Black Desert im Replay: Starke Helden, schlaffes Remaster
Special
In Europa beging Black Desert kürzlich seinen fünften Geburtstag. Anlass für uns, zu fragen, wo das koreanische MMORPG heute steht: Könnte sich für Deserteure eine Rückkehr lohnen? Wurden die Hürden für Einsteiger gesenkt? Um derlei Fragen zu klären, haben wir der immer noch geschäftigen High Fantasy-Welt einen erneuten Besuch abgestattet.
Black Desert heißt jetzt Black Desert Remastered - und auch sonst hat sich seit unserem Test vieles verändert. Begann die Multiplayer-Sandbox 2015 in Korea mit gerade einmal acht Heldenklassen, so tummelt sich auf deren Schlachtfeldern heute ein Vielfaches davon. Und weil mehr Söldner natürlich mehr Platz zum Dienen brauchen, wurden mit der Zeit einige neue Regionen eingeführt. Allerdings bestand zum Release noch in anderen Bereichen Handlungsbedarf: Bei den Klassen etwa störte ein Gender-Lock, der Einstieg in das Onlinespiel stand synonymhaft für "Grind", und der Perlenladen - der Echtgeld-Shop von BDO - kostete manchen Abenteurer das letzte Hemd.
Auf dieser Seite
- 1 Black Desert-Replay: Noch schönere Heroen
- 2 Black Desert-Replay: Ein Klassen-Eldorado
- 3 Black Desert-Replay: Leichterer Einstieg dank Olvia-Server
- 4 Black Desert-Replay: Von Aufwinden und Marktplätzen
- 5 Black Desert-Replay: Mehr Platz zum Spielen
- 6 Black Desert-Replay: Schöne neue Welt?
- 7 Black Desert-Replay: Lohnt es sich 2021 noch?
- 8 Immer noch unverschämt: Der Perlenladen
Um etwaige Verbesserungen ausloten zu können, haben wir uns sowohl einer seit Längerem bestehenden Dunkelklinge als auch eines neuen Charakters, einem Krieger, bedient. Während der Neuling sich mancher Vereinfachung erfreuen durfte, sah die erfahrenere Streiterin viel Altbekanntes.
Black Desert-Replay: Noch schönere Heroen
Quelle: PC Games
Die Dunkelklinge zählt in Black Desert zu den alteingesessenen Klassen. Ein männliches Pendant hat sie aber bis heute nicht.
Wieso Black Desert der Stempel "Remastered" aufgedrückt wurde, erschließt sich in dem gewohnt facettenreichen Charaktereditor nur bedingt. Wie gehabt können wir damit den Helden oder die Heldin unserer Träume erstellen, indem wir etwa Lippen asymmetrisch verformen, die Handgröße und sogar den Handwinkel bestimmen oder auch die Länge sowie den Umfang der Gliedmaßen verändern. Das alles tun wir sinnvollerweise nun vor helleren Hintergründen - und erfreuen uns dabei nicht nur einer gegenüber 2016 sichtlich verbesserten Echtzeitbeleuchtung, sondern auch leicht überarbeiteter Charakteranimationen und -posen. Kaum geschraubt wurde hingegen an dem ursprünglich schon reichen Detailgrad der Helden; in-game haben die Modelle aber an Nuancen gewonnen. Besonders ins Auge gefallen sind uns die Aufwertungen im Bereich der Haupt- und Gesichtsbehaarung, die sich nun sprichwörtlich auf konstant hohem Niveau bewegt.
Black Desert-Replay: Ein Klassen-Eldorado
Quelle: PC Games
Seit dem EU-Launch 2016 sind viele neue Klassen hinzugekommen. Hier seht ihr acht davon.
Pearl Abyss hat den Ruf nach nicht geschlechtsgebundenen Klassen insofern erhört, als manche Recken mit der Zeit gegengeschlechtliche Pendants erhalten haben. So entspricht die standesgemäß goldblonde Nova in etwa einem Krieger, sie schwingt anstelle eines Schwertes jedoch einen Morgenstern. Derweil hat die elfische Waldläuferin ihr männliches Konterfei in dem edel gekleideten Schützen, und die kunterbunte Mystique folgt dem waffenlosen Pfad des Streiters - ein Straßenkämpfer in mittelschwerer Rüstung. Stand Mai umfasst Black Deserts Heldenbibliothek insgesamt 22 Klassen, wovon mehrere bereits 2017 hinzukamen.
