Aviator

Test Patrick Köllner

Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio schufen ein epochales Meisterwerk, das uns mit einem faszinierenden wie tragischen Genie vertraut macht

Tausendsassa

1927 arbeitet der erst 22-jährige Howard Hughes in Kalifornien an seinem Flieger-Film "Hell's Angels", den er mit seinem eigenen Vermögen finanziert, das ihm als Erbe der Öl-Firma seines Vaters zufiel. Perfektionist Hughes kennt keine Grenzen. Für den Dreh legt er sich die größte private Flugzeugsammlung zu und plant den Einsatz von mehr Kameras, als er in Hollywood auftreiben kann. Als er vom Tonfilm überrascht wird, dreht er den kompletten Film noch mal mit Sound.

Die Studio-Bosse, die ihn anfangs als Emporkömmling verachten, staunen nicht schlecht, als sein Werk, die erste Millionen-Produktion der Filmgeschichte, zu einem gefeierten Hit wird. Nebenbei vergnügt sich Hughes mit Schauspielerin Jean Harlow (Gwen Stefani). Außerdem treibt er ständig die Entwicklung neuer Flugzeuge voran, zu denen er nicht nur das Geld, sondern auch brillante Ideen beisteuert.

Er stellt neue Geschwindigkeitsrekorde auf und übernimmt die Mehrheit an der Airline TWA, mit der er Flüge über den Atlantik plant. Das bringt ihm mächtige Gegner ein: Juan Trippe (Alex Baldwin), den Chef der Monopolisten PanAm und dessen Freund und Senator Owen Brewster (Alan Alda), die nach dem II. Weltkrieg juristisch gegen Hughes vorgehen.

Bis dahin hat Howard Affären und Beziehungen mit den größten Superstars ihrer Zeit. Die selbstbewusste und intelligente Katharine Hepburn (Cate Blanchett) sowie die schöne und unnahbare Ava Gardner (Kate Beckinsale) nehmen darunter besondere Bedeutung ein. Schon früh zeichnet sich allerdings ab, dass Howard Hughes an einer schleichenden Geisteskrankheit leidet, für die es keine Heilung, geschweige denn einen Namen zu geben scheint.

Teamwork

"Aviator" ist nach "Gangs of New York" die zweite Zusammenarbeit von DiCaprio und Scorsese und beweist erneut, dass sie zu wirklich Großem fähig sind. Trotzdem sollte "Marty" endlich mal wieder bei Robert De Niro anrufen. Von elf "Oscar"-Nominierungen konnte das Flieger-Drama zwar fünf gewinnen, die Nichtberücksichtigung von Martin Scorsese, Autor John Logan ("Gladiator") und des Films selbst sorgte bei Fans aber für Unverständnis. Scorsese ist seit Jahren überfällig für die höchste Auszeichnung der Filmwirtschaft.

Immerhin stimmt die finanzielle Seite. Der 110 Mio. Dollar teure Streifen spielte weltweit 213 Mio. wieder ein und dürfte durch zusätzliche Einnahmen aus dem Heimkinomarkt locker zum 300 Mio.-Geschäft werden. Nicht schlecht für einen anspruchsvollen Film mit Überlänge, der sich hauptsächlich an Erwachsene richtet.

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