Babylon's Fall im Test: Eine Vollkatastrophe von Platinum-Games - Seite 2
Test
Babylon's Fall ist ein absoluter Flop. Aber wird es zu Recht gescholten, oder solltet Ihr vielleicht doch einen Blick auf Platinums Online-RPG werfen? Test!
Jegliche Schwierigkeit fliegt bei einer halbwegs ausreichenden Stärke völlig aus dem Fenster, vorherige Vorsicht weicht einem vollkommenen Ausschalten des Hirns. Gegner töten, looten, Gegner töten, looten, Gegner töten, looten, jetzt halt noch schneller und einfacher. Die Nebenquests mit famosen Bezeichnungen wie "Scharmützel" stellen ebenfalls keine größere Herausforderung dar. Diese schaltet im Lauf der Kampagne frei und sind genauso uninspiriert, wie die Hauptquests.
Zwischen den enttäuschenden Gefechten besteht der Loot entweder aus Materialien fürs Crafting, oder Kristallen. Diese Kristalle werden dabei nach Abschluss der Quest in Waffen und Rüstungen umgewandelt. Je besser eure Performance im Level, umso besser eurer Loot. Auswirkungen hat das Ganze jedoch nicht wirklich.Wer seine Level 1 Schwerter nicht mehr braucht, kann diese immerhin recyclen, um Materialen für das Crafting zu gewinnen. Auch das ist ein Feature, welches erst im Lauf der Zeit freigeschaltet wird. Ihr erhaltet zudem tägliche Aufgaben wie "töte so und so viele Gegner" oder "vollführe diese oder jene Attacke", welche nebenbei laufen. Wer diese erfüllt, erhält noch mehr Loot.
In diesem Artikel
Das Auge spielt mit
Quelle: PC Games
Die Oberwelt ist visuell recht schön gestaltet. Allerdings täuscht diese nicht über technische Macken des Spiels hinweg, insbesondere in puncto Charakter-Design.
Aber sehen denn die zahlreichen Schwerter, Schilder, Bögen und Co. wenigstens gut aus? Leider nein! Babylon's Fall ist größtenteils ziemlich hässlich. Vor allem das Charakter-Design ist stellenweise fürchterlich und erinnert an Final Fantasy-Spiele der frühen 2000er.
Manchmal kann das Spiel aber visuell überzeugen. Die Umgebungen sehen zum Teil richtig gut aus und erzeugen eine stimmige Atmosphäre. Diese wird durch den guten Soundtrack passend untermalt und strahlt deutlich mehr aus als so manch unkreative Waffe im Menü, oder fragwürdig gestaltete NPCs. Dieser Eindruck überträgt sich auch auf die Kampagne des Spiels. Das fiktive Babylon, bei dem nichts als der Turm Ziggurat übriggeblieben ist, wurde durch das Imperium Domitin in Form von Neo Babylon abgelöst.
Als Gefangener dieses Imperiums ist es nun eure Aufgabe als "Wächter" die Drecksarbeit zu verrichten. Schließlich lauern in Babylon einige Gefahren und Mysterien, welche das Imperium selbst anscheinend noch nicht so ganz durchblickt hat. Zu diesem Zweck wurden wir mit einem alten Relikt, eben jenem Gideon-Sarg, zu einem superhumanen Wesen gemacht. In der Kampagne erforscht ihr mit NPCs Stück für Stück den Turm und dessen verschiedene Ebenen auf der Suche nach einer Heilung für unseren Zustand als Gefangener des Gideon-Sarges.
Die NPCs tauchen dabei niemals in den Levels persönlich auf - zumindest nicht visuell. Sie sind lediglich in oft sehr schlechten Cutscenes zu sehen oder in bestimmten Abschnitten zu hören .
Während manche Zwischensequenzen cineastisch hochwertig gestaltet sind, erinnern andere an PS2-Spiele. Hinzukommt ein schlechtes Storytelling, das eher an GZSZ meets Final Fantasy, als an ein epochales Rollenspiel erinnert. Fremdschämen ist also vorprogrammiert. Die Entwickler haben sehr viel Potenzial in puncto Erzählweise verschwendet, wenn man an das durchaus interessante Szenario einer verschollenen Zivilisation denkt.
Besonders motivierend oder interessant ist die Handlung also nie. Die Charaktere sind austauschbare Abziehbilder ohne Tiefgang oder Sympathiepunkte. Und da wir sie in den Levels sowieso nie zu Gesicht bekommen, fällt eine emotionale Bindung noch schwerer.
Individualität für den großen Geldbeutel
Der Charakter, welchen ihr euch für die Kampagne erstellt, ist visuell ebenso absolut austauschbar. Fast der gesamte Wiedererkennungswert eures unfreiwillig involvierten Recken ist von der Rüstung und den Waffen abhängig.
Quelle: PC Games
Unseren Recken können wir mit verschiedenen Waffen und Rüstungselementen ausstatten. Auch hier kann man extra zur Kasse gebeten werden. Dieses Outfit hier kostet zum Beispiel alleine bis zu 50 Euro auf Steam.
Ihr könnt auch mehrere Charaktere erstellen, jedoch nicht die komplette Kampagne von vorne spielen. Nur die Quests lassen sich wiederholen. Wer also am Anfang des Spiels unter Umständen nicht aufgepasst haben sollte, der wird links liegen gelassen. Wer sich zudem gerne mit seinem Charakter identifiziert, der wird in Babylon mit zwei Möglichkeiten konfrontiert. Grinden und hoffen, dass irgendwann ein passendes Outfit im Loot zu finden ist, oder Echtgeld investieren.
In Babylon's Fall gibt es zwei Währungen: Muscheln und Garaz. Muscheln erhaltet ihr nach Abschluss der Level inklusive Boni, wenn ihr die Abschnitte besonders gut abschließt. Viel davon kaufen, könnt ihr euch allerdings nicht. Garaz sind dagegen die deutlich potentere Währung, diese muss allerdings gegen Echtgeld erworben werden.
Quelle: PC Games
Der Battlepass ist aktuell zwar kostenlos, doch für die zweite Season wird sich dies ändern. Ab dann dürftet ihr bis zu 10 Euro dafür ausgeben dürfen.
So sind im Kampfpass beispielsweise kosmetische Boni im Wert von 145 Euro erwerbbar. An dieser Stelle wollen wir übrigens erwähnen, dass es sich bei Babylon's Fall um einen Vollpreis-Titel handelt, wir also stolze 70 Euro auf den Tisch legen müssen. Aber auch wer von Babylon's Gameplay oder Business-Modell nicht genervt ist, könnte mittelfristig vom Spiel frustriert werden. Schließlich ist das Spiel technisch an manchen Stellen sehr fragwürdig. Die Menüs in der Oberwelt sind sehr unübersichtlich und teilweise auch nur über diese zu erreichen.
Auch bestimmte Voicelines sind im Spiel manchmal nicht vorhanden. Zudem sorgt das Warten auf wackere Mitspielerinnen und Mitspieler aufgrund der langen Spielersuche ebenfalls für eine ordentliche Portion Frust. All diese kleinen Punkte machen ein Spiel zwar noch nicht zum Flop, aber sie nerven.
Eine schlechte Investition
Für den Vollpreis von 70 Euro ist der vorhandene Content und das Gameplay alles andere als zufriedenstellend. Denn selbst wenn Babylon's Fall keine Mikrotransaktionen besitzen würde, welche auch gar nicht so mikro sind, wäre der aktuelle Preis eindeutig zu hoch. Das Spiel kann zwar in manchen Momenten Spaß machen, jedoch ist es größtenteils zu monoton, repetitiv und letztlich zu inkompetent, um zu überzeugen.Selbst wer das Spiel mit ausgeschaltetem Gehirn nebenbei spielt, wird sich fragen, ob der eigene Geldbeutel nicht auch einfach das kostenlose Tetris auf der Toilette hätte spielen können.
Ein Spiel mit Singleplayer-Fokus ohne Live-Service-Anspruch hätte die zahlreichen guten Ideen, welche in Babylon zu finden sind, besser nutzen können. Doch der aktuelle Fahrplan geht weiterhin in Richtung "neue Modi, neue Outfits, neuer Content". Wie lange Babylon's Fall überleben wird, ist dabei noch nicht abzusehen. Doch wir wären keineswegs überrascht, wenn der babylonische Elfenbeinturm von Square noch dieses Jahr in sich zusammenfällt.
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Babylon's Fall ist seit dem 3. März auf PC, PS5 und PS4 verfügbar. Aktuell gibt es keine PC-Version für den Epic Games Store. Solltet ihr euch für ein erfolgreiches und deutlich besseresAction-RPG ohne Live-Service-Blödsinn interessieren, können wir euch unseren Test zu Elden Ring ans Herz legen.
