Contra: Das Spiel mit den vielen Namen
Special
Probotector, Gryzor oder eben Contra. Der Run'n'Gun-Plattformer hat in seiner über 30-jährigen Geschichte einiges durchmachen müssen. Wir schauen zurück auf Indizierung, Zensur und wundervolles Gameplay.
Liebe, Hass und umwerfendes Gameplay
Gut, dann haben wir das so weit geklärt und wir können endlich darüber reden, warum jeder einmal einen klassischen Contra-Titel gespielt haben muss! Das Spielprinzip ist simpel. Das Run'n'Gun Genre ist da ohnehin sehr entgegenkommend. Den Kopf muss man nicht unbedingt benutzen. Viel eher geht es um Muscle-Memory.
Jedes Level ist für sich immer gleich: Gegner und Items tauchen immer an denselben Orten auf, am Ende wartet ein Boss-Gegner, der versucht nach einem bestimmten Schema euer Frust-Level in die Höhe zu treiben. Je weiter wir im Spiel voranschreiten, desto größer werden auch die Level und ebenso stark steigt das Frustpotential, wenn man auf den Sack bekommt und von vorn anfangen darf. Unfair sind die Spiele dabei nie. Wenn jemand Schuld hat, dann man selbst. Während man in den ersten Runden möglicherweise noch gar nichts gebacken bekommt, kennt man schon bald jeden einzelnen Gegner beim Namen. Die Lernkurve ist steil.
Besonders wenn man sich mit den einzelnen Waffen vertraut macht und seine Lieblinge herausfindet, geht die Luzi richtig ab. Anfangs ist man noch mit einer einfachen Pistole ausgestattet und man darf fleißig auf dem Gamepad herumhämmern, damit man in ein Dauerfeuer übergehen kann.
Mit dem Maschinengewehr ist das kein Problem mehr, das hat Dauerfeuer inklusive. Und unser Favorit ist die Shotgun, mit der man gleich mehrere Kugeln abfeuert und so breiten Schaden gegen große Gegner-Massen machen kann.
Laser und Flammenwerfer wurden je nach Spiel immer etwas abgeändert. Und Contra 3 wurde das Waffenarsenal dann vergrößert.
Die NES-Titel haben einen unfassbar guten Job gemacht. In keinem anderen Contra hatten wir das Gefühl, uns so sehr perfektionieren zu wollen.
Immer schneller und immer besser durch die Level. Den Boss noch mehr erniedrigen. Pure Glücksgefühle steigen in einem auf, wenn man ein Level in Rekordtempo durchhat oder den Boss, an dem man so lange saß, endlich in die Knie zwingt. Teilweise reichen sogar einzelne Stellen im Level.
Aber auch Contra 3 hat ordentlich den Ehrgeiz geweckt. Während sich Contra und Super C, bei uns Probotector 2, noch ziemlich ähnlich waren, änderte sich auf dem SNES einiges. Das Grundkonzept blieb gleich. Statt Gamepad-Klopperei, durfte man hier dem Daumen aber etwas Entspannung gönnen.
Das Spiel kam von Hause aus mit Dauerfeuer. Ebenso wurden nun auch Schutzbarrieren und eine Bombe eingeführt, die sich in brenzligen Situationen als ziemlich nützlich erweisen konnte. Und es war inzwischen möglich, zwei Waffen bei sich zu tragen. Knackig schwierig war das Spiel noch immer, besonders dank einiger Plattformer-Passagen, die man vorher nicht gewohnt war.
Statt schnell-schnell hieß es jetzt Warten und etwas an der Leine baumeln. Wie auch einige andere Spielreihen hatte Contra für viele Fans seinen Peak auf dem Super Nintendo. Nach Contra 3 gab es für uns eigentlich nur noch einen Höhepunkt, bevor es dann mit der Serie bergab ging.
Quelle: Konami
Mit Contra: Hard Corps erschien erstmals ein Teil exklusiv auf einer Sega -Konsole. Nintendo war in den 80er- und 90er-Jahren bekannt dafür, ziemlich streng bei der Spieleauswahl zu sein. Das traf dann auch Contra, weil Hard Corps einfach zu düster war.
