Civilization 6: ​Rise and Fall im Test - Klasse Erweiterung mit alten Problemen

Test Matthias Dammes 53,99 €
Civilization 6: ​Rise and Fall im Test - Klasse Erweiterung mit alten Problemen
Quelle: PC Games

Mit Civilization 6: Rise and Fall ist die erste große Erweiterung für das Rundenstrategiespiel erschienen. Das Add-on erweitert eure Reise durch die Zeitalter der Menschheitsgeschichte mit zahlreichen neuen Features. In unserem Test lest ihr, ob sich ein Upgrade lohnt und welche Probleme es immer noch gibt.

Civilization 6 (jetzt kaufen / 53,99 € ) bot bereits zum Release im Oktober 2016 eine Fülle an Gameplay-Mechaniken und Features. Das Rundenstrategiespiel erschien in seiner Grundversion bereits mit vielen Elementen, die den Vorgänger Civilization 5 erst im Verlauf seiner beiden Add-ons zu dem herausragenden Spiel gemacht haben. Zusätzlich haben die Entwickler das Konzept noch mit den Bezirken und anderen Features erweitert. Für die erste Erweiterung von Civ 6 mussten sich die Macher also ein Reihe spannender Neuerungen einfallen lassen, die erneut frischen Wind in den Spielablauf bringen.

Dazu haben sich die Entwickler fast anderthalb Jahre Zeit gelassen. Der Titel "Rise and Fall" ist dabei ziemlich wörtlich zu nehmen. Die acht neuen Zivilisationen wie Schotten, Holländer und Koreaner, neue Einheiten, Gebäude sowie Wunder sind da nur das Pflichtprogramm. Denn im Add-on dreht sich alles um den Aufstieg und Fall von Zivilisationen. Mit den neuen Features wie dunklen und goldenen Zeitaltern, der Loyalität und internationalen Notfällen wird für mehr Bewegung im Ringen der Völker um die Vorherrschaft gesorgt.

In guten, wie in schlechten Zeiten

Noch stärker im Mittelpunkt steht dabei die Geschichte, die ihr durch eure Aktionen mit eurer Zivilisation schreibt. Bisher vom Spieler kaum beachtete Ereignisse und Vorgänge lösen nun besondere historische Momente aus. Ihr habt als erstes Volk den Kontakt mit einem Stadtstaat hergestellt, ihr habt ein Wunder errichtet, ihr habt als erste Zivilisation die Welt umrundet - all das und vieles mehr wirkt sich jetzt direkt auf das historische Erbe eures Volkes aus. Festgehalten werden diese Momente in einer schicken, an eine Pergamentrolle erinnernden Übersicht.

Wichtige Ereignisse in der Geschichte eures Volkes werden für die Nachwelt festgehalten. Quelle: PC Games Wichtige Ereignisse in der Geschichte eures Volkes werden für die Nachwelt festgehalten. Diese Ereignisse dienen jedoch nicht nur der Nachverfolgung eurer bisherigen zivilisatorischen Errungenschaften. Jeder dieser Momente gewährt euch außerdem eine gewisse Anzahl an sogenannten Zeitalterpunkten. Diese werden wichtig, wenn die Weltgemeinschaft nach einer gewissen Zeit in das nächste Zeitalter vordringt. Der Übergang von Antike zu Klassik und in die nachfolgenden Zeitalter erfolgt dabei nicht mehr streng anhand der eigenen Forschungserfolge, sondern global.

So ist jede Partie in mehrere kleine Abschnitte unterteilt. Beim Zeitalterwechsel findet dann die Abrechnung statt. Wer in den zurück liegenden Jahren kaum etwas geleistet hat, fällt mit seinem Volk in ein dunkles Zeitalter und muss Nachteile bei Wachstum, Produktion und Loyalität hinnehmen. Im Gegenzug schaffen es besonders tüchtige Zivilisationen in ein goldenes Zeitalter und bekommen entsprechende Boni verpasst. Da es Zeitalterpunkte nicht nur für militärische Erfolge gibt, sondern auch für eine Vielzahl von friedlichen Ereignissen, werden endlich auch Spielweisen Abseits von militärischen Eroberungen besser belohnt. Die Vor- und Nachteile eines goldenen beziehungsweise dunklen Zeitalters wirken sich deutlich aus und können deutlichen Einfluss auf die jeweiligen Reiche haben. Doch ein dunkles Zeitalter fühlt sich nicht als Bestrafung an und bedeutet nicht automatisch den Untergang. Stattdessen wird der Spieler nur vor spannende neue Herausforderungen gestellt, aus denen er mit etwas Geschick auch deutlich gestärkter wieder hervorgehen kann. Die Stadt Toledo hat sich mangels Loyalität von Spanien (unten) losgesagt. Als freie Stadt wird sie nun von unseren Schotten (links) und den Amerikanern (rechts) beeinflusst. Quelle: PC Games Die Stadt Toledo hat sich mangels Loyalität von Spanien (unten) losgesagt. Als freie Stadt wird sie nun von unseren Schotten (links) und den Amerikanern (rechts) beeinflusst.

Treulose Städte

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen des aktuellen Zeitalters an der Loyalität eurer Städte. Besonders in Grenzregionen kann das geschwundene Vertrauen während eines dunklen Zeitalters in Kombination mit dem Einfluss der naheliegenden Städte der Nachbarzivilisation zum Problem werden. Ähnlich der Religion verfügt jede Stadt jetzt nämlich über einen Loyalitätswert, der auf umliegende Siedlungen einen gewissen Druck ausübt. Dabei spielt auch die Kultur eures Reiches und die jeweilige Entfernung zur Hauptstadt eine Rolle. Es ist also von Vorteil ein zusammenhängendes Reich zu errichten. Weit verstreute Siedlungen lassen sich wesentlich schwerer unter Kontrolle behalten. Damit schafft Civilization 6 auch ein gutes Spiegelbild der Weltgeschichte. Weit ausgedehnte Imperien, wie das britische Empire, hatten ebenfalls mit der Zeit immer mehr Probleme die Kontrolle in ihren weit entfernten Gebieten zu behalten.

Die Loyalität unterliegt ähnlich der Religion Strömungen zwischen allen angrenzenden Städten. Quelle: PC Games Die Loyalität unterliegt ähnlich der Religion Strömungen zwischen allen angrenzenden Städten. Im Spiel wirkt sich der Kontrollverlust dadurch aus, dass sich Städte ohne ausreichend Loyalität von ihrem angestammten Reich lossagen und zu freien Städten werden. Ist der Einfluss einer anderen Zivilisation groß genug, schließen sie sich mit der Zeit friedlich dem anderen Volk an. Auf diese Weise kann sich eine Zivilisation auch ausdehnen, ohne gegen die Nachbarn direkten Krieg zu führen. Mit Hilfe von Spionen kann dem Vorgang zur Not auch nachgeholfen werden. Diese Spielweise funktioniert nicht so einfach wie zum Beispiel in Civilization 4, wo man durch kulturellen Druck seine Grenzen in großem Stil ausdehnen konnte. Das neue System wirkt da wesentlich nachvollziehbarer.

Wer dem Einsatz von Militär nicht gänzlich abgeneigt ist, hat mit den freien Städten aber auch recht einfache Ziele. Ohne eine Krieg gegen eine andere Zivilisation starten zu müssen, können diese Städte für das eigene Reich eingenommen werden. Das ursprüngliche Volk kann diese Städte aber auch mit Hilfe seiner Truppen zurück ins Reich zwingen. Um den Verlust einer Stadt zu verhindern, sollte man Maßnahmen zur Steigerung der Loyalität ergreifen. In erster Linie sollte man dafür sorgen, dass die Einwohner zufrieden sind und mit ausreichend Annehmlichkeiten versorgt werden. Außerdem ist es hilfreich, einen Gouverneur in den betreffenden Städten zu installieren.

