Bounty Train: Volldampf voraus! Der Genre-Mix aus Wirtschafts-Sim und Rogue-Like mit Dampfrössern im Test
Test
Daedalic hat eine wahrhaft wilde Mischung im Angebot: Bounty Train vereint Elemente eines Rogue-Likes mit einer Eisenbahn-Wirtschaftssimulation. Ob die Mixtur schmeckt, sagen wir in unserem Test.
Was verbindet man wohl am ehesten mit dem Wilden Westen? Für die meisten unter uns dürfte die Antwort ganz klar Cowboys und Indianer lauten. Aber auch die Eisenbahn hat bei vielen Western eine tragende Rolle gespielt - etwa beim Klassiker Zwölf Uhr Mittags oder in Todeszug nach Yuma. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, schließlich haben Züge es erst ermöglicht, dass der Westen der USA im 19. Jahrhundert nachhaltig besiedelt wurde und so die kleinen Städtchen jenseits der Rocky Mountains wachsen und gedeihen konnten. In Bounty Train dürfen wir uns als junger Eisenbahnunternehmer zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-65) versuchen und so unsere Familienfirma retten. Wer hier jedoch eine Art Remake von Transport- oder Railroad Tycoon erwartet, täuscht sich. Bounty Train ist kein Aufbaustrategiespiel, sondern hat viel mehr mit simplen Rollenspielen und Rogue-like-Titeln gemein - ähnlich wie die Weltraumüberlebenssimulation Faster Than Light. In unserem Test zu Bounty Train wollen wir euch sagen, ob die Mischung tatsächlich gut funktioniert.
Bounty Train im Test: Wirtschaft für Anfänger
Das bedeutet, dass wir uns nicht um den Aufbau eines Schienennetzes kümmern, sondern stattdessen lediglich die Kontrolle über ein einziges Dampfross übernehmen. Unsere Aufgabe ist es, Waren und Passagiere zwischen den nordamerikanischen Städten der Zeit hin und her zu bewegen und so unser Konto aufzustocken. Insgesamt gibt es 13 Frachtgüter, die sich nicht nur in puncto Preis, sondern auch bezüglich des Gewichts unterscheiden. So lassen sich zum Beispiel mit Stahl zwar hohe Gewinne erzielen, aber man braucht auch eine zugkräftige Lok, damit man die Ware bewegen kann. Außerdem gibt es in Bounty Train auch Güter, die in manchen Städten als Schmuggelware gelten, etwa Alkohol und Waffen. Falls man mit der Fracht erwischt wird, wandert einer der Charaktere für eine Weile ins Gefängnis und unser Ansehen in der Stadt sinkt obendrein. Die Mechanik für die Passagiere ist hingegen etwas einfacher: Wir können je nach Waggongröße eine bestimmte Anzahl an Fahrgästen mitnehmen und müssen lediglich darauf achten, dass sie pünktlich am Ziel ankommen.
Quelle: PC Games
Im Betriebshof können wir neue Waggons und Loks kaufen. Ebenso lassen sich die Züge hier reparieren.
Insgesamt ist das Wirtschaftssystem eher oberflächlich und kein echter Motivationsfaktor. Vielmehr lassen sich relativ einfach und auch schnell hohe Gewinne erzielen. Schade ist aber, dass die Benutzeroberfläche hier etwas dürftig ist. So kann man zum Beispiel die Preise der Waren nur relativ umständlich in einem gesonderten Menü vergleichen. Da machen es andere Spiele besser, indem die wichtigsten Waren einer Stadt durch ein Icon auf der Übersichtskarte dargestellt werden. Schlussendlich kann man das Bounty Train aber verzeihen, da es sich hier eigentlich nicht um eine reinrassige Wirtschaftssimulation handelt.
Nervtötende Kämpfe
Mit dem erwirtschafteten Geld lassen sich dann etwa neue Strecken für unsere Lokomotive freischalten, frische Zugmodelle kaufen und sie verbessern sowie Begleiter einstellen. Die Begleiter brauchen wir wiederum, damit wir uns vor den Angriffen der Indianer und Banditen schützen können. Die amerikanischen Ureinwohner und auch die fiesen Räuber versuchen, auf bestimmten Streckenabschnitten unseren Zug zu plündern, und wir können das mit der Kraft von Pistolen, Gewehren und Messern verhindern. Dafür bestreiten wir sehr einfach gestrickte Echtzeit-Gefechte, in denen wir unseren Charakteren per Maus Angriffsbefehle geben, und wenn es nötig wird, Brände und andere Schäden an unserer Lok reparieren.
Quelle: PC Games
Die Kämpfe sind anfangs relativ simpel, werden aber im Laufe des Spiels fast unmöglich.
Obwohl die Kämpfe an und für sich sehr simpel aufgebaut sind, mussten wir innerhalb der Kampagne jedoch feststellen, dass sie mit der Zeit fast unschaffbar werden. Schuld daran ist ein unzureichendes Balancing.der Auseinandersetzungen. So griffen uns im späten Spiel oft mehr als zwölf fast unsterbliche Gegner an und trotz einer starken Begleitmannschaft konnten wir kaum etwas gegen die Widersacher ausrichten. Am Ende haben wir tatsächlich lieber auf die Kämpfe verzichtet und den Fieslingen stattdessen Geld angeboten, damit wir unbeschadet weiterreisen konnten. Da die Kämpfe das zweite wichtige Element von Bounty Train sind, müssen wir sagen, dass dies sich ziemlich stark auf den Spielspaß auswirkt.
Bounty Train im Test: Abzüge in der B-Note
Auch sonst ist Bounty Train nicht ohne Fehl und Tadel. Wie bereits angesprochen, lässt die Benutzeroberfläche viel zu wünschen übrig. Durch Designfehler kommt es sogar mal vor, dass wichtige Buttons oder gar Charaktere durch Info-Screens überdeckt sind und die Bedienung nicht gerade leicht fällt. Zudem gibt es die Balancing-Probleme nicht nur bei den Kämpfen, sondern - was noch viel störender ist - bei unserem Ansehen in den Städten. Mit der Zeit verlieren wir fast automatisch Beliebtheitspunkte in den Siedlungen und können ab einem bestimmten Wert auch nichts mehr dagegen tun. So kann es vorkommen, dass man im späteren Spielverlauf nur noch eine Handvoll Städte besuchen kann, ohne dass man für mehrere Tage verhaftet wird. Das ist ziemlich ärgerlich, zumal die Entwickler rund zwei Jahre durch die Early-Access-Phase Zeit hatten, genau solche Designfehler zu kaschieren. So ist Bounty Train leider nur ein durchschnittliches Spiel, das in keiner Disziplin so recht überzeugt.
