Bundesliga Manager Professional: Als ich mir mit einem Klick 100.000 D-Mark ergaunerte

Kolumne Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Bundesliga Manager Professional: Als ich mir mit einem Klick 100.000 D-Mark ergaunerte
Quelle: Moby Games

Aus der Zeit, als Fußballmanager-Spiele noch simpel, zugänglich und unschuldig waren: Wieso Bundesliga Manager Professional ein zu einfaches Bild vom Fußballgeschäft vermittelte, aber trotzdem eines der besten Spiele der frühen 90er war!

Kinder der 90er-Jahre erkennen die Anspielung aus der Überschrift sofort. In der 1991 erschienenen Sportsimulation Bundesliga Manager Professional des deutschen Entwicklers Software 2000 gab es einen Geheimtrick, um das Konto ein wenig aufzubessern. Wenn der eigene Klub mal wieder knapp bei Kasse war, genügte im Finanzbildschirm ein Klick auf das Türschild des Bankgebäudes, und schon trudelten 100.000 D-Mark auf das Sparbuch. Eine Minute Dauerklicken machten mich also damals zum virtuellen Millionär.

Als Bundesliga Manager Professional erschien, war ich junge zwölf Jahre alt. Meine eigene Fußballerkarriere war von wenig Erfolg geprägt: Trainingsfaul, bockig und obendrein auch athletisch nicht sonderlich begabt, wurde ich nur zwei Mal eingewechselt - mal als Linksaußen, mal als defensiver Mittelfeldspieler. Eines der Spiele verlor "meine" Mannschaft damals mit 1:13, und ich lief gefühlt hundert Mal ins Abseits.

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Kurz gesagt: Ich liebe Fußball, verlegte mich aber sehr schnell auf die virtuelle Version in Form von Titeln wie Kick Off, Microprose Soccer oder eben Wirtschaftssimulationen wie dem Bundesliga Manager Professional.

"Wie in echt ..."

Damals kannte ich bereits den 1989 veröffentlichten Vorgänger Bundesliga Manager, der von Werner Krahe und Jens Onnen und deren Stadio KRON Simulation Software entwickelt wurde. Die archaische Spielszenen brannten sich in mein Gedächtnis ein. Ein kleiner, weißer Ball sprang hier auf einem stilisierten Fußballplatz von links nach rechts. So stellte man schematisch das Geschehen auf dem Feld dar. Hier war also ganz viel Fantasie gefragt, damit wirklich Spannung ins Spiel kam.

In Bundesliga Manager Professional, das ich auf meinem geliebten Commodore Amiga 500 spielte, war das anders: Hier gab es über 30 vorberechnete Highlight-Momente mit wechselnden Enden. In der Iso-Perspektive rannten die Pixelmännchen dem Leder hinterher, schossen aufs Tor oder foulten sich. Die Darstellung war nicht ganz auf Sportschau-Niveau, kam dem aber für damalige Verhältnisse ziemlich nahe. Auch wenn ich nach unzähligen Stunden mit Bundesliga Manager Professional jede Szene in- und auswendig kannte, habe ich sie nie abgestellt. Sie waren das technische Kabinettstückchen der an sich recht trockenen Wirtschaftssimulation.

Ich bin der Boss!

Bundesliga Manager Professional - oder auch kurz "BMP" - simulierte die erste, zweite und dritte Liga, besaß die Originalspielerdaten, und es gab sogar Wettbewerbe wie den UEFA-Pokal oder den Europapokal der Landesmeister, den Vorläufer der heutigen Champions League. Meine Aufgabe bestand darin, meinen Verein zu Ruhm und Ehre zu führen. Das beinhaltete die Zusammenstellung des Kaders und der Trainingspläne ebenso wie das Management der Finanzen. Dank der einfachen Kachel-Oberfläche und eindeutiger Symbole fand ich mich schon damals schnell zurecht.

Ich gebe zu: Ich verwendete den eingangs erwähnten Cheat ziemlich häufig. Einfach, weil ich den schnellen Erfolg wollte und viel Freude an großen Spielertransfers hatte. Schließlich wollte ich immer die besten Spieler auf den Platz bringen. Deren Fähigkeiten stellte BMP mit Hilfe der Werte für Kondition, Technik und Form dar. Im Aufstellungsbildschirm schob ich meine Stars hin und her wie auf dem Reißbrett: Zwei oder drei Stürmer? Mit oder ohne Libero? Oder doch lieber mit einer Vierer-Abwehrkette? Dazu ordnete ich Trainingslager an und konnte so sehen, wie junge Spieler reiften oder gestandene Stars noch besser wurden. Hier war ich der Coach - und bildete mir ein, dass genau so das Management eines echtes Bundesliga-Vereins läuft.

Für einen aus heutiger Sicht sehr simplen Manager besaß BMP eine hohe Nachvollziehbarkeit. Forderte ich zu viel Intensität von meiner Truppe, hagelte es Verletzungen. Trainierte ich bestimmte Mannschaftsbereiche zu wenig, stagnierten ihre Werte. Im Anschluss an die Matches erhielt ich zudem an den Kicker angelehnte Zeitungsausschnitte, die die Leistung meiner Spieler mit Schulnoten bewerteten. Ich war als Trainer hart, aber fair: Wer zwei Mal mit einer "6" vom Platz kam, landete erst mal auf der Bank.

Die Kasse stimmt

Ein gutes Indiz für meinen Erfolg war dabei das eigene Stadion. Fast wie im Aufbauspiel-Klassiker Theme Park bestimmte ich die Eintrittspreise, baute Flutlichtanlagen oder erweitere Sitz- und Stehplatzränge. Auf der dazu gehörigen Stadiongrafik konnte ich sehen, wie mein einstiger Bolzplatz zum echten Hexenkessel heranwuchs.

Für die notwendigen finanziellen Mittel sorgte ein einfaches Wirtschaftssystem: Ich verkaufte Banden- und Trikotwerbung und erhielt im Gegenzug bare Münze dafür. Auch hier setzte Software 2000 auf Wiedererkennungswert. Als bekennender Amiga-Fan musste meine Mannschaft natürlich stets das Commodore-Symbol auf der Brust tragen. Und auch Onnen und Krahe verewigten sich hier mit KRON Software als möglichem Werbepartner.

Auf dem heißen Stuhl

Alleine macht das Spiel bereits Spaß und fraß unzählige Stunden meiner Jugend förmlich auf. So richtig zur Sache ging es aber im lokalen Multiplayer mit Freunden. Ich erinnere mich noch lebhaft an den emotionalen Konkurrenzkampf und wie hitzig mitunter Verhandlungen über mögliche Neuverpflichtungen ausgetragen wurden.

Im Hotseat-Modus ging es mit bis zu vier Hobbytrainern reihum: Jeder Teilnehmer machte seine Aufstellung und kümmerte sich um die finanziellen Belange. Den Spieltag erlebten wir dann aber im Nachgang gleichzeitig. Das Trash-Talking bei "Derbys" könnt ihr euch ganz sicher vorstellen. Der heiße Stuhl verlieh Bundesliga Manager Professional eine soziale Komponente.

Diese wurde übrigens immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Meine Freunde und ich hatten nämlich ein "Gentlemen's Agreement", dass der anfangs erwähnte Cheat nur nach Rücksprache mit den anderen zum Einsatz kam. Ich habe mich als Ehrenmann natürlich immer darangehalten und nie gemogelt. Also ... fast nie.

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