Bioware-Historie - Das moderne Bioware
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Über 20 Jahre macht Bioware nun schon Videospiele. Von den Anfängen mit Shattred Steel und Baldur's Gate bis zur Moderne, die von der Dragon-Age- und Mass-Effect-Reihe geprägt ist. Wir haben die Geschichte des Studios und ihrer Spiele einmal zusammengefasst.
In diesem Artikel
Sonic Chronicles: The Dark Brotherhood
Release: 25. September 2008
Plattformen: Nintendo DS
Publisher: Sega
Genre: Rollenspiel
PC Games-Wertung: N/A
Metacritic-Schnitt: 74
Game Director: Mark Darrah
Producer: Kirby Fong
2006 startete Bioware ein für sie eher ungewöhnliches Projekt mit der Entwicklung ihres ersten Handheld-Spiels. Bis zu 30 Leute arbeiteten zwischenzeitlich an Sonic Chronicles: The Dark Brotherhood, das anders als die meisten Sonic-Spiele kein Jump'n'Run sondern ein Rollenspiel mit Dialogen, Kämpfen und so weiter werden sollte. Als Fans der Reihe wollten die Entwickler ihre Erfahrung als Geschichtenerzähler in die Marke Sonic einbringen. Das Team wollten der Reihe zwar treu bleiben, brachte aber auch eigene Neuerungen in das Universum ein. So konnten Fans sogar über den Namen einer neuen feindlichen Alien-Rasse abstimmen - Die Zoah.
Die Handlung des Spiels ist in zwei Akte und jeweils diverse Kapitel unterteilt. Im ersten Akt ist Sonic mit seinen Freunden in seiner eigenen Welt unterwegs und versuchen den Diebstahl des Master Emerald zu verhindern. Im zweiten Akt verschlägt es den blauen Igel in eine andere Dimension, The Twilight Cage, wo er mit seinem Team eine Bedrohung für seine Welt aufhalten muss. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Der Spieler hat die Wahl zwischen Standard- und Spezialangriffen. Es gab bereits Überlegungen für einen Nachfolger, die aber durch Aufkauf von Bioware durch Electronic Arts nicht mehr umgesetzt werden konnten.
Dragon Age: Origins
Release: 3. November 2009
Plattformen: Windows, OS X, Playstation 3, Xbox 360
Publisher: Electronic Arts
Genre: Rollenspiel
PC Games-Wertung: 91
Metacritic-Schnitt: 91
Game Director: Dan Tudge
Lead Writer: David Gaider
Lead Designer: Mike Laidlaw, James Ohlen, Brent Knowles
Producer: Mark Darrah, Dan Tudge
Art Director: Dean Anderson
Lead Programmer: Ross Gardner
Dragon Age: Origins hat bei Bioware die bisher längste Entwicklungs-Odyssee hinter sich. Bereits im November 2002, noch vor der Veröffentlichung von Knights of the Old Republic, begann die Arbeit an einer ersten Demo zum Spiel. Auf der E3 2004 wurde es einfach als Dragon Age erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Von da an sollte es jedoch noch fünf weitere Jahre dauern, bis das Projekt als Dragon Age: Origins endlich auf den Markt kam. Den Untertitel wählten die Entwickler später, um die sechs verschiedenen Auftaktgeschichten zu repräsentieren, die der Spieler je nach Wahl von Volk und Klasse erleben kann. Das Projekt wurden als spiritueller Nachfolger von Baldur's Gate und Neverwinter Nights angesehen, ohne jedoch an die Fesseln einer Lizenz gebunden zu sein. Zwar erinnert das taktische Kampfgameplay stark an seine Vorbilder, kam jedoch ohne die strengen D&D-Regeln aus.
Das Spiel spielt in der Fantasy-Welt von Thedas und der Spieler erstellt sich einen Charakter der wahlweise Elf, Zwerg oder Mensch sein kann. Zusätzlich wählt er aus den klassischen Fantasy-Klassen Magier, Schurke und Krieger aus. Im Land von Ferelden beginnt die fünfte sogenannte Verderbnis, eine großangelegte Invasion der dämonischen Darkspawn angeführt von einem uralten verderbten Gott in Drachengestalt. Der Protagonist wird daraufhin relativ unfreiwillig ein Opfer der Umstände und muss sich mit seinen Gefährten als eine der letzten Hoffnungen gegen den drohenden Untergang behaupten. Neben verschiedenen Download-Inhalten veröffentlichte Bioware ein halbes Jahr nach dem Spiel noch die Erweiterung Awakening.
