Atomic Heart im Test: Ein roter Stern am Shooter-Himmel

Test Stefan Wilhelm 53,99 €
Atomic Heart im Test: Ein roter Stern am Shooter-Himmel
Quelle: PC Games

Wir haben den wohl interessantesten Shooter des Jahres getestet und klären ein für alle Mal, ob das Spiel seinen luftigen Ambitionen gerecht wird.

Die Kritikpunkte: Viele kleine Nervigkeiten

Wo wir schon bei Fehlern sind: Obwohl Atomic Heart zweifelsfrei zu den besten Solo-Shootern der letzten Jahre gehört, erlaubt es sich doch immer wieder Patzer, die es davon abhalten, wirklich großartig zu sein. Falls ihr euch zum Beispiel wundert, warum wir bisher noch kaum ein Wort über die Open World verloren haben, dann liegt das daran, dass sie für das Gesamterlebnis kaum eine Rolle spielt. Die mit Robotern gefüllten Straßen dienen lediglich als Verbindungsstücke zwischen den Forschungsanlagen und Bunkern, in denen ihr den Großteil der Spielzeit verbringt.

Um mit den teils absurd vielen Feinden in der Oberwelt fertig zu werden, gibt euch Atomic Heart ein rudimentäres Schleichsystem an die Hand, das sich auf Ducken und heimliche Kills beschränkt und dabei weder gut funktioniert noch zum restlichen Gameplay passt. Entdecken euch die allgegenwärtigen Kameras, erscheinen Wellen von neuen Gegnern, was wegen der hohen Aggressivität der Roboter schnell in pures Chaos ausartet. Weil die überall herumschwirrenden Reparaturdrohnen zerstörte Feinde und Kameras in Sekundenschnelle wiederbeleben, ist es kaum möglich, ein Gebiet zu säubern, und die Erkