Crysis Remastered für Switch: Technikwunder für unterwegs?
Test 9,88 €
Die Switch hat ihren nächsten "unmöglichen Port": Crysis sorgte vor 13 Jahren für Staunen, nun ist der Shooter auch auf der tragbaren Nintendo-Konsole spielbar. Die Technik begeistert, zeigt aber auch Schwächen - wie die sich auswirken und ob Crysis heute überhaupt noch mithalten kann, klären wir im Test.
Neue Maßstäbe setzen, Grenzen verschieben - das gelingt nur den wenigsten Spielen. Cryteks Shooter aus dem Jahr 2007 war so ein Fall. Mit detailverliebten Dschungelwelten und taktischem Nanosuit-Gameplay schickte Crysis frische Impulse durchs Genre, doch der eigentliche Star war die umwerfende Technik, mit der das Spiel meilenweit an der Konkurrenz vorbei zog. Der Fortschritt hatte jedoch seinen Preis: Wer die Tropenschlacht in voller Pracht erleben wollte, kam um teure Hardware nicht herum, ohne Top-Rechner musste man viele Details reduzieren. Dafür kann sich die Optik von Crysis selbst heute noch (!) in vielerlei Hinsicht sehen lassen.
Nun, fast 13 Jahre nach dem PC-Original, kehrt Crysis mit einer "Remastered"-Fassung aus der Versenkung zurück. Die Neuauflage erscheint zwar für alle Plattformen, feiert ihr Debüt aber ausgerechnet auf der Nintendo Switch, die im Vergleich die geringste Rechenpower mitbringt. Für die Umsetzung zeichnet jedoch Saber Interactive verantwortlich, die schon mit The Witcher 3 einen Switch-Port gebaut haben, den viele für unmöglich hielten. Die Preisfrage lautet also: "Can it run Crysis?" Wir wollten es herausfinden - und haben die Neuauflage auf der Switch komplett durchgespielt.
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Quelle: PC Games
Lautlose Takedowns gibt es nicht. Ihr könnt Gegner lediglich mit einer Hand packen und von euch wegschleudern.
Für Crysis ist es übrigens nicht der erste Konsolenausflug. Schon 2011 wurde der Shooter für die Xbox 360 und PS3 umgesetzt, wenn auch grafisch deutlich abgespeckt und mit heftigen Performance-Einbußen. Diese Fassung dient offenbar auch als Grundlage für den Switch-Remaster, das heißt: Der Multiplayermodus fehlt hier komplett, außerdem wurde die kurze Flug-Mission "Ascension" ersatzlos gestrichen. Ansonsten gibt's aber das volle Einzelspieler-Paket, das euch acht bis zehn Stunden lang beschäftigen dürfte - das geht in Ordnung, auch wenn der Preis mit rund 30 Euro für unseren Geschmack ein bisschen zu hoch angesetzt ist.
Zwischenfall im Paradies
Erwartet von Crysis keine große Erzählkunst: Als US-Elitesoldat werdet ihr auf einer fiktiven Tropeninsel abgesetzt, die von der Nordkoranischen Befreiungsarme (KVA) erobert wurde. Es folgen jede Menge Schießereien, Schleicheinlagen, Rettungsmissionen, Verfolgungsjagden und sogar Panzergefechte - bis ihr auf eine verborgene Alien-Präsenz unter der Inseloberfläche stoßt, die prompt damit beginnt, das Inselparadies in eine Eiswüste zu verwandeln.
Quelle: PC Games
Trotz mäßiger Performance brennt Crysis auch auf der Switch ein gelungenes Action-Feuerwerk ab.
Das alles ist weder originell noch überraschend, die Motive der Aliens bleiben im Dunkeln und die meisten Nebenfiguren (insbesondere der Oberschurke der Nordkoreaner) könnten kaum belangloser sein. Immerhin sind aber einige Ingame-Zwischensequenzen spannend inszeniert, die Musikuntermalung ist stimmig und die deutschen Sprecher überzeugen, da kommt auch auf der Switch ordentlich Atmosphäre auf.
Taktik trifft Action
Wo die Story schwächelt, überzeugt das Gameplay nach wie vor. Crysis mixt wuchtige Action auf clevere Weise mit taktischen Elementen, denn Nomad trägt einen hochentwickelten Nanosuit, der ihm übermenschliche Fähigkeiten verleiht: Gesteigertes Tempo und Körperkraft, Panzerung gegen Beschuss und ein Tarnmodus, mit dem ihr euch anschleichen oder Gegner einfach umgehen könnt, kommen pausenlos zum Einsatz. Anders als im Original müsst ihr aber nur noch Tarnung und Panzermodus manuell aktivieren, die anderen Fähigkeiten werden einfach bei Bedarf ausgelöst. Das spielt sich intuitiv und fühlt sich selbst nach 13 Jahren noch klasse an, auch wenn Crysis sein Alter hier und da nicht verbergen kann: Nomad zieht sich beispielsweise immer noch nicht an Kanten rauf, im Stealth gibt es keine lautlosen Nahkampfkills und Munition muss von Hand aufgesammelt werden. Das haben die Nachfolgerspiele besser hinbekommen. Immerhin hat die Switch-Umsetzung aber eine optionale Gyro-Bewegungssteuerung an Bord, die euch das Zielen erleichtern soll - eine Geschmacksfrage.
Die Waffenauswahl fällt allerdings ziemlich dünn aus: Nur zwei automatische Gewehre, eine MP, eine Shotgun, Pistolen und zwei Scharfschützengewehre begleiten euch durch den Großteil des Spiels, das ist überschaubar. Dickeres Kampfgerät wie Raketenwerfer, Minigun oder eine Alien-Wumme kommt dafür nur selten zum Einsatz und montierte Geschütze lassen sich leider auch nicht mitnehmen. Schade, dass die Remastered-Fassung hier nichts Neues auf Lager hat.
Offenes Leveldesign
Eine der größten Stärken von Crysis kommt aber auch auf der Switch voll zum Tragen: Obwohl es sich nicht um einen Open-World-Shooter handelt, geben euch die Leveldesigner viele Freiheiten, um eure Missionsziele in den weitläufigen Dschungelumgebungen zu erreichen. Ihr könnt euch beispielsweise in Rambo-Manier durch feindliche Wachposten und Patroullien ballern, oder aber ihr schleicht einfach im Tarnmodus durchs Gebüsch und geht unnötigen Auseinandersetzungen aus dem Weg. Alternativ könntet ihr auch einen Jeep erbeuten und die feindlichen Stellungen buchstäblich damit überrollen. Oder aber ihr schwimmt einfach um die halbe Insel herum, vermeidet den direkten Weg und greift eine Stellung lieber geschickt über einen Seitenpfad an.
Quelle: PC Games
Wenn die Gegner-KI nicht gerade üble Aussetzer zeigt, gehen die feindlichen Soldaten ziemlich clever vor.
Auch die Gegner agieren angenehm frei und schicken beispielsweise Suchtrupps los, wenn ihr einen Stützpunkt aus der Ferne angreift. Außerdem rufen sie Verstärkung und suchen gezielt die Umbegung ab, während wir im Tarnmodus auf die richtige Gelegenheit lauern. Das sorgt für Spannung. Allerdings zeigt die KI auch immer wieder deutliche Schwächen, beispielsweise wenn sie einen Soldaten nach dem nächsten losschickt, um eine Geschütz zu besetzen - für uns die perfekte Gelegenheit, um die Gegner nacheinander mit dem Sniper-Gewehr auszuknipsen. Auch Totalausfälle kommen vor, beispielsweise wenn Gegner inaktiv im Auto hocken bleiben, selbst wenn man ihnen auf die Motorhaube springt und in die Augen starrt.
Quelle: PC Games
Bestimmte Umgebungsobjekte - hier eine kleine Hütte - könnt ihr in Schutt und Asche legen.
Kleine Fehler, große Fehler
Im Test sind uns noch mehr Bugs aufgefallen, die auf das Endergebnis drücken. Beim Durchspielen ist uns Crysis Remastered (jetzt kaufen 34,99 € / 9,88 € ) insgesamt fünf Mal abgestürzt, was gerade angesichts der automatischen Checkpoints nervt, denn die liegen in manchen Levels einfach zu weit auseinander. Außerdem kam es gelegentlich zu Aussetzern beim Sound, etwa in Cutscenes, in denen die Sprachausgabe plötzlich fehlte oder versetzt zu den Lippenbewegungen abgespielt wurde. Hin und wieder sind uns auch flackernde Texturen und kleine Clipping-Fehler aufgefallen, einmal wurde sogar ein kleiner Innenraum nicht geladen, er ploppte erst beim Betreten ins Bild.
Nun lassen sich die meisten dieser Fehler eigentlich locker verschmerzen. In der Summe zeigen sie aber, dass Crysis Remastered etwas mehr Feinschliff vertragen hätte - da wäre ein Patch angebracht.
Quelle: PC Games
In den letzten Stunden kämpft ihr gegen gesichtslose Aliens, hier ist dann vor allem frontale Action angesagt.
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