Blightbound: Generisches Grind-Gelage im Test

Test Paul Albert Philipp Sattler
Blightbound: Grauenerregendes Grind-Gelage im Test (1)
Quelle: Devolver Digital

Blightbound aus dem Hause Ronimo Games hat vor einiger Zeit endlich den Early Access verlassen und soll nun die Spieler begeistern. Der düstere Dungeon-Crawler macht mit seinem stilvollen Comic-look zumindest augenscheinlich einiges her. Doch kann das 2D-Geschnetzel auch mit anderen Qualitäten überzeugen?

Blightbound ist ein Paradebeispiel für hübsche Grafik und vernachlässigtes Gameplay. Denn obwohl es auf den ersten Blick super aussieht, fehlt es an spielerischer Qualität. Das kennt man sonst eher aus Mobile Games, die ebenfalls versuchen, durch schicke Grafik zu überzeugen. In dem Multiplayer Dungeon Crawler Blightbound gibt es glücklicherweise keine Pay Wall wie in den meisten grafisch aufpolierten Mobile Games. Warum es trotzdem nicht überzeugen konnte, wollen wir in diesem Test genauer beleuchten.

Der Anfang des Grauens

Die Welt in Blightbound ist erneut in Gefahr, denn die Hülle eines besiegten Schattentitans aus längst vergangen Tagen setzt Fäulnis frei. Diese verbreitet sich wie ein Nebel allmählich über die Ländereien, verzehrt alles und jeden mit dem er in Berührung kommt und verwandelt jedes Lebewesen in eine mit Verderbnis getränkte Kreatur. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern seid ihr auf der Suche nach denen, die dem Nebel entkommen konnten und baut mit ihrer Hilfe eine Zuflucht auf. Im Kampf gegen die Fäule werdet ihr in die unterschiedlichsten Regionen dieser Welt entsandt, um eine Möglichkeit zu finden, diese aufzuhalten.

Die drei Musketiere

Charakter haben nur billige Sprüche auf Lager. Beziehungen gibt es untereinander nicht wirklich. Quelle: PcGames Charakter haben nur billige Sprüche auf Lager. Beziehungen gibt es untereinander nicht wirklich. In einem Trupp bestehend aus einem Krieger, einer Assassine und einem Magier übernehmt ihr die Kontrolle über einen der Charaktere und zieht wahlweise mit der KI oder Freunden im Couch-Coop oder Online los, um die Fäulnis aufzuhalten. Der Krieger ist dabei der klassische Tank. Mit dem Schild in der einen Hand kann er feindliche Angriffe blocken. Mit dem Breitschwert in der anderen lässt er hingegen seinem Zorn freien Lauf. Die Assassine ist eine gleichermaßen agile wie auch fragile Schadensausteilerin. Ganz nach dem Motto zuschlagen und abhauen, möchte sie lieber nicht vom Gegner getroffen werden. Der Magier fungiert als Unterstützer, kann heilen und Schilde verteilen. Ein guter Magier ist daher unverzichtbar, um euren Trupp am Leben zu halten.

Schnetzeln was das Zeug hält

Für jede Klasse könnt ihr im Laufe des Spiels ungefähr sieben neue Recken freischalten. Die unterscheiden sich aber im Grunde nur marginal von ihren Kollegen. Es gibt nur eine Hand voll aktiver Fähigkeiten pro Klasse, die bunt durchgemischt werden. Lediglich die passive Fähigkeit unterscheidet sich - jeder Recke hat seine eigene. Nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Level dürft ihr drei Punkte auf die fünf unterschiedlichen Attribute verteilen, wodurch ihr im Laufe der Zeit immer stärker werdet. Auch Ausrüstungsgegenstände können gefunden oder geschmiedet werden. Diese ändern zwar nicht viel am Aussehen, doch die richtigen Item-Kombinationen verschaffen euren Helden ordentlich Wumms. Gekämpft wird in Echtzeit. Jeder Spieler versucht durch den Einsatz von Fähigkeiten und normalen Attacken den Weg durch das Level zu ebnen. Der Magier kann nicht nur heilen, sondern als einziger Charakter auch gut aus der Ferne angreifen. Quelle: PcGames Der Magier kann nicht nur heilen, sondern als einziger Charakter auch gut aus der Ferne angreifen. Alle Helden haben ihre eigene Geschichte, die aber nicht wirklich gut in Szene gesetzt wird. Je nachdem welchen Charakter man spielt, gibt es versteckte Dinge innerhalb der Dungeons zu entdecken. Beispielsweise trifft man auf neue Charaktere oder sammelbare Gegenstände. Aber im Wesentlichen kämpft man sich immer wieder durch die gleichen Level, deren Schwierigkeitsgrad bei jedem Anlauf neu ausgewürfelt wird. Das bedeutet, dass ihr je nach Charakterlevel, Dungeons einfacher oder schwerer bewältigen könnt. Somit kommt zwangsläufig Abwechslung ins Spiel.
In den einzelnen Leveln selbst müsst ihr Aufgaben erfüllen, um voranzukommen. Beispielsweise rettet ihr Überlebende oder müsst die Verderbnis aufhalten. Die Abschnitte sind gespickt mit dem schwachen Fußvolk der Verderbnis, aber auch mit etwas mächtigeren Monstern. Weder die einen noch die anderen bieten eine wirkliche Herausforderung. Nur der Boss, der am Ende eines Levels wartet, macht euch hin und wieder das Leben schwer. Begeht ihr gegen ihn einen Fehler, wird dieser meist mit dem Tod bestraft. Das ist vor allem dann frustrierend, wenn ihr mit KI-Begleitern spielt.
Denn wenn der Boss euch zu Boden gerungen hat, haben die Bots beispielsweise Probleme euch umgehend wiederzubeleben oder gehen es so ungeschickt an, dass der nächste Schlag des Bosses sie ebenfalls in den Staub schickt. Das ist gleich doppelt frustrierend, denn eure Charaktere steigen nur dann im Level auf, wenn ihr einen Dungeon erfolgreich abschließt. Sterbt ihr, werdet ihr zurück in die Zuflucht teleportiert und habt trotz der investierten Zeit nahezu keinen Fortschritt errungen. Seid ihr hingegen mit Freunden unterwegs, könnt ihr aus euren Fehlern lernen und beim nächsten Versuch besser als Team zusammenarbeiten. Und darin liegt auch die Stärke des Spiels. Denn im Multiplayer macht es wirklich Spaß, sich durch die Gegner zu schnetzeln.

Trautes Heim, Glück allein

Jetzt heißt es Waffen upgraden und zurück an die Front. Quelle: PcGames Jetzt heißt es Waffen upgraden und zurück an die Front. Habt ihr einen Dungeon allein oder mit Freunden bewältigt, werden nicht nur eure Charaktere stärker. Ihr schaltet zudem neue Aspekte eures Unterschlupfs frei. Wie man es schon aus ähnlichen Titeln kennt, lassen sich nach und nach Händler, Schmied und diverse andere NPCs in eurer Zuflucht nieder. Nervig ist dabei aber, dass ihr, um bestimmte Items zu schmieden, mit allen Klassen spielen müsst. Denn die notwendigen Materialien bekommt ihr nur, wenn ihr die Dungeons mit einer bestimmten Klasse durchkämmt. Ansonsten ist die Unterkunft genau das, was man von ihr erwartet - sie bildet Dreh- und Angelpunkt für die Vorbereitung und den Start in ein neues Abenteuer. Gefährliche Feinde nehmen wir kurzerhand aus dem Kampf, indem wir sie in einem Geisterkäfig einsperren. Quelle: PcGames Gefährliche Feinde nehmen wir kurzerhand aus dem Kampf, indem wir sie in einem Geisterkäfig einsperren.

Auf Dauer wirds nicht besser

Wieder einmal kehren wir nach einem erfolglosen Run in den Unterschlupf zurück. Quelle: PcGames Wieder einmal kehren wir nach einem erfolglosen Run in den Unterschlupf zurück. Doch kommen wir nochmal zu den unschönen Momenten, die uns beim Spielen richtig gestört haben. Den großen Schwachpunkt im Hinblick auf den Fortschritt haben wir ja bereits angesprochen. Ein weiterer Punkt, der uns gar nicht gefallen hat, war die Art und Weise wie man sich in den Leveln fortbewegt. Ob Tor oder Tür - wir müssen immer kurze Zeit warten, bis wir hindurchgehen können. Zudem sind meisten Level so aufgebaut, dass wir ständig wieder in zuvor besuchte Räume zurückkehren müssen. Nur wenige Level sind wirklich gut durchdacht designt. Beispielsweise mussten mit einem Fahrstuhl schrittweise bis in den Keller eines Dungeons gelangen und dabei Gegner bekämpfen und Lasern ausweichen. Das machte durchaus Spaß und man hatte ausnahmsweise nicht das Gefühl, immer wieder von A nach B laufen zu müssen. Ansonsten ist und bleibt das Spiel dennoch sehr grindlastig. Level muss man ständig wiederholen, um besseres Equipment zu bekommen und nach einigen Runden hat man bereits alles gesehen. Die Langzeitmotivation hält sich dabei arg in Grenzen.
Auch, dass man einem Online Zwang unterliegt, stört schon sehr. Wenn mal das Internet ausfallen sollte, kann man nicht einmal mit Bots spielen. Das zeigt erneut, dass das Spieldesign sowie Benutzerfreundlichkeit eher mau ausfallen. Blightbound könnte einiges mehr bieten. Dass die Probleme im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit in der fertigen Version nicht behoben wurden, ist einfach schade. Das Grundkonzept von Blightbound ist nicht schlecht. Es scheitert nur an der Umsetzung. Man stößt beim Spielen an jeder Ecke auf Makel, die es im Ergebnis nur mittelmäßig erscheinen lassen.

Blightbound ist auf Playstation und Xbox Konsolen sowie für den PC erhältlich. Crossplay ist zwischen den Plattformen möglich.

Meinung

Wertung zu Blightbound (PC)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
Macht Spaß mit FreundenSchicker Grafikstil
Level wiederholen sich zu schnellSchlechtes FortschrittsystemBlöde KICharaktere ähneln sich zu starkNicht Offline spielbar
Fazit

Blightbound schafft es nicht, spielerisch zu überzeugen. Das ist schade, da der Artstil wirklich sehr gelungen ist. An etlichen Ecken verschenkt Blightbound sein Potenzial. Schlechte KI, langweilige Charaktere und kaum relevante Story-Inhalte sind nur einige Dinge, an denen man sich beim Spielen stören kann.

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