Spektakulärer geht es kaum: Bayonetta 2 ist ein Paradebeispiel dafür, dass ein Action-Feuerwerk auch ohne dickste Technik funktionieren kann. In unserem Test zu Bayonetta 2 für Wii U lest ihr, wie gut das Actiongespielt geworden ist. Bayonetta, willkommen zurück!
Glanz an der richtigen Stelle
Nun wissen Fans von Action-Titeln, dass eine passable Story zwar ein netter Bonus ist, das gesamte Spiel aber mit seinen Kampfsystem-Komponenten steht oder fällt. Zeigten wir uns schon bei unserer Preview vor zwei Ausgaben von den kämpferischen Fähigkeiten Bayonettas beeindruckt, können wir diesen Eindruck nun auch im Test doppelt unterstreichen. Bayonetta 2 glänzt genau an der Stelle am hellsten, wo es glänzen muss, was gleich mehrere Gründe hat. Vor allem Einsteiger werden die enorme Zugänglichkeit schätzen – mit gerade einmal drei Buttons verhaut ihr neben euch stehenden Gegnern den blanken Hintern oder setzt eure Schießprügel ein. An und für sich keine große Besonderheit, kriegen dies doch auch andere Titel des Genres hin.
Quelle: Computec Media GmbH
Ramiel lässt grüßen: So mancher Feind stellt eine überraschende Hommage dar. Die feurige Spinne links kennen Fans vielleicht aus dem ersten Devil May Cry ...
Was Bayonetta 2 hier so hervorhebt, ist das tadellose Handling und das spielend leichte Kombinieren der phänomenal in Szene gesetzten Angriffskombinationen. Alle von Bayonetta grazil ausgeführten Moves gehen butterweich ineinander über, während sie spielerisch durch die Reihen der Gegner pflügt. Mit welchen Waffen sie das tut, dürft ihr frei bestimmen, sofern ihr das Kampfwerkzeug eurer Wahl schon gefunden habt. Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, die Waffen auch an Bayonettas Beine zu montieren, was euch zusätzliche Optionen im Kampf bietet. Als wäre dies noch nicht genug, dürft ihr für richtig viel Spielgeld besondere Fähigkeiten einkaufen und fortan ausrüsten. Vom kurzzeitigen Schutzschild über den Gegner angreifende Fledermäuse bis hin zum Uppercut ist alles dabei, was ihr zum Individualisieren eures Spielstils braucht. Ein ausgiebiges Nutzen der angebotenen Fertigkeiten ist dabei nicht bloß Eye Candy – alles muss von Anfang an Verwendung finden, um gegen die engelsgleichen wie teuflischen Monster bestehen zu können.
Stark trotz Schwächen
In fast jeder Mission tauchen neue Gegnervariationen auf, deren Attacken erst einmal verinnerlicht werden wollen. Dies lohnt sich schon deshalb, weil ihr bei einem geglückten Ausweichversuch im letzten Moment die Hexenzeit aktiviert, in der alles um Bayonetta herum stark verlangsamt wird und ihr gefahrlos ein paar Schläge ansetzen könnt. Besonders wichtig ist dies für Sammler von Platinum-Trophäen, die sehr schwierig zu bekommen sind. Tatsächlich dürfte Bayonetta 2 aktuell eines der schwierigsten Spiele für die Wii U sein – geschenkt wird einem hier nichts! Ein wenig Einarbeitungszeit benötigt dabei die Kameraführung.
Quelle: Computec Media GmbH
Welch ein Glück: Loki ist keine Nervensäge geworden. Das Zusammenspiel mit Bayonetta klappt sogar recht gut.
Wie es bei hektischen Action-Krachern so der Fall ist, werdet ihr von allen Seiten attackiert, was zur Folge hat, dass die Kamera häufig umschwenkt, wenn ihr ein neues Ziel ins Visier nehmt. Der plötzliche Perspektivenwechsel kann dann bei Anfängern dazu führen, einen sonst vermeidbaren Gegentreffer einzustecken. Anlass zur Kritik, wenn auch auf einem unheimlich hohen Niveau, gibt die Technik des Spiels. Bayonetta 2 sieht ohne Frage richtig gut aus und schrumpft bei der Framerate in normalen Gefechten von 60 auf knappe 50 herunter. Spielirrelevante Ausnahmen sind nur Videos oder Passagen, in denen euer punktgenaues Können nicht gefragt ist.
In diesem Artikel
Von der höheren Farb-Ausgabe abgesehen, ist Bayonetta 2 deutlich bunter und strahlender als sein Vorgänger und beide Titel befinden sich technisch auf einem ähnlichen Niveau. Schade ist auch, dass eine Menge Zwischensequenzen wieder nur aus vertonten Standbildern besteht, wodurch, der echt schönen Aufmachung zum Trotz, etwas von der Dynamik verloren geht. Abgesehen davon hat Platinum Games allerdings das Kunststück vollbracht, eine für die Wii U scheinbar unmögliche Fortsetzung des ohnehin zu Unrecht wenig beachteten Geniestreichs auf die Beine zu stellen, welche sich zugleich als bislang bestes Actionspiel auf der Konsole herausstellt. Vielleicht auch systemübergreifend des ganzen Jahres. Selbst für einen dem Genre fremden Zocker wäre es eine Schande, bei diesem Spiel nicht zuzugreifen.
