Chocobo GP im Test: Leider gar keine Konkurrenz für Mario Kart
Test
Square Enix entsendet einen neuen Wettbewerber in den Maskottchen-Kart-Racer-Grand-Prix. Ob er einen Podiumsplatz ergattert, zeigt unser Test.
Sie sind zwar nicht so bekannt wie etwa Cloud oder Sephiroth, aber Chocobos gelten schon lange als Maskottchen der Final-Fantasy-Reihe. Die weniger beunruhigende Form von Bibo aus der Sesamstraße feierte ihr Debüt im zweiten Ableger der JRPG-Ikone im Jahre 1988 - nur zwei Jahre nach Marios Erstauftritt. Klempner und Reittier können beide auf eine Vielfalt an verschiedenen Abenteuern zurückblicken.
Aufgrund der unterschiedlichen Genres gab es allerdings wenig Berührungspunkte für die beiden japanischen Maskottchen. Ende der Neunziger allerdings machten sich viele Gaming-Ikonen auf zu Arcade-Spritztouren, und allen voran fuhr natürlich Mario Kart. Chocobo Racing erschien 1999, drei Jahre nachdem im N64-Pilzkönigreich die Rennstrecken erbaut worden waren. Besonders außerhalb Japans schien es die Ziellinie aber kaum erreichen zu können. Der Hauptkritikpunkt: Es wollte Mario Kart sein, war es aber nicht. Zwei Jahrzehnte später wagt Square Enix nun einen zweiten Versuch. Nachdem bereits ein anderer Chocobo-Ableger, Chocobo's Mystery Dungeon Every Buddy!, auf der Switch ein neues Leben eingehaucht bekam, flitzt Chocobo nun zum Switch-Release.
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Es gibt nur ein Problem: Je näher das Erscheinungsdatum rückte, desto präsenter wurde auch wieder Mario Kart in den Köpfen der Menschen. Mit Spekulationen rund um einen Nachfolger sowie dem angekündigten, umfangreichen DLC ist Mario Kart 8 Deluxe wieder in aller Munde. Ob Chocobo will oder nicht, er sieht sich an der Startlinie wieder mal Nintendos großem M gegenüber. Wird er sich dieses Mal im Grand Prix behaupten?
Kweh?
Quelle: PC Games
Drückt man beim Abspringen von einer Rampe im richtigen Moment Y, kann man einen Trick ausführen Das sollte man auch am besten tun. Ansonsten fällt man nämlich von der Rampe wie ein Stein.
Der Anfang ist direkt holprig. Das Menü hat zwar Mario-Vibes und erinnert an dessen Tage als Olympischer Sportler, aber die Bezeichnungen der Modi verwirren. Schuld daran ist - schon wieder! - Mario Kart 8. Wer gewohnt ist, hinter Grand Prix den klassischen Spielmodus zu finden, wird enttäuscht. Dabei handelt es sich um den Online-Modus. Also weiter zum Punkt Mehrspieler, da kann man ja bestimmt zusammenspielen. Theoretisch ja, aber nur online, oder per Transfer, wenn jeder Spieler eine eigene Switch besitzt.
Also suchen wir weiter und da! Der Splitscreen-Multiplayer verbirgt sich hinter dem Begriff Rennserie. Warum er sich versteckt, wird schnell klar: Er macht keinen Spaß. Das liegt vor allem an den Single-Joycons, die das Spielen nach einiger Zeit unangenehm machen. Zudem ist die Steuerung weniger intuitiv und präzise als in Mario Kart, während der Zufallsfaktor hochgeschraubt wurde. Es handelt sich immer noch um einen Kart Racer, es kann also gut im Hintergrund von Konversationen gespielt werden - anstelle der Single-Joy-Cons sollte dies aber auch mit zwei Controllern funktionieren.
Der Weg des Kartfahrers ist ein einsamer
Quelle: PC Games
Das Maginit Bahamut, die mächtigste aller Beschwörungen, ist prinzipiell der Kugelwilli aus Mario Kart und auch sicher nicht der einzige Deja-Vu-Moment, den man beim Spielen haben wird.
Wenn man die Switch für sich alleine hat und keine Joy-Cons teilt, fühlt sich das Spielen wesentlich angenehmer an. Anstelle von X beschleunigt man mit der rechten Schultertaste R und der Drift verlagert sich auf Y. Mit diesem abgewandelten Button-Layout spielt es sich wesentlich angenehmer - schon allein weil sich der nutzlose Z-Trigger des horizontalen Single-Joy-Con nicht mehr in die Hand bohrt.
