Der "Transporter" auf der Überholspur: Während Vin Diesel und The Rock noch immer nicht in den Action-Olymp aufgestiegen sind, etabliert sich Jason Statham nun endgültig als knallharter Hollywood-Hero
Besch...eidener könnte der Tag für Chev Chelios (Jason Statham) kaum beginnen: Mit Atemnot, Brummschädel und einem schlimmen Stechen in der Brust muss der Profikiller durch eine Videobotschaft erfahren, dass ein tödlicher chinesischer High-Tech-Cocktail in seinen Adern zirkuliert. Weil er bei seinem letzten Auftrag Mist gebaut hat, wurde er von Gangster Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) kurzerhand k.o. geschlagen und mit einer Synthetikdroge vergiftet, die den Adrenalinfluss hemmt und innerhalb von einer Stunde zum Tod führt.
Stirb langsamer
Aber Chev denkt gar nicht daran, einfach so den Löffel abzugeben und startet mächtig angepisst zu einem gnadenlosen Rachefeldzug. Nur gut, dass "Hausarzt" Doc Miles (Dwight Yoakam) das verabreichte Mittelchen kennt und auch gleich eine passende Strategie weiß: Um die tödliche Wirkung hinauszuzögern, muss Chev ständig in Bewegung bleiben und für immer heftigere Adrenalinschübe sorgen.
So schlägt sich der Todgeweihte auf der Suche nach seinem Mörder quer durch Los Angeles und hinterlässt dabei eine Spur der Verwüstung. Während die Medien schnell auf den "Amokläufer" anspringen und dadurch die Cops aufschrecken, muss Chev auch noch seiner naiven Freundin Eve (Amy Smart) verklickern, dass er in Wahrheit kein Spiele-Programmierer ist ...
Permanent am Anschlag
Mit "Crank" präsentieren Mark Neveldine und Brian Taylor endlich mal wieder einen Film, der ohne lange Erklärungen direkt zur Sache kommt, dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde keine Verschnaufpause gönnt und ein Tempo vorlegt, gegen das sogar "The Fast and the Furious" mit angezogener Handbremse fährt.
Das Drehbuch- und Regiedebüt wurde explizit auf den Briten Statham zugeschnitten und strotzt dabei nur so vor verrückten Ideen. Details zu verraten, würde den Spaß deutlich mindern. Stellen Sie sich auf wilde Verfolgungsjagden, Sex in der Öffentlichkeit und den Missbrauch verschiedenster Substanzen sowie eines Defibrillators ein.
Auch in optischer Hinsicht lassen die vielseitigen Filmtalente Neveldine und Taylor nichts anbrennen und verpacken die an sich konventionelle Rachestory in eine visuelle Tour de Force, die von aberwitzigen Texteinblendungen über Slow-Motion, Zeitraffer, Standbilder, Farbfilter und Splitscreen bis hin zu exzessivem Handkamera-Einsatz alles auffährt, was die moderne Produktionstechnik zu bieten hat.
Verlockend
Hinzu kommen der überaus bissige, teils sehr derbe Humor, rotzige Dialoge und geschickt platziertes Product Placement, so etwa, wenn Chev literweise Red Bull in sich hineinschüttet, um sein Blut in Wallung zu bringen, oder die Kamera in bester "Google Earth"-Manier von oben auf das Geschehen zoomt.
Obwohl Statham seine Kampfkünste diesmal kaum zum Einsatz bringen kann, geht er voll in seiner Rolle auf und hat dank seiner offensichtlichen Spielfreude die Lacher auf seiner Seite. Dass nicht nur die Figur des Chev Chelios, sondern der ganze Film einen dezent Comic-haften Touch hat, wird durch teils gnadenlos unrealistische Stunts und die Beziehung des zynischen Killers mit dem von Amy Smart verkörperten Blondchen Eve verstärkt. Spätestens jetzt sollte die aus "Starsky & Hutch" und "Road Trip" bekannte Kalifornierin auch hierzulande ein Begriff sein.
Volles Programm
Anstelle eines traditionellen Audiokommentars bietet die 2-Disc Special Edition auf der Bonus-DVD eine sogenannte interaktive Filmversion, bei denen die Regisseure sowie weitere Cast & Crew-Mitglieder nicht nur zu hören, sondern per Bild-in-Bild-Montage auch öfter mal zu sehen sind. Dies ist zwar unterhaltsamer als ein normaler Kommentar, aufgrund der fehlenden deutschen Untertitel aber nur für Zuschauer mit guten Englischkenntnissen von Nutzen. Zumindest wurden die übrigen Extras deutsch untertitelt.
"Shooting Crank" beleuchtet Vor- und Nachteile der Dreharbeiten mit digitalen HD-Kameras sowie den daraus resultierenden, speziellen Look des Films und die im wahrsten Wortsinne abgefahrenen Kameraeinstellungen. Nicht selten musste der Action auf Rollerblades hinterher gerast werden. Der Beitrag "The Stunts of Crank" ist selbsterklärend und zeigt, dass sich Jason Statham auch für härtere Stunts wie einem Kampf auf der Kufe eines fliegenden Helikopters nicht zu schade war.
Virales Marketing
Wer mehr über die ungewöhnliche und kostengünstige Werbestrategie zum Film erfahren will, wird mit "Pushing Crank" bedient. Mittlerweile haben auch die Filmstudios erkannt, dass man über private Fanseiten und Homepages sowie öffentliche Portale wie YouTube oder MySpace ungemein viele Menschen erreichen kann. Passend dazu hält das Bonusmaterial auch gleich noch Jasons Internet-Grüße sowie ein Web-Interview der Cartoon-Figur "Spanish Fly" mit Nebendarsteller Efren Ramirez ("Napoleon Dynamite") bereit.
Wer ein echtes Making of vermisst, darf sich zumindest über eine längere unkommentierte B-Roll freuen, die unter anderem die Entstehung eines Auto-Stunts und die verrückte Kameraarbeit der Macher zeigt. Komplettiert wird das Angebot von Probeaufnahmen mit Tommy Flanagan, Ramirez und Edi Gathegi, dem Musikvideo "Adrenalina" von David Rolas, dem deutschen Kino-Trailer und einer DVD-Programmvorschau.
