Mitte der 60er-Jahre gehört Bob Crane zu den beliebtesten Fernsehstars der USA. Nach Außen führt er das Leben eines Biedermannes, vorbildlichen Ehegatten und Familienvaters. Seine Radio-Show bei KNX entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zum meistgehörten Programm in Los Angeles. Mit der Titelrolle in der Fernsehserie "Hogan?s Heroes" ("Ein Käfig voller Helden") avanciert er zum Publikumsliebling.
Zusammen mit dem Video-Spezialisten John "Carpy" Carpenter (Willem Dafoe) führt er allerdings hinter den Kulissen das Leben eines Besessenen. Gemeinsam organisieren die Männer Privatpartys, die sie mit Hilfe einer Videoausrüstung mitschneiden. "Ein Tag ohne Sex ist ein verlorener Tag", philosophiert Greg Kinnear in der Rolle des Bob Crane in Paul Schraders Biopic "Auto Focus". Als "Hogan´s Heroes" nach sechs Jahren eingestellt wird, beginnt auch der Abstieg Cranes. Sein Ruf ist ruiniert, er verliert nicht nur seinen Job, sondern auch seine Familie.
Allein sein Agent Lenny (Ron Leibman) hält zu ihm und versucht ihn durch eine Tournee mit einem Dinner-Theater wieder auf die Beine zu bringen. 1978 kommt Bob Crane unter mysteriösen Umständen ums Leben. Eine Kollegin findet die Leiche des mit einem Kamera-Stativ erschlagenen Crane auf dem Bett in seinem Appartement in Scottsdale, Arizona. Der Mord wird nie aufgeklärt, der Hauptverdächtige John Carpenter aus Mangel an Beweisen frei gesprochen.
viel Rummel löste bereits die Ankündigung der Dreharbeiten aus. Als bekannt wurde, dass Paul Schrader die Lebensgeschichte Bob Cranes nach dem Tatsachenroman "The Murder of Bob Crane" von Robert Graysmith verfilmen wollte, attackierte Scott Crane, einer der Söhne des TV-Stars, nahezu pausenlos die Produktion. Die Tatsache, dass Scott Crane selbst an einem Filmprojekt über seinen Vater arbeitete, das von den Studios aber nicht angenommen wurde, ist als Motiv naheliegend.
Visuell vermittelt der Film den Nie-dergang des einstigen Stars, indem er anfangs noch in ganzer Technicolor-Pracht glänzt. Zum Ende hin wirken die Farben düster. Beim Sound macht sich der Absturz Cranes durch den zunehmend bedrückend klingenden Musik-Score von Angelo Badalamenti bemerkbar.
Die Code-2-Disc ist identisch mit der amerikanischen SE (Test in DVD VISION 05/2003). Als Boni bringt sie drei (deutsch untertitelte) Audiokommentare mit. Der erste stammt von Regisseur Paul Schrader, der ausführlich über den Film, die Hintergründe und seine Arbeit erzählt. Im zweiten Kommentar, der etwa nach der Hälfte des Films endet und etwas zusammenhanglos wirkt, geben Autor Michael Gerbosi und die Produzenten Scott Alexander und Larry Karaszewski Anekdoten und Eindrücke von den Dreharbeiten zum Besten. Alexander und Karaszewski hatten sich bereits mit "Ed Wood" und "Larry Flint" einen Ruf als Spezialisten für Filme über Außenseiter der Popkultur gemacht. Im dritten Kommentar kommen die beiden Hauptdarsteller Greg Kinnear und Willem Dafoe zu Wort. Sie sprechen in erster Linie über ihre Darstellung der Filmcharaktere.
Ein etwa sieben Minu-ten langes Making of bietet viel Eigenwerbung. Aufschlussreich gestaltet sich die etwa 48-minütige Dokumentation "Der Fall Bob Crane" in dem Angehörige Cranes, Staatsanwalt und Verteidiger den Mordfall von 1978 noch einmal aufrollen und tiefere Einblicke gewähren. Ungeachtet der zuschaltbaren Kommentare entpuppen sich die deleted Scenes nur als eine nette Dreingabe.MS