Das Mega Drive-Spiel zeichnete sich durch vier auswählbare Charaktere und deutlich mehr Effekte aus. Jeder Charakter hatte dabei eigene Fähigkeiten und Hitboxen.
Die verschiedenen Waffen wurden von den einzelnen Charakteren jeweils unterschiedlich eingesetzt. Damit wurden, sagen wir mal, verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeführt. Wieder konnte man mehrere Waffen gleichzeitig bei sich tragen, dieses Mal gleich fünf. In Hard Corps stand aber wohl eher das actionreiche Geballer als die Plattformer-Elemente im Vordergrund.
Dafür durfte man sich an deutlich schneller nachkommenden Gegnerwellen austoben. In den Gefechten war man diesmal deutlich mehr mit dem Ausweichen bedient. Dank der vielen Waffen mit Verfolger-Munition konnte man sich auch fleißig darauf konzentrieren.
Quelle: PC Games
In den Jahren darauf folgten wilde 3D-Versuche, die fernab vom eigentlichen Können der Contra-Reihe waren. Ein-zwei Lichtblicke gab es vereinzelt noch mal. Mit Shattered Soldier auf der Playstation 2, kehrte man noch einmal zu seinen Grundzügen zurück und das auch erfolgreich, bevor Konami dann mit Neo Contra alles wieder einriss.
Als hätte man sich bei den Fans entschuldigen wollen, erschien 3 Jahre später Contra 4 auf dem Nintendo DS und die Hoffnung durfte aufleben, dass die Contra-Reihe wieder dort ist, wo sie einst war. Soundtrack, Gameplay - es fühlte sich an, wie nach Hause kommen.
Also, wenn zu Hause ein alten-verseuchter Planet Erde ist. Und dann? Es folgte die große Zeit der Wii Ware, Virtual Console und Mobile Versionen. Die NES und SNES-Klassiker waren zurück, bis dann 2011 ein ganz anderer Weg eingeschlagen wurde.
Zwar trägt Hard Corps: Uprising kein "Contra" im Namen, aber es gilt als Prequel zu Hard Corps. Rein optisch merkt man direkt, dass man neue Zielgruppen erreichen wollte.
Im Level-Aufbau orientierte man sich aber stark an den beliebten Klassikern, was das PS3 und Xbox 360 Abenteuer recht beliebt machte. Doch zugegeben, es könnte auch jeden x-beliebigen anderen Namen tragen, denn optisch erinnert es eher an einen Anime als an ein düsteres Contra-Spiel.
Düster waren dann einige Jahre später die Bewertungen, als 2019 Contra: Rogue Corps erschien. Was sich Konami hier gedacht hat, wissen wir bei bestem Willen nicht.
Gemeinsam mit Freunden sollen wir in Twin-Stick-Manier eine Gegnerwelle nach der anderen wegkleistern. Optisch war es einfach lieblos und es fühlte sich ziemlich verloren zwischen den großen Konkurrenten an. Contra Gefühle kamen nie auf. Entsprechend wurde es auf Metacritic mit einem Userscore von 4.0 vernichtend abgelehnt.
Zum Glück brachte Konami im selben Jahr aber auch eine Anniversary Collection mit den besten Teilen der Reihe heraus und hat damit zumindest unsere Herzen wieder beruhigen können.
Zwar fehlt leider der vierte Teil, aber trotzdem macht es einfach Spaß ein paar Runden zu spielen. Besonders auf der Nintendo Switch kann die Collection seine Stärken ausspielen. Schnell mal den Handheld in die Hand genommen, ein paar Minuten auf dem Sofa, dem Klo oder in der Bahn spielen und dann wieder weglegen.
Die Contra-Reihe schafft es einem das Gefühl zu geben sofort wieder im Spiel zu sein. Egal, wie lang man abstinent war, die Maps und Gegner sind sofort wieder im Kopf.
Hier und da haben vielleicht Reaktionsvermögen und Stressresistenz etwas nachgelassen, der Reiz immer weiterzukommen und immer schneller zu werden ist aber nach wie vor da. Kombiniert mit dem zeitlosen 2D-Gameplay ist Contra auch heute noch perfekt für die ein oder andere Runde Geballer zwischendurch.
