Control im Test: Atmosphärisch und spielerisch top, doch mit vermeidbaren Makeln

Test Lukas Schmid
Control im Test: Atmosphärisch und spielerisch top, doch mit vermeidbaren Makeln
Quelle: 505 Games/Remedy Entertainment

Nach Max Payne, Alan Wake und Quantum Break hebt das finnische Studio Remedy Entertainment mit Control sein neues Baby aus der Taufe. Wie gut ist der Mystery-Trip mit ausgeprägten Metroidvania-Elementen geworden? Dieser Frage gehen wir in unserem großen Test auf den Grund.

New York, Heimat des Khlav Kalash und des Trump Towers, den zu übersehen leider so gut wie unmöglich ist. Anders das Federal Bureau of Control (jetzt kaufen 39,99 € ) in Control, dem neuen Spiel der Macher von Max Payne, Alan Wake und Quantum Break: Nachdem sie aus persönlichen Gründen, die wir an dieser Stelle freilich nicht spoilern wollen, ihr Leben lang danach auf der Suche war, gelangt Protagonistin Jesse Faden zu Beginn des Abenteuers endlich in die gut versteckten Hallen der Einrichtung. Doch die junge Frau war nicht einfach zu doof, im Telefonbuch nachzugucken: Das auch als "Ältestes Haus" bezeichnete Gebäude wurde auf übernatürliche Art und Weise versteckt. Wenig verwunderlich also, dass hier auch ansonsten wenig mit rechten Dingen zugeht. Als wir in Jesses Gestalt über die Schwelle der Behörde treten, die sich der Erforschung und Kontrolle paranormaler Elemente verschrieben hat, merken wir schnell, dass hier einiges im Argen liegt.

Eine bösartige Entität namens das "Zischen" hat die Kontrolle über das weitläufige Büro übernommen, mordet fröhlich vor sich hin und verwandelt diejenigen, die nicht sterben, entweder in willenlose Sklaven oder schwebende Körper, die für eine Innendeko der etwas anderen Art sorgen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Damit nicht genug, stolpert Jesse alsbald auch noch über den Körper des Direktors der Einrichtung, der sich mit seiner Waffe selbst ins Jenseits befördert hat. Als sie die seltsam geformte Pistole anfasst, bekommt sie eine Art Halluzination und ist auf einmal an des Verblichenen statt die Direktorin der Behörde. Tja, so schnell kann es gehen.

Storylust, Lesefrust

Spätestens, sobald man zu schweben gelernt hat, wandeln sich die Kämpfe zu einem brutalen Ballett, bei dem die Offensive im Mittelpunkt steht. Quelle: PC Games Spätestens, sobald man zu schweben gelernt hat, wandeln sich die Kämpfe zu einem brutalen Ballett, bei dem die Offensive im Mittelpunkt steht. Nein, eine zu simple Prämisse kann man Control nicht vorwerfen. Die Geschichte, die sich daraus entwickelt, lebt von ungewöhnlichen Ereignissen und starken Momenten. Allerdings, so stilvoll sie auch inszeniert ist, leidet sie unter teils stark spürbaren Pacing-Problemen. Einige Elemente werden bis zum Erbrechen erklärt, andere kurz abgehandelt und oft genug kratzt man sich am Kopf, weil Plot Twists auf den ersten Blick wenig Sinn ergeben. Atmosphärisch wird viel geboten und die Mischung aus Mystery und leichten Horrorelementen funktioniert klasse. Einen Handlungsmeilenstein sollte man sich aber nicht erwarten.

In Sachen Lore kann sich der Titel aber definitiv sehen lassen und meint es fast zu gut: Wahre Unmengen an Textdokumenten, Videoaufzeichnungen (mit realen Schauspielern, was einen ein wenig aus der Stimmung reißt) und Audiofiles erlauben interessierten Naturen extrem detaillierte Einblicke in die Hintergründe der Handlung und Welt. Das führt dazu, dass man theoretisch stundenlang nur damit zubringen kann, herumzustehen und zu lesen beziehungsweise zuzuhören, was dem Pacing weiterhin schadet. Zusätzlich wird fast schon zu viel erklärt. Mystery lebt auch davon, dass nicht jeder Baustein der Erzählung genau zu fassen ist. In der Welt von Control, die vom Unerklärlichen durchsetzt ist, bleibt aber kaum eine Frage unbeantwortet, wenn man bereit ist, die Zeit zu investieren. Das schadet der Atmosphäre geringfügig.

