Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test: Tolle Kampagne, fragwürdige Release-Politik - jetzt mit Video!

Test David Benke
Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test: Tolle Kampagne, fragwürdige Release-Politik - jetzt mit Video!
Quelle: Activision

Seit über einem Jahr geisterten Spekulationen rund um eine Remaster-Version von Call of Duty: Modern Warfare 2 durchs Netz. Am 31. März haben sich diese Gerüchte nun tatsächlich bewahrheitet: Die Neuauflage kommt, und zwar sofort! Wir haben uns den Shooter-Klassiker angeschaut und verraten, ob er auch elf Jahre nach seinem ursprünglichen Release noch etwas her macht.

Mit Call of Duty: Modern Warfare 2 verbinde ich jede Menge toller Erinnerungen: Erinnerungen an einfachere Zeiten, in denen die Chemie-Klassenarbeit am nächsten Montag noch die größte Sorge war. Oder als ein Kasten Colabier, eine Packung Tiefkühlpizza und eine Runde Splitscreen-Couch-Koop mit drei Kumpels noch genug waren, um sich ein schönes Wochenende zu machen.

Bis heute ist der 2009 erschienene First-Person-Shooter aus dem Hause Infinity Ward mein meistgespielter Titel auf Steam. Ja, "mickrige" 261 Stunden mögen vielen Hardcore-Gamern da draußen wohl lediglich ein müdes Lächeln abgewinnen. Ich habe aber trotzdem jede Sekunde der fast elf Ingame-Tage genossen - allen Cheatern und Noob-Tubern zum Trotz. Was wäre also naheliegender als gerade jetzt, in Zeiten der Krise, einen Abstecher zurück in die vertraute Welt von Modern Warfare 2 zu machen? Und das auch noch mit der am 31. März frisch erschienenen Remaster-Version?

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Wo ist der Multiplayer?

Wobei, so eine komplette Neuauflage ist der Titel nun ja doch nicht. Schließlich haben die Entwickler den ikonischen Multiplayer-Part komplett weggelassen und auch den kooperativ spielbaren Spezialeinheit-Modus sucht man leider vergebens. Laut Publisher Activision wollte man dadurch verhindern, die Spielerschaft auf mehrere Titel aufzuspalten. Stattdessen soll das letztjährig erschienene Serien-Reboot Call of Duty: Modern Warfare alle Zocker unter einem Dach zusammenbringen. Dafür will man zukünftig auch weitere klassische Mehrspieler-Karten veröffentlichen, sodass wir uns möglicherweise schon bald auf die Rückkehr von beliebten Maps wie Terminal freuen dürfen.

Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (2) Quelle: Activision Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (2) Zunächst bleibt aber erst einmal ein wenig Ernüchterung zurück. Schließlich bezahlt man momentan für die Neuauflage der MW2-Kampagne immerhin 25 Euro. Da wirken die, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, vier bis sechs Stunden Spielzeit schon ein wenig mager. Zumindest bis man seinen ersten Fuß zurück ins staubige Ödland des virtuellen Afghanistans setzt und mit der Mission "Die alte Leier" erneut in das Shooter-Abenteuer startet. Es dauert nämlich nur wenige Minuten, bis einen Modern Warfare 2 wieder in seinen Bann zieht und alle Ärgernisse rund um den Release vergessen macht.

Die Story ist dieselbe wie auch schon 2009: Fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Modern Warfare herrscht noch immer ein hitziger Konflikt zwischen Russland und den USA, der stets zu eskalieren und die Welt somit ins Chaos zu stürzen droht. Oder ganz salopp gesagt: Die Kacke ist ordentlich am Dampfen und wir sind stets direkt mittendrin. Wie auch im Vorgänger wird Modern Warfare 2 nämlich aus der Sicht mehrerer unterschiedlicher Charaktere erzählt. Mal schlüpfen wir in die Haut des Task-Force-Mitglieds Gary "Roach" Sanderson, mal in die des Undercover-Agenten Joseph Allen, und mal in die von US-Army-Frischling James Ramirez.

Auch das Remaster bleibt geschnitten

Die Story bekommt so nicht nur eine gewisse Dynamik, durch die wir stets erleben können, wie der Konflikt verschiedene Menschen und Länder beeinflusst. Er sorgt zusätzlich auch für ordentlich Abwechslung. Der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Protagonisten macht es möglich, dass wir blitzschnell von einem Schauplatz zum nächsten springen können. Gerade ballern wir uns noch durch die von Bandenkriminalität verseuchten Favelas Brasiliens. Im nächsten Moment finden wir uns auch schon auf einem verschneiten Berggipfel Russlands wieder.

Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (5) Quelle: Activision Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (5) Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: In vollem Umfang gibt es die Kampagne hierzulande, trotz Remaster-Version, immer noch nicht zu spielen. Die Skandal-Mission "Kein Russisch" des ersten Aktes ist wie auch im Original nur in geschnittener Form verfügbar. Feuert ihr also nur einmal auf einen unschuldigen Passanten, wird der Auftrag umgehend abgebrochen und der Spieler mit der Nachricht "Sie haben einen Zivilisten getötet. Vorsicht beim Feuern!" gerügt.