Quelle: PC Games
Die Bearbeitungsmöglichkeiten des Charakter-Editors von Black Desert suchen nicht nur im MMO-Segment ihresgleichen.
Der letzte Neuzugang, der Seher, ist ein altrömisch anmutender Magie-Kämpfer mit der Fähigkeit, die physikalischen Kräfte des Raums zu verbiegen. Darüber hinaus kann er Mobs mit der beschworenen Faust Ators in den Boden rammen. Eine weitere, noch junge Heldenklasse hört auf den Namen Hasashin und schlägt mit einem Krummsäbel sowie einem mehrklingigen Dolch (Haladie) um sich. Zudem verfügt der mit Gesichtsketten behangene "Wüstenkämpfer" über zerstörerische Sandmagie. Unter dem Strich lassen weder die Vielfalt noch die Kreativität der Charakterklassen zu wünschen übrig; inzwischen findet sich hier für jeden Spielstil das Richtige. Denn neben den mehr oder weniger geläufigen Klassen gibt es auch ein paar Exoten, die selbst kleinste Geschmacksnischen bedienen - darunter die mit einem Bumerang-ähnlichen Florang bewaffnete Shai.
Black Desert-Replay: Leichterer Einstieg dank Olvia-Server
Quelle: PC Games
Die Bearbeitungsmöglichkeiten des Charakter-Editors von Black Desert suchen nicht nur im MMO-Segment ihresgleichen.
Da nun mittels sehr vieler Klassen in den Streit zwischen Calpheon und Valencia eingegriffen werden kann, sind entsprechende Einstiegserleichterungen vonnöten - und seit März 2020 auch gegeben. Die Rede ist von dem für Einsteiger und Rückkehrer gedachten Olvia-Server, der 30 Tage lang 100 Prozent mehr Kampf-EP und 30 Prozent mehr Talent-EP gewährt. Zusätzlich ist auf dem Olvia-Server die Beuterate höher, jedoch finden dort keine Posten- oder Eroberungskriege statt. Als "zurückgekehrt" gelten Spieler nach einer Abwesenheit von mindestens 30 Tagen. Unser neuer Krieger hat von dem Olvia-Server sehr stark profitiert: die 25. Charakterstufe hatte er zwar nicht im Nu erreicht, aber recht gemütlich binnen etwa zehn Stunden. Dabei folgten wir vorrangig der Hauptgeschichte, die nie mehr als 20 Mob-Skalpe auf einmal einforderte und so einem übermäßigen Grind-Gefühl vorbeugte.
Was uns den Einstieg außerdem erleichtert hat, war die in der frühen Spielphase fast verrückte Menge an Belohnungen. Tatsächlich fühlten wir uns bei jedem Login wie Goldmarie unter Frau Holles Zaubertor, zumal dann EP-Boosts, Aufwertungskristalle und Gebrauchsgegenstände nur so auf uns herabregneten. Dass Pearl Abyss mit solchen Belohnungstsunamis unser Gepäck zu sprengen versucht, ist angesichts käuflicher Inventarplätze allzu wahrscheinlich. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass unsere täglichen Logins zuweilen mit kleinen Gepäckerweiterungen honoriert wurden. Als wirklich leicht kann der Einstieg in Black Desert trotzdem nicht bezeichnet werden. Zwar wurden seit unserem letzten Besuch einige Menüoberflächen überarbeitet und übersichtlicher gestaltet; selbst der Inhalt einzelner Menüpunkte ist jetzt individuell anpassbar. Die Flut an Möglichkeiten ist und bleibt in Black Desert eingangs gleichwohl erschlagend.
Black Desert-Replay: Von Aufwinden und Marktplätzen
Quelle: PC Games
Den mächtigen Schwerthieben eines Kriegers halten selbst schwere Rüstungen nicht lange stand.
Seit 2016 herrscht innerhalb der Fantasysphären von Black Desert ein Kommen und Gehen - im Hinblick auf die Spielerzahlen sogar ein Kommen. Gut: Während unserer letzten Besuche erreichten nur wenige der Server überhaupt eine mittlere Auslastung, doch über die Jahre gesehen befindet sich das MMORPG im Aufschwung. Mit zuletzt etwa 20.000 anderen Spielern auf Steam fühlten wir uns niemals allein, wir wurden in Gilden eingeladen und haben vielen emsigen Arbeitern beim Tagewerk zugesehen. Dafür mussten die Entwickler einiges leisten: Neben regelmäßigen Quality-of-Life-Verbesserungen sind neue Begleiter hinzugekommen, die Esel mussten als Transportmittel den Pferden weichen. Auch wurden sinnige Änderungen bei den Quests, Klassen und Monstern vorgenommen sowie bestehende Gebiete erweitert. Im Zuge dessen kam unter anderem Pollys Wald (ein von diebischen Kobolden bevölkertes Gebiet westlich des Grána-Postens) dazu, während der Battle-Royale-Modus des Spiels, die Schattenarena, das Feld räumen musste.
Quelle: PC Games
Szenen wie diese lassen einen Moment lang vergessen, dass Black Desert in optischer Hinsicht nicht signifikant verbessert wurde.
Zu den einschneidendsten Änderungen seit Release zählt der 2019 eingeführte Zentralmarkt, dem NPC-Händler mit gemischten Gefühlen begegnen dürften. Denn bestimmte Gegenstände - insbesondere Rüstungen und Waffen - lassen sich nicht länger an Händler verkaufen, sondern müssen auf dem Marktplatz feilgeboten werden. Das ist an sich eine schicke Sache, hat aber zwei Haken. Erstens können wir nicht jederzeit auf den Zentralmarkt zugreifen, sondern müssen dazu einen Marktschreier aufsuchen, den es einzig und allein in großen Städten gibt. Und zweitens dürfen wir nicht einfach aus unserem Inventar heraus handeln, nein, wir müssen die zu verkaufenden Objekte vorher bei einem Lagerverwalter in unser Lager transferieren. Ob das wirklich sein muss? Wir für unseren Teil hätten uns da einen direkteren Weg gewünscht.
Black Desert-Replay: Mehr Platz zum Spielen
Quelle: PC Games
Wenn die Dunkelklinge die Fähigkeit „Rad des Schicksals“ bemüht, hat es sich für die Gegner mit der Bodenhaftung erledigt.
Wie schon kurz erwähnt, ist Black Deserts namenlose Spielwelt über die Jahre nennenswert gewachsen: So sind seit den Anfängen nicht weniger als sieben neue Gebiete hinzugekommen, einige davon waren aber schon beim Steam-Launch im Mai 2017 vorhanden. Die seither neu implementierten Regionen sind das elfische Kamasylvia und das karge Hochland von Drieghan. Kamasylvia liegt südlich der Stadt Calpheon, ist ungefähr so groß wie das gleichnamige Territorium, und beherbergt neben verschiedenen Wäldern eine weite Steppenlandschaft. Das hohe Greifvorkommen macht Kamasylvia übrigens zu einer guten Geldquelle, denn für Greifschnäbel lassen Händler einiges an Silber springen. Drieghan befindet sich östlich von Kamasylvia und gilt als Heimat der Zwerge und Riesen. Sie kontrastiert mit hohen Gebirgen, Sümpfen und einer geringen Fauna, hat ungeachtet dessen aber viele Ressourcen für hochstufige Charaktere zu bieten. Und wer dort das blutrote Drachenweibchen Garmoth erlegt, der hat eine kleine Chance, von dem Weltboss ein niedliches Babydrachen-Pet spendiert zu bekommen.
Quelle: PC Games
Gegen eine solche Schneide kann ein einzelner Banditenkrieger nichts ausrichten – mehrere allerdings auch nicht.
Mittlerweile misst Black Deserts Spielwelt annähernd 400.000 Quadratkilometer, doch dabei will es Pearl Abyss nicht belassen. Noch Ende des Jahres wird in Südkorea ein winterliches Gebiet namens "Snowlands" erscheinen, eine weitere Region ("Land of the Demons") ist in Vorbereitung. Ob auch Europäer in den Genuss dieser Erweiterungen kommen werden, steht noch nicht fest. Etwas Hoffnung macht hier eine kürzlich von Executive Producer Kim Jae Hee getroffene Aussage, nach der Europa eine der wichtigsten Serviceregionen des Onlinespiels sei. Warten wir es also ab.
Black Desert-Replay: Schöne neue Welt?
