Cozy Grove im Test: Ausflug ins gemütliche Wäldchen

Test Arlene Dames Lukas Schmid
Cozy Grove im Test: Ausflug ins gemütliche Wäldchen
Quelle: PC Games

Entspannung und Stressabbau auf einer mit Geistern verseuchten Insel? Wenn ihr euch fragt, wie das funktionieren soll, dann ist die Antwort Cozy Grove. Die knuddelige Lebenssimulation verspricht euch Alltagsflucht à la Animal Crossing. Aber wird dieses Versprechen auch gehalten? Findet es in unserem Test heraus.

Cozy Grove ist eine Lebenssimulation, die Entspannung garantieren soll. Veröffentlicht wurde sie am 08. April 2021 für PC, PS4, Nintendo Switch, Xbox One und für Apple Arcade. Publisher des Titels ist The Quantum Astrophysicists Guild und hinter der Entwicklung steht das Studio Spry Fox.

Als Mitglied der Geistfinder, eines Vereins, der sich das Wohl verirrter Seelen auf die Fahne geschrieben hat, werden wir auf unsere erste alleinige Mission zur ehemals von Bären bewohnten Insel Cozy Grove geschickt. In einem höchstens 48-stündigen Unterfangen sollen wir die dort spukenden Geister besänftigen.

Tote Bären therapieren

Zur Seite steht uns dabei unser treuer Begleiter Flammi, das Lagerfeuer. Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass wir länger als zwei Tage beschäftigt sein werden, denn unser Boot macht sich davon und wir sind offiziell gestrandet. Laut den heimischen Geisterbären hat vor uns bereits ein anderer Geistfinder versucht, sich ihrer Probleme anzunehmen, er sei daran jedoch kläglich gescheitert. Na ja, so viel zu unseren Aussichten, aber immerhin finden wir schnell neue Freunde in Form der Gespenster, die uns mit ihren Sorgen und Wünschen beschäftigt halten.

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Besonders packend ist die Story hinter unserem Ausflug nicht, aber eine passende Ergänzung zum Rest des Spiels. Die mysteriöse Stimmung auf der Insel wird unterstrichen und unserem Abenteuer ein nicht allzu aufgezwungener Rahmen gegeben.

Unsere tägliche Quest gib uns heute

Ganz zu Anfang muss angemerkt werden: in Cozy Grove wird eurer Spielerlebnis durch die Verfügbarkeit täglich aktualisierter Aufgaben begrenzt. Sind alle angebotenen Missionen nach circa 30-60 Minuten erledigt, so müssen 24 Stunden verstreichen, bevor es etwas Neues zu tun gibt. Flammi informiert uns, wenn an einem Tag alle Aufgaben erfüllt wurden und schlägt vor, dass wir in der Zwischenzeit einfach noch ein wenig angeln oder Muscheln sammeln könnten. Das ist aber kein wirklich großer Trost und reicht auch nicht, um die entstehenden Lücken zufriedenstellend zu füllen.

Der typische Alltag eines Cozy-Grove-Spielers besteht daraus, die Runde um die zu Beginn noch farblose Insel zu machen und dabei allen Geistern seine Hilfe anzubieten. Meist wurzeln deren Probleme in der Sehnsucht nach bestimmten Items, die wir für sie besorgen sollen. Erwartet der Postbote zum Beispiel einen verschollenen Brief, begeben wir uns für ihn auf die Suche, welche sich oft schwieriger gestaltet als gedacht. Interaktive Gegenstände und der Hintergrund verschmelzen häufig und auf den ersten Blick ist das entstehende Wimmelbild nicht zu lösen. Allerdings ist es prinzipiell gut, dass es uns hier nicht zu einfach gemacht wird. Wie zu Ostern als Kind, freut man sich eben nicht am meisten über die Schokolade mitten auf dem Tisch, sondern über das hart erarbeitete Osternest aus den Tiefen des Gestrüpps.
Perfekte Tarnung! Da muss man schon genauestens hinsehen, um das freche Blatt zu erkennen. Quelle: PC Games Perfekte Tarnung! Da muss man schon genauestens hinsehen, um das freche Blatt zu erkennen. Sobald wir ein Objekt der Begierde nach erfolgreicher Suche an den betreffenden Bären abgeben, belohnt er uns mit Geisterholz, welches wir an den guten Flammi verfüttern können, um die Insel zu erweitern und dadurch noch mehr Geister zu entdecken. Außerdem, und das ist eine bedeutende Mechanik im Spiel, färbt sich das betroffene Gebiet ein und es erblühen die Pflanzen. Jedoch nur solange, bis der Geist dort wieder eine Notlage anmeldet. Dadurch erhalten wir eine weitere Motivation zum Erfüllen der Aufgaben, die nach getaner Arbeit auch noch sehr zufriedenstellend und visuell ansprechend ist.

In den ersten Tagen des Spiels lassen sich die Missionen noch recht flüssig abwickeln und es entsteht ein angenehmer Flow. Sind alle Häkchen gesetzt, ist es manchmal zu verkraften, dass es sich erst wieder lohnt, am nächsten Tag reinzuschauen. Aber nach ungefähr einer Woche werden uns Aufträge aufgehalst, deren Erfüllung uns viel Geduld abverlangt. Manche Items können wir nur durch Glück beschaffen, in dem wir beten, dass der auf der Insel ansässige Händler Herr Kit sie am jeweiligen Tag im Angebot hat. So kann es sein, dass wir vorfreudig ins Spiel starten, dann jedoch enttäuscht feststellen müssen, dass es nicht wirklich was für uns zu tun gibt.