Dann lieber taub

Nicht alles, was im Federal Bureau of Control passiert, wird erklärt, für unseren Geschmack aber etwas zu viel. Das nagt am Mysterygefühl. Quelle: PC Games Nicht alles, was im Federal Bureau of Control passiert, wird erklärt, für unseren Geschmack aber etwas zu viel. Das nagt am Mysterygefühl. Aber keineswegs so sehr wie die deutsche Sprachausgabe! Wir sagen es frei heraus: Auch wenn man des Englischen nicht mächtig ist, sollte man sich einen Gefallen tun und das Spiel auf Englisch stellen und mit Untertiteln leben. Die deutschen Sprecher sind fast durch die Bank monoton, betonen Sätze völlig willkürlich und hören sich so unnatürlich an, dass man sich fast an selige Metal-Gear-Solid-Zeiten auf der PS1 erinnert fühlt. Kurz gesagt, die deutsche Snychro ist ein Graus und vereinzelte passable - nicht gute - Sprecher wie jene von Heldin Jesse reißen es nicht raus. Da passt es gut, dass auf Lippensynchronität vollkommen gepfiffen wurde. Das Gesagte passt zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise zu den Bewegungen der virtuellen Münder der Figuren. Auf Englisch hingegen ist das kein Problem und die Voice Actors machen ihre Sache bis auf wenige Ausnahmen anständig.

Büroalltag

Ein Raum verdreht sich in Control Quelle: PC Games DIe Ästhetik des Abenteuers ist ungemein gut gelungen. Das Büro, das wir erforschen, wirkt einerseits ie ein echter Ort, andererseits reichlich surreal. Nach all der harschen Kritik wollen wir uns nun aber dem Positiven zuwenden, denn davon gibt es in Control auch reichlich. Im Grunde haben wir es mit einem 3D-Metroidvania zu tun. Das heißt also, dass uns in Gestalt des Federal Bureau of Investigation eine semi-offene Welt erwartet, in der uns zu Beginn nur ein begrenzter Bereich zugänglich ist. Nach und nach erlernen wir unterschiedliche Fähigkeiten, mit denen wir in bereits besuchte Gebiete zurückkehren und von dort aus in bis dahin unzugängliche Areale vordringen können. Außerdem sind viele Bereiche durch Code-Karten mit unterschiedlichen Sicherheitsstufen verschlossen, die wir im Verlauf der Geschehnisse nach und nach erhalten.

Dankenswerterweise ist im Verlauf der Handlung aber nur wenig Backtracking notwendig. Hier wird meist sinnvoll mit Shortcuts gearbeitet und wir werden auf einer relativ logischen Route durch die Ereignisse geführt. Ausführliches Erforschen ist vor allem im Rahmen der zahlreichen Nebenmissionen notwendig. Die Hauptaufgaben sind fast durchgängig spannend gestaltet und schicken uns an interessante Orte innerhalb der Spielwelt. Trotz der zugrundeliegenden Bürothematik wird dank spezieller Abschnitte wie einem Steinbruch, einer von einer Art Pilz befallenen Abteilung und der dauernden Veränderungen der Umgebung durch übernatürliche Elemente viel Abwechslung geboten. Wandernde Wände, gruselig und bewusst unnatürlich beleuchtete Areale und das Gefühl, dass die Gefahr hinter jeder Ecke lauern könnte, sorgen für eine wohlige Gänsehaut.

