Kathas liebster Klassiker Caesar 3: Wer hat das Zeug zum Erben Caesars?
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Unsere Redakteurin Katharina Reuß hat sich für euch zurück ins antike Rom begeben. Sie berichtet von launischen Plebejern und übellaunigen Göttern. Ein Blick zurück auf den Klassiker Caesar 3. Quod erat demonstrandum.
Ich habe das Gefühl, dass meine Retroartikel immer davon handeln, wie ich bei einem Spiel gnadenlos versage (außer vielleicht bei Fritzi Fisch und das Flossengespenst - ja, darüber werde ich nächstes Mal schreiben). Aber es entspricht nun einmal leider der Wahrheit. Genau wie bei Rollercoaster Tycoon oder bei Age of Empires verbinde ich die lebhaftesten Erinnerungen mit Caesar 3 mit den Momenten, in denen ich scheiterte. Und ich scheiterte oft. Ich scheiterte spektakulär! Ich scheiterte dramatisch. Der Trost: Inzwischen beherrsche ich das Spiel deutlich besser als damals, im Alter von elf Jahren!
Difficialia Quae Pulchra
Auf den ersten Blick wirkt Caesar 3 wie ein Antike-Skin für Sim City. Dabei unterscheidet sich die Mechanik grundlegend von anderen
Quelle: Games Aktuell
Pech gehabt: Was für eine schöne, fruchtbare Wiese. Wäre zu schade, wenn ein Erdbeben einen großen Teil davon unfruchtbar machen würde. (PC)
Strategiespielen, durch die Laufwege der Figürchen. Bei vielen konventionellen Genrevertretern decken bestimmte Gebäude, etwa eine Feuerwache, einen Radius ab, in dem fortan keine Brandgefahr mehr besteht. Nicht so in Caesar! Da ist es durchaus denkbar, dass das Gebäude neben der Präfektur (das ist quasi Polizei und Feuerwehr in einem) abfackelt, weil der Angestellte nicht rechtzeitig am Ort der Katastrophe eintrifft.
Arbeitssuchende Plebejer nehmen den ersten Job an, dem sie über den Weg laufen - und Betriebe sind nur dann effektiv, wenn
alle Stellen besetzt sind. Bei der Stadtplanung sollte man also das Straßennetzwerk genau bedenken! Eine Olivenfarm ohne Wohnplatz für Angestellte in der Nähe wird länger auf Bewerber warten als ein Bauernhof gleich neben einer Gruppe Zelte voller Arbeitssuchender. Richtig kompliziert wird es, wenn man die produzierte Ware weiterverarbeitet (Oliven werden zu Öl gepresst, Trauben zu Wein - die Römer wussten eben, wie es sich leben lässt!) und exportiert.
Um eine reibungslose Versorgung der Märkte, Häfen und Lager zu gewährleisten, müssen die Wege genau geplant werden, und man muss festlegen, welche Waren wohin gebracht werden, damit man weder Zeit und noch Geld verschwendet. Eine weitere Besonderheit der kleinen Pixelrömer sind deren unverschämte Ansprüche. Wie in vergleichbaren Titeln können sich Wohnstätten weiterentwickeln, wenn die Bewohner reicher werden. In Caesar 3 ist der Ausbau aber nicht nur an die Versorgung mit Gütern und den Wohlstand geknüpft, sondern auch an die Umgebung.
Was die Nachbarschaft betrifft, waren Römer offenbar sehr mäkelig. Es kann gut sein, dass sich ein armer Schlucker in seinem Zelt aus Tierhäuten ästhetisch von der Präsenz der identischen Behausung seines
Quelle: Games Aktuell
Pressebild: In so eine pompöse Stadt mit Kolosseum muss man viel Zeit investieren - ich habe es vor Abschluss des Artikels nicht geschafft, deshalb hier ein Shot der Entwickler. (PC)
Nachbarn gestört fühlt und deshalb seine Bleibe nicht verschönern will. Und wer lässt sich schon gerne dazu herab, aus schnöden Brunnenschächten das Wasser zu schöpfen? Pah! Der Römer von Welt möchte sein Trinkwasser aus einem formschönen Springbrunnen abfüllen - vielen Dank auch.
Wenn es nicht gerade brennt, dann zürnen die Götter. Die sind nämlich ähnlich zickig wie die sterblichen Römer. Wehe, wenn Venus kein Tempel in der Stadt geweiht wird! Wutentbrannt schickt Venus Krankheiten, Neptun versenkt die Schiffe von Handelspartnern und Mars tötet Soldaten - außer man hat keine, dann schüttelt der Gott des Krieges machtlos, aber erzürnt die Faust in Richtung Siedlung.
Dum Spiro, Spero
Die ganze Kampagne über hat man die Wahl zwischen Aufbau-Szenarios oder Missionen, in denen man in die Schlacht zieht. Die Teilung kam mir sehr entgegen, da ich schon immer lieber aufgebaut als verteidigt und zerstört habe - sendet tiefenpsychologische Analysen dieses Umstandes bitte an die Leserbriefadresse, danke.
Quelle: Games Aktuell
Röntgenblick: Reservoirs verbinden Gebäude im Umkreis mit der Kanalisation. Bewohner in diesem Bereich haben fließendes Wasser im Haus. (PC)
Zum Zweck dieses Artikels habe ich mir das Kriegshandwerk in Caesar 3 mal angesehen, muss aber sagen: Ich habe nichts verpasst. Klar ist es für mich irgendwie schön und ungewohnt, römische Truppen zu sehen, die nicht von einer Gruppe Gallier verprügelt werden, essenziell herausr
agend ist der Schlachtenpart von Caesar 3 aber nicht.
Kämpft man nicht gegen Angreifer, Brandherde, einstürzende Neubauten, Hungersnöte, Fachkräftemangel oder die unwirtliche Umgebung - Berge kann man nicht bewirtschaften, Nahrung lässt sich nur auf Weizenfeldern anbauen -, dann kämpft man um die Gunst von Caesar. Der sucht nämlich einen Nachfolger für den Posten als Herrscher des römischen Reiches, bevorzugt jemand, der ihm nicht bei der ersten Gelegenheit zig Dolche in den Rücken stößt.
Die Eignung stellt man im Verlauf der Kampagne unter Beweis, man stampft Städte aus dem Boden, sendet Nahrung und Rohstoffe an Rom und versucht, Cäsar jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ein Geschenk, bestehend aus einer Gruppe teurer Sklaven etwa, oder exotische Tiere für den Privatzoo des Staatsoberhauptes können auch nicht schaden. Wer hat das Zeug zum Erben Caesars? Ich! Aber erst heute, nach vielen Jahren des Versagens!
Entwickler: Impression Games Hersteller: Sierra Genre: Strategie Erschienen: 1998 Systeme: PC