Mass Effect 2
Release: 26. Januar 2010 (Xbox, PC)
Plattformen: Windows, Xbox 360, Playstation 3
Publisher: Electronic Arts
Genre: Action-Rollenspiel
PC Games-Wertung: 88
Metacritic-Schnitt: 94
Game Director: Casey Hudson
Lead Writer: Mac Walters, Drew Karpyshyn
Lead Designer: Preston Watamaniuk
Producer: Jesse Houston, Nathan Plewes
Art Director: Derek Watts
Lead Programmer: David Falkner
Etwas mehr als zwei Jahre nach dem Auftakt brauchten die Entwickler um den zweiten Teil der Mass-Effect-Trilogie zu verwirklichen. Bevor das Team mit der eigentlich Arbeit begann, erstellten sie eine Liste mit Zielen, die aus dem Feedback der Fans auf den ersten Teil entstand. So sollte es bei Mass Effect 2 weniger darum gehen ein Spiel zu sein, sondern ein Erlebnis. Bei der Story lenkten die Entwickler den Fokus vom Hauptplot mehr auf die Charaktere. So geht es die meiste Zeit im Spiel darum sein Team zusammenzustellen und mit eigenen Charaktermissionen Loyal zur Hauptfigur Commander Shepard zu machen, damit dieser sein Team auf eine Selbstmordmission führen kann.
Das Gameplay verschob Bioware noch mehr in Richtung Action. So wurden die Skillmöglichkeiten der Charaktere stark zusammengestrichen. Auch ein auf einem Inventar basierendes Itemsystem mit Waffen und Rüstungen wurde gestrichen. Die Klassen aus dem Vorgänger blieben jedoch erhalten. Das Dialogsystem wurde neben den bekannten Entscheidungen und der Ausrichtung auf Renegade- und Paragon-Spielweise um zusätzliche Unterbrechungsaktionen, die in bestimmten Situationen ein Eingreifen in den Dialog mit bestimmten Aktionen erlauben. Das Spiel erhielt einige DLCs, von denen besonders Lair of the Shadow Broker als herausragende Erweiterung des Spiels gelobt wurde.
Dragon Age 2
Release: 8. März 2011
Plattformen: Windows, Playstation 3, Xbox 360, OS X
Publisher: Electronic Arts
Genre: Rollenspiel
PC Games-Wertung: 88
Metacritic-Schnitt: 82
Game Director: Mark Darrah
Lead Writer: David Gaider
Lead Designer: Mike Laidlaw
Producer: Mark Darrah
Art Director: Matthew Goldman
Der Nachfolger zum hochgelobten Dragon Age: Origins erschien nur 17 Monate später, was Bioware den Vorwurf einbrachte auf Druck von Publisher Electronic Arts schnell einen zweiten Teil mit wenig Entwicklungsaufwand nachgeschoben zu haben, um den Hype auszunutzen. So wurde vor allem das häufige Recycling von Schauplätzen kritisiert, wodurch zum Beispiel Höhlen immer das gleiche Layout mit leicht veränderten Innenleben hatten. Auch das im Vergleich zum Vorgänger stark veränderte Kampfsystem hin zu mehr Action kam bei vielen Spielern nicht gut an. Es veranlasste sogar Brent Knowles, einen der Lead Designer von Origins, Bioware während der Entwicklung von Dragon Age 2 zu verlassen. "Ich habe niemals gedacht, dass Dragon Age 2 ein schlechtes Spiel wird. Es war nur, dass ich nicht an einem sehr cinematischen, action-geladenen Rollenspiel arbeiten wollte", begründete Knowles später seinen Schritt.
Die Story von Dragon Age 2 dreht sich um die Familie Hawke und erstreckt sich über ein ganzes Jahrzehnt. Der Spieler übernimmt die Rolle des ältesten Kindes der Familie und muss mit dieser zunächst vor der Verderbnis flüchten. Es verschlägt den Protagonisten in die Stadt Kirkwall, die zum zentralen Schauplatz des gesamten Spiels wird. Im Verlauf mehrere Jahre steigert Hawke seinen Einfluss und steigt schließlich zum Champion von Kirkwall auf. Ursprünglich war für Dragon Age 2 auch wieder eine Erweiterung mit dem Titel The Exalted March geplant. Aufgrund der zurückhaltenden Reaktionen auf das Spiel wurde der Support mit neuen Inhalten aber frühzeitig eingestellt. Aus den Ideen für das Add-on entstand später dann das Grundgerüst, auf dem Dragon Age: Inquisition aufbauen sollte.