Die talentierte Miss Faden

Die Map des Spiels lst leider völlig unbrauchbar. Ebenen laufen ineinander, wir können nicht zwischen Gebieten umschalten und sie ist sogar verbuggt. Quelle: PC Games Die Map des Spiels lst leider völlig unbrauchbar. Ebenen laufen ineinander, wir können nicht zwischen Gebieten umschalten und sie ist sogar verbuggt. Spielerisch erwarten uns zum einen allerlei Umgebungsrätsel. Dann gilt es, Stromgeneratoren in Maschinen einzusetzen, um sie wieder zum Laufen zu bringen. Oder wir müssen Codes auf Computermonitoren knacken, um verschlossene Türen zu öffnen. Oft genug sind uns unsere übernatürlichen Kräfte hierbei von Nutzen. Früh lernen wir, mit Telekinese auch relativ große Objekte mühelos durch die Gegend zu bewegen. Später kommen Talente wie die Möglichkeit dazu, blitzschnell mehrere Meter nach vorne zu zischen oder sogar kurzzeitig zu fliegen respektive zu schweben. Auch wenn das Portfolio an erlernten Fähigkeiten nicht riesig ist, werden die vorhandenen sehr gut und ausgiebig genutzt.

Schweben, schießen, Spaß haben

Jessie - die Protagonistin aus Control Quelle: PC Games Die deutsche Stimme von Jesse Faden macht ihre Arbeit okay. Damit stellt sie aber eine Ausnahme dar, denn die meisten Sprecher sind einfach furchtbar. Zum anderen geht es in zahlreichen Kämpfen zur Sache - und die sind definitiv der Fokus des Abenteuers. Das ist allerdings gut so, denn sie machen richtig viel Spaß! Einerseits agieren wir in den Gefechten mit besagter Pistole des ehemaligen Direktors. Anstatt auf Munition und Nachladen zu setzen, ist es bei der übernatürlichen Waffe nach dem Verballern unserer Munition einfach nur notwendig, kurz zu warten, um wieder vollen Zugriff auf sie zu erhalten. Später finden wir Baupläne für Modifikationen, die es erlauben, unsere Kanone auf Knopfdruck zu verändern. Dann agiert sie als Maschinengewehr, Schrotflinte oder sogar Granatenwerfer.

Andererseits verfügen wir eben über unsere einzigartigen Talente. Mit Blick auf unsere sich nach wenigen Sekunden regenerierende Ausdauer können wir über die Schlachtfelder schweben, Objekte auf Gegner oder diese selbst durch die Gegend pfeffern, Widersacher temporär auf unsere Seite ziehen und noch viel mehr. Aus diesem Zusammenspiel zwischen klassischer Balleraction und Jesses übernatürlichen Talenten ergibt sich ein wahres Kampfballett, das einfach unverschämt viel Spaß macht. Dabei erfindet Control das Kampfsystemrad keineswegs neu. Es setzt bekannte Mechaniken aber so gut um und verbindet sie so effektiv, dass einem sogar das hundertste Gefecht noch Freude bereitet.

Karten-Kalamitäten

Der Kühlschrank - ein Objekt mit übernatürlichen Kräften Quelle: PC Games Besessene Objekte wie diesen Kühlschrank finden wir in der Spielwelt allenthalben. Geraten sie außer Kontrolle, ist es unsere Aufgabe, ihnen das Zischen auszutreiben. All diese positiven Aspekte kommen auch in den Nebenaufgaben zu tragen. Bei denen handelt es sich kaum jemals um plumpe Sammelquest. Nein, meist stecken eigene, kleine Handlungen und Abstecher in Areale der Spielwelt dahinter, die extra für diese Zusatzaufgaben geschaffen wurden. Sogar einige optionale Bosse verstecken sich hinter diesen Missionen. Sehr lobenswert, auch die sich durch die vielen Zusatzaufgaben ergebende anständige Spielzeit von je nach Erkundungsdrang etwa zwölf bis 15 Stunden! Blöd nur, dass wir uns auf den Weg zu den unterschiedlichen Herausforderungen des Öfteren verirren werden. Die Übersichtskarte, die wir jederzeit einblenden können, wurde nämlich vollkommen in den Sand gesetzt. Nicht nur, dass wir nicht zwischen den verschiedenen Arealen und Ebenen umschalten können, sie ist zusätzlich noch völlig verbuggt. Ständig werden lediglich die Icons eingeblendet und sie spinnt herum. Aber auch dann, wenn sie funktioniert, ist sie der Übersichtlichkeit kaum förderlich. In Verbindung mit den sehr verzweigten Gebieten und den häufig ziemlich gut versteckten Questzielen ist das leider sehr nervig.

