Cyberpunk 2077 in der E3-Vorschau: Das Rollenspiel endlich in Aktion gesehen

Special Matthias Dammes
Cyberpunk 2077 in der E3-Vorschau: Das Rollenspiel endlich in Aktion gesehen
Quelle: CD Projekt Red

Endlich haben wir Cyberpunk 2077 in Aktion gesehen. Auf der E3 2018 führte CD Projekt Red fast eine Stunde lange durch die aufregende Welt von Night City. Was wir dort zu sehen bekamen, lest ihr hier in der Vorschau direkt von der Messe.

Mehr als fünf lange Jahre nach der ersten Ankündigung von Cyberpunk 2077 (jetzt kaufen ) ist die Funkstille endlich vorüber. Pünktlich zur E3 2018 fühlten sich die Entwickler von CD Projekt Red sicher genug, um ihr erstes Rollenspiel-Projekt nach der erfolgreichen Zeit mit dem Witcher endlich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am ersten Messetag hatten wie die Gelegenheit, einer fast einstündigen Präsentation beizuwohnen, in der uns der Titel sehr ausführlich vorgespielt wurde.
Protagonist V kann sowohl männlich als auch weiblich sein. Im umfangreichen Charakter-Editor erstellt jeder seinen eigenen Helden. Quelle: CD Projekt Red Protagonist V kann sowohl männlich als auch weiblich sein. Im umfangreichen Charakter-Editor erstellt jeder seinen eigenen Helden.
Der Spieler schlüpft in Cyberpunk 2077 in die Rolle von V. Bis auf den Namen ist der Charakter jedoch nicht fest vorgegeben. Vor Spielstart erstellt ihr euch einen ganz eigenen Cyberpunk-Charakter. Neben der Wahl des Geschlechtes stehen dabei zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zu Release soll der Editor auch die Zusammenstellung einer eigenen Hintergrundgeschichte ermöglichen. Während der Charaktererstellung werden auch die Startwerte für sechs Attribute festgelegt. Eine Klasse wählt ihr dagegen nicht, denn das Spiel verfügt über ein offenes Klassensystem, in dem je nach den eigenen Vorlieben Fähigkeiten und Perks erlernt werden können.

Rollenspiel mit FPS-Look

Auch wenn es sich bei Cyberpunk 2077 um ein Rollenspiel handelt, erleben wir das Geschehen aus der Ego-Perspektive. Die Entwickler möchten den Spieler noch intensiver in die Action einbeziehen. Euren Charakter seht ihr daher nur in den schick inszenierten Zwischensequenzen von außen. Das ist für ein Spiel mit individuellem Charakter zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, passt aber sehr gut zum Kampf-Gameplay, bei dem hauptsächlich Schusswaffen zum Einsatz kommen.

Trotz Schusswaffen ist Cyberpunk 2077 ein Rollenspiel, in dem Ausrüstung, Charakterwerte und Skills maßgeblich über die Kampfperformance entscheiden.  Quelle: CD Projekt Red Trotz Schusswaffen ist Cyberpunk 2077 ein Rollenspiel, in dem Ausrüstung, Charakterwerte und Skills maßgeblich über die Kampfperformance entscheiden.  Die vorgeführte Demo beginnt dann auch gleich mit einigen heftigen Feuergefechten. Zusammen mit dem Söldner Jackie kämpft sich Protagonist V durch eine Basis von Scavengern auf der Suche nach einem entführten Mädchen, das die beiden retten sollen. Die in der Demo gespielte Version von V setzt dabei vor allem auf ihre treue Pistole und einige wirklich coole Fähigkeiten. So kann sie im "Max Payne"-Stil eine Art Bullet-Time verwenden und stylisch über den Boden rutschen und dabei noch Gegner aufs Korn nehmen.

Als sie die Zielperson schließlich schwer verwundet antreffen, wird auch gleich wieder deutlich, dass CD Projekt Red Spiele für Erwachsene entwickelt. Das Entführungsopfer liegt nämlich nackt in einer Badewanne und das Spiel versucht in keiner Weise diesen Umstand zu verbergen. Nach der Mission sehen wir V nach einer offenbar ereignisreichen Nacht in ihrem Bett mit einem Callboy aufwachen. Das Apartment der Protagonistin dient allerdings nicht nur zum nächtlichen Dampf ablassen. Hier hat der Spieler zum Beispiel Zugriff auf persönliche Nachrichten, eine eigene Waffenkammer und Outfits.

