Children of Morta im Test: Hack & Slay-Vergnügen mit viel Action, Story und Herz
Test 19,79 €
Monster kloppen liegt hier in der Familie: Das hübsch gepixelte Rogue-lite glänzt mit griffiger Action, viel Story, gelungener Atmosphäre und blitzsauberem Spielfluss. Nur am Langzeitspaß hapert es: Im Vergleich zu anderen Rogue-lites ist bei Mortas Kindern überraschend schnell die Luft raus. Trotzdem ist das Spiel sein Geld wert - warum, klärt unser Test.
Auf den ersten Blick könnte man Children of Morta glatt mit einem Diablo light verwechseln. Doch der Eindruck täuscht: Unter der Retro-Haube tickt modernes Spieldesign, das sich großzügig bei Spielen wie Binding of Isaac, Risk of Rain oder Rogue Legacy bedient. Das ist nicht gerade originell, überzeugt aber trotzdem: Children of Morta (jetzt kaufen 19,54 € / 19,79 € ) ist ein sympathisches Rogue-lite, das sich aufs Wesentliche konzentriert und dabei mit ganz eigenen Stärken glänzt. Der Entwickler Dead Mage vermixt sein Hack & Slay mit dichter Atmosphäre, ungewöhnlich viel Story und einem liebevoll gepixelten Grafikstil, der mit schicker Farbgebung, sauberen Animationen und hübschen Details punktet.
Weltenrettung ist Familiensache
Quelle: PC Games
Story-Abschnitte und Zufallsereignisse werden von einem stimmungsvollen englischen Erzähler kommentiert.
Im Zentrum steht die Familie Bergson. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der ernsten Geschichte, in der ein Fantasiereich nach und nach von einer finsteren Macht verschluckt wird. Die Bergsons stellen sich der Dunkelheit entgegen und machen sich dazu auf die Suche nach drei Naturgeistern. Das ist so abgedroschen, wie es klingt, doch die Stärke von Children of Morta liegt ohnehin eher in seinem (englischen) Erzähler: Er begleitet das Geschehen mit bedeutungsschwangerer Stimme und meldet sich in vielen kleinen Zwischensequenzen zu Wort, dank denen wir die Familie mit der Zeit besser kennenlernen. Auch wenn manche Monologe etwas kitschig ausfallen, verleihen sie dem Spiel einen ebenso schwermütigen wie liebenswerten Charme.
Ein Bergson für jeden Geschmack
Fast alle Bergsons sind als Helden spielbar, insgesamt bekommen wir sechs mächtige Streiter an die Hand, die wir zwischen Missionen beliebig durchwechseln können. Es gibt beispielsweise einen Nahkämpfer mit Schwert und Schild, eine Bogenschützin, eine Feuermagierin oder einen flinken Dolchschwinger. Sie alle verfügen über jeweils eine Hauptwaffe und drei bis vier Spezialfähigkeiten, die wir in kleinen Talentbäumen freischalten. Das ist zwar ausgesprochen wenig, doch da uns das Spiel ermuntert, die Figuren regelmäßig durchzuwechseln, werden die Kämpfe nicht so schnell eintönig, wie man anfangs vermuten könnte.
Quelle: PC Games
Die sechs Familienmitglieder spielen sich schön unterschiedlich. Beim Aufleveln schalten sie Boni frei, die allen Bergsons zugutekommen.
Vor jeder Mission suchen wir uns einen Level aus, es stehen drei Gebiete mit mehreren mehrstöckigen Dungeons zur Auswahl. Jeder Level wird zufällig generiert und nimmt bis zu 45 Minuten in Anspruch, je nachdem wie eilig man es bis zum Ausgang hat. Das Spiel verteilt Schatzkisten voller Gold, Monster, Fallen und Artefakte dabei nach schlichtem Muster, der Zufallsgenerator kann so nicht verhindern, dass sich die Dungeons etwas gleichförmig anfühlen.
Der Motivation tut das aber keinen Abbruch: Die Kämpfe gegen die aggressiven Gegner gehen sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit dem Gamepad prima von der Hand, erschlagene Feinde lassen den Erfahrungspunktebalken befriedigend anwachsen. Die Upgrades, die wir durch Levelaufstiege freischalten, sind zwar überschaubar, zeigen aber Wirkung: Im Laufe der Zeit fühlt sich jede Figur mächtiger an. Prima!
Nichts für Loot-Liebhaber
Quelle: PC Games
In Schatztruhen oder beim Händler (hier im Bild) findet ihr Reliquien, die euch für diesen Run mächtige Boni spendieren.
