Sid Meier's Civilization 2 wird 25 Jahre alt - Retro-Special zur Rundenstrategieikone
Special
Seit drei Jahrzehnten bestimmt Civilization das Genre der Rundenstrategie. Vor nunmehr einem Viertel-Jahrhundert erschien mit Sid Meier's Civilization 2 einer der für viele besten Teile der Reihe. Wir schauen im Retro-Special zurück, was das Spiel ausgemacht hat und welchen Erfolg es seinen Machern beschert hat.
Civilization ist untrennbar mit dem Namen Sid Meier verbunden, seit der Kanadier vor 30 Jahren den ersten Teil der legendären Rundenstrategie-Reihe nahezu im Alleingang entwickelte. Lediglich Bruce Shelley, der später selbst mit Age of Empires Spielegeschichte schreiben sollte, stand ihm als Ideengeber und Spieltester zur Seite. Herausgekommen ist trotzdem ein Meilenstein der Videospielgeschichte, der ein Genre nachhaltig prägte. Bis heute verkörpert Civilization in seiner jeweils aktuellen Fassung die Referenz in der Rundenstrategie. Mit jeder neuen Version zeichnet sich die Reihe durch kluge Weiterentwicklung und frische Idee aus. Auch mit dem ersten Nachfolger nach dem erfolgreichen Erstling wollte Publisher Microprose natürlich noch einen draufsetzen und setzte gleich ein ganzes junges Team an die Entwicklung. Erstaunlicherweise aber nicht unter der Leitung von Sid Meier. Der tritt bei Civ 2 bereits mehr in den Hintergrund und fungiert vor allem noch als Berater und Tester.
Keine Lust zu lesen? Nachfolgend könnt ihr euch das Spiel auch im Videoformat anschauen:
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Kritischer und kommerzieller Erfolg
Unter dem Arbeitstitel Civilization 2 (jetzt kaufen ) 000 sollten für den Nachfolger vor allem Anregungen der Fans des ersten Teils aufgegriffen und in bessere Spielfeatures übertragen werden. Die Weltöffentlichkeit bekam davon jedoch lange Zeit nichts mit. Stattdessen lief die Entwicklung mehrere Jahre im Geheimen ab. Öffentlich Angekündigt wurde das Spiel erst, nachdem man bereits die Phase des finalen Balancings und Feinschliffs erreicht hatte. Knapp fünf Jahre nach dem Vorgänger erschien das Spiel dann am 29. Februar 1996 in Nordamerika und einige Wochen später in Europa. Ein Jahr später folgte noch eine MacOS-Version und im Jahre 1999 sogar eine Umsetzung für die erste Playstation von Sony.
Die jahrelange Arbeit sollte sich auszahlen. Civilization 2 wurde von der Spielpresse gefeiert und mit Höchstwertungen versehen. Im PC-Games-Test lobten wir seinerzeit die sinnvollen Verbesserungen, die gestiegene Einsteigerfreundlichkeit und die anhaltende Spannung bis ins Endgame. Mit einer Spielspaß-Wertung von 90 Punkten sortierten wir uns sogar noch am unteren Rand des Spektrums ein. Auf metacritic steht Civilization 2 bis heute bei einem Schnitt von 94 und ist damit zusammen mit Civ 4 der bislang am besten bewertete Teil der Reihe. Seit seinem Release taucht das Spiel auch in regelmäßigen Abständen auf den vordersten Plätzen in Listen der besten Videospiele aller Zeiten auf.
Das gute Echo in der Fachpresse schlug sich dann auch im Erfolg an der Ladentheke nieder. In den Vereinigten Staaten wurde Civilization 2 zum fünft-meist verkauften Videospiel im Jahre 1996. Weltweit wurden bis November desselben Jahres mehr als 600.000 Exemplare verkauft. Im August des folgenden Jahres wurde die Verkaufsmarke des Vorgängers von 850.000 verkauften Einheiten geknackt. Das Spiel blieb also auf lange Zeit ein Verkaufsrenner und brachte Entwickler und Publisher auch in den folgenden Jahren stetige Einnahmen. Bis zum Jahre 2001, als der Nachfolger erschien, summierten sich alle Verkäufe auf seinerzeit beachtliche 3 Millionen Exemplare.
Quelle: PC Games
Civilization 2 im Retro-Special. (3)
Neuer Anstrich für Altbekanntes
Inhaltlich machte Civilization 2 im Grunde nichts anderes, als auf dem hervorragenden Vorgänger aufzubauen und alles noch ein wenig schicke und umfangreicher zu gestalteten. Während die späteren Teile der Reihe auch stets mit einer Reihe gänzlich neuer Ideen und Features aufwarteten, unterschied sich das Gameplay beim zweiten Teil kaum vom ersten. Mit Siedlern Städte gründen, darin Gebäude und Einheiten produzieren, um Stück für Stück das eigene Reich zu vergrößern. Gegen Gegner kann auf diplomatische und militärische Weise vorgegangen werden. Man kann das Spiel aber auch gewinnen, indem man zum Beispiel die wissenschaftliche Vorherrschaft erlangt und als erste Nation den Weltraum erobert. Dieses nahezu unverändert übernommene Konzept tat dem Erfolg und der Begeisterung von Spielern und Kritikern aber keinen Abbruch. Manchmal reicht es eben aus das Rezept unverändert zu lassen und stattdessen nur frische Zutaten in größerer Menge zu verwenden.