Trotzdem haftet der Steuerung eine gewisse Klobigkeit an, was besonders das Driften weniger handlich macht. Der Drift nämlich ist statisch und reaktionsunfähig, weswegen man ihn selten lange genug halten kann, um einen nennenswerten Boost zu bekommen.
Die fehlende Flexibilität erschwert zudem den Umgang mit Items, nein, Moment, mit den Zaubern - so heißen sie in Chocobo GP (jetzt kaufen 15,62 € ). Überall auf den Rennstrecken kann man "magische Eier" in drei Variationen einsammeln. Die Farbe des Eis bestimmt die Art des Maginits, die man erhält. Goldene Eier haben beispielsweise eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, einem zwei Maginite derselben Sorte zu spendieren. Das ist wichtig, denn je mehr gleiche Maginite man besitzt, desto stärker sind die gewirkten Zauber.
Jeder Spieler kann bis zu drei Maginite gleichzeitig halten. Dementsprechend gibt es für jeden Zauber drei Stufen, wobei die dritte die mächtigste ist. Aber egal welcher Zauber und welche Stufe, alles hat zu jeder Zeit das Potential, das komplette Rennen zu ändern.
Drohende Angriffe werden am unteren Bildschirmrand angezeigt und man kann mit A hinter sich schauen. Da wäre nur das klitzekleine Problem, dass nicht angezeigt wird, woher die Angriffe kommen. Zudem hat man kaum Zeit, sich umzudrehen. Selbst wenn man also wüsste, woher die Angriffe kommen, braucht es dennoch viel Glück, um ihnen rechtzeitig auszuweichen. Und wenn nicht? Dann ist es wahrscheinlich, dass man so lange hilflos auf dem Boden rumsitzt, um einer Reihe von Kontrahenten beim Vorbeifahren zuzuschauen.
Quelle: PC Games
Es gibt hier keine Cups, sondern Serien, die aber ebenfalls aus vier Kursen bestehen. Weil es nicht genug Strecken gibt, gibt es Varianten - hier die kurze Version von Cids Teststrecke.
Es gibt auch Zauber, die einem helfen statt anderen zu schaden. Da wäre beispielsweise das Schild, das erstaunlich schlecht darin ist, Angriffe abzuwehren, oder das Portal. Letzteres gibt einem die Möglichkeit, einen gewissen Teil der Strecke zu überspringen, oder, wenn man unglücklicherweise das falsche Ende erwischt, zurückgeworfen zu werden. Die Mechanik ist besonders lustig, weil NPCs gerne mal zwei Portale direkt hintereinander pflanzen, sodass man, wenn man in das Erste hineinfährt, auf der anderen Seite direkt vom Ende des Zweiten zurückgeworfen wird.
Anders als in Mario Kart sind diese Chaos-Momente aber kein ab und zu stattfindendes Nebenereignis. Sie. Passieren. Einfach. Ständig. Es ist ganz normal, in einem Rennen auf der Rangliste rauf und runter zu springen wie ein Flummi.
Chocour de France
Quelle: PC Games
Beschleunigt man während des Countdowns im richtigen Moment, kann man wie in anderen Kart-Racern gleich zu Beginn einen Boost bekommen. Je besser das Timing, desto perfekter der Start.
Maßgeblich zum omnipräsenten Chaos tragen die Strecken bei. Wenn man mal von dem Faktor absieht, dass es nur acht Strecken mit "Variationen" gibt und einem davon die meisten wegen ihrer Einfallslosigkeit bekannt vorkommen, sind sie oft schlecht designt. Die Strecken bestehen meist aus Variationen von geometrischen Grundformen und Abkürzungen sind eine Seltenheit.
Was die Strecken des Weiteren zum Problem macht, sind aber vor allem zwei Faktoren: Zum einen sind selbst lange Strecken relativ kurz und zum anderen sind fast alle unangenehm eng. Das sorgt dafür, dass meist alle Charaktere auf einem Haufen hocken. Dass es dabei oft zu Großunfällen kommt, ist logisch. Es passiert meistens alles auf einmal und man hat selten das Gefühl, irgendetwas unter Kontrolle zu haben.
Race and Repeat
Das alles klingt erstmal frustrierend. Paradoxerweise motiviert der Zufallscharakter des Spiels aber auch. Das zeigt sich vor allem in den Missionen des Story-Modus. Hier muss man, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, entweder besser sein als bestimmte Fahrer, oder aber den ersten Platz belegen. Das sorgt zwar nicht für Abwechslung, ist aber durch die Unberechenbarkeit der Rennen trotzdem spaßig.
