Brink im Test: Wir klären in unserem Review, ob das Vorhaben der Entwickler, mit Brink eine anspruchsvolle Shooter-Symbiose aus Einzelspieler- und Mehrspielermodus zur kreieren, aufgeht und welche Aspekte von Brink uns überzeugen können.
Auf die Teamkollegen gilt es besonders zu achten: Da es weniger ums Töten als ums Erledigen geht, ist ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn von großem Vorteil. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf entfaltet Brink während unseres Tests tatsächlich einige magische Momente - und zwar immer genau dann, wenn wir mit der gesammelten Mannschaft verbissen und an einem Strang ziehend um ein Missionsziel kämpfen. Als besonders spannend erweisen sich dabei die Eskortaufgaben, wo wir mal einen Gefangenen, mal einen Roboter durchs Feindgebiet geleiten. Ein zäher Kampf um jeden Zentimeter, intensiv, packend und einzigartig! Mit Bots an Bord sieht die Lage jedoch etwas anders aus. Zwar agieren die vom Computer gesteuerten Mit- und Gegenspieler in drei Schwierigkeitsgraden auch tatsächlich unterschiedlich effektiv, jedoch fehlt ihnen das "Gefühl", was gerade wo wichtig ist. Die KI-Gruppen haben durchaus die Fähigkeit, sich für einen Angriff zu sammeln, jedoch bleiben sie mindestens ebenso oft tatenlos vor einem Missionsziel stehen, wo sie eigentlich nur kurz zugreifen, hacken oder reparieren müssten.
Schön: Während ihr auf den Respawn wartet, dürft ihr das Kommandorad benutzen.
Zwar stehen wir total auf das farbenfrohe Charakterdesign und die Millionen Kombinationsmöglichkeiten von Klamotten, Tattoos und all dem Kram, jedoch können wir einige der Konzeptentscheidungen nicht hundertprozentig nachvollziehen. Ein Beispiel: Zu Spielbeginn legt ihr einen Archetypen ("Das Kinn", "Der Psycho", "Die Nase" etc.) für euren Charakter fest und sucht euch aus einer Liste von Voice-over- Sprechern einen Stimmpaten aus - beides eine nachhaltige Entscheidung, ohne Möglichkeit zur nachträglichen Änderung. Kleidung und andere Charakterverschönerungen sind logischerweise nicht dauerhaft, ebenso wenig die Leibesfülle eurer Spielfigur. Muskulöse Zeitgenossen sind langsam, stecken aber viele Treffer weg, eher dürre Kumpanen sind etwas fragil, können sich aber sehr viel fixer, freier und flüssiger durch die Spielwelt bewegen. Das SMART-System, mit dem ihr euch intelligent durch die Spielwelt bewegt, steht allen Spielertypen zur Verfügung, jedoch sind Kletter- und Sprungfähigkeiten stets abhängig vom Körperumfang. Und für den hätten wir uns, wie auch für die Waffenanbauten, eine Möglichkeit gewünscht, uns während einer Partie umzuentscheiden. Grund: Der Körperbau beeinflusst nicht nur Beweglichkeit und Konstitution, sondern auch die zur Verfügung stehenden Waffen. Hinter all den Figurverschönerungen und Waffenmodifikatoren steckt freilich ein Erfahrungssystem, das auch charakter- und klassenbezogene Verbesserungen - etwa erhöhten Granatenschaden oder die Möglichkeit, während des Sprintens nachzuladen -, Audio-Kommentare der Entwickler und ein paar andere nette Dinge freischaltet. Und selbst wenn einen die vielen Optionen, Waffenanbauten und Frisuren eines Charakters auf dem Maximallevel 20 beinahe erschlagen, so tröpfeln die Freischaltungen unterwegs doch nur in homöopathischen, aber auch motivierenden Dosen in euer Inventar.
Zig Waffenanbauten und Visiere laden zum Experimentieren ein; das Waffenmenü nicht.
Brink hat einen nicht ganz einfachen Zugang. Wie schon beim Vorgängerspiel Enemy Territory: Quake Wars ist einiges an Einarbeitungszeit vonnöten, um die Komplexität, die Brink bietet, zu durchschauen. Aber keine Sorge, Übung macht auch bei Brink den Meister. Zudem unterstützen Tutorial-Videos den Fortschritt, und über den Challenge-Modus könnt Ihr fleißig üben. Brink kann sein volles Potenzial nur entfalten, wenn ihr dem Spiel auch die Chance dazu gebt und etwas Zeit investiert - dann belohnt es euch mit einer komplexen, tiefgründigen und überaus erfrischenden Spielerfahrung. Nur leider wird das online mit Fremden wahrscheinlich nur bedingt funktionieren. Schade, dem Spiel kann man dafür aber kaum einen Vorwurf machen.