Star Wars: The Old Republic
Release: 20. Dezember 2011
Plattformen: Windows
Publisher: Electronic Arts, LucasArts
Genre: Online-Rollenspiel
PC Games-Wertung: 89
Metacritic-Schnitt: 85
Game Director: James Ohlen
Lead Writer: Drew Karpyshyn, Daniel Erickson
Lead Designer: Damien Schubert, Georg Zoeller
Producer: Dallas Dickinson
Art Director: Jeff Dobson
Lead Programmer: Thomas Boyd
Lange zeigte Bioware Interesse daran ein eigenes Online-Rollenspiel zu erschaffen, wartete jedoch auf den richtigen Partner und die richtige Marke, um diese Vision zu verwirklichen. Als die Entscheidung gefallen war erneut mit LucasArts zusammen zu arbeiten und die von KotOR geprägte Star-Wars-Epoche weiter auszubauen, stand für die Entwickler auch fest, dass individuelle Charakter-Stories im Mittelpunkt stehen sollten. Bereits bei der ersten Vorstellung des Projekts im Oktober 2008 sprachen die Macher von mehr Story-Inhalten als in allen bisherigen Bioware-Spielen zusammen. Ein Team aus 12 Vollzeitautoren arbeiteten über zwei Jahre an der Geschichten von Star Wars: The Old Republic.
Am Ende standen acht Klassen mit jeweils eigener Geschichte, die durch das gesamte Spiel von Level 1 bis 50 führten. Die Entwicklungskosten für dieses Mammutprojekt werden von Branchenexperten auf 150 bis 200 Millionen US-Dollar geschätzt. Damit war es das teuerste Videospiel der damaligen Zeit und wurde später nur von Grand Theft Auto 5 überholt. Zum Launch spielten über eine Million Abonennten, die in den folgenden Monaten jedoch schnell wieder abnahmen. Profitabel blieb der Betrieb jedoch zu jeder Zeit. Inzwischen hat Bioware auf ein Hybrid-Modell aus Abo und Free2Play umgestellt. Mit inzwischen sechs Erweiterungspaketen wurde in den letzten fünf Jahren neue Inhalte nachgeliefert.
Mass Effect 3
Release: 6. März 2012
Plattformen: Windows, Playstation 3, Xbox 360, Wii U
Publisher: Electronic Arts
Genre: Action-Rollenspiel
PC Games-Wertung: 90
Metacritic-Schnitt: 89
Game Director: Casey Hudson
Lead Writer: Mac Walters
Lead Designer: Preston Watamaniuk
Producer: Jesse Houston
Art Director: Derek Watts
Lead Programmer: David Falkner
Erneut etwas mehr als zwei Jahre vergingen bis zum großen Finale der Mass-Effect-Trilogie. Allerdings begannen die Arbeiten am dritten Teil bereits bevor der zweite überhaupt erschienen war. Für Bioware sollte Mass Effect 3 als Ganzes gesehen das Ende von Shepards Reise darstellen und über den kompletten Spielverlauf die Auswirkungen der Entscheidungen des Spielers auflösen. Dieser hervorragend umgesetzte Abschluss geriet allerdings in den Hintergrund, da sich viele Fans über das eigentliche Ende des Spiels aufregten. Den der eigentlichen Sieg über die ultimative Reaper-Bedrohung ist ledigliche Folge einer Entscheidung aus drei Optionen, die sich in der Schlusspräsentation kaum unterscheiden.
Auch fehlten vielen Fans für den Abschluss einer so langen Reise eine Form von Abschluss/Epilog, der erklärt wie es der Welt und den Charakteren nach dem Ende ergangen ist. Die zum Teil heftigen Proteste führten dazu, dass die Entwickler das Finale des Spiels mit einem kostenfreien DLC, dem Extended Cut, deutlich erweitert und ausgebaut haben. Außerdem wurde mit dem Citadel-DLCs eine Erweiterung nachgeschoben, die den Spielern ermöglichte ein letztes Mal von all den Wegbegleitern der gesamten Trilogie Abschied zu nehmen.
