Crime Life

Test

»Immer mitten in die Fresse rein«, sangen die Ärzte. Crime Life ist gewissermaßen das Spiel zum Lied. Hier geht's ausschließlich um sinnlose Gewalt und coole Typen in zu weiten Hosen.

Klassische Prügelspiele wie Double Dragon oder Streets of Rage waren zu Zeiten von Segas Master System und Mega Drive die absoluten Renner auf Konsolen. Am liebsten kooperativ zu zweit prügelten sich die Spieler durch seitlich scrollende Szenarien und verteilte blutige Nasen. Entwickler Hothouse Creations (Casino Inc.) versucht sich an einer Neuauflage der Simpelspiele, verfrachtet Crime Life aber in ein Szenario voller Hoods und Homies, wie wir es aus GTA San Andreas kennen -- und entweder lieben oder hassen.

Karriere machen

Sie spielen Tre, einen kleinen Straßenrowdy mit großen Ambitionen. In 15 Missionen arbeiten Sie sich zum gefürchteten Gangsterboss von Grand Central City hoch. Ihr Leben beginnt dabei mit einfachen Handlanger-Arbeiten für den Boss Ihrer Gang, den Outlawz: gewaschenes Geld zur Bank bringen, unkooperative Geschäftsleute einschüchtern, die feindliche Gang der Headhunterz aufmischen. Dazu scheuchen Sie Ihren Hip Hopper mit Tastatur und Maus durch die zehn Bezirke der virtuellen Metropole. Was Sie zu tun haben, kaut Ihnen die lineare Kampagne vor -- ein freies Spiel wie in GTA gibt es nicht.

Das braucht Crime Life aber auch nicht, denn hier geht's ums Prügeln. Mit der linken Maustaste starten Sie schwache Angriffe, mit der rechten gehen Sie härter zur Sache. Mit jedem Treffer laden Sie eine Energieanzeige für Spezialattacken auf, die Sie dann über Tastenkombinationen auslösen. Was zunächst nach grundsoliden Raufereien klingt, entpuppt sich in der Praxis als todlangweilige bis nervtötende Angelegenheit. Oft genug legen Sie sich nämlich mit gut zwei Dutzend Gegnern auf einmal an. Dazu gesellen sich Ihre persönlichen Bodyguards und, wenn Ihre Gang im entsprechenden Bezirk das Sagen hat, eine ganze Ladung schlagkräftiger Unterstützung. Das Ergebnis: heilloses Durcheinander. Kombo-Angriffe zu landen ist hier fast unmöglich, Sie hämmern einfach wild auf die Tasten. Nach gut und gerne zehn stupiden Kampfminuten ist dann alles vorbei, und Sie sind auf dem Weg zum nächsten Schlagabtausch.

Prügeln bis ins Grab

Von den schlecht aufgelösten Fototexturen auf den Köpfen der Gangster in übergroßen Hosen abgesehen, ist Crime Life zumindest technisch ansprechend präsentiert. Die Charaktere babbeln im besten amerikanischen Ghetto-Slang daher. Deutsche Sprachausgabe gibt es keine, aber übersetzte Untertitel. Die Schauplätze in Grand Central City sind vollkommen unterschiedlich gestaltet und decken vom luxuriösen Villenviertel über das obligatorische Ghetto bis zum versifften Knast alles ab, was das Gangster-Klischee hergibt. Das schließt hier allerdings auch sinnlose Gewalt mit ein. Unser Homie-Held darf die Gegner nämlich nicht einfach ausknocken, sondern muss sie töten. Dafür fielen den Entwicklern viele Varianten ein -- vom Genickbruch bis zum beherzten Fußstampfer ins Gesicht. Ob das geschmacklos ist oder ertragbar, das muss jeder für sich selbst entscheiden -- die USK-Einstufung »keine Jugendfreigabe« trägt Crime Life jedenfalls zu Recht.

David Bergmann

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