Bud Spencer & Terence Hill - Slaps and Beans im Test: Fans der Filmvorlagen kommen auf ihre Kosten
Test
Markige Sprüche und zünftige Raufereien, dafür sind die Filme rund um das schlagkräftige Duo Bud Spencer und Terence Hill noch heute bekannt. Mit Slaps and Beans versucht Entwickler Trinity Team nun den Geist der Klassiker einzufangen und erstmals auf den Computerbildschirm zu bannen - eine große Aufgabe für das kleine italienische Indie-Studio. Ob der Titel den Erwartungen der Fans gerecht werden kann und wieviel Seele des Originals wirklich in ihm steckt, das haben wir für euch getestet.
Auf dieser Seite
Eigentlich bietet sich das Setting der Bud Spencer & Terence Hill-Filme geradezu ideal für eine spielerische Umsetzung an. Umso überraschender ist es, dass sich vor dem kleinen Indie-Studio Trinity Team noch niemand an einen offiziell lizenzierten Titel gewagt hat. Die italienischen Entwickler leisteten also Pionierarbeit, als sie im Oktober 2016 auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ihr Projekt Slaps and Beans vorstellten: Einen Actiontitel rund um die zwei Haudrauf-Helden - mit reichlich Schellen, Bohnen und Schnodder-Dialogen. Der Pitch fand innerhalb der alteingesessenen Fangemeinde großen Anklang, die Kampagne entsprechend viele Unterstützer. Es schien als hätten sie nur darauf gewartet, ihr geliebtes Leinwand-Duo endlich auch über den Computerbildschirm flimmern zu sehen. 6808 Backer trugen insgesamt 212.557 Euro zusammen und so dazu bei, dass aus einer kleinen Idee nun endlich ein fertiges Spiel wurde. Nach über anderthalb Jahren in der Mache ist Slaps and Beans seit dem 20. April auf Steam verfügbar.
Herausgekommen ist ein Sidescroller-Beat'em Up der alten Schule, inszeniert im Stile eines Arcade-Klassikers. Ihr werdet zum Spielstart nicht nur von einem "Insert Coin"-Bildschirm begrüßt, sondern dürft das gesamte Abenteuer zudem in charmanter Pixel-Grafik erleben. Im Pausemenü ist sogar der gesamte Spielautomat mitsamt Joysticks und flackerndem Bildschirm zu sehen. Insgesamt ist die optische Präsentation gelungen. Slaps and Beans wirkt authentisch und hätte so gefühlt vor dreißig Jahren in den Spielhallen der Welt stehen können, direkt neben Vorbildern wie Double Dragon.
"Was ist mit de' Kohlen?"
Auch die Story könnte eins zu eins aus der Feder eines 80er-Jahre-Regisseurs stammen: Ihr verfolgt einen Ganoven, der euch um eure Angebetete und einen Haufen Kohle erleichtert hat. Auf dem Weg zu ihm verteilt ihr mächtig Backenfutter und ramponiert reichlich Mobiliar. Der Titel führt euch durch mehrere Schauplätze, vom Wilden Westen über die Straßen von Miami bis hin zu einer tropischen Insel. Fans erkennen dabei Versatzstücke aus Klassikern wie "Die linke und die rechte Hand des Teufels", "Zwei außer Rand und Band" oder "Zwei Asse trumpfen auf" wieder. Auch Charaktere aus den Original-Filmen bekommen vereinzelt einen Cameo-Auftritt. Die Story ist nicht besonders ausgefallen oder anspruchsvoll, orientiert sich aber grob an den Filmen und glänzt durch Humor und verrückte Ideen. Gerade das letzte Drittel wird zwar ein wenig wirr, am Ende ist die Geschichte aber ohnehin nur der Rahmen für den wichtigsten Teil eines jeden Spencer/Hill-Titels: Die knalligen Prügel-Orgien mit einem endlosen Nachschub an Gegnern.
Quelle: Trinity Team
Bösewicht Tango entführt Maus und Moneten - das kann sich unser dynamisches Duo natürlich nicht gefallen lassen.
Diese sind auch in Slaps and Beans schön inszeniert. Ihr erlebt knackige Gefechte, die nicht nur optisch, sondern auch von der Vertonung her richtig Spaß machen. Die Soundkulisse ist stets stimmig. Egal ob Klatschen, Paukenschlag oder Bowling-Geräusche, wenn mehrere Gegner gleichzeitig umgekegelt werden - die Kämpfe fühlen und hören sich so an, wie man es sich vorgestellt hat. Das liegt auch daran, dass sich die Entwickler die Rechte am Original-Soundtrack sichern konnten. So dürft ihr zu etwa Klassikern wie Franco Micalizzis Trinity, welches auch aus Quentin Tarantinos Django Unchained bekannt ist, die Fäuste fliegen lassen.
Mit dem Vorschlaghammer 'nen Scheitel ziehen
Beim Prügeln habt ihr die Auswahl zwischen einem normalen und einem schweren Angriff - den könnt ihr dreimal einsetzen, danach muss sich erst eure Ausdauer wieder aufladen. Dazu gibt es die Möglichkeit zu blocken. Die bleibt über das meiste Abenteuer hinweg aber ungenutzt. Ihr verteilt so viel Backenfutter, dass es kaum auffällt, wenn ihr zwischendurch ein paar Schläge einsteckt. Sollte der Gesundheitsbalken doch einmal bedrohlich tief sinken, könnt ihr euch Bier oder Bohnen gönnen und so wieder zu Kräften kommen. Die leeren Gläser und Pfannen lassen sich danach zudem optimal als Waffe verwenden. Insgesamt könnt zu fast jedem Gegenstand greifen, den ihr in der Umgebung findet: Egal ob Stuhl oder Billardqueue - alles was nicht niet- und nagelfest ist, lässt sich auf dem Schädel eures Gegner zertrümmern. Das ist gerade im späteren Verlauf des Spiels von Vorteil, wenn die Gegner mehr Schaden verteilen oder wegstecken können. Fordernder sind auch die Bosskämpfe, in denen es Angriffsmuster oder Schwachstellen des Gegners herauszufinden gilt.
Während des Abenteuers könnt ihr dynamisch zwischen den zwei Charakteren hin und herwechseln. Bud bewegt sich etwas behäbiger, langt
Quelle: Trinity Team
Vier Fäuste für die dreifache Punktzahl! Wenn Bud und Terence gleichzeitig Hand anlegen, lassen sich schöne Kombos einfahren.
dafür aber fester zu und kann ausgeknockte Gegner aufheben und werfen. Terence setzt hingegen mehr auf flinke Attacken, weicht schneller aus und kann an Balken hängend Gegner treten. Beide Protagonisten spielen sich gleich gut, nach ein wenig Eingewöhnungszeit lasst ihr Backpfeifen fliegen als wäre es euer täglich Brot. Wer das Schellen-Spektakel nicht alleine durchleben möchte, kann im lokalen Koop-Modus zudem einen Freund mitspielen lassen. Da es dabei auf der Tastatur etwas eng zugehen kann, empfehlen wir euch, eher auf einen Controller umzusteigen. Auch weil das Button-Mashing auf dem Keyboard ein wenig in die Arme gehen und sich zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig anfühlen kann.
"Er muss rot sein und ein gelb' Häubchen haben"
Aufgelockert werden die Schlägereien durch kleinere, sehr simple Rätsel. Zudem hat Trinity Team ein paar Minispiele eingebaut. Diese sind vielleicht nicht immer sonderlich anspruchsvoll oder technisch hochwertig umgesetzt, stecken aber voller Gimmicks und Fanservice. So heizt ihr etwa mit dem Buggy aus "Zwei wie Pech und Schwefel" über eine etwas seifige Rennstrecke oder liefert euch in der Limo aus "Zwei bärenstarke Typen" eine Auto-Scrolling-Verfolgungsjagd, während der ihr anderen Autos ausweichen müsst. Das Highlight ist zweifellos das Wettessen im Stile von Dance Dance Revolution, in dem es unter Zeitdruck möglichst viele Biere und Hot Dogs zu vernichten gilt.
Quelle: Trinity Team
Darf natürlich nicht fehlen: Der rote Strandbuggy mit gelbem Häubchen.
Nach etwa drei Stunden habt ihr euch dann schließlich durch die Story geboxt und dürft die Credits rollen sehen. Slaps and Beans ist damit ein recht kurzes aber durchaus stimmungsvolles Abenteuer. Im Anschluss könnt ihr die Schwierigkeit noch einmal anpassen und in guter alter Arcade-Manier auf Punktejagd gehen, um die Highscore zu erklimmen. Im Menü lassen sich zudem die Outfits der beiden Haudegen anpassen oder per Jukebox eine Auswahl an Original-Soundtracks genießen. Sonst beschränkt sich das Spiel auf das Wesentliche - das ist aber auch in Ordnung so.