Dragon Age: Inquisition
Release: 18. November 2014
Plattformen: Windows, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One
Publisher: Electronic Arts
Genre: Action-Rollenspiel
PC Games-Wertung: 89
Metacritic-Schnitt: 85
Game Director: Mike Laidlaw
Lead Writer: David Gaider
Producer: Mark Darrah
Art Director: Matthew Goldman
Mit dem dritten Spiel in der Welt von Dragon Age stieg Bioware erstmals auf die EA-interne Frostbite-Engine um. Da der Grafikmotor von DICE vor allem für enge Ego-Shooter ausgelegt war, mussten die Entwickler zunächst einigen Aufwand betreiben, um die Engine an die Bedürfnisse eines komplexen RPGs anzupassen. Im September 2012 wurde das Spiel erstmals unter dem Titel Dragon Age 3: Inquisition angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Spiel bereits seit 18 Monaten in der Entwicklung. Die Ziffer im Titel wurde später fallen gelassen, um keine zu enge Assoziation zum kritisierten zweiten Teil zu erzeugen. In der neuen Engine setzten die Macher auf große Spielgebiete, die der Spieler frei erkunden kann. Man habe sich dabei an Vorbildern wie The Elder Scrolls 5: Skyrim orientiert.
Die Geschichte dreht sich um die Inquisition, die im Zuge der anhaltenden Konflikte zwischen Magiern und Templern gegründet wurde. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Mensch, Zwerg, Elf oder Qunari, der durch verschiedene Umstände in die Rolle des Inquisitors katapultiert wird. In dieser Position kämpft er mit seinen Gefährten gegen einen alten Bösewicht, der sich die Welt Untertan machen will. Das Gameplay bleibt wie im Vorgänger sehr actionreich, führt allerdings auch die taktische Ansicht aus dem ersten Teil wieder ein. Drei Story-DLCs erweitern die ohnehin schon umfangreiche Geschichte , wobei der letzte nach dem Ende spielt und eine Brücke zu einem möglichen Nachfolger schlägt.
Mass Effect: Andromeda
Release: 21. März 2017
Plattformen: Windows, Playstation 4, Xbox One
Publisher: Electronic Arts
Genre: Action-Rollenspiel
PC Games-Wertung: 78
Metacritic-Schnitt: 73
Game Director: Mac Walters
Lead Writer: Chris Schlerf, John Dombrow, Cathleen Rootsaert
Lead Designer: Ian S. Frazier
Producer: Fabrice Condominas, Mike Gamble, Fernando Melo
Art Director: Joel MacMillan
Lead Programmer: Julien Adriano
Mal abgesehen vom Online-Rollenspiel SWTOR ist Mass Effect: Andromeda das erste Bioware-Spiel, dass nicht im Hauptquartier in Edmonton entwickelt wurde. Stattdessen wurde die Aufgabe an das 2009 gegründete Studio in Montreal übertragen, die vorher nur DLCs und den Mehrspieler-Modus für den Vorgänger entwickelt hatten. Mit diesem Schritt sollten im Hauptstudio Kapazitäten geschaffen werden, um an einer neuen Marke zu arbeiten. Die Arbeit an dem Projekt begannen bereits 2012 nach dem Release des Vorgängers und es wurde früh entschieden sich von der Shepard-Trilogie zu entfernen und einen Neustart der Serie zu wagen. Wie schon bei Dragon Age: Inquisition wurde auch für das neue Mass Effect auf die Frostbite-Engine umgestellt.
Auch der Ansatz von offenen Spielwelten wurde übernommen und weiter ausgebaut. So gibt es im Spiel gewaltige Planten, die mit dem Nomad, einer Anlehnung an den Mako aus dem ersten Teil, erkundet werden können. Das Kampfsystem wurde im vergleich zur Trilogie ausgebaut und durch die Entfernung der Klassengrenzen vielfältiger gestaltet. Dagegen schwächelt das Spiel bei Story und Dialogen. Entsprechend durchschnittlich fielen die Kritiken der internationalen Presse aus. Mit einem Schnitt von 73 Punkten für die PC-Version ist Mass Effect: Andromeda eines der am schlechtesten bewerteten Bioware-Spiele.