Zufallsbeute oder ein Inventar gibt es allerdings nicht, wer ein neues Grim Dawn oder Diablo erwartet, hat mit Children of Morta das falsche Spiel gekauft. Immerhin finden wir aber regelmäßig Schätze, etwa in Form von Zaubern, Reliquien und Göttlichen Gefallen. Die verpassen uns - nur für diesen Level - starke passive Boni, darunter beispielsweise Lebenspunkteregeneration, Giftschaden oder eine kleine Begleiterdrohne, die Gegner betäubt. Da wir keines der mächtigen Artefakte verpassen wollen, sind wir stets motiviert, jeden Level bis in den letzten Winkel abzusuchen! Nach einer Weile droppen außerdem Runensteine, mit denen wir die Angriffe der Bergsons kurzzeitig aufpeppen. Die Bogenschützin Linda verschießt dann beispielsweise für eine Weile drei Pfeile anstelle von einem und ein Block vom stämmigen Schildkämpfer John sorgt dafür, dass zusätzlich Blitze vom Himmel herabregnen. Ziemlich nützlich!
Quelle: PC Games
Runen verändern die wenigen Angriffstypen. Hier verschießt unsere Bogenschützin drei Pfeile auf einmal.
Nette Quests, lahme Upgrades
Beim Erkunden der Dungeons stoßen wir auch immer wieder auf kleine Zufallsereignisse und Nebenquests, die Abwechslung in den Action-Alltag bringen. Wir müssen NPCs eskortieren, Gegnerwellen abwehren, eine Partie Pong meistern, einen merkwürdigen Vogel durch Gegnermassen verfolgen und vieles mehr. Jede Mini-Aufgabe wird stimmungsvoll vom Erzähler untermalt und fügt sich sauber in den kurzweiligen Spielverlauf ein. Als Belohnung winken Artefakte, Juwelen (die wir beim Händler ausgeben) oder einfach nur Gold. Letzteres ist unsere wichtigste Währung, denn nach jedem Level kehren wir in das lauschige Heim der Bergsons zurück. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere schwer verdienten Taler in zwei kleinen Upgrade-Systemen zu verprassen, die allen Familienmitgliedern passive Vorteile verschaffen: Höherer Erfahrungspunkte- und Goldgewinn, stärkere Rüstung, gesteigerte kritische Trefferchance und so weiter, all das wird hier nach und nach ausgebaut. Ähnlich wie in Rogue Legacy kann man also einfach eine Weile grinden, wenn einem das Spiel mal zu knifflig werden sollte.
Quelle: PC Games
Im Heim der Bergsons kauft ihr Upgrades und lernt die Familienmitglieder besser kennen.
Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings: Children of Morta wurde 2015 über Kickstarter finanziert. Während ihrer Spendenkampagne haben die Entwickler auch ein Ausrüstungssystem mit verschiedenen Waffeneffekten und Crafting vorgestellt - im fertigen Spiel ist davon aber leider nichts zu sehen. Schade!
Auch für Einsteiger geeignet
Quelle: PC Games
Die Bosskämpfe machen allesamt Spaß, fallen aber auch ziemlich einfach aus.
Children of Morta unterstreicht das "lite" in Rogue-lite, es ist im Vergleich zur Konkurrenz deutlich verzeihender. So sind viele Bosskämpfe ziemlich einfach geraten, die Angriffsmuster sind schnell durchschaut und den meisten Attacken lässt sich auch bequem ausweichen. Sind die Lebenspunkte knapp, regeneriert sich der Gesundheitsbalken nach ein paar Sekunden so weit von selbst, dass man in der Regel noch einen weiteren Treffer verkraftet. Und wer doch mal ins Gras beißt, hat wenig zu befürchten: Es gibt keinen Permadeath wie in klassischen Rogue-likes. Verstorbene Helden landen einfach wieder im Bergson-Anwesen und müssen den Level von vorne beginnen, einen Abzug auf gesammeltes Gold oder Erfahrungspunkte gibt's aber nicht.
Hin und wieder sind unsere Helden lediglich erschöpft und kassieren dadurch einen dicken Malus. In dem Fall wählt man einfach einen anderen Charakter für den nächsten Run, während sich der Rest der Familie zu Hause erholt. Es macht auch nichts, mit einem Kämpfer loszuziehen, den man bislang kaum gespielt hat: Niedrigstufige Helden leveln extrem schnell auf und sind so ruck, zuck auf Augenhöhe mit den anderen Bergsons. Wer mag, kann übrigens auch im lokalen Koop zu zweit loslegen, dann macht das Monsterdreschen gleich noch mal so viel Spaß! Ein Online-Modus ist derzeit in Arbeit, lässt aber noch (Stand 12. September) auf sich warten.
Bildergalerie
Je nachdem wie viel Zeit man in das Aufleveln der Familie steckt, kann man 15 bis 25 Stunden mit Children of Morta verballern. Ein ordentliches Endgame, etwa ein Endlos-Dungeon oder New-Game-Plus-Modus, gibt's aber leider nicht. Nach dem Endboss hat man lediglich die Möglichkeit, in alte Levels zurückzukehren. Der Wiederspielwert fällt dadurch gering aus, für den Preis von 22 Euro geht der Inhalt trotzdem völlig in Ordnung.
Children of Morta ist seit dem 3. September 2019 für PC erhältlich. Die Konsolenfassungen folgen am 15. Oktober 2019.