Mehr Spezialisierung

Sieben dieser mächtigen neuen Charaktere werden mit Rise and Fall eingeführt. Jeder Gouverneur verstärkt deutlich die Loyalität der Stadt, in der er stationiert ist. Darüber hinaus verfügen jeder aber auch über eigene ganz spezielle Stärken. Während Victor diverse militärische Boni verleiht, ist Jeder Gouverneur verfügt über spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten. Quelle: PC Games Jeder Gouverneur verfügt über spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten. Pingala auf Forschung spezialisiert. Diplomatin Amani lässt sich sogar in einem Stadtstaat einsetzen, um die dortigen Beziehungen zu verbessern. Auf diese Weise lassen sich einzelne Städte noch stärker auf bestimmte Gebiete spezialisieren. Das stärkt noch einmal die strategische Tiefe bei der Stadtplanung.

Um einen Gouverneur ernennen zu können, benötigt ihr sogenannte Gouverneurstitel. Verdient werden diese über den Ausrichtungs-Forschungsbaum. Die Titel könnt ihr dann einsetzen um einen neuen Gouverneur zu berufen oder bestehende zu befördern. Jeder dieser Spezialcharaktere verfügt über jeweils fünf Upgrades, die seine speziellen Eigenschaften weiter ausbauen. Da die Zahl der Gouverneurstitel begrenzt ist, steht ihr auch immer vor einer strategischen Entscheidung. Damit bekommt der Spieler mit seinen Entscheidungen wieder stärkeren Einfluss auf die Entwicklung seiner Zivilisation. Langfristige Allianzen sorgen für steigende Boni. Quelle: PC Games Langfristige Allianzen sorgen für steigende Boni.

Freunde mit gewissen Vorzügen

Ähnliches gilt für die Allianzen. Zwar konntet ihr schon im Hauptspiel Bündnisse mit besonders gut befreundeten Zivilisationen eingehen, doch mit Rise and Fall haben die Entwickler von Firaxis dieses System deutlich ausgebaut. Fünf verschiedene Arten von Allianzen stehen euch jetzt zur Verfügung. Je nachdem ob ihr euch für eine Militär-, Forschungs-, Wirtschafts-, Kultur- oder Religionsallianz entscheidet, erhaltet ihr und euer Verbündeter unterschiedliche Boni. Dabei kommt es auch auf den Bündnispartner an, welche Form der Allianz zustande kommen kann.

Zusätzlich zu den Spezialisierungen der Bündnisse steigen diese außerdem in bis zu drei Stufen auf. Dazu wird über die Dauer der Allianz eine Punktzahl aufgebaut. Sobald ein gewisser Schwellenwert erreicht wurde, erhöht sich die Stufe und damit auch die Boni, die sich für beide Partner aus der Verbindung ergeben. Hier werden also Spieler belohnt, die langfristig gute Beziehungen zu anderen Völkern pflegen. So vermitteln die neuen Allianzen das Gefühl einer engeren Beziehung zum Verbündeten, was eine bessere Atmosphäre der Zusammenarbeit zwischen den Zivilisationen schafft. Ein weiterer Baustein im Bestreben dieser Erweiterung mehr Spielweisen abseits des bloßem Militarismus zu fördern.

Hilfe für die Kleinen

Das Spiel soll allerdings nicht zu einer völlig pazifistischen Veranstaltung mutieren. Dafür sorgen die neuen internationalen Notfälle, die von Zeit zu Zeit auftauchen können. Ein Stadtstaat wurde von einer mächtigen Zivilisation überrannt, eine heilige Stadt wurde in einer fremden Religion Notfälle sorgen für spannende Ereignisse im späteren Spielverlauf. Leider spielt die KI selten intelligent mit. Quelle: PC Games Notfälle sorgen für spannende Ereignisse im späteren Spielverlauf. Leider spielt die KI selten intelligent mit. konvertiert oder eine kleine Zivilisation steht kurz davor ausgelöscht zu werden. In solchen Situationen kann es zu einem Notfall kommen, bei dem sich die Völker in einer Koalition zusammen gegen eine Gefahr stellen. Auch hier haben sich die Entwickler wieder klar von historischen Vorfällen inspirieren lassen, um auf diese Weise neue Herausforderungen in fortgeschrittenen Partien zu erschaffen.