Doch nicht nur die Kulissen in Modern Warfare 2 ändern sich, auch die Vorgehensweisen und Gameplay-Mechaniken. Klar, in den meisten Fällen setzt man noch immer auf simples, altbewährtes Shooter-Gameplay. Das funktioniert auch im Kampagnen-Remaster noch immer richtig gut. Hier und da vermisst man zwar die Komfort-Funktionen aktueller Serien-Ableger - das Nachladen im Zielmodus, das Rutschen über den Boden oder das Aufstützen eurer Waffe hätten das Spielerlebnis beispielsweise noch runder gemacht. Aber auch so ist das Gameplay top. Sound, Look und Feeling der Waffen wirken rundum gelungen, sodass sich auch Unterschiede zwischen den einzelnen Knarren sowie Einwirkung von Rückstoß, Wind und Geschossabfall bemerkbar machen.

Kann Krieg schön sein?

Neben stumpfem Feuern gibt es aber eben auch noch andere Dinge zu tun: Ihr rast mit einem Schneemobil durch die eisige Tundra oder infiltriert per U-Boot heimlich eine Ölbohrplattform, um unschuldige Arbeiter aus der Geiselhaft zu befreien. Das sorgt für frischen Wind und gute Unterhaltung, aber auch eine ordentliche Balance zwischen ruhigeren und geladeneren Momenten.

Gerade letztere sind in Modern Warfare 2 bombastisch inszeniert. Der Ego-Shooter ist eine sechsstündige Action-Achterbahn mit Höhen und Tiefen, die sich auch vor aktuellen Genrevertretern nicht verstecken muss. Für meinen Geschmack bin ich zwar ein wenig zu oft mit einem Helikopter abgestürzt oder von Trümmern begraben worden, nur um dann dramatisch wieder aus der Bewusstlosigkeit aufzuwachen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, zumal der Titel ansonsten wirklich beeindruckende Szenen parat hält.
Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (6) Quelle: Activision Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (6) Die Sequenz, in der ihr Washington gegen russische Invasoren verteidigt und euch dabei einen hitzigen Kampf um das brennende Weiße Haus sowie das bröckelndes Washington Monument liefert, hinterlässt etwa auf jeden Fall bleibende Erinnerungen. Ganz zu Schweigen von dem Moment, in dem ihr aus dem All miterleben müsst, wie eine Atomrakete einschlägt.

Neue Grafik, neue Features

Das sah 2009 schon richtig gut aus, macht in der frisch veröffentlichten Remaster-Version aber natürlich nochmal deutlich mehr Eindruck. Das zuständige Studio von Beenox, das schon beim den PC-Port des Modern-Warfare-Reboots tolle Arbeitet leistete, hat wirklich jede Menge Herzblut in den Titel investiert. Und das sieht man: Die Spielwelt ist dank höher aufgelösten Texturen wesentlich detailreicher. Verbesserte Belichtung und Animationen verleihen Charakteren und Umgebungen einen authentischeren Look. Stellenweise ist Modern Warfare 2 Remastered sogar umfangreicher als das Original. Die Armeebasis in "Die alte Leier" zeigt sich etwa wesentlich weitläufiger als noch 2009 und hat nun sogar einige Easter Eggs auf Lager.

Natürlich müsst ihr hier und da dennoch ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Gerade Partikeleffekte bei Explosionen, aber auch Feuer und Rauch sehen nicht ganz so realistisch aus wie im 2019 erschienenen Call of Duty. Und auch mit aufwendig produzierten Motion-Capture-Zwischensequenzen weiß die Neuauflage nicht aufzuwarten. Nichtsdestotrotz ist sie, auch aufgrund des atmosphärischen Soundtracks von Hollywood-Komponist Hans Zimmer und der gelungenen deutschen Vertonung, ein tolles Gesamtpaket, das leider viel zu schnell wieder vorbei ist.
Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (4) Quelle: Activision Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered im Test. (4) Nach dem Durchspielen gibt es nämlich nicht mehr allzu viel zu tun. Ihr könnt euch der ultimativen Herausforderung stellen und die Kampagne nochmal auf dem Veteran-Schwierigkeitsmodus angehen. Ihr könnt euch im angeschlossenen Museum umschauen und es zum Leben erwecken oder ihr haltet nach den insgesamt 45 im Spiel versteckten Laptops mit Aufklärungsdaten Ausschau. Mit denen lassen sich neuerdings auch lustige Gimmicks wie ein CoD-Noir-Grafikmodus freischalten.

Alternativ könnt ihr auch die Digitalinhalte nutzen, die ihr beim Kauf von Modern Warfare 2 Remastered bekommt, wodurch ihr dann im Ghost-Skin die Welt von Call of Duty: Warzone unsicher machen dürft. Vorausgesetzt natürlich, ihr seid PS4-Spieler. Denn für den PC sowie die Xbox One erscheint der Titel erst am 30. April. Eine fragwürdige Entscheidung, die aber wohl mit dem Deal zwischen Sony und Activision zusammenhängt, der Playstation-Besitzern bereits den zeitexklusiven Survival-Spielmodus bescherte. Doch wenn man ohnehin schon fast elf Jahre auf eine Neuauflage des Shooter-Klassikers gewartet hat, werden die 30 Tage nun auch keinen eklatanten Unterschied mehr machen.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Call of Duty: Modern Warfare 2 Remastered (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Überarbeitete GrafikBombastische InszenierungAbwechslungsreiche SchauplätzeGuter Mix aus Schießen, Schleichen etc.Gelungenes GunplayEpischer SoundtrackExtra-Content
Sehr kurze SpielzeitSpieldesign teils etwas altbackenKein Multiplayer oder Koop-ModusIn Deutschland noch immer nicht ungeschnitten

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