Call of the Elder Gods: Darum ist es auch ohne Horror eines der besten Lovecraft-Spiele
Kolumne
Die Macher von Call of the Sea konnten mit einem neuen Puzzle-Adventure begeistern. Damit liefern sie auch ohne Horror eines der besten Lovecraft-Spiele, die ich je gespielt habe.
In der Literatur gilt Stephen King inzwischen als der Meister des Horrors. Doch noch bevor der Schöpfer von Horror-Hits wie Es und Friedhof der Kuscheltiere diese Krone trug, hat besonders H.P. Lovecraft das Genre geprägt. Nicht umsonst gilt Lovecraft als literarische Ikone und diente als Vorbild und Inspiration für viele, die ihm folgten - auch Stephen King.
Demnach ist es auch kein Wunder, dass viele Survival-Horror-Spiele sich ebenfalls eines der zahlreichen Werke Lovecrafts als Inspiration oder Vorlage nehmen, um eines der Grauen seines einzigartigen Universums auf dem Bildschirm zum Leben zu erwecken. Als großer Lovecraft-Fan habe ich in viele dieser Titel Zeit gesteckt, in der Hoffnung, mich auch visuell in diesem mystischen Horror zu verlieren.
Abgesehen von The Sinking City, das mir entgegen der meisten Kritikermeinungen ausgesprochen gut gefallen hat, haben mich die meisten Lovecraft-Spiele durch die Bank weg enttäuscht. Langweiliges Gameplay, schlechtes Design, unkreativer Horror, der auf billige Jumpscares statt auf Atmosphäre setzte - die Liste der Fehler könnte ich ewig fortführen. Umso überraschter war ich, dass ich ausgerechnet in einem Adventure eines der besten Lovecraft-Games gefunden habe - und das ganz ohne Horror.
Call of the Elder Gods bringt kosmische Schrecken ans Licht
Das Team hinter dem gelobten Puzzle-Adventure Call of the Sea ist zurück und entführt Spieler dieses Mal in die kosmischen Welten von H.P. Lovecrafts "Der Schatten aus der Zeit". Über sechs Kapitel begleite ich Professor Harry Everhart und die Studentin Evangeline Drayton auf ihrer Suche nach Antworten zu mysteriösen Schatten, lebhaften Albträumen und einem rätselhaften Artefakt.
Quelle: Out of the Blue Games
Die Lovecraft-Inspiration ist unübersehbar und gut in Szene gesetzt.
Ihre Reise führt mich vom beschaulichen New England über gefrorene Ödlande bis hin zu den australischen Outbacks und endet bei einem uralten, kosmischen Wesen, das älter ist als die Zeit. Auf dem Weg gibt es immer wieder knifflige Rätsel, die mir den Weg versperren und eine gelungene Abwechslung in die emotionale Geschichte über Verlust, Familie und die Tiefen des menschlichen Verstandes bringen.
Was macht Call of the Elder Gods so besonders?
Auch wenn ich bei der Frage "Was ist wichtiger, Gameplay oder Story?" eindeutig im Team "Story" bin, halten mich klassische Adventures selten bei der Stange. Ein bisschen Anspruch im Gameplay muss trotzdem gegeben sein. Call of the Elder Gods hat mich, abgesehen vom Setting, mit seinen starken Rätseln abgeholt.
Quelle: Out of the Blue Games
Schon in den ersten Kapiteln befinden sich abwechslungsreiche Rätsel. Teilweise von einem düsteren Schlag.
Die passen nicht nur perfekt in das Lovecraft-Universum, sondern sind kreativ und abwechslungsreich gestaltet und teilweise sogar richtig schwer. Tatsächlich ist dies das erste Spiel, bei dem ich wirklich lange an einem Rätsel hing und mir immer wieder den Kopf zerbrochen habe, wo denn noch mein letzter Fehler lag.
Zudem schafft es das Team von Out of the Blue Games trotz des comichaften Looks, eine dichte und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die mir sowohl Gänsehautmomente als auch Staunen bescherte. Zusammen mit der gut geschriebenen und inszenierten Geschichte, einem hervorragenden Soundtrack und talentierten Synchronsprechern (bekannt aus Marvel's Spider-Man und Baldur's Gate 3) ist Call of the Elder Gods die mit Abstand beste narrative Umsetzung eines Lovecraft-Werks, die ich bisher gespielt habe.
Quelle: PC Games
Mithilfe der antiken Höhlentafeln soll eine uralte, mystische Maschine in Gang gesetzt werden. Die Abbildungen zeigen uralte Wesen, die typisch Lovecraft mit Tentakeln versehen sind.
Auch ohne Horror ein Erfolg
Mystische Wesen, kosmische Rätsel, dichte Atmosphäre, selbst den ikonischen Taucheranzug, den man aus vielen Lovecraft-Interpretationen kennt - all das ist in Call of the Elder Gods organisch und ungezwungen in die Geschichte und die Welt eingebaut. Auch ohne Horror fehlt mir nichts zu einem authentischen Lovecraft-Feeling. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein.
Auf Steam fliegt die Fortsetzung zu Call of the Sea zwar noch unter dem Radar. Doch die bereits abgegebenen Bewertungen zeichnen ein klares Bild. Mit über 85 Prozent positiver Bewertungen scheint der Lovecraft-Titel den Nerv der Spieler zu treffen. Bei der Fachpresse schafft es Call of the Elder Gods auf einen Metascore von 76, während die Wertungen auf Opencritic etwas wohlwollender ausfallen und auf einen Score von 79 Punkten kommen.
