzwecklösung
Quelle: Blizzard
Diablo 3 war kein Flop, aber auch nicht perfekt. Gerade das Echtgeld-Auktionshaus schadete der Spieldynamik merklich, weshalb Blizzard es zwei Jahre nach Release aus dem Action-Rollenspiel entfernte.
Zum Ende dieses Artikels möchten wir eine Sache noch klarstellen: Auch wenn Patches ein zu Beginn kaputtes oder unvollständiges Spiel retten können, so darf dies nur in Ausnahmefällen geschehen. Das nachträgliche Überarbeiten fehlerhafter Titel ist eine absolute Notlösung und sollte daher nur in schwerwiegenden Fällen à la Cyberpunk 2077 zum Einsatz kommen.
Das Veröffentlichen eines unfertigen Produkts ist trotz nachträglicher Korrekturoptionen zu keinem Zeitpunkt zu entschuldigen und zerstört das Vertrauensverhältnis zwischen Community und Spieleentwickler. Zugleich bedeutet dieser Prozess auch mehr Stress und Arbeit für die Studios, die ohnehin schon viel zu oft an Überstunden und Crunch zu leiden haben. Kurzum: Vorschnell veröffentlichte Spiele werden letztlich zu einer Belastungsprobe für alle Beteiligten.
Im Falle von Cyberpunk 2077 waren sicherlich - ähnlich wie bei The Witcher 3: Wild Hunt - auch nach dem Release noch Optimierungsarbeiten geplant. Dass man aber derart viele Fehler beheben müsste, war so aber garantiert nicht gedacht. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser zusätzliche Aufwand für alle Parteien ein positives Resultat nach sich zieht. Cyberpunk 2077 ist ein tolles Spiel und wird sein Potenzial in einigen Monaten hoffentlich auch auf den Konsolen ausschöpfen können.