Da man selten das Gefühl hat, am eigenen Scheitern schuld zu sein, ist man eher dazu geneigt, einen weiteren Versuch zu wagen. Die Missionen haben einen gewissen Glückspielfaktor: Man möchte es wieder und wieder versuchen, bis man eine gute Runde erwischt.
Hinzu kommen Zusatzherausforderungen, wie etwa das Ziel in einer bestimmten Zeit zu erreichen. Das verleiht den Missionen Wiederspielwert. Zudem gibt es Wertungen für Start, Driften und Ähnliches. Die Summe der Faktoren bestimmt dann, ob man etwa ein "perfektes" oder nur ein "tolles" Rennen gefahren ist. Eine wirkliche Bedeutung hat das allerdings nicht.
Oberflächliche Anpassungen
Ebenfalls eher unbedeutend sind die Werte der Fahrzeuge. Anders als in Mario Kart kann man sich diese nicht nach Belieben
Quelle: PC Games
Im Verlauf des Spieles wird man immer wieder mit Coupons belohnt. Mit diesen Coupons kann man im In-Game-Shop Charaktere, Fahrzeuge, Farben, Aufkleber und Hintergründe für das Menü kaufen.
zusammenbasteln. Stattdessen ist jeder Charakter mit einem bestimmten fahrbaren Untersatz ausgestattet. Diese unterscheiden sich in den Faktoren Geschwindigkeit, Haftung, Beschleunigung und Drift. Im tatsächlichen Spiel fällt das aber kaum auf. Das ist vermutlich auch ganz gut so, weil die Werte einiger Charaktere einfach objektiv besser sind als andere.
Zudem sind die Fahrzeuge wandelbar. So kann man sich im In-Game-Shop etwa eine Variation mit mehr Geschwindigkeit, aber weniger Haftung, Beschleunigung und Drift kaufen. Für alle, die noch mehr Individualisierung brauchen, gibt es Farbvarianten und Sticker. Diese sind aber rein kosmetischer Natur und zu Beginn ist die Auswahl dünn. Erweitern lässt sich das Sortiment in einer Art New-Game-Plus, wodurch man konstant fürs Spielen belohnt wird.
Ein Spiel mit Charakter
Über den Shop kann man außerdem zusätzliche Charaktere kaufen. Die meisten schließen sich einem aber World-of-Light-Style im Story-Modus an.
Quelle: PC Games
Während des Choco-Sprint hüpft Chocobo fröhlich auf der Strecke dahin und hinterlässt dabei bunte Regenbogen-Ringe. Fahren andere Spieler durch sie hindurch, erhalten sie einen Geschwindigkeits-Boost.
Es gibt dabei keine Charakterklassen wie Leicht oder Schwer. Dafür hat jeder Charakter seine eigene besondere Fähigkeit.
Mit Choco-Sprint kann der gelbe Vogel beispielsweise sich selbst und anderen einen Boost verpassen. Das ist schön und gut. Nur hat Chocobo-Mädchen Camilla quasi dieselbe Fähigkeit. Viele Fähigkeiten ähneln sich - was die Bezeichnung "besonders" irgendwie wiederlegt. Manche Fähigkeiten wie die des plumpen Vogel Clair, der sich einfach unsichtbar macht, haben zudem weniger Nutzen als andere.
Quelle: PC Games
Rennfahrer X ist der sehr heldenhafte Mogry, der die ganze Handlung in Gang setzt. Er ist nicht nur super niedlich, sondern auch sehr mysteriös.
Es gibt eine wesentlich kleinere Fahrerriege als in Mario Kart. Um die fehlenden Plätze wieder gut zu machen, hat deshalb jede Figur genug Persönlichkeit für zwei. Es gibt keine Metall- und Babyklone. Obwohl es drei Chocobos gibt, hat jeder ein einzigartiges Design und Charakter.
Cowboy Funk
Man hört ihn Pfeifen und schon steht er da: Rennfahrer X, der geheimnisvolle Mogry, der (selbsternannte) große Held der Geschichte. Er unterstützt nicht nur unsere Truppe, wenn sie in Schwierigkeiten gerät, er ist auch der Veranstalter eines Turniers. Wer auch immer das große Rennen am Ende gewinnt, wird einen Herzenswunsch erfüllt bekommen.
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