Call of Duty: Vanguard: Exklusiv-Interview mit Herr-der-Ringe-Star Dominic Monaghan
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Mit Dominic Monaghan, bekannt etwa aus Der Herr der Ringe, gelingt Call of Duty: Vanguard eine echte Star-Besetzung. Als böser Nazi-Offizier greift Monaghan auf seine deutschen Wurzeln zurück und erzählt, wie ihn Videospiele schon sein ganzes Leben lang begleitet haben. Außerdem reden wir darüber, was an der Schauspielerei in Videospielen besonders ist und dass alles Böse einen Konflikt in sich trägt.
Vom Hobbit bis hin zum Nazi-Offizier beherrscht Dominic Monaghan so ziemlich das Ganze Schauspiel-Repertoire. So richtig böse darf er auch im neuen Call of Duty sein, in dem er als Jannick Richter auftritt. Warum böse aber nicht gleich böse ist, es für alles einen Grund gibt und Dominics persönliches Verhältnis zu Videospielen klären wir in unserem Interview.
PC Games: Dominic, was waren deine ersten Berührungspunkte mit Videospielen?
Dominic: Das erste Spiel, dass ich jemals als Kind gespielt habe, war wohl Pong, aber das ist mir nicht so wahnsinnig im Gedächtnis geblieben. Das erste Spiel, das ich richtig gut fand, war Tomytronic. Das war wie ein Fernglas, in das man geschaut hat und bei dem man Raumschiffen ausgewichen ist. Mein Bruder hatte außerdem einen Mini-Pac-Man-Automaten, auf dem wir beide sehr viel gespielt haben.
Auf dem Amiga habe ich noch sehr viel Sensible Soccer zusammen mit meinem Bruder gespielt, bevor ich lange Zeit das Interesse für Videospiele verlor. Erst mit Anfang 20 ging es für mich wieder los und dann nahm ich alles, was ich kriegen konnte. Von GTA 3, FIFA, Skyrim, über Assassin's Creed und The Witcher bis hin zu World of Warcraft. In letzter Zeit natürlich Call of Duty, League of Legends, No Man's Sky - Ich spiele sehr viele Spiele.
PC Games: Und wenn du ein Spiel spielst, was ist dir wichtiger? Eine gute Story oder spaßiges Gameplay?
Quelle: Dominic Monaghan
Der Schauspieler ist für seine Rollen in Herr der Ringe und Lost bekannt. Ab dem 5. November spielt er Jannik Richter im neuesten Call of Duty – einen deutschen Offizier.
Dominic: Ich liebe große und detaillierte Welten. Das Drumherum und die Geschichte sollte viel zu bieten haben, wie League of Legends oder World of Warcraft, The Witcher oder Skyrim. Also offensichtlich ist eine gute Geschichte wichtig, tolle Charaktere sind es natürlich auch, aber die Fähigkeit, mich selbst in einem Spiel auszudrücken - wie auch immer ich das will -, ist das, was mich am ehesten dazu bewegt, ein Spiel zu kaufen.
PC Games: Hättest du als Kind jemals gedacht, dass du später einmal in einem Videospiel als Schauspieler aufzutauchen würdest?
Dominic: Nein, als Kind habe ich mich mehr dafür interessiert, was es überhaupt bedeutet, zu schauspielern und wie ich selbst Schauspieler werden kann. Mir ging es darum, in Filmen und im Fernsehen zu sein, Videospiele hatten damals nichts mit Schauspielerei zu tun.
Erst seit ein paar Jahren habe ich mitbekommen, dass es richtige Schauspieler in Videospielen gibt, wie Elliot Page oder Shawn Ashmore in Quantum Break und das es einen Bedarf an Schauspielern in Videospielen gibt. Wenn man dann einen Anruf von Call of Duty bekommt, ist das unglaublich cool, weil es so ein großes und wichtiges Spiel ist.
PC Games: Du hast ja auch in Quantum Break mitgespielt, war das dein erster Auftritt in einem Videospiel?
Dominic: Ja, das war das erste Mal, dass ich in einem Spiel mitgemacht habe, abgesehen von ein paar Cameo-Auftritten in Herr-der-Ringe-Spielen, aber da habe ich nicht geschauspielert, das war nur mein Gesicht.