Quelle: PC Games
Civilization 2 im Retro-Special. (4)
Für Civ 2 macht sich das vor allem in den oberflächlichen Elementen des Spiels bemerkbar. So wurde die Darstellung der Karte von der totalen Draufsicht auf die isometrische Ansicht geändert, wie sie in der Reihe bis heute Standard ist. Die SVGA-Grafik erlaubte den Entwicklern deutlich mehr Details in den Landschaften der Welt darzustellen. Auch die Städte und Einheiten werden mit schicken, sich verändernden Sprites dargestellt und nicht mehr als schlichte Quadrate. Die Quadratform liegt der Spielwelt in seinen einzelnen Feldern aber weiterhin zu Grunde.
Wer sich übrigens nicht mit den zufällig generierten Karten begnügen möchte, hat die Möglichkeit im einfach zu bedienenden Editor eigene Welten zu erschaffen. Das funktioniert dank Drag&Drop fast so einfach wie in einem Mal-Programm und führt schnell zu schicken Ergebnissen. Lediglich die Verteilung von Ressourcen wird auch auf den handgestalteten Karten bei Spielstart zufällig vorgenommen.
Mehr vorn allem
Bei den hinter der Oberfläche steckenden Systemen wurde vor allem das bereits bekannte mit neuen Inhalten erweitert. So wurde zum Beispiel der Technologie-Baum stark erweitert. Mit neuen Forschungsoptionen wie zum Beispiel Amphibien-Fahrzeuge und Seekampf-Taktiken wurde vor allem das Endgame aufgewertet, damit
Quelle: PC Games
Civilization 2 im Retro-Special. (6)
Spieler auch in fortgeschrittenen Partien noch genug zu tun haben. Daraus ergeben sich natürlich auch jede Menge neue Gebäude wie Supermärkte und Flugplätze, sowie neue Militär-Einheiten. Darunter Fallschirmspringer, AEGIS-Kreuzer und Cruise Missles.
Aufgestockt wurde zudem das Angebot an Weltwundern. Mit Freiheitstatue und Leonardos Werkstatt lassen sich neue mächtige Boni freischalten. Natürlich darf auch ein Zuwachs bei den Spielbaren Völkern nicht fehlen. Zu den 15 Völkern des Vorgängers gesellen sich sieben neue Nationen wie Spanien, Japan und Perser.
Dem bekannten Spielprinzip wurde also an allen Ecken und Enden mehr Abwechslung spendiert, was zu einem nochmals deutlich gesteigerten Wiederspielwert führte. Dazu trugen auch die neuen Szenarien bei. In diesen konnten abseits der üblichen Zufallspartien nun erstmals auch historische Konflikte aus der Zeit des römischen Reiches oder des zweiten Weltkriegs nachgespielt werden. Für geübte Strategen, denen schon der Vorgänger zu einfach wurde, stand nun außerdem mit "Göttlich" eine neue Schwierigkeitsstufe zur Verfügung, die Veteranen vor besondere Herausforderungen stellte.
Quelle: PC Games
Civilization 2 im Retro-Special. (2)
Spielend lernen
Eine der größten echten Neuerungen war schließlich die im Spiel integrierte sogenannte Civilopädie. Musste man beim Vorgänger noch umständlich im Handbuch nachschlagen, wenn man mal Informationen zu einem Spielelement, einer Einheit oder einem Gebäude suchte, standen entsprechende Texte nun mit wenigen Klicks zur Verfügung. Darin lieferten die Entwickler auch historische Hintergrund-Informationen zum jeweiligen Objekt, mit denen interessierte Spieler gleich auch noch etwas über die Menschheitsgeschichte lernen konnten. Eine Tradition die sich in der ganzen Civ-Reihe fortgesetzt hat.
Quelle: PC Games
Civilization 2 im Retro-Special. (7)
Man konnte Civilization 2 vorwerfen, dass die Entwickler auf Experimente mit neuen Spielsystem verzichtet haben und sich das Spiel nicht genügend vom Vorgänger unterscheidet. Aber als wirklich schlimm hat diesen Umstand wohl kaum jemand herausgestellt. Im Gegenteil, durch die Besinnung auf die bewährten Mechaniken konnten ein Spiel entstehen, das von einigen Kritikern seinerzeit als eines der am besten ausbalancierten und spielbaren Spiele bezeichnet haben, das je erschienen sei. Zweifelsfrei gehört es bis heute zu den besten Teilen der altehrwürdigen Reihe und sein prägender Einfluss auf das Strategiegenre im Allgemeinen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Erweiterungen, wie heute üblich, gab es für Civ damals noch nicht. Nach der Veröffentlichung von Civilization 2 hatten die Entwickler aber auch ganz andere Probleme. Der Besitzer von MicroProse führte in dieser Zeit große Umstrukturierungen durch - unter anderem die Verlagerung des Firmenstandorts von Maryland nach Kalifornien. Führende Civ-Entwickler wie Sid Meier, Brian Reynolds, Jeff Briggs und andere verließen daraufhin MicroProse und gründeten Firaxis. Da die Rechte an Civilization aber zunächst beim Publisher blieben musste sich das Team damit begnügen "nur" einen spirituellen Nachfolger zu entwickeln. Mit Sid Meier's Alpha Centauri sollte den Machern bei Firaxis drei Jahre später aber ein ebenso herausragendes und gefeiertes Werk gelingen. Auch hier galt das stets gleiche Motto: "Nur noch eine Runde ...".