Ruhm, Reichtum und Raumgestaltung

Auf Shoppingtour bei Herrn Kit. Der übergroße Fuchs hat ein wechselndes Sortiment unterschiedlichster Waren. Außerdem lässt sich ihm fast alles andrehen. Quelle: PC Games Auf Shoppingtour bei Herrn Kit. Der übergroße Fuchs hat ein wechselndes Sortiment unterschiedlichster Waren. Außerdem lässt sich ihm fast alles andrehen. Sind wir nicht gerade mit Botengängen beschäftigt, können wir uns dem Geldverdienen widmen. Fische, Muscheln, Früchte und andere sammelbare Items lassen sich bei Herrn Kit verscherbeln. Sobald wir flüssig genug sind, kann der uns dann seine eigenen Waren andrehen. Alternativ können wir in eine Erweiterung des Ladens oder unseres Zeltes bzw. Lagers investieren.

Münzen, so wie andere Belohnungen, erhalten wir außerdem, wenn wir uns Abzeichen erarbeiten oder etwas an die Sammlung des Kapitäns Prachtschnabel Schnauz stiften. Das Gesammle ist tatsächlich eine ganz schöne Mammutaufgabe, denn es gibt allein 361 verschiedene Blumensorten, ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Fischen und Lebensmitteln! Wer eine Sammlung nicht unvollständig lassen kann, ohne sich mit schlaflosen Nächten zu plagen, ist hier schnell am Haken.

Bezüglich Möbeln und Dekoration können wir uns nach Belieben verwirklichen. Mit Hilfe von Rezepten lernen wir Gegenstände zu bauen, die wir dann überall auf der Insel platzieren können. Eine kleine Besonderheit ist dabei, dass es verschiedene Typen von Deko gibt, die jeweils Einfluss auf ihre Umgebung nehmen. So bevorzugen unsere Haustier-Raben möglicherweise ein rustikales Ambiente, während sich eine Topfpflanze einen Obstbaum als Gesellschaft wünscht. Ein nettes Detail, jedoch überwiegen die Vorteile dieser Platzierungen nicht gegenüber den Nachteilen. Man verliert schnell den Überblick, und wer will schon, dass die Einrichtung des eigenen Campingplatzes von einem zu anspruchsvollen Strauch bestimmt wird?

"Come for the view, stay for the friends"

Der Soundtrack ist leider nicht sehr abwechslungsreich und sticht nicht sonderlich heraus. Was die Grafik angeht, gibt es wenig auszusetzen. Die Welt wirkt lebendig und liebevoll gestaltet. Besonders die Charaktere sind ein niedlicher Augenschmaus. Aber ihr Charme beläuft sich nicht bloß auf ihr Äußeres, auch die Dialoge sind unterhaltsam. Es gibt witzige Momente und die Eigenheiten der einzelnen Bären werden ebenfalls deutlich. Obwohl, wenn, man genauer hinschaut, das Potenzial leider nie ganz entfaltet wird. Immerhin lautet das Motto von Cozy Grove "Come for the view, stay for the friends". Eine Prise persönlicher hätte man die Gespräche also noch gestalten können. Da wäre zum Beispiel ein selbstgewählter Spielername sinnvoll gewesen.
Hinter der Fassade niedlicher Waldbewohner verstecken sich echte Gesellschaftskritiker! Nach dem zehnten Mal allerdings schmunzelt man nur noch seufzend darüber.  Quelle: PC Games Hinter der Fassade niedlicher Waldbewohner verstecken sich echte Gesellschaftskritiker! Nach dem zehnten Mal allerdings schmunzelt man nur noch seufzend darüber.  Zudem legt die Prämisse des Spiels eigentlich nahe, dass wir die Hintergrundgeschichte jedes einzelnen Bären nach und nach aufdecken und in gewissem Maße passiert das auch, doch zumindest am Anfang verläuft das flach und unzufriedenstellend. Die Texte der NPCs außerhalb der Missionen sind übrigens für alle Figuren gleich und belaufen sich der Erfahrung nach auf etwa vier unterschiedliche Sätze.

Für Fans von entschleunigten Simulationsspielen wie Animal Crossing ist dieses unscheinbare Juwel wie gemacht. Der Besuch der Insel kann zu einem fast schon meditativem Ritual werden und zu sehen, wie dort mit jedem kleinen Fortschritt mehr Leben und Farbe erstrahlt, bringt Freude ins Herz. Leider nervt das Aufgaben-Limit und anders als bei Animal Crossing, wo Selbstverwirklichung und eigens gesteckte Ziele im Vordergrund stehen, begegnet man hier dem Prinzip der Zeiteinteilung in 24-Stunden-Rhythmen eher mit Frustration.

Meinung

Wertung zu Cozy Grove (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Cozy Grove (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Cozy Grove (NSW)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Cozy Grove (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Wunderschöner, charmanter StilLangzeitmotivation durch Sammeln und FreischaltenNiedliche, humorvolle BärenViele DetailsDynamische, frei gestaltbare UmweltEntspannte Atmosphäre
Frustration durch WartezeitenWenig Abwechslung bei den MissionenUnausgeschöpftes Potenzial der Charaktere
Fazit

Cozy Grove hat seine Macken, ist aber trotzdem ein charmanter Spaß für entspannte Stunden.

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