Biotope: Wir haben uns die Early-Access-Version des Aquarium-Simulators angeschaut
Test
Vor kurzem startete die Early-Access-Phase des Aquarium-Simulators Biotope. Im Mittelpunkt der Simulation steht die Fischzucht und der Aufbau eines realistisches, aquaristischen Ökosystems. Wir starten mit einem leeren Aquarium beginnt und füllen es nach und nach mit neuen Fischen und Deko-Objekten. Ob das Spaß macht, verrät euch unser Early-Access-Check.
Hinter dem Namen Biotope verbirgt sich eine Simulation des Entwicklers MBL Development, die den Traum eines großen Fischtanks voller schillernder Farben und grünen Pflanzen zu einem nach Hause an den PC bringen soll. Hier geht es also im Gegensatz zu Megaquarium (hier geht's zum Test) lediglich darum, ein einzelnes Fischbecken mit viel Leben zu füllen. Dabei legt das Spiel großen Wert auf das Ökosystem innerhalb des Aquariums, sodass nicht einfach munter und ohne Plan agiert werden sollte. Das Budget ist festgelegt und die Fische sowie Pflanzen müssen ausreichend versorgt werden, ansonsten heißt es schnell "Auf Wiedersehen" mit dem kleinen Heimbiotop.
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Planen, Anschaffen und Einrichten
Am Anfang des Spiels stehen euch verschiedene Becken zur Auswahl. Eines dient als Einsteigerexemplar mit einem Tutorial, die anderen bieten bereits eingerichtete Szenarien mit Pflanzen und Dekoration an. Wer etwas ganz Eigenes im Sinn hat, der kann auch bloß mit einem leeren Glaskasten anfangen. Bei dieser Auswahl fehlt euch zwar zu Beginn alles an Equipment, jedoch ist eurer Startkapital höher als bei den vorgefertigten Aquarien. Nachdem ihr euch entschieden habt, müsst ihr entweder direkt die passenden Fische kaufen oder erstmal etwas Flora ansiedeln, um den Behälter fischtauglich zu machen.
Quelle: PC Games
Verschiedene Objekte stehen uns zur Verfügung, um aktiv die Wasserqualität zu verbessern.
Jedoch gilt eines für so ziemlich jedes neu angelegte Aquarium zu berücksichtigen: Der Gasaustausch innerhalb und oberhalb des Wassers. Biotope nimmt euch in dieser Hinsicht nicht an die Hand. Wer also keine Ahnung von den chemischen Vorgängen in einem Gewässer hat, der sollte sich lieber kurz etwas schlau machen, warum man denn zum Beispiel verpulverte Mineralien in das Wasser schütten sollte und was das bewirkt. Ein Exkurs darüber, wieso Wasser mit der Zeit sauer oder alkalisch wird, sollte aber unserer Meinung nach in der Zukunft in einem kleinen Tutorial ergänzt werden. Wer aber das Handwerk kennt, wird schnell die Wasserwerte verstehen. Hierbei soll aber als Entwarnung gegeben werden, dass es sich hierbei um keine beinharte, wissenschaftlich akkurate Simulation handelt, die einem bei dem kleinsten Fehler bestraft. Auch Gelegenheitsspieler kommen mit Biotope klar und werden die Abläufe im Spiel mit der Zeit nachvollziehen können.
Quelle: PC Games
Wir können uns alle möglichen Daten des Beckens in drei verschiedenen Übersichten anzeigen lassen.
Die Chemie des Lebens
Verschiedene Stoffe wie Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid werden euch vom Spiel stets angezeigt, sobald ihr auf die Leertaste drückt. So lassen sich zum Beispiel die Veränderung der Konzentration der gelösten Gase im Wasser beobachten, um herauszufinden, ob derzeit etwas im Becken nicht stimmt. Zusätzlich lässt sich auch der Nitrat-, Nitrit- und Ammoniakgehalt des Wassers messen. Je nach Fisch und Pflanze werden bestimmte Grenzwerte benötigt. Über die Dauer lassen sich Werteveränderungen in einem Graphen festhalten, um nachzuvollziehen, was es an Stoffwechselprozessen im Aquarium mangelt. Notfalls kann dann zum Beispiel mit ein paar neuen Pflanzen oder etwas Chemie aus der Flasche nachgeholfen werden. So schön komplex die Kreisläufe auch sind, so funktioniert das System aber noch nicht perfekt. Viel zu oft schwankt der pH-Wert des Wassers. Das führt dann nicht selten dazu, dass unsere Fische das Zeitliche segnen, da plötzlich das Wasser zu sauer oder alkalisch geworden ist. Zumindest liefern Dekoration wie Holzstücke und Steine eine Möglichkeit, um passiv den pH-Wert im Spiel zu senken oder zu steigern. Trotzdem ist das unverständliche Schwanken auf Dauer nervig. Weiterhin lässt sich einsehen, ob bestimme Stoffwechselprodukte durch Bakterien produziert werden, aber nicht wie hoch der Prozentsatz der Bakterien generell ist. So kann es dann vorkommen, dass man nicht genau herausfindet, ob zu wenig oder zu viele Bakterien im Wasser sind.
Quelle: PC Games
Das Quest-System lässt uns etwas Geld und neue Inhalte verdienen.
Optisch solide
Wo es bei den chemischen Prozessen nicht ganz rund läuft, überzeugt in Biotope zumindest die Optik - teilweise. Besonders die Wasseroberfläche bildet hübsche Wellen und erinnert sofort an echtes Wasser. Sollten wir einen Fisch ins Becken einsetzen oder ein Objekt, wirkt das Wasser wirklich so, als hätten wir mit der eigenen Hand reingegriffen. Derzeit ist der Wasser-Shader aber auch das einzige wirkliche Highlight der Spieloptik. Die Animationen der Fische und Pflanzen sind noch etwas eintönig und repetitiv geraten, aber immerhin nicht steif und unrealistisch. Auch fehlt es noch an Variationen zwischen den Fischen. Farblich unterscheiden sich zwei Tiere einer Art noch überhaupt nicht. Außerdem sind derzeit viele Möglichkeiten für grafische Effekte nicht ausgeschöpft. So produziert der Filter in unserem Tank hübsche Blasen. Herumwirbelnden Sand am Boden gibt es aber nicht, falls ein Fisch schnell am Grund entlang schwimmt. Allgemein schwimmen die Fische noch zu oft ihre vordefinierten Routen im Becken ab. Nur selten weicht einer dem Kurs ab und befindet sich sehr weit oben oder unten im Becken. Interessant ist aber, dass alle Objekte in dem Becken bei ihrer Platzierung sich physikalisch korrekt verhalten. Packen wir einen Stein mitten in das Wasser, sinkt dieser schnell nach unten und liegt schief, sollte er etwas treffen. Vor allem während des Dekorierens des Beckens kann man so die Gegenstände anordnen und anschauen, wie sie sich von selbst in das Gesamtbild fügen. Einen alternativen Platzierungsmodus ohne Physikberechnung gibt es auch, falls man ein Objekt genau platzieren will.
Quelle: PC Games
Beim Kauf der Fische können wir uns diverse Daten über die Bedürfnisse der Tiere anzeigen lassen.
Ein schön eingerichtetes Aquarium taugt natürlich ohne Fische nicht so viel, weswegen Biotope - eine leider noch recht überschaubare - Auswahl an Arten bereitstellt. Unter anderem stammen die kleinen Bewohner aus Afrika, Südamerika und Asien. Viele Fische sind typische Artgenossen, die man auch in einer Zoohandlung finden würde - etwa Neons, Guppys sowie Skalare. Zusätzlich sind auch schon eine kleine Auswahl an Salzwasserfischen verfügbar. Die Simulation berücksichtigt ebenfalls die Rivalität und das Raubverhalten. In Infotexten wird während des Kaufs geschildert, welche Arten sich miteinander verstehen. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es unausweichlich, mehrere Becken gleichzeitig zu pflegen, da nicht alle Tiere im selben Biotop leben können. Für die Zukunft müssen die Entwickler aber definitiv in puncto Auswahl noch nachliefern, da man mit drei bis vier Becken schnell alle Sorten an Fischen besitzen kann.
Quelle: PC Games
Ein spezieller Modus färbt alle Lebewesen von grün nach rot ein, je nachdem wie gut es ihnen geht. Halten wir die Leertaste gedrückt, werden diese mit einem Symbol hervorgehoben.
Viel Luft nach Oben - aber immerhin ein gutes Fundament
Grundsätzlich liefert Biotope gute erste Ansätze für einen Aquarium-Simulator, welche freilich nicht perfekt sind und Feinschliff benötigen, aber auch Potenzial bieten. Vor allem das Nachstellen des Stoffwechselkreislaufes innerhalb des Beckens kann sich mit Optimierung in eine herausfordernde Mechanik entwickeln, die eine gezielte Planung des Ökosystems benötigt. Eine nette Idee ist ebenfalls das kleine Quest-System, das verschiedene Herausforderungen im Spiel anbietet. Erfüllt ihr die Bedingungen, winkt eine Belohnung in Form von Geld und neuen Inhalten. Baut man dieses System in der Zukunft noch weiter aus, lässt sich so sicher Langzeitmotivation erzeugen.
Für wen ist denn Biotope gemacht? Wir finden, dass sich das Spiel vor allem an Personen richtet, die kein echtes Aquarium besitzen, aber gerne eines hätten, da das Spielgefühl das Erlebnis des Einrichtens, der Pflege des Beckens und der Tiere vermittelt. An dieser Stelle muss aber auch gesagt werden, das Spieler etwas warten sollten mit dem Kauf. Wenn der Entwickler alle derzeitigen Baustellen bis zu der Vollversion angeht, verspricht der Titel ein wirklicher Geheimtipp für Simulationen zu werden - dafür sind Early-Access-Versionen ja an und für sich da.