Lebendig und Interaktiv

Schließlich betritt V die Straßen von Night City. In der Megastadt, im Norden Kaliforniens gelegen, haben mächtige Unternehmen das Sagen. Auf den Straßen regiert jedoch vor allem Gewalt und Verbrechen. Die Stadt ist unterteilt in sechs Bezirke, die jeweils ihr ganz eigenes Flair haben. Da ist zum Beispiel das glänzende City Center, das Zentrum der Macht der Unternehmen und des Luxus. Dem gegenüber steht Pacifica, der wohl gefährlichste Ort der Stadt, wo die Ärmsten der Armen leben und Gangs das tägliche Leben bestimmen.

Night City ist riesig. Ein fahrbarer Untersatz zur Fortbewegung ist da nicht verkehrt. Quasi eine Plötze der Zukunft. Quelle: CD Projekt Red Night City ist riesig. Ein fahrbarer Untersatz zur Fortbewegung ist da nicht verkehrt. Quasi eine Plötze der Zukunft. Den Entwicklern war es vor allem wichtig, eine lebendige Welt zu erschaffen. Dazu haben sie ihre Community- und Crowd-Systeme überarbeitet, um noch realistischeres Verhalten auf den Straßen zu simulieren. In der Demo sah das auch schon verdammt gut aus. Besonders die schiere Menge an NPCs, die sich in Night City tummeln und ihren Beschäftigungen nachgehen, beeindruckt. Die Umgebung ist dazu auch noch hoch interaktiv. So können wir mit einem Werbebanner interagieren, das uns dann den Weg zur nächstmöglichen Verkaufsstelle des beworbenen Produktes lotst.

Um die Stadt zu erkunden, schwingt sich V hinter das Steuer verschiedener Fahrzeuge. Diese können sowohl aus der Cockpit- als auch aus der Verfolger-Perspektive gesteuert werden. Die Autos sind jedoch nicht nur Fortbewegungsmittel. So kommt es in der E3-Demo auch zu einem kurzen Scharmützel mit Scavengers, während wir mit einem Affenzahn durch die Stadt rasen. V lehnt sich aus dem Fenster, um die Gegner aufs Korn zu nehmen, während der Wagen selbstständig der Straße folgt.

Robodoc

Für ihren nächsten Einsatz trifft sich V jedoch erst einmal mit Dexter Deshawn, einem der höheren Tiere aus der Unterwelt von Night City. Sie und ihr Kumpel Jackie versuchen nämlich in die wirklich dicken Geschäfte vorzudringen. Um sich das Vertrauen entsprechender Kreise zu sichern, werden sie zunächst auf eine Mission geschickt, bei der sie sich beweisen sollen. Anhand dieses Auftrags demonstrieren uns die Entwickler die spielerische Freiheit und die Konsequenzen von Entscheidungen, die eine enorme Rolle spielen werden.

Ripperdoc Victor versorgt unseren Protagonisten mit dem Neuesten vom Neuen auf dem Implantate-Markt. Quelle: CD Projekt Red Ripperdoc Victor versorgt unseren Protagonisten mit dem Neuesten vom Neuen auf dem Implantate-Markt. Zunächst sucht V jedoch den Ripperdoc ihres Vertrauens auf. Diese offiziellen und inoffiziellen Spezialisten sind der erste Anlaufpunkt, wenn es darum geht, den eigenen Körper mit neuen kybernetischen Verbesserungen auszustatten. So lässt sich V in unserer Demo zum Beispiel ein künstliches Auge einsetzen, mit dem sie ab sofort an Objekte nach Belieben heranzoomen kann. Außerdem ist der neue Sehapparat mit einer Scanfunktion ausgestattet, mit der sich hilfreiche Informationen über Umgebung und Personen sammeln lassen.

So findet die Charakterentwicklung in Cyberpunk 2077 nicht nur über klassisches Freischalten von Fähigkeiten, sondern auch über die verbauten Implantate statt. Hierbei trifft der Spieler bereits wichtige Entscheidungen, die sein weiteres Vorgehen bestimmen . Hat man zum Beispiel einen fortgeschrittenen Hack-Skill, öffnen sich andere Wege, während ein Protagonist, der eher auf Ingenieurs-Fähigkeiten setzt, andere Pfade einschlagen kann.

Eine Frage der Herangehensweise

Aber auch in den Interaktionen mit NPCs werden natürlich wichtige Entscheidungen getroffen. So gibt Vs Auftraggeber Dexter zum Beispiel einen Hinweis auf eine Agentin der mächtigen Militech-Corporation, die es ebenfalls auf den Feind unserer aktuellen Mission abgesehen hat. Als Spieler gilt es nun zu entscheiden, ob man sich auf so einen gefährlichen Verbündeten einlässt. Die Entwickler kontaktieren die Agentin und machen einen Treffpunkt aus. Dort kommt es wieder zu einigen Entscheidungen, aber mit ein wenig Verhandlungsgeschick steht V jetzt auch ein vermeintlich gewaltfreier Weg zu ihrem Missionsziel offen.

Zusammen mit Jackie begibt sich die Protagonistin zum Unterschlupf der feindlichen Maelstrom-Gang, einer Gruppe Cyber-Fanatiker, die Transporter der Unternehmen überfallen und die erbeutete Technik verkaufen. V soll von ihnen einen bestimmten Roboter besorgen. Zunächst versuchen die Entwickler den friedlichen Ansatz, in dem sie die Möglichkeiten nutzen, die sich durch die Verhandlung mit der Militech-Agentin ergeben haben. Der Deal scheint auch problemlos über die Bühne zu gehen, bis sich herausstellt, dass auch V und Jackie reingelegt wurden.
Meredith Stout, skrupellose Agentin von Militech. Mit wem man sich einlässt und welche Risiken man dabei eingeht, muss der Spieler entscheiden. Quelle: CD Projekt Red Meredith Stout, skrupellose Agentin von Militech. Mit wem man sich einlässt und welche Risiken man dabei eingeht, muss der Spieler entscheiden.

Um die Ecke ballern

Im nun ausbrechenden Feuergefecht demonstrieren die Entwickler noch ein paar wirklich coole High-End Waffen und Fähigkeiten, auf die sich Spieler im fortgeschrittenen Spiel freuen können. So gibt es zum Bespiel einen Ricochet-Targeting-Skill, mit dem Gegner quasi über Bande durch Abpraller an Wänden beschossen werden können. Gut, um Feinde in Deckung zu treffen, ohne die eigene Deckung aufzugeben. Ähnliches erreicht V auch mit speziellen Waffen, die zielsuchende Projektile abfeuern. Stehen solche Tricks einmal nicht zur Verfügung, um Gegner hinter Deckungen zu erreichen, kann man auch von dem zerstörbaren Gelände Gebrauch machen. Wir konnten zwar noch nicht richtig einschätzen, in welchem Umfang Schaden an der Umgebung möglich ist, einige zerbröselnde Säulen und andere Beschädigungen konnten wir aber beobachten.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, lassen sich Waffen und andere nützliche Gegenstände häufig bei besiegten Gegnern oder in Kisten finden. Die Auswahl an Schießprügeln soll sehr umfangreich ausfallen. Zusätzlich lassen sich die Waffen noch umfangreich modifizieren und individualisieren. V kann sich aber auch in den Nahkampf begeben. Dazu nutzt die Protagonistin die bereits aus dem ersten Teaser-Trailer von vor fünf Jahren bekannten Klingen in ihren künstlichen Armen. Diese dienen nicht nur dazu, Gegner spektakulär niederzustrecken, sondern können auch genutzt werden, um sich zum Beispiel an Wänden festzukrallen.

Zum Ende der vorgeführten Demo wartet noch ein Bosskampf auf V. Royce, der Anführer der Maelstrom-Gang hat sich einen mächtigen Exo-Suit angeschnallt und stellt damit eine ernsthafte Bedrohung dar. Um dem starken Gegner überhaupt Schaden zuzufügen, muss erstmal ein Schild zerstört werden, der nur auf der Rückseite des Suits zu treffen ist. Wohl dem, der über nützliche Fähigkeiten wie Bullet Time verfügt, die dabei helfen, die Rückseite des Gegners anzugreifen! Doch die Mission wird erfolgreich beendet und die Entwickler versichern uns, dass dies nur eine von vielen verschiedenen Möglichkeiten war, wie diese Situation hätte verlaufen können.

Auch wenn wir gerne selbst Hand angelegt hätten, um zum Beispiel noch besser beurteilen zu können, wie sich der Kampf anfühlt, hat die erste Gameplay-Präsentation das große Potential des Spiels gezeigt. Ob wirklich alles Gold ist, wie es derzeit glänzt, finden wir hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft beim ersten eigenen Spielen heraus. Offen ist weiterhin die Frage, wann Cyberpunk 2077 denn endlich erscheint. Bisher nennen die Entwickler von CD Projekt Red noch nicht einmal ein Release-Jahr. Sie betonen dafür immer wieder, dass noch viel zu tun sei. Selbst eine Veröffentlichung 2019 ist damit noch nicht sicher.

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