Schließlich beweist das Indie-Beat'em-Up insgesamt eine anständige Figur. Das Schellen-Gewitter macht Laune, die Charaktere sind herrlich überzeichnet und die auf Deutsch verfügbaren Dialoge fangen den Spirit der Filme gut ein - auch wenn sie in Textform und ohne das Mitwirken von Synchronautor Rainer Brandt etwas von ihrem Charme eingebüßt haben. Slaps and Beans hat natürlich auch ein paar Makel wie die Quick Time Events oder Mini-Spiele, die oft mehr gewollt als gekonnt wirken. Zudem hatten sich in unsere Version neben seltsamen Übersetzungen oder Rechtschreibfehlern auch Aussetzer bei Ingame-Sound und Musik eingeschlichen, die uns zum Neustart des Spiels gezwungen haben. All diesen Umständen zum Trotz haben wir den Nostalgie-Trip aber dennoch mit viel Freude und einem breiten Grinsen zu Ende zu gespielt.
Update: Switch-Version erschienen
Quelle: Trinity Team
Der Klatschen-Karneval von Slaps and Beans geht nun auch auf der Nintendo Switch weiter.
Eigentlich hatte Slaps and Beans das auf Kickstarter gesetzte Stretch-Goal für eine Konsolen-Version nicht erreicht. Nun haben die Macher von Trinity Team überraschenderweise doch noch einen Ableger für PS4, Xbox One und Switch auf den Markt gebracht. Seit dem 24. Juli ist das Spiel über die gängigen Online-Stores zum Download erhältlich - wir haben uns das Schellen-Spektakel noch einmal auf Nintendos Heimkonsole angesehen.
Inhaltlich hat sich im Vergleich zur mittlerweile drei Monate alten PC-Fassung nichts verändert. Der Titel umfasst noch immer dieselben Levels sowie Minispiele und auch die Jukebox ist wieder am Start. Grafisch sind beide Varianten ebenfalls auf einem Niveau - der charmante Pixel-Look macht auch auf der Switch eine gute Figur. Zudem spielt sich die Prügelorgie mit dem Controller noch einmal deutlich flüssiger als mit der Tastatur.
Unglücklicherweise endet hier allerdings bereits der positive Eindruck. Technisch kann die Switch-Fassung nämlich nicht mit der PC-Version mithalten. Die Ladezeiten sind länger und auch sonst müssen Spieler bei der Performance einige Abstriche machen. Zwar läuft der Titel über weite Strecken hinweg mit flüssigen 30 fps, gerät bei optisch anspruchsvolleren Szenen allerdings bereits leicht ins Stottern. Sobald sich auf dem Bildschirm dann zu viel auf einmal tut, wird das Beat'em-Up schließlich zum Ruckelfest. Besonders in
Quelle: Trinity Team
Die technische Umsetzung der Switch-Version ist manchmal allerdings geradezu niederschmetternd.
Situationen, in denen Fahrzeuge involviert sind (etwa während der Highway-Verfolgungsjagd), scheint die Switch offensichtlich an ihre Grenzen zu stoßen - egal ob im Handheld- oder TV-Modus. Was uns auch negativ ins Auge gefallen ist, sind die zu großen Texteinblendungen, die über den Bildschirmrand hinausragen. Zu allem Überfluss leidet die Switch-Version auch noch unter einigen teils sehr lästigen Bugs und Glitches, die uns auf dem PC so nicht aufgefallen sind. Gegner lassen sich etwa durch Zäune oder Kisten hindurchprügeln. Dann sind sie allerdings außer Reichweite und können nicht mehr erledigt werden. Heißt im Klartext: Die aktuelle Stage lässt sich nicht säubern, wir kommen nicht weiter und müssen das Level neustarten. Das bringt allerdings durchaus Risiken mit sich: Denn dabei hängt sich die Switch-Version gerne einmal auf. Ähnliches ist uns auch nach der Charakterauswahl oder einem Game Over passiert.
Darunter leidet der Spielspaß natürlich vehement. Wirklich schade, denn eigentlich klang der Abstecher von Bud Spencer und Terence Hill auf die Switch durchaus vielversprechend. Angesichts der eklatanten Fehler müssen sich Besitzer von Nintendos aktueller Heimkonsole nun aber fragen, ob ihnen der Titel tatsächlich die verlangten 20 Euro wert ist.
Quelle: Trinity Team
Spencer & Hill erweisen sich auch abseits der Leinwand als ein gut eingespieltes Team.
