Black The Fall: Der Anti-Kommunismus-Plattformer im Test

Test Felix Schütz
Black The Fall: Der Anti-Kommunismus-Plattformer im Test
Quelle: PC Games

Sozialkritik verpackt als beklemmendes, kurzweiliges Puzzle-Abenteuer: Der düstere Indie-Plattformer Black The Fall erinnert uns im Test deutlich an Playdeads Inside. Aber warum auch nicht? Es gibt durchaus schlechtere Vorbilder! Update: Jetzt mit Gamepay-Video.

Auch in den Außenlevels der zweiten Spielhälfte drohen Gefahren. Hier patrouilliert ein tödlicher Wachroboter. Quelle: PC Games Auch in den Außenlevels der zweiten Spielhälfte drohen Gefahren. Hier patrouilliert ein tödlicher Wachroboter. Nicht immer nur das Beste vom Besten erwarten - das kann sich lohnen! Denn oft finden sich gerade in der zweiten Riege spannende Entdeckungen, etwa bei Puzzle-Plattformern: Da mag Inside zwar unangefochtener Genre-Primus sein, doch wer seinen Blick etwas schweifen lässt, entdeckt noch jede Menge weitere kreative Perlen - zum Beispiel Unravel, Never Alone, The Swapper oder zuletzt im April das finstere Little Nightmares. Clevere Knobel-Hüpfer, die man einmal ausprobiert haben sollte! Und genau so ein Titel ist auch Black The Fall, das seit 11. Juli 2017 für PC, Xbox One und PS4 erhältlich ist.

Black the Fall im Test: Was vom Plane übrig blieb

Das düstere Erstlingswerk wurde von Sand Sailor Studio umgesetzt, einem rumänischen Indie-Team, das gerade mal neun Entwickler umfasst. Finanziert wurde es mithilfe einer Kickstarter-Kampagne, die zunächst Großartiges versprach: ein Action-Adventure mit 2D-Gameplay in 3D-Grafik, inspiriert von Flashback und Another World. Neben knackigen Puzzles sollte es auch Schleich- und Ballereinlagen bieten, dazu waren Nebencharaktere, ein Rufsystem und sogar Crafting für verschiedenste Waffen vorgesehen. Ambitionierte Pläne, die aber größtenteils wieder verworfen wurden: Waffen, Handwerk und Schießereien gibt's nicht mehr. Aus Black The Fall ist ein reiner Puzzle-Plattformer geworden, in dem Geschick, Reaktionsvermögen und vor allem ein kluges Köpfchen gefragt sind.
Black The Fall spielt in einem totalitären Überwachungsstaat. Als Inspirationsquelle diente den Entwicklern die kommunistische Vergangenheit Rumäniens. Quelle: PC Games Black The Fall spielt in einem totalitären Überwachungsstaat. Als Inspirationsquelle diente den Entwicklern die kommunistische Vergangenheit Rumäniens.

Black the Fall im Test: Feindbild Kommunismus

Die Grundidee der Entwickler blieb jedoch unverändert: Black The Fall spielt in einer trostlosen, scheußlich überindustrialisierten, dystopischen Welt, in der die spärlichen Reste der Bevölkerung unter einer kommunistischen Diktatur leiden und zur Zwangsarbeit in Fabriken eingepfercht werden. Orwell lässt schön grüßen! Spätestens wenn wir sehen, wie ausgemergelte Menschen in Reih und Glied abtransportiert werden, drängen sich Vergleiche zu Inside auf, das eine ähnliche Thematik behandelte. In Black The Fall steuert man allerdings keinen kleinen Jungen, stattdessen übernimmt der Spieler die Kontrolle von einem namenlosen Maschinisten, der sich schleichend, springend, kletternd und knobelnd einen Weg aus seinem Betongefängnis bahnt. Während der vier bis fünf Spielstunden immer wieder zu sehen: das typische Hammer-und-Sichel-Symbol, oft in bedrohliches Rot getaucht - es sind die wenigen Momente, in denen etwas Farbe die entsättigte, fast monochrome Tristesse durchbricht.

Dass die Entwickler nur Verachtung für den Kommunismus übrig haben, ist kein Wunder: Sie wuchsen in einem Rumänien auf, das sich erst 1989 in einer blutigen Revolution vom kommunistischen Regime und seinen brutalen Methoden befreien konnte. Black The Fall ist zwar keine ernstzunehmende Geschichtsstunde und liefert auch keinerlei Dialoge oder Begleitmaterial, will aber zumindest in eindrücklichen Bildern auf die Gräuel der jüngeren rumänischen Geschichte hinweisen.