Die Notfälle stellen einen guten Weg dar, um Zivilisationen in große Konflikte zu verwickeln. Außerdem sind sie eine Chance für zurückgefallene Völker einen enteilten Konkurrenten zu schwächen. Für den Spieler treten durch die Notfälle Entwicklungen bei den KI-Gegnern stärker in den Mittelpunkt, denen er sonst womöglich kaum Beachtung geschenkt hätte. Allerdings leidet das System auch darunter, dass es stark von der KI abhängig ist. Denn die Computer-Gegner sind keine guten Teamspieler. Entweder sind sie zu unverlässlich, um überhaupt auf den Notfall einzugehen, oder sie verfolgen das gesetzte Ziel nur unzureichend. Häufig sind die Erfolgschancen daher eher gering und ein Ablehnen des Notfalls meist klüger, um den Gegner nicht noch mehr zu stärken.

Sinnvoller Ausbau mit bekannten Macken

Das größte Manko der Erweiterung ist daher auch, dass sie es nicht schafft, die größte Baustelle des Hauptspiels zu beseitigen. Mit den Patches seit Release haben die Entwickler zwar ein paar Verbesserungen an der KI vorgenommen, aber wirklich zufriedenstellend ist das weiterhin nicht. Noch immer werden wir aus völlig abwegigen oder nicht nachvollziehbaren Gründen denunziert. So beschwerte sich ein KI-Spieler bei uns, dass wir in Denunzierungen und Kriegserklärungen der KI sind nicht nur wie in diesem Fall sehr fies, sondern bleiben auch nicht immer nachvollziehbar. Quelle: PC Games Denunzierungen und Kriegserklärungen der KI sind nicht nur wie in diesem Fall sehr fies, sondern bleiben auch nicht immer nachvollziehbar. einem dunklen Zeitalter sind, obwohl sich dieser selbst gerade in einem dunklen Zeitalter befand. Auch der Klassiker, dass wir für fehlende Spione denunziert werden, obwohl Spionage noch gar nicht erforscht ist, tritt weiterhin auf. Auch Kriegserklärungen bleiben weiterhin nicht immer nachvollziehbar und erfolgen teils recht willkürlich.

Davon abgesehen liefert Rise and Fall genau das, was man von einer Civilization-Erweiterung erwartet. Der Spielablauf wurde mit vielen sehr gut integrierten Features ausgebaut und die strategische Tiefe dadurch spürbar erhöht. Besonders gut gelungen ist es, das Spiel von einem zu starken Fokus auf militärische Spielweise hin zu mehr Vielfalt zu entwickeln. Die Entwicklung der eigenen Zivilisation liegt wieder stärker in der Hand des Spielers, der mehr Wahlmöglichkeiten hat, wie er mit seinem Volk verfahren möchte. Sehr gefallen hat uns auch, dass Rise and Fall einzelnen Momenten und Phasen des Spielablaufs mehr Bedeutung zukommen lässt. Bisher war der Ablauf einer Partie Civilizaition 6 sehr vorhersehbar, das Add-on sorgt wieder für mehr Dynamik, was dem Spiel nur zu gut kommt.

Meinung

Wertung zu Civilization 6 (PC)

Wertung:

8.8 /10
Pro & Contra
Zeitalter eröffnen neue Chancen und HerausforderungenLoyalität sorgt für neue Strategie bei Stadtgründungen und ermöglicht friedliche ÜbernahmeGouverneure für spezialisierte StädteAllianzen mit mehr strategischer TiefeSpannende neue Anführer und Zivilisationen
KI nach wie vor mit unlogischen AktionenNotfälle gehen wegen unzuverlässiger KI häufig nach hinten los

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