PC Games: Du bist ja in Deutschland aufgewachsen, würdest du sagen, du bist Deutscher?
Dominic: Ich sehe mich teilweise als deutsch, immerhin bin ich in Deutschland geboren und habe in Berlin gelebt, in Düsseldorf und Münster, bis ich elf Jahre alt war. Beide meine Eltern sind aus Manchester und ich bin ein großer Fan der Stadt, von Manchester United, der Musik, der Mode ... Aber ich mag auch sehr gern deutsche Sachen wie die Süßigkeiten, das Essen, und ich mag die Sprache. Auch deutsche Filme finde ich gut! Ich würde mich also zu 40 Prozent als Deutschen bezeichnen.
PC Games: Du spielst einen deutschen Offizier im zweiten Weltkrieg, fiel dir das leichter durch deine deutschen Wurzeln?
Dominic: Ich denke, ich war vielleicht ein bisschen weniger gehemmt, was meinen deutschen Akzent angeht, weil ich schon als Kind damit zu tun hatte. Alleine in Deutschland zu leben und meine Freunde zu hören, wenn sie Englisch gesprochen haben.
Dann habe ich festgestellt, sie sprechen zwar Englisch, aber ich kann immer noch feststellen, dass sie Deutsche sind. Generell in Deutschland geboren zu sein und zu wissen, wie toll dieses Land und seine Bewohner sind, war es durchaus ein Konflikt, jemanden so bösartigen zu spielen, aber manchmal muss man den Fiesen spielen, das ist halt der Job.
PC Games: Und wie hat es sich angefühlt, den Bösen zu spielen?
Dominic: Egal, welchen Charakter man spielt, man muss die Beweggründe finden, warum er sich so verhält, wie er es tut und nicht anders. Selbst manche der schlimmsten Menschen in der Geschichte, die wir heute noch kennen, ergeben in ihrem Handeln irgendwie Sinn. Sie dachten, dass sie das Richtige tun oder vielleicht waren sie in einer kompromittierenden Situation.
Mein Charakter ist unsicher, paranoid, zu tief in die ganze Sache verwickelt und nervös wegen seiner Rolle im Krieg und seiner Position in der Armee. Ich glaube, er ist sehr anfällig für Schikane von deinen anderen Offizieren und handelt deswegen so, damit er kein Ziel darstellt.
Man muss Gründe dafür finden, warum sich ein Charakter verhält, wie er es tut. Ansonsten spielt man nur ein Monster und ich denke, auch für die Spieler oder Zuschauer ist es interessanter, zu sehen, dass es einen Konflikt gibt, der bestimmt, wie sich eine Person verhält.
PC Games: Hast du für die Vorbereitung der Rolle Call of Duty gespielt?
Dominic: Ja, ich habe Call of Duty im Vorhinein gespielt, um zu sehen, wie schnell sich die Handlung voranbewegt und wie hektisch beziehungsweise schnell es von einer Szene zur nächsten geht. Offensichtlich ist es wichtig, dass die Spieler nicht an einer super aufregenden Stelle sind und mit der nächsten Cutszene stirbt die ganze Dynamik. Man muss die Energie aus dem Spiel mitnehmen und ich wollte mich ein bisschen in diese Energie hineinfühlen.
Um ehrlich zu sein, sind die Drehtage so früh gestartet und der Drehort war von meiner Heimat aus auf der anderen Seite von L.A., also musste ich eine Stunde fahren, bis ich da war. Also, wenn ich spät nach Hause kam, dann habe ich meistens einfach etwas gegessen und bin ins Bett.
PC Games: Und wenn du wieder Zeit hättest und ein Pen & Paper spielen würdest, was für eine Rolle würdest du dir aussuchen? Einen Nazi-Offizier, einen Hobbit? Was ist dein idealer Charakter?
Dominic: Also ich habe schon Dungeons & Dragon gespielt und dürfte mir mitunter auch aussuchen, was für ein Charakter ich sein wollte. Ich fühle mich stets zu Dunkelelfen oder Nachtelfen hingezogen - Bogenschützen, die heimlich agieren, im Dunkeln rauskommen, sich im Schatten verstecken und aus der Ferne kämpfen.