Black the Fall im Test: Tod durch Ungenauigkeit

Frustgefahr: Geschicklichkeitspassagen sind aufgrund der teils unpräzisen Steuerung etwas mühselig. Quelle: PC Games Frustgefahr: Geschicklichkeitspassagen sind aufgrund der teils unpräzisen Steuerung etwas mühselig. Der Maschinist läuft von links nach rechts, von einem Raum zum nächsten, wo stets ein neues Problem auf ihn wartet. Da müssen Türen geöffnet, Schalter im richtigen Moment gedrückt, Wachen überlistet oder knifflige Sprungpassagen gemeistert werden. Die Puzzles und Geschicklichtskeitseinlagen sind einfallsreich und überwiegend stimmungsvoll inszeniert. Allerdings lässt das Gameplay in jeder Hinsicht das fantastische "Polishing" des großen Vorbilds Inside vermissen: Viele Aufgaben sind oft erst auf den zweiten oder dritten Blick verständlich.

Häufig beißt unser Maschinist darum ins Gras, beispielsweise weil er von einer Wache entdeckt oder einer Selbstschussanlage zerfetzt wird, ohne dass man zunächst den Grund dafür erkennt. Auch reagiert die Steuerung längst nicht so präzise, wie man es beispielsweise von einem Inside oder Limbo gewohnt ist, das Springen und Klettern fühlt sich auch mit einem Gamepad etwas hakelig an. Man sollte damit rechnen, hin und wieder auch mal unverschuldet im Abgrund zu landen. Das kann durchaus Nerven kosten! Zum Glück hält sich der Frust aber dank gut gesetzter Checkpoints in Grenzen, denn in den meisten Fällen kann man ohne störende Wiederholungen gleich einen neuen Versuch starten.

Black the Fall im Test: Mit Laserpointer und Blechhund

Jenseits der typischen Schleich-, Sprung- und Knobelaufgaben hat Black The Fall auch zwei Besonderheiten auf Lager. Eine davon ist der Designator, eine Art Laser-Fernbedienung, die wir mit der Maus oder dem rechten Analogstick des Gamepads auf ein Ziel richten. Damit können wir beispielsweise andere Fabrikarbeiter manipulieren und dazu bringen, bestimmte Schalter für uns zu drücken. Das Zielen fühlt sich zwar nicht sonderlich präzise an, funktioniert aber gut genug, um ein paar ungewöhnlichere und vor allem eigenständigere Puzzles umzusetzen. Vor allem in der zweiten Spielhälfte kommt der Designator oft zum Einsatz, denn hier trifft der Spieler zufällig auf einen Roboter-Hund, den man mittels Laserpointer durch die Levels kommandiert.

Beispielsweise hängt sich der Blechdackel auf unseren Befehl hin an bestimmte Oberflächen und bildet so eine Plattform, an der sich der Maschinist dann hinaufziehen kann. Oder der Hund lenkt einen Wachroboter ab und zieht das Feuer auf sich, sodass wir die Nachladepausen nutzen, um von Deckung zu Deckung zu flitzen. Auf Knopfdruck nimmt der treue Vierbeiner außerdem eine starre Form an, wodurch man ihn als Treppe nutzen kann, um höhergelegene Ebenen zu erreichen. Auch hier fühlt sich das Gameplay nicht allzu ausgereift an, Sprünge geraten etwas ungenau und die Steuerung reagiert längst nicht so präzise, wie sie sollte - aber das Ergebnis ist in der Summe trotzdem okay, schon allein weil der tierische Begleiter etwas Abwechslung ins Spiel bringt.
Mithilfe eines Laserpointers erteilen wir unserem treuen Roboterhund simple Kommandos. Quelle: PC Games Mithilfe eines Laserpointers erteilen wir unserem treuen Roboterhund simple Kommandos.

Black the Fall im Test: Technisch von gestern

Genau wie dem Gameplay fehlt auch der Inszenierung der letzte Schliff - und doch ist Black The Fall kein hässliches Spiel. Matschige Texturen, polygonarme Levels und veraltete Effekte nagen an den Schauwerten, dafür sorgen eine dynamische Kameraführung und stimmungsvolle Beleuchtung für Atmosphäre. Auch akustisch bleibt Black The Fall hinter Genre-Highlights wie Unravel oder Inside zurück. Mit Spielen dieser Liga kann es also keineswegs mithalten. Ein respektables Erstlingswerk ist es aber allemal geworden!

Metacritic bewertet das Spiel mit 72%.

Black the Fall im Test: Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Black The Fall (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Black The Fall (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Stimmungsvolle InszenierungViele, teils gut konstruierte PuzzlesZusammenhängendes Leveldesign mit wenigen LadezeitenRoboter und Laserpointer sorgen für ein paar eigenständige IdeenMeistens fair gesetzte Checkpoints
Gelegentliche FrustmomenteManche Puzzles schwer zu kapierenSteuerung teilweise ungenauHakelige GeschicklichtskeitspassagenBelangloses SounddesignTechnisch unterdurchschnittlich

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