Batman: The Telltale Series - Die weiteren Episoden im Test-Überblick

Test Felix Schütz 13,49 €
Batman: The Telltale Series - Die weiteren Episoden im Test-Überblick
Quelle: PC Games

Das gelungene Seriendebüt weckte große Erwartungen an die weiteren Episoden von Batman: The Telltale Series. Auf dieser Seite überprüfen wir die weiteren Folgen der Comic-Adaption und vergeben eine abschließende Wertung für die gesamte erste Staffel.

Seit dem 13. Dezember 2016 sind alle fünf Episoden von Batman: The Telltale Series erhältlich. Damit hat Telltale seinen Zeitplan tadellos eingehalten und alle Episoden wie angekündigt veröffentlicht. Nachfolgend liefern wir zu den Episoden 2 bis 5 kurze Tests und vergeben am Ende eine Gesamtwertung für die gesamte erste Staffel.

Episode 2 im Test: Kinder von Arkham

Releasetermin: 20. September 2016

Schwere Zeiten für Alfred und Bruce: Das Verhältnis zwischen Ziehvater und Sohn ist zerrüttet. Quelle: PC Games Schwere Zeiten für Alfred und Bruce: Das Verhältnis zwischen Ziehvater und Sohn ist zerrüttet. Mit der zweiten Folge knüpft Telltale gelungen an das spannende Finale der ersten Episode an. Alles dreht sich nun um die dramatische Enthüllung aus den letzten Minuten, die Bruce Wayne sichtlich zu schaffen macht und ihn an seinen eigenen Überzeugungen zweifeln lässt. Eine starke Ausgangsbasis für eine Geschichte, mit der sich Telltale deutlich vom klassischen Batman-Kanon entfernt - und das ist gut so! Das macht die Handlung nämlich auch für eingefleischte Batman-Kenner interessant und ermöglicht vertrauten Charakteren wie dem Pinguin einen neuen (wenn auch leider recht uncharismatischen) Auftritt. Telltales Autoren schrecken sogar nicht davor zurück, bekannte Figuren über die Klippe springen zu lassen!

Inwieweit sich frühere Entscheidungen in dieser Folge auswirken, lässt sich schlecht abschätzen, uns sind nur Details (etwa die Gordon/Vicki-Vale-Entscheidung) aufgefallen, die - wie wir später feststellen sollen - für die größere Handlung aber ohnehin keine Rolle spielen. Dafür gibt es mehrere interessante Entscheidungsmomente in Episode 2. Beispielsweise dürfen wir in einer Szene festlegen, ob wir einem Schurken lieber als diplomatischer Bruce Wayne auf den Zahn fühlen - oder ob wir stattdessen das Fledermauskostüm überstreifen und versuchen, den Typen mit unserer Erscheinung zu beeindrucken.

Interessante Perspektiven, flotte Schnitte und Zeitlupen machen die Kampfszenen trotz veralteter Technik sehenswert. Quelle: PC Games Interessante Perspektiven, flotte Schnitte und Zeitlupen machen die Kampfszenen trotz veralteter Technik sehenswert. Die dramatischste Entscheidung wartet allerdings gegen Ende - hier haben wir zum ersten Mal das Gefühl, eine Wahl mit drastischen Konsequenzen zu treffen! Tatsächlich wirkt sich unser Handeln hier erstmals ein wenig auf den langfristigen Storyverlauf aus, wenn auch nur in Details - denn grundsätzlich verläuft der Plot auf einer festen Bahn.