Solche Charaktere spiele ich nicht nur in Dungeons & Dragons, sondern auch in World of Warcraft und League of Legends. Das mag ich gerne und auch ein bisschen Konflikt, wie in Call of Duty, wo vielleicht schlechte Entscheidungen getroffen werden, diese aber auch reflektiert werden.
PC Games: Wie funktioniert das Motion Capturing genau, wird auch dein Gesicht aufgenommen?
Dominic: Ja, ich trage so einen Anzug, dass alles mitbekommt, was ich mit meinem Körper tue, und einen Helm, auf dem eine Kamera montiert ist, die auf mein Gesicht zeigt. Am ersten Tag ist das sehr ungewohnt, weil das Ding über den eigenen Körper hinausragt und man sehr leicht an etwas stößt. Die Konstruktion ist nicht wirklich schwer, aber ich würde sie auch nicht als leicht beschreiben. Und man muss generell ein bisschen aufpassen: Man darf nichts zu Wildes machen, so dass sich der Helm verschieben könnte, und man kann seine Hände nicht zum Gesicht bringen, weil das die Aufnahme zerstören würde.
Aber diese Einschränkungen vergisst man ungefähr nach einem Tag und am Ende ist es genau wie ein normaler Dreh, was ich liebe. Das war einer meiner liebsten Drehs in den letzten zehn Jahren und eine fantastische Erfahrung.
PC Games: Gab es Unterschiede zum Dreh für andere Spiele, in deinem Fall Quantum Break?
Dominic: Es ist im Grunde dieselbe Idee und wir haben die gleiche Art von Anzug und Helm getragen. Ich habe da vielleicht Arbeit von zwei Tagen reingesteckt und der Rest wurde in Finnland gemacht, in einem kleinen Raum, wo sie meine Gesichtsbewegungen eingefangen habe.
Für Call of Duty war ich zwei bis drei Wochen da, um die Szenen aufzunehmen, es war also eine sehr viel immersivere Erfahrung. In Quantum Break hatte ich auch nur ein paar wenige Szenen, aber in Call of Duty ist es ein größerer Part, wo ich die Handlung auch vorantreibe und dementsprechend mehr dabei bin.
PC Games: Und was sind die Unterschiede zu einem Film?
Dominic: Also man trägt natürlich keinen Motion-Capture-Anzug oder die Kamera auf dem Kopf. Wenn man einen Film oder eine Serie macht, dann trägt man das Kostüm, Make-up und benutzt echte Gegenstände, es ist alles ein bisschen einfacher so. Aber wenn man einen Film macht, dann baucht es in jeder Szene sechs bis sieben verschiedene Kamerawinkel und man macht drei bis vier verschiedene Aufnahmen pro Winkel. Also rund 20 bis 25 Aufnahmen pro Szene, das ist in Videospielen ganz anders.
Wenn du die Szene gut machst, dann reicht teilweise eine einzige Einstellung, weil es so viele Kameras gibt, die einen gleichzeitig aufnehmen. Das ist ein ganz anderer Druck, weil man für jeden Winkel gut aussehen muss, aber ich persönlich mag das und werde besser unter Druck. In der Show, an der ich gerade arbeite, muss ich tanzen und die Proben waren zwar okay, aber nicht wirklich gut. Als dann Leute reinkamen, um sich die Probe anzuschauen, wurde ich mit einem Schlag viel besser, weil ich den Druck brauche, um eine gute Performance abzugeben.
PC Games: Hypothetisch gesprochen: Würdest du die gleiche Rolle lieber für ein Videospiel oder einen Film spielen wollen?
Dominic: Hm, also die Rolle, die ich für Call of Duty spiele, hat sehr viel Spaß gemacht und sie ist natürlich keine gute Person, mit furchtbaren Entscheidungen und einer sehr unsicheren Persönlichkeit. Aber diese Person im Fernsehen besser kennenzulernen und herauszufinden, wieso sie an diesem Punkt in ihrem Leben gelandet ist und zu diesem Zeitpunkt in Deutschland, wäre sehr interessant. Es würde meine Rolle menschlich machen, statt einfach die schlechte Person zu zeigen, die sie jetzt ist.
