GamesAktuell.de-Review von Call of Juarez - The Cartel: Western war gestern. Heute reiten die bösen Jungs von Juarez auf 300-Pferde-Kutschen und lösen Streitereien mit Maschinengewehren. Das Gegenwarts-Setting ist allerdings das einzig Moderne am neuen Call of Juarez. Der Rest des Spiels schmeckt wie aufgewärmte Bohnen von vorgestern.
Das hat uns an Call of Juarez: The Cartel nicht gefallen:
Zwischen dümmlicher KI und kompletten KI-Ausfällen
Die schwache Gegner-KI frisst einen Großteil des Spielspaßes auf. Entweder verlassen die Feinde allzu selbstmörderisch ihre Deckung oder vergessen Arme oder Kopf aus der Schusslinie zu ziehen. Was aber noch mehr stört sind die regelmäßigen KI-Ausfälle: Da überlegt ein Widersacher schon mal was er seiner Mutter zu Geburtstag schenkt, anstatt seinen 13 Zentimeter entfernten Killer wahrzunehmen. Oder die KI-Kameraden lassen sich ohne Regung abschießen - was am Flattern des Mantels zu sehen ist - ohne dabei Schaden zu nehmen. Wenn wirklich mal Nervenkitzel aufkommt, liegt das eher an der zahlenmäßigen Übermacht der KI-Gegner, als an deren Gehirnvolumen.
Schwache deutsche Sprachausgabe
Haben wir die Qualität der Cut-Scenes noch einigermaßen gelobt, müssen wir dies schon wieder relativieren: Die deutschen Sprecher sind teilweise total deplatziert. Wenn ein ca. 50-jähriger Politiker klingt wie ein 25-Jähriger Jungspund, geht viel an Atmosphäre und Glaubwürdigkeit flöten. Ohnehin ist die Klangqualität der Stimmen ziemlich schlecht, die Sprecher sind im Vergleich zu den Umgebungsgeräuschen viel zu laut. Auf der Disc liegt auch die englische Originalausgabe. Während die Sprecher einen etwas besseren Job machen, klingen die Stimmen aber hier genauso mies.
Langweilige Umgebungen
Lieblos, eintönig, letztlich wie aus dem Baukasten sind die Umgebungen gestaltet. Egal ob Wald, Stadt oder Wüste, alles wirkt wie im Schnellverfahren zusammengebastelt.
Story zum Gähnen
Eine Task Force versucht ein Drogenkartell - das auch Menschenhandel betreibt - zu zerschlagen. Die Mexikaner haben Verbindungen zu einer privaten Rüstungsfirma und natürlich gibt es auch Spitzel auf beiden Seiten - kommt euch bekannt vor? Uns auch. Die Story ist so uninspiriert und langweilig, dass man mit der Zeit zwangsläufig aufhört ihr geistig zu folgen.
Belanglose Schießereien
Die Gefechte leiden nicht nur unter der ärmlichen KI sondern sind zumeist auch langweilig inszeniert - Ausnahme sind die erwähnten Verfolgungsjagden. Lautstarke Kommandos kündigen die nächste Gegnerwelle an. Im Konzentrationsmodus verspeist man das erste Fallobst und nimmt dann aus der Deckung den Rest aufs Korn. In bestimmten Szenen werden wir von Sperrfeuer aufgehalten. Dann müssen uns die Kameraden Deckungsfeuer geben, so dass wir zur nächsten Position vorrücken und die Gegner flankieren können. Aber auch dieses "Feature" langweilt schnell.
Steuerungsprobleme
Die Steuerung leidet unter dem in manchen Spielen beobachteten Phänomen, dass die Kamera sich auch leicht bewegt, wenn der Analogstick auf Nullstellung verharrt. Außerdem stört gewaltig, dass man mit dem groß-bereiften Van nicht mal über wenige Zentimeter hohe Straßenbegrenzungen fahren kann. Zudem fragen wir uns, wofür man überhaupt einen Knopf mit einer Sprungfunktion belegt hat, wenn sich selbst der federleichte Körper von Kim über so gut wie kein Hindernis schwingen lässt.