Quelle: PC Games
Die eigenen vier Wände bieten in Black Desert zahlreiche Vorteile: Eine davon ist die erholsame Wirkung eines Bettes.
Aber was hat es nun eigentlich mit diesem Remastered-Etikett auf sich? Ganz einfach: Die gesamte Spielwelt von Black Desert ist akustisch wie optisch überarbeitet worden - und das angeblich so drastisch, dass der Remastered-Modus in den Grafikoptionen nur für High-End-PCs empfohlen wird. In der Tat hat die optische Präsentation im direkten Vergleich zu 2016 ordentlich zugelegt. Allerdings kommt der größte Teil des neuen Looks allein durch die Effekte zustande. Zu loben wären hier die glanzvolle Beleuchtung, das deutliche Mehr an Partikeln, die realistisch wirkende Schärfentiefe sowie der volumetrische Nebel, der wirklich viel Atmosphäre schafft. Unterschiede bei der Vegetation wie auch bei den Texturen sind dagegen mit der Lupe zu suchen, und so überrascht es wenig, dass eine Kombination aus einer halbwegs aktuellen Hexa-Core-CPU und einer GeForce GTX 1070 locker 60 Bilder pro Sekunde auf den Bildschirm bringt - im Remastered-Modus, auf höchster Qualitätsstufe und in belebten Gebieten. Eine GeForce GTX 970 brachte es während unserer Tests auf immerhin 55 Bilder pro Sekunde, wenn wir dafür auch alle anderen Spieler nach Hause schicken mussten. Somit bleibt zu sagen, dass Black Desert Remastered unseren Augen zwar schmeichelte, doch von einem "High-End-Modus" hätten wir uns einiges mehr erwartet.
Black Desert-Replay: Lohnt es sich 2021 noch?
Wer sich schon länger mit dem Gedanken trägt, in das beliebte koreanische MMO reinzuschnuppern, für den könnte der Zeitpunkt kaum günstiger sein. Trotz entschlackter Bedienoberflächen ist es wohlgemerkt immer noch nicht einfach, das Dickicht an Möglichkeiten zu durchblicken. Denn in Black Desert reiht sich Icon an Icon und Quest an Quest, es gilt in Posten zu investieren und bei der Arbeitsaufsicht Tagelöhner anzuheuern. Aber: Mit all diesen Dingen können wir uns nach und nach beschäftigen; es steht uns frei, erst einmal dem Hauptfaden zu folgen und abseits des Weges den ein oder anderen Grind einzulegen. Für Veteranen außer Dienst lohnt sich eine Rückkehr vor allem dann, wenn sie dem Spiel vor 2020 den Rücken gekehrt haben. Denn neben einer (wenngleich sparsamen) optischen Aufwertung warten viele neue Klassen und Regionen für "Highs" - auch in der Zukunft. So soll dieses Jahr unter anderem ein Koop-Dungeon in der offenen Welt platziert werden, das Herausforderungen für drei bis fünf Spieler bietet. Und damit dürfte bei Black Desert die Langeweile wohl auch weiterhin außen vor bleiben.
Immer noch unverschämt: Der Perlenladen
Quelle: PC Games
Black Desert im Replay: Starke Helden, schlaffes Remaster (2)
Wie schon zu den Anfängen von Black Desert bietet der Perlenladen reichlich Gelegenheit dazu, überschüssiges Echtgeld zu verbrennen. Wer etwa seine maximale Traglast um 300 LT erhöhen will, der muss dafür umgerechnet 28 Euro berappen. Oder wie wäre es mit dem "Weiße Bengalkatze"-Premiumset? Es enthält einen Helm, ein Oberteil, Schuhe sowie eine Sekundär- und eine Erweckungswaffe - zu einem Preis von gut 34 Euro (die reale Erweckung inbegriffen). Es geht allerdings noch ein Stückchen teurer, zum Beispiel mit einem extravaganten Picknickset für beinahe 54 Euro, das recht symbolisch mit einer Butlerin daherkommt.
Dahingegen ist das Basisspiel mit gegenwärtig 10 Euro billiger geworden, während die Bundle-Preise erhöht wurden. Das Master Bundle (ehemals Traveller's Package) schlägt jetzt mit 20 Euro zu Buche, das Legendary Bundle (Explorer's Package) ist für rund 80 Euro zu haben.