Spielerisch fällt Kinder von Arkham sogar etwas dünner aus als die Auftaktepisode. Es gibt diesmal keine Tatorte zu untersuchen, überhaupt hat es nur ein neues, unbedeutendes Mini-Spiel in die Episode geschafft. Immerhin müssen wir in einer kleinen Szene aber wieder unseren Angriff planen und entscheiden, auf welche Weise wir es mit mehreren Gangstern aufnehmen wollen. Dazu gibt's gewohnt rasant inszenierte QTE-Actionsequenzen, die mit ihren stilvoll eingesetzten Zeitlupen und schnellen Schnitten für Atmosphäre sorgen. Hübscher oder spannender als in der ersten Folge wird's allerdings auch nicht. Dafür ist das Erzähltempo diesmal etwas flotter: Nach einem gemächlichen Einstieg gewinnt Episode 2 schnell an Fahrt, auch die Dialoge fühlen sich etwas flotter an und kommen schneller zum Punkt als im Seriendebüt.
Coole Idee: In einem Abschnitt müssen wir entscheiden, ob wir lieber als diplomatischer Bruce Wayne oder als rabiater Batman vorgehen. Quelle: PC Games Coole Idee: In einem Abschnitt müssen wir entscheiden, ob wir lieber als diplomatischer Bruce Wayne oder als rabiater Batman vorgehen. Fazit: Spielerisch ein leichter Rückschritt, doch die Handlung wird clever vorangetrieben und verzichtet auf einige der lahmeren Passagen des Seriendebüts. Die Actionszenen sind gewohnt rasant und einige Entscheidung fallen hochspannend aus! Wer bereits Gefallen an Episode 1 gefunden hat, sollte auf jeden Fall dran bleiben!

Episode 3 im Test: Neue Weltordnung

Releasetermin: 26. Oktober 2016

Die flotte Kameraführung gleicht die maue Technik etwas aus. Quelle: PC Games Die flotte Kameraführung gleicht die maue Technik etwas aus. Halbzeit für den Dunklen Ritter: Spätestens mit der dritten Folge "Neue Weltordnung" verabschiedet sich Telltale endgültig vom klassischen Batman-Lore. Die Episoden-Geschichte geht nun ihren eigenen Weg und bricht mit dem Vetrauten. Einerseits mag das beinharte Fans erzürnen, andererseits sorgt es aber auch für ein paar handfeste Überraschungen, die selbst Batman-Experten nicht zwangsläufig kommen sehen. Das macht die Staffel-Mitte ausgesprochen spannend und ereignisreich! Allerdings leidet die Geschichte auch unter ein paar groben Schnitzern. Der Handlungsstrang um Oswald "Pinguin" Cobblepot nimmt beispielsweise gegen Ende der Episode groteske Züge an; hier hat man das Gefühl, die Autoren versuchen die Figur zwanghaft in eine bestimmte Rolle zu pressen, nur um als passender Gegenspieler für Bruce Wayne durchzugehen. Einerlei, dass die Logik dabei völlig auf der Strecke bleibt. Batman bekommt es obendrein mit einem neuen Widersacher zu tun, der aber - trotz beachtlicher Fähigkeiten - zunächst noch blass und austauschbar wirkt. Immerhin: Spätere Episoden werden dieses Problem beheben.
Dafür rückt nun Harvey "Two-Face" Dent deutlich stärker in den Mittelpunkt und bekommt einige der intensivsten Szenen der ganzen Folge spendiert. Allerdings wirkt sich das packende Finale von Episode 2 längst nicht so stark auf den Handlungsverlauf aus wie erhofft. Hier verfällt Telltale also doch wieder in sein typisches Schema: Obwohl man reichlich knifflige Entscheidungen trifft, die auch langfristige Auswirkungen versprechen, verläuft die Handlung weitestgehend linear.

Spielerisch bleibt Batmans dritter Episoden-Einsatz genauso anspruchslos wie seine Vorgänger: Wir führen stark vertonte, gut geschriebene Dialoge, treffen unter Zeitdruck spannende kleine Entscheidungen und prügeln uns ab und zu durch sauber inszenierte Quicktime-Kampfsequenzen. Rätsel gibt es zwar immer noch nicht, doch immerhin dürfen wir wieder einen Schauplatz untersuchen und Hotspots kombinieren.

Vicki Vale nimmt eine wichtigere Rolle in der Geschichte ein als erwartet. Quelle: PC Games Vicki Vale nimmt eine wichtigere Rolle in der Geschichte ein als erwartet. Fazit: Die Geschichte gerät hier und da etwas ins Schlingern, bietet im Großen und Ganzen aber eine spannende und angenehm persönliche Fortsetzung fernab von üblichem Superhelden-Einheitsbrei. Spielerisch bekommt man mehr vom Gleichen geboten, die ordentlichen Dialoge und die flotte Inszenierung gleichen das - trotz schwacher Technik - aber locker wieder aus. Viele Entscheidungen sind hochspannend und haben zumindest kurzfristig interessante Folgen. Allerdings haben die ersten beiden Episoden bereits gezeigt, dass man sich keine Hoffnungen mehr auf langfristige Konsequenzen mit wirklich unterschiedlichen Handlungsverläufen machen sollte. Batman bleibt damit zwar immer noch ein sehr unterhaltsames und spannendes Comic-Abenteuer. Doch von Telltales üblichem Erzählmuster, das mehr Entscheidungsfreiheit verspricht, als es schlussendlich bietet, kann sich auch der Dunkle Ritter nicht lösen.

Episode 4 im Test: Wächter von Gotham

Releasetermin: 22. November 2016

Schwer gezeichnet: Bruce Wayne ist zu Beginn von Episode 4 am Tiefpunkt angelangt. Quelle: PC Games Schwer gezeichnet: Bruce Wayne ist zu Beginn von Episode 4 am Tiefpunkt angelangt. Bruce Wayne steckt zum ersten Mal richtig in der Klemme, weder sein Butler Alfred noch seine technischen Spielzeuge können ihm jetzt helfen. Wie er sich aber aus der Lage befreit, ist erzählerisch schwach geraten: Telltale nutzt die ersten Minuten im Grunde nur dazu, einen weiteren (altbekannten) grünhaarigen Schurken in die Geschichte einzuführen, bevor es danach schnell wieder auf vertrautes Terrain geht. Das ist nicht schlecht, wirkt aber etwas einfallslos. Zumal auch Folge 4 reichlich alte Locations aus den Vorgängerepisoden recycelt. Immerhin gibt's aber einen brandneuen Schauplatz, an dem Batman ein grausames Verbrechen untersucht - ein düsterer, wichtiger Part, der die Story um den geheimnisvollen Oberschurken endlich voranbringt. Zudem mündet die Episode in einer Art "Mini-Finale", in dem sich Bruce Wayne einem wichtigen Gegner entgegenstellt - zuvor dürfen wir selbst entscheiden, mit welchem Schurken wir es aufnehmen wollen, das hat auch Auswirkungen auf die fünfte und letzte Folge.

Fazit: Die Ereignisse in Episode 3, die sich für unseren Geschmack etwas zu sehr überschlagen haben, werden in der vorletzten Folge gekonnt aufgegriffen. Der gelungene Showdown, für den wir unseren Widersacher sogar selbst wählen dürfen, entschädigt für den schwachen Einstieg und macht neugierig auf das Finale.

Episode 5 im Test: Stadt des Lichts

Releasetermin: 13. Dezember 2016

Bruce Wayne hat in der gesamten Staffel deutlich mehr Auftritte als Batman. Quelle: PC Games Bruce Wayne hat in der gesamten Staffel deutlich mehr Auftritte als Batman. Spätestens in der letzten Folge wird klar, dass Telltales Serie in vielerlei Hinsicht auch eine Ursprungsgeschichte sein soll: Egal ob Two Face, Joker oder Pinguin, sie alle entwickeln oder zeigen erst im Lauf der Handlung ihre typischen Charakterzüge und körperlichen Eigenschaften, die man zu Beginn der Serie noch vermisst hat. Aber auch der Rest des Finales ist gelungen: Hohes Tempo, viel Action und ein paar knackige Entscheidungen sorgen für ordentlich Spannung, zumal es Telltales Autoren im letzten Moment doch noch gelingt, den fragwürdigen Oberschurken ein bisschen nachvollziehbar und dadurch interessanter zu machen. Zudem bemerkenswert, dass einige Handlungsdetails bewusst ungeklärt bleiben und einige Figuren überdeutlich für eine Fortsetzung in Stellung gebracht werden - Staffel 2 dürfte für Telltale also schon beschlossene Sache sein.

Fazit: Die erste Staffel endet, wie sie begonnen hat: Atmosphärisch, überwiegend flott und gut inszeniert und vollgepackt mit interessanten Dialogen und Charakteren. Typisch für Telltale haben viele Entscheidungen aber keine langfristigen Auswirkungen, der Großteil der Effekte beschränkt sich auf leicht veränderte Dialoge - der Handlungsverlauf bleibt also überwiegend gleich. Trotzdem sorgen die Entscheidungen für jede Menge spannende Situationen und wohliges Nägelkauen, womit sie ihre Hauptaufgabe - nämlich den Spieler emotional zu packen - problemlos erfüllen. Schade allerdings, dass Telltale in späteren Folgen immer wieder alte Schauplätze recycelt, anstatt dem Spieler frische Umgebungen zu präsentieren und dass sich die Episoden spielerisch in keinster Weise steigern. Alles in allem bietet Stadt des Lichts trotzdem einen guten, gelungenen Abschluss der ersten Staffel, der sich obendrein genug Türen für eine Fortsetzung offen lässt. Die darf dann aber spielerisch ruhig noch ein paar Schippen drauflegen.

Batman: The Telltale Series im Test: Die Switch-Umsetzung

Die Switch-Version umfasst alle fünf Episoden der ersten Staffel und ist inhaltlich identisch mit den anderen Fassungen, lediglich der witzlose Multiplayermodus fällt hier weg. Technisch ist die Switch-Umsetzung allerdings schwächer als die PC- und PS4-Versionen. Vor allem die niedrigere Auflösung in Verbindung mit der schwachen Kantenglättung sorgt für sichtbare Pixeltreppen und einen verwaschenen Look, außerdem sind die Charaktertexturen deutlich detailärmer. Im mobilen Betrieb fallen die visuellen Abstriche zwar weniger auf, allerdings machen sich hier immer wieder kleine Performance-Einbrüche bemerkbar. Die Ladezeiten fallen in der Switch-Umsetzung ebenfalls etwas länger aus als auf PC und PS4.

Batman: The Telltale Series im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Batman: The Telltale Series (PC)

Wertung:

7.9 /10

Wertung zu Batman: The Telltale Series (PS4)

Wertung:

7.9 /10

Wertung zu Batman: The Telltale Series (NSW)

Wertung:

7.5 /10
Pro & Contra
Ordentliche Geschichte mit einigen überraschenden WendungenViele spannende MomenteAtmosphärische Batman-AbschnitteInteressante EntscheidungenGute SprecherStimmungsvoller SoundtrackRasant inszenierte ActionsequenzenDeutsche UntertitelJede Folge endet mit einem gelungenen Cliffhanger
Praktisch nix zu entdecken in den UmgebungenAnspruchslose Mini-RätselÜberflüssiger Mehrspielermodus (optional)Charakteranimationen wirken abseits der Kämpfe völlig veraltetWenig Interaktion in den LevelsViele Schauplätze werden in späteren Folgen einfach recyceltAbgespeckte Optik in der Switch-Version

Bildergalerie

  1. Seite 1 Batman: The Telltale Series im Test - Episode 1 - Reich der Schatten
  2. Seite 2 Batman: The Telltale Series - Die weiteren Episoden im Test-Überblick
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk