Vorschau zu Bleeding Edge: Können die Hellblade-Macher auch Multiplayer? - mit Video!
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Mit Bleeding Edge erwartet uns diesen Monat ein packender Third-Person-Melee-Arena-Battler aus dem Hause Ninja Theory. Das klingt erst einmal nach einer willkürlichen Aneinanderreihung von Begriffen. Die Entwickler haben uns kurz vor Release aber nochmal in ihr Studio eingeladen, wo wir uns einen guten Eindruck davon machen konnten, was am 24. März auf uns zukommt.
"Ist halt kein Hellblade". Über diesen Satz stolperte man in der Berichterstattung zu Bleeding Edge (jetzt kaufen 18,47 € ) wohl beinahe regelmäßig. Und ja, in der Tat rücken die Entwickler von Ninja Theory mit ihrem neuesten Werk vom bislang bekannten Konzept ab: Statt eines atmosphärisch erzählten Singleplayer-Abenteuers erwartet euch nun ein bunter überdrehter Multiplayer-Titel. Das muss allerdings nichts per se etwas Schlechtes sein. Deshalb haben wir uns knapp einen Monat vor Release auch nicht lumpen lassen und sind eigens ins englische Cambridge geflogen, um uns dort das neue Werk des fünffachen BAFTA-Award-Gewinners noch einmal anzuschauen.
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Einen Blick auf die neuen Projekte wie das Hellblade-Sequel Senua's Saga oder das bisher noch weitestgehend unbekannte Project Mara konnten wir dabei leider nicht erhaschen. Dafür konnten uns aber eingängig der Frage widmen, was Bleeding Edge denn nun eigentlich ist - statt uns darauf zu versteifen, was es nicht ist.
Am besten lässt sich der Arena-Battler als eine Mischung aus Overwatch und For Honor beschreiben: Ihr messt euch mit einem aus vier Spielern bestehenden Team mit einer gegnerischen Gruppe und versucht, verschiedene Ziele zu erfüllen und Widersacher auszuschalten. Dabei kann jeder Spieler aus einer Auswahl von insgesamt zwölf Helden wählen, die die "heilige Dreifaltigkeit" bekannter Genrekollegen widerspiegeln: Euch erwarten also massive Tanks, mit denen ihr ordentlich einstecken könnt, schlagkräftige Damage Dealer und Support-Charaktere, die Mitspieler mit Buffs und Gesundheitsschüben versorgen. Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Konkurrenten liegt dabei in der Tatsache, dass sich Bleeding Edge größtenteils auf den Nahkampf fokussiert. Statt Schusswaffen oder Zauber zu nutzen, wird hier aus kurzer Distanz auf den Gegner eingeknüppelt.
Nicht aller Anfang ist schwer
Quelle: PC Games
Im Dojo könnt ihr mit den verschiedenen Spielfiguren herumexperimentieren und eure Fähigkeiten trainieren.
Wie das funktioniert, bekommt ihr zu Spielbeginn in einem kurzen Tutorial beigebracht. Hier stellen euch die Entwickler einzelne Charaktere, die Angriffsmechaniken und die verschiedenen Spielmodi vor. So verfügt jeder Held über einen Standardangriff sowie drei Spezialattacken mit Cooldown-Phase. Obendrauf gibt es zwei Ultima-Skills, die ihr jedoch erst aufladen müsst und so höchstens zwei- bis dreimal pro Partie einsetzen könnt. Wir erklären das Ganze einmal am Beispiel des untoten Metalheads Nidhögger: Der haut nach einem Druck auf die X-Taste mit seiner Gitarrenaxt drauflos oder steckt mit seinem per Y-Button ausgelösten Feueratem Gegner in Brand. Mit den Schultertasten entfesselt ihr die Ultima-Attacke, ein elektrisierendes Gitarrensolo, das Feinde in einem gewissen Wirkungsbereich schockt und bewegungsunfähig macht.
Habt ihr euch mit den Basics vertraut gemacht, könnt ihr noch ein wenig im heimischen Dojo üben, oder aber ihr stürzt euch direkt in die Schlacht. Das wirkte in unserer Demo noch ein wenig plötzlich. Da wir direkt ins Geschehen geschmissen wurden, fehlte uns noch ein wenig die Bindung zu den einzelnen Charakteren, zur Spielwelt und den dortigen Geschehnissen. Warum hauen sich in Bleeding Edge denn eigentlich alle gegenseitig auf die Schnauze? Die Frage ließ sich noch nicht wirklich beantworten. Für die Zukunft, so verriet uns Creative Director Rahni Tucker später im Interview, soll der Spieleinstieg aber etwas flüssiger und stimmiger ablaufen. So ist unter anderem eine große Intro-Sequenz geplant, die den Spieler in das Bleeding-Edge-Universum einführen soll.
Quelle: PC Games
Jeder Charakter verfügt über zwei Ultima-Attacken, aus denen ihr zu Spielbeginn eine auswählt. Gizmo schlüpft etwa in ihren riesigen Mech-Anzug.
Mods und Mikrotransaktionen
Das präsentiert sich schon in den ersten Spielstunden vollkommen verrückt und abgedreht. Die Level erstrahlen in einem futuristischen, knallig-bunten Comic-Look und auch die Charaktere sind teils so abstrus, dass man sich manchmal schon fragt, was die Entwickler wohl während des Designprozesses geraucht haben. Zu unseren persönlichen Highlights gehörte Support-Charakter Kulev, eine Art Cyborg-Schlange, die Besitz von einem menschlichen Leichnam übernommen hat und diesen nun quasi fernsteuert. Cyber-Delfin Mekko, der während unseres Studiobesuchs erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, weckte bei uns tolle Erinnerungen an Sega-Mega-Drive-Zeiten. Zwar überzeugen die übrigen Spielfiguren leider nicht durchgängig mit Qualität, dafür sind sie aber immerhin vertont und mit einer Hintergrundgeschichte versehen, die ihr im Menü nachlesen könnt. Darüber hinaus lassen sich alle Avatare mit Hilfe der sogenannten Mods individuell anpassen.
Quelle: PC Games
Jeder Charakter lässt sich mit insgesamt drei Mods ausstatten. Diese Kombinationen dürft ihr wiederum einzeln speichern und zwischen ihnen schnell hin und her wechseln.
Aus diesen Performance-Boostern, die beispielsweise die Reichweite oder den Schaden bestimmter Attacken verbessern, dürft ihr insgesamt drei unterschiedliche Builds zusammenstellen und euren Charakter so ideal auf eure Spielweise abstimmen. Zudem dienen die Mods auch als mitunter größte Motivation des Spiels, schließlich bekommt ihr diese nur durch Levelaufstiege beziehungsweise im Austausch für Credits, die ihr für gewonnene Runden erhaltet. Euer Kleingeld könnt ihr alternativ auch in die üblichen optischen Spielereien stecken. Bleeding Edge bietet eine breite Auswahl an Charakterskins und individualisierbaren Hoverboards, die euch wie in Unreal Tournament flotter von A nach B bringen. Klingt ein wenig überflüssig und riecht irgendwie auch verdächtig nach Mikrotransaktionen. Uns wurde auf konkrete Nachfrage hin aber versichert, dass es nicht geplant sei, Ingame-Elemente im Tausch gegen Echtgeld anzubieten.
Die Klingen kreuzen
Alles schön und gut, aber nun zur zentralen Frage: Wie spielt sich Bleeding Edge denn jetzt eigentlich? Unsere Antwort: überraschend unterhaltsam. Wir durften während des Presseevents gleich mehrere Karten und Spielmodi ausprobieren und waren in den gespielten Runden immer mit vollem Ehrgeiz und Begeisterung bei der Sache. Das mag daran gelegen haben, dass wir zusammen mit zwei deutschen Kollegen gegen ein Trio aus französischen Journalisten antreten mussten. Man könnte es aber auch dem gelungenen Design des Spiels zuschreiben.
Quelle: PC Games
Im Modus Power Collection sammelt ihr Energiezellen ein, die anschließend an einem bestimmten Ziel abgegeben werden müssen. Kills bescheren euch Extrapunkte.
Bleeding Edge ist packend und rasant inszeniert, gleichzeitig aber auch recht zugänglich. Besonders die Controllersteuerung, die laut Ninja Theory im Fokus der Entwicklung stand, geht sofort in Fleisch und Blut über, sodass ihr flott ins Spiel findet. Ihr erfreut ihr euch an knalligen Sound- und Grafikeffekten, während ihr eure ersten gelungenen Kombos feiert, lernt mit jeder Partie aber auch Neues dazu. Ihr versteht, wie das Autotargeting funktioniert, wie man blockt und ausweicht, wie die Stärken und Schwächen der einzelnen Helden aussehen. Die dürft ihr während einer Partie nämlich dynamisch wechseln, wobei euch die drei Schwierigkeitsstufen "Suggested", "Normal" und "Advanced" erwarten. So stellt sich ein stetes Gefühl von Fortschritt ein.
Am Wichtigsten ist es allerdings, zu lernen, sich richtig mit seinen Kameraden abzusprechen. Ohne Teamwork geht in Bleeding Edge nämlich rein gar nichts. Die richtige Teamzusammensetzung ist demnach genauso wichtig wie gegenseitige Unterstützung im Kampf. In unserer Demo klappte das schon ziemlich gut, da saßen wir allerdings auch mit allen Spielern in einem Raum. Unter normalen Spielbedingungen könnte das Ganze schon wieder anders aussehen - schließlich sind nicht alle Mitspieler, mit denen ihr online zusammengeschmissen werdet, sonderlich gesprächig und kooperativ. Immerhin könnt ihr euch dann aber noch auf das Ping-System verlassen, mit dem sich Gegner sowie Ziele markieren oder diverse kurze Shouts ("Brauche Hilfe" etc.) absetzen lassen.
Quelle: PC Games
Insgesamt stehen euch zwölf Charaktere zur Auswahl. Die gliedern sich in die drei Klassen Damage, Support und Tank sowie unterschiedliche Schwierigkeitsstufen.
Wo es noch hakt
In der Regel dauert eine Partie in Bleeding Edge ungefähr 15 Minuten, teilweise ziehen sich die Matches aber auch ein wenig. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Karten teils etwas zu groß geraten sind. Es gibt zwar diverse dynamische Levelelemente wie plötzlich einsetzendes Mörserfeuer oder einen Zug, zudem haben sich die Designer wirklich Mühe gegeben, diverse Easter Eggs zu verstecken. Die Welten wirkten auf uns aber trotzdem oft etwas leer und leblos - was vielleicht daran gelegen haben könnte, dass die Action meist nur an einem einzigen Punkt der Map stattfand und die Helden irgendwie die Mobilität vermissen ließen, um sich vom Gegner abzusetzen.
Quelle: PC Games
Vorsicht vor dem Hype-Train! Auf manchen Maps könnt ihr von einem Zug überrollt werden, der euch umgehend tötet.
Auch ein paar andere Spielaspekte bereiteten uns noch Kopfzerbrechen, vornehmlich die fehlende Abwechslung. Zum Release wird es mit Capture sowie Power Collection, in dem ihr Energiezellen sammeln und abliefern müsst, nur zwei Spielmodi geben. Deathmatches oder ähnliches sucht ihr vergebens. Zudem findet das gesamte Geschehen lediglich auf fünf unterschiedlichen Karten ab, sodass der Titel Gefahr läuft, recht schnell langweilig zu werden. Fraglich ist auch, ob das Freischalten neuer Modus und Cosmetics als Langzeitmotivation ausreicht oder ein etwas komplexeres, umfangreicheres Fortschrittssystem nicht sinnvoller wäre.
Klar, bei Bleeding Edge handelt es sich immer noch um einen Service-Titel. Es gibt also die Möglichkeit, Dinge später noch nachzupatchen - was die Entwickler auch bereits in Form von kostenlosen Content Updates geplant haben. Wie nach der erstenBeta-Phaseim Februar gewünscht, arbeitet das Team darüber hinaus an einem Ranked-Modus sowie eine Strafe für Quitter. Und die Präsentation mit 60 Frames und 4K-Auflösung, der tolle Soundtrack von Hellblade -Komponist David Garcia Diaz und die Crosssave- sowie Crossplay-Funktion zwischen Xbox One und PC hinterließen auch einen runden Eindruck. Die Frage bleibt aber, ob das reicht.
Herzblut allein reicht nicht
Was Bleeding Edge fehlt, ist der eine Punkt, der es herausragend macht, anders, besser. Der eine Spielaspekt, der schreit: Kauf mich! Ja, der Arena-Battler ist spannend und spaßig - aber für wie lange? Wird sich Bleeding Edge auch auf Dauer halten können, wenn Konkurrenten wie Lawbreakers, Gigantic oder Battleborn frühzeitig der Stecker gezogen wurde? Bei uns bleibt noch ein gewisses Maß an Skepsis, ob der einzigartige Mix aus Third-Person-Nahkampf und kompetitivem Team-Multiplayer alleine genügt, um sich im Genre zu behaupten. Wir würden uns aber liebend gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.
Die Chance dazu bietet sich bereits ab dem 13. März. Dann startet eine zweite Beta-Phase von Bleeding Edge, an der alle Besitzer eines Xbox Game Pass teilnehmen dürfen. Am 24. März erfolgt dann der finale Release für PC und Xbox One. Eine Umsetzung für Xbox Series X steht laut Ninja Theory momentan noch nicht auf dem Zettel.