Unfreiwilliger Bürosport

Unsere telekinetischen Fähigkeiten benötigen wir nicht nur in Kämpfen, sondern auch für Umgebungsrätsel wie den Transport dieser Generatoren. Quelle: PC Games Unsere telekinetischen Fähigkeiten benötigen wir nicht nur in Kämpfen, sondern auch für Umgebungsrätsel wie den Transport dieser Generatoren. Ebenfalls störend sind die ungünstig gesetzten Checkpoints. Segnen wir das virtuelle Zeitliche, werden wir an Knotenpunkte gesetzt, die sich überall in der Welt befinden. Sie dienen auch als Schnellreisepunkte. Allerdings hätten wir uns häufig gewünscht, dass wir nach einem Ableben einfach wieder am Eingang des aktuell besuchten Raumes starten. Stattdessen müssen wir oft lange Wegstrecken noch einmal laufen, inklusive respawnter Feinde auf dem Weg. Das ist für ein Souls-like tauglich, aber nicht für ein Spiel wie Control, das insgesamt eher auf der einfachen Seite wandelt. Hier ist es einfach schlechtes Spieldesign. Eher Geschmacksache ist die Tatsache, dass Control dank unzähliger zufällig generierter Upgrades für unsere Waffen und Jesses Statuswerte sowie ein simples Craftingsystem entfernt an Lootshooter wie Destiny oder Borderlands erinnert. Wir fanden dieses Designelement nicht per se störend, aber auch nicht, dass es das Spielgefühl bereichert hätte.

Licht und Schatten

An den Anblick über unserem Kopf schwebender Menschen gewöhnt man sich schnell. Dieses Phänomen ist eine Auswirkung der paranormalen Ereignisse in der Spielwelt. Quelle: PC Games An den Anblick über unserem Kopf schwebender Menschen gewöhnt man sich schnell. Dieses Phänomen ist eine Auswirkung der paranormalen Ereignisse in der Spielwelt. Lob und Kritik gleichermaßen - das gilt in Control auch bezüglich der Technik. Prinzipiell sieht Control gut aus. Vor allem das Spiel von Licht und Schatten, die Effekte und die Animationen von Jesse und den Feinden gefallen uns. Die Welt wirkt in sich stimmig und es ist offensichtlich, dass die Entwickler mit einer bestimmten Intention an ihre Gestaltung herangegangen sind. Die Mischung aus kühler Büroästhetik und den wahnwitzigen Geschehnissen darin gefällt uns. Dem gegenüber stehen aber unsaubere Kantenglättung, sehr hölzerne Gesichtsanimationen und teils derbe Ruckler, wenn mal viel auf dem Bildschirm los ist.

Lob und Kritik gleichermaßen wollen wir auch dem Spiel in seiner Gesamtheit aussprechen. Es krankt leider selbst bezüglich der gelungenen Aspekte an einigen Stellen und vermeidbare Designpatzer wie die Map-Bugs nerven. Hoffentlich wird hier zumindest teilweise per Patch nachgebessert, Diese Mängel verhindern den Aufstieg des Spiels in die höchsten Qualitätssphären. Dennoch macht Control gleichzeitig so viel richtig, dass wir das Federal Bureau of Control wohl nicht verlassen werden, bis wir ihm auch sein letztes Geheimnis entrissen haben. Control erscheint am morgigen Tag, dem 27. August 2019, für PC, PS4 und Xbox One.

Meinung

Meinung

Wertung zu Control (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Control (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Control (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Glaubwürdig gestaltete WeltUngemein spaßige KämpfeInteressante FähigkeitenAnsprechende GrafikTiefgründige LoreGelungene AtmosphäreGroßer UmfangViel zu entdeckenNebenaufgaben mit Substanz
Verworren erzählte HandlungEtwas seltsames PacingAbsolut unbrauchbare MapMiserable deutsche SprecherUngünstig gesetzte CheckpointsLoot und Upgrades etwas belanglosTeilweise starke Ruckler
Fazit

Kein Meilenstein, aber ein gut gemachtes, atmosphärisches Mystery-Abenteuer.

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk