Jean-Marc Vallée beleuchtet die revolutionären Umbrüche der sechziger bis achtziger Jahre und entlarvt den Traum von einer intakten Familie als Utopie
Sind C.R.A.Z.Y.: Christian (2.v.li.), Raymond (Mitte), Antoine (re.), Zach (2.v.re.) und Yvan (li.)
Insgesamt zehn "Genie Awards", das kanadische Pendant zum "Oscar", sahnte die Produktion 2006 bei der Verleihung in Ontario ab, unter anderem für Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarsteller und Bestes Drehbuch. Dabei erzählt Regisseur und Produzent Jean-Marc Valleé ("Loser Love") noch nicht einmal eine besonders spektakuläre Geschichte, sondern lässt das Schicksal einer gewöhnlichen kleinbürgerlichen Familie aus der Mittelschicht Kanadas über zwei Jahrzehnte Revue passieren.
Reifeprüfung
Vater Gervais (Michel Côté) hat’s nicht leicht
Die Beaulieus leben in Quebec und sind einfache Leute. Die Eltern Gervais (Michel Côté) und Laurianne (Danielle Proulx) sind tüchtig und fromm. An Heiligabend 1960 wird Zachary als zweitjüngster Spross unter insgesamt fünf Brüdern geboren. Der älteste, der frühreife Raymond (Pierre-Luc Brillant), ist das schwarze Schaf der Familie. Jede Woche schleppt der Biker eine neue Eroberung an. Mit Sportskanone Antoine (Sébastian Blouin), Bücherwurm Christian (Maxime Tremblay) und Nesthäkchen Yvan (Félix-Antoine Despatie) ist das ungleiche Geschwister-Quintett komplett.
Verbindet eine Hassliebe: Raymond (li.) und Zach
Als heimlicher Liebling seines Vaters profitiert der kleine Zach (Émile Vallée) von Freiheiten, die seinen Brüdern verwehrt bleiben. Doch mit dem Einsetzen der Pubertät beginnen Zachs (Marc-André Grondin) Probleme -- sehr zum Leidwesen seines Erzeugers, in dessen Gunst der Weihnachtsgeborene rapide sinkt. Sein großer Bruder Raymond rutscht zusehends in einen Sumpf aus Drogen und Kleinkriminalität ab, terrorisiert Zach und beschimpft den sensiblen Teenager als Weichling und Schwuchtel. Dieser flüchtet sich immer mehr in eine Traumwelt, raucht Joints und hört Platten der Rolling Stones, von Pink Floyd und David Bowie. Als die Hormone Zachs Blut in Wallung bringen, wird alles noch schwieriger, denn inzwischen ist er nicht mehr nur in seine frühreife 15-jährige Cousine Brigitte (Mariloup Wolfe) verliebt, sondern beinahe noch mehr in deren Freund ...
Verwandlungen
Im Bonusmaterial findet sich unter dem Titel "C.R.A.Z.Y. sur le Plateau" ein interessantes Making of mit vielen Interviews des Regisseurs, der Darsteller und der Crew-Mitglieder. Die Schauspieler hatten sichtlich Spaß dabei, sich nach dem Geschmack der 70er- und 80er-Jahre stylen zu lassen.
In einer zweiten Featurette informiert Visual-Effects-Director Marc Cote in einem Audiokommentar über die Entstehung der subtilen Spezialeffekte. Wo früher noch für Hintergründe so genannte Matte-Zeichnungen angefertigt wurden, kommen die Bilder heute vollständig aus dem Computer.
