Crackdown 3 im Test: Willkommen in der Monotonie

Test Alexander Grassmé
Crackdown 3 im Test: Willkommen in der Monotonie
Quelle: Microsoft

Fünf Jahre in Entwicklung, vier Mal verschoben und null Abwechslung. Warum aller guten Dinge nicht drei sein müssen, erfahrt ihr in unserem Test zu Crackdown 3. Außerdem verraten wir euch, warum wir Microsoft trotzdem in gewisser Weise für den Release dankbar sind.

Unsere Mitstreiterin ist ganz angetan: "Du rettest Leben, wenn du dieses Gift hochjagst. Gute Arbeit!".

Ach ja, Lob hört man immer gerne, vor allem jetzt, da wir gerade eine Quelle der heimtückischen Chimäre-Chemikalie zum Versiegen gebracht haben. Wer weiß, wie viele Unschuldige sonst durch den Konsum dieser als harmloser Drink getarnten Substanz einer Gehirnwäsche zum Opfer gefallen wären. Durch unser beherztes Eingreifen sind daraus sicherlich deutlich weniger geworden - gut, das liegt vielleicht auch daran, dass es sich bei dieser "Quelle" um einen stinknormalen Kiosk handelte und die umstehende Kundschaft samt Kioskbesitzer durch die von uns verursachte Explosion ins virtuelle Nirwana verfrachtet wurde. Aber ja, "Gute Arbeit!". Willkommen in Crackdown 3.

Die nach Schema F designten Missionen wieder­holen sich in ihren Abläufen ungalublich schnell. Quelle: PC Games Die nach Schema F designten Missionen wieder­holen sich in ihren Abläufen ungalublich schnell.

Crackdown 3 im Test: Chaos überall

Die Ausgangslage von Crackdown 3 klingt durchaus spannend: Moskau, New York, Seoul - überall auf der Welt kommt es zu verheerenden Anschlägen, sogenannten Verdunklungsangriffen, welche die wenigen Überlebenden zur Flucht zwingen. Durch die Hilfe der mysteriösen Terra-Nova-Organisation gelangen Überlebende in den idyllischen Inselstaat New Providence. Dabei entpuppen sich die vermeintlichen Retter jedoch als die Verantwortlichen für jene globale Katastrophe, was unter den Neuankömmlingen allerdings niemanden stört, da die nun unter dem Einfluss jener eingangs erwähnten Chimäre-Chemikalie stehen. Doch Terra Nova hat die Rechnung ohne die Agency gemacht, eine Guerilla-Gruppierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Schreckensherrschaft der Organisation zu beenden und deren Anführerin Elizabeth Niemand zu stürzen.

Crackdown 3 im Test: Willkommen in der Eintönigkeit

Wer jetzt an den Klassiker 1984 in Videospielform denkt, sollte seine Hoffnungen lieber ganz schnell wieder begraben. Statt eine flammende Revolution zu entfachen, verbringt ihr die kommenden rund zehn Stunden lediglich damit, alles was nicht niet- und nagelfest ist, in die Luft zu jagen. Mit eurem recht abwechslungsreichen Waffenarsenal verringert ihr so den Einfluss der Terra-Nova-Organisation auf die einzelnen Stadtgebiete und dezimiert zugleich Stück für Stück deren Führungsetage. Um etwa einem Zwischenboss gegenüberzutreten, müsst ihr zuvor bestimmte Missionen abschließen, welche sich in ihrem Ablauf aber wie ein Ei dem anderen gleichen. Zum Beispiel wird die örtliche Hochbahn von einer bösartigen künstlichen Intelligenz kontrolliert, die sich jedoch erst blicken lässt, wenn ihr eine bestimmte Anzahl an Bahnstationen erobert habt. Um die besagten Stationen zu erobern, muss dort für so viel Zerstörung gesorgt werden, dass der Bahnaufseher erscheint. Beißt dieser ins Gras, gehört die Station euch. Eine Mission abgehakt, auf zur nächsten. Egal ob wir nun eine Bahnstation erobern, verbündete Rebellen aus einem Gefängnis befreien, Fahrzeugkolonnen in die Luft jagen oder Chemieanlagen sabotieren - auf Dauer bieten die Missionen in Crackdown 3 viel zu wenig Abwechslung und wirken obendrein vom Design her einfallslos.
Abseits der Action wirkt die triste Spielwelt von Crackdown 3 generisch und austauschbar. Quelle: PC Games Abseits der Action wirkt die triste Spielwelt von Crackdown 3 generisch und austauschbar. Diese Ideenlosigkeit spiegelt sich auch im Aussehen der Spielwelt wider: New Providence wirkt wie eine völlig generische 08/15-Metropole ohne besondere Sehenswürdigkeiten oder Highlights. Zwar finden sich alle paar Meter bestimmte Missionsorte wie etwa Polizeistationen, Chemieanlagen oder die bereits erwähnten Bahnstationen, doch davon abgesehen gestaltet sich die offene Spielwelt von Crackdown 3 (jetzt kaufen 13,90 € ) recht detailarm und lieblos, was auch der altbackenen Grafik geschuldet ist. Gerade in Anbetracht der geschlagene fünf Jahre andauernden Entwicklung mit all ihren Verzögerungen und Verschiebungen stellt die finale Optik des Titels eine herbe Enttäuschung dar.

Crackdown 3 im Test: Erst denken, dann zielen

Die Story von Crackdown 3 wird  fast ausschließlich durch comicartige Zwischensequenzen erzählt. Quelle: PC Games Die Story von Crackdown 3 wird  fast ausschließlich durch comicartige Zwischensequenzen erzählt. Ähnlich schlecht steht es um die künstliche Intelligenz. Zwar will uns Crackdown 3 weismachen, die Bevölkerung sei samt und sonders einer Gehirnwäsche unterzogen worden, doch scheint es eher so, als wären deren Denkapparate komplett entfernt worden. Sämtliche Bewohner von New Providence laufen völlig teilnahmslos wie Zombies herum, nur um bei der geringsten Berührung durch die eigene Spielfigur wie aufgescheuchte Hühner auf und davon zu rennen. Immerhin punktet Crackdown 3 in puncto Gegnervielfalt. Von normalem Wachpersonal über Roboter bis hin zu herumfliegenden Drohnen hetzt euch Terra Nova allerlei böse Buben auf den Hals. Zwar handelt es sich auch hierbei nicht gerade um Intelligenzbestien, durch die individuellen Resistenzen und Schwächen der einzelnen Gegnertypen gegenüber bestimmten Waffen werdet ihr aber zumindest etwas gefordert. So sind etwa gewöhnliche menschliche Kontrahenten sehr anfällig für die ätzenden Angriffe unseres Säure­speiers, die wiederum Einheiten mit Schutzanzügen nichts anhaben können. Habt ihr einzelne Waffen einmal von gefallenen Gegnern erbeutet, so könnt ihr diese an bestimmten Orten der Spielwelt, welche zugleich als Respawn- und Schnellreise-Punkte dienen, jederzeit abholen. Die Schießereien selbst sind ebenso ungewöhnlich wie kinderleicht, was daran liegt, dass wir durch erledigte Feinde unseren eigenen Lebensbalken regenerieren und bei gedrückter rechter Maustaste sofort gegnerische Einheiten anvisieren. Gerade PC-Spielern mag dieses eher für Konsolen gedachte und im Spiel nicht ausschaltbare Zielhilfe-Feature seltsam vorkommen, wir hatten uns jedoch bereits nach kurzer Zeit daran gewöhnt.

Crackdown 3 im Test: Ballern und leveln

So schießen, prügeln, springen und fahren wir also in Gestalt einer der insgesamt 21 Spielfiguren durch den Rest der Spielzeit. Für wen ihr euch dabei entscheidet, ist im Hinblick auf die Handlung vollkommen unerheblich. Der einzige nennenswerte Unterschied zwischen den Charakteren liegt (abgesehen von deren Aussehen) in der Geschwindigkeit, mit der ihr bestimmte Fähigkeiten verbessert - etwa den Schaden von Schusswaffen oder Nahkampfangriffen. Diesen steigert ihr, indem ihr besagte Waffen verwendet - ein einfaches, aber cleveres System, um euch zu anderen Spielstilen zu motivieren. Dumm nur, dass nicht jedes der insgesamt fünf Talente tatsächlich Sinn ergibt, etwa das Autofahren. So können wir durch jede Verbesserung mit unseren Fahrzeugen mehr Schaden einstecken und schneller fahren, was zwar gut klingen mag, aber am Ende wenig durchdacht wirkt. Denn abgesehen von komplett optionalen Rennmissionen müssen wir im gesamten Spielverlauf kein weiteres Mal hinters Lenkrad.
Euer zu Spielbeginn ausgewählter Charakter hat keinerlei Einfluss auf den Handlungsverlauf. Quelle: PC Games Euer zu Spielbeginn ausgewählter Charakter hat keinerlei Einfluss auf den Handlungsverlauf. Ebenfalls unter die Kategorie "ausbaufähig" fällt die Vertonung. Zwar sind die deutschen Synchron­sprecher durch die Bank in Ordnung, doch irritiert es, dass Intro, Zwischensequenzen und über Funk eingehende Nachrichten auf Deutsch gehalten sind, während sämtliche Dialoge mit Passanten sowie Gegnern auf Englisch ablaufen. Immerhin wird das Spiel dabei selbstironisch. Beim Unterschlupf von Endgegnerin und Terra-Nova-Anführerin Elizabeth Niemand angekommen, heißt es "Immer weiter, Agent, Niemand wartet auf Sie!". Genau in diese Richtung geht auch unser Fazit. Obwohl Crackdown 3 beileibe keine Vollkatastrophe ist, wissen wir nicht, wer genau auf dieses Spiel warten soll. "Niemand" wäre hier vielleicht zu hart ausgedrückt, aber in Anbetracht der wirklich ausgesprochen mittelmäßigen Qualität des Titels fragen wir uns, was Sumo Digital in der langen Entwicklungszeit von fünf Jahren eigentlich genau gemacht hat.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Crackdown 3 (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Motivierendes Levelsystem ...Lange SpielzeitViele GegnerartenMitunter fordernde KämpfeEingängige Steuerung
… das allerdings nicht komplett durchdacht wirktMonotones SpieldesignVeraltete GrafikLeblose SpielweltBelanglose StoryProtagonist bleibt größtenteils stummAuto-Aim lässt sich nicht deaktivieren
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