Die Redakteure von Cynamite.de posten ihre ganz persönliche Meinung über Call of Duty 6: Modern Warfare 2.
Quelle: http://www.cynamite.de
Dominic Eskofier
Mein adrenalinbefeuertes, tolles Spielerlebnis mit Modern Warfare 2 war packend von der ersten Minute an, doch hat sich mir immer wieder eine Frage aufgedrängt: Warum?
1. Warum fehlt in Modern Warfare 2 der atmosphärisch geniale Einstieg des Vorgängers?
In Call of Duty 4: Modern Warfare wurde der Spieler direkt ins Getümmel geworfen. Die Mission, in der ein Sturmtrupp ein untergehendes Schiff hochnimmt werden viele Spieler noch gut in Erinnerung haben: Stürmischer Regen, Dunkelheit und das unvermeidliche Sinken des Schiffs sorgten für eine außergewöhnliche Atmosphäre. In Modern Warfare 2 hingegen enttäuschen die ersten Missionen mich fast ein wenig. Ein Städtekampf in Afghanistan mit obligatorischer MG-Jeep-Sequenz? Das war vielleicht bei Call of Duty 2 noch überraschend, in Zeiten cineastischer Erzählweise *hust* Uncharted 2 *hust* fühlt es sich so an, als hätte ich das alles schon mal gespielt.
2. Warum muss ich mir immer noch todlangweilige Mission Briefings reinziehen, anstatt gut gemachter Cut-Scenes?
Die Story von Modern Warfare 2 braucht sich nicht zu verstecken: Globale Konflikte, kontroverse Szenen und überraschende Wendungen – Doch leider bekommt man davon als Spieler viel zu wenig mit. Während der Missionen ist man zu sehr damit beschäftigt zu überleben; da bleibt kaum Zeit, um die Unterhaltungen der Kameraden zu verfolgen. Und zwischen den Missionen bekomme ich nur die Call-of-Duty-typischen Missionsbeschreibungen – meiner Meinung nach ein Relikt aus alten Zeiten.
Ich kämpfe an der Seite einer eingeschworenen Truppe, die für die Team-Mitglieder ohne zu zögern töten würde – warum merke ich von dieser blinden Vertrautheit nichts? Ich rette die Welt vor der nuklearen Zerstörung – warum komme ich mir dabei vor wie ein einfacher Fußsoldat? Ich laufe durch das brennende Washington – warum sehe ich nicht das Leid und die Trauer, die dieser Massenmord erzeugen? Dann hätte ich als Spieler eine Motivation für meine Handlungen; So mache ich einfach nur meinen Job.
3. Warum kommt mir die Flughafen-Szene wie eine PR-Aktion vor?
Über die umstrittene Flughafen-Szene, in der man als Spieler Teilnehmer eines Massakers unter Zivilisten ist, wurde wenig überraschend viel diskutiert. Die Bilder von der Ermordung hunderter Zivilisten sind hart, wirken dabei auf mich gerade deshalb wie ein PR-Gag. Infinity Ward war die polarisierende Wirkung bewusst, die ein Blutbad unter Zivilisten hat - die Reaktionen der Mainstream-Presse und die damit verbundene Publicity waren einkalkuliert. Infinity Ward gab als Grund an, dass sie die Unbarmherzigkeit der Terroristen zeigen wollten. Das Dumme dabei ist, dass Modern Warfare 2 ein Kriegspiel ist, in dem hunderte, vielleicht tausende Menschen von dem Spieler getötet werden, da wirken ein paar Tote mehr oder weniger – auch wenn es keine bewaffneten Soldaten sind – eher wie Routine, nicht wie etwas Besonderes. Dazu hätte man die ermordeten Zivilisten besser in den Kontext setzen sollen; zeigen sollen, dass es sich hierbei nicht um sterbende Polygonfiguren, sondern um „echte“ Menschen handelt, die mit dem Krieg nichts am Hut haben sollten. Beispielsweise hätte die Mission aus den Augen eines Zivilisten deutlich emotionaler gewirkt – der Spieler hätte die Gefühle der Zivilisten hautnah erlebt, nicht die eisige Kälte der Terroristen.
Versteht mich bitte nicht falsch: Modern Warfare 2 ist ein tolles Spiel, allerdings konnte der Singleplayer meine (zugegeben: sehr hohen) Erwartungen nicht ganz erfüllen. Naja, dann muss ich mich wohl in die grandiosen Special-Ops-Missionen und den exquisiten Multiplayer-Part stürzen …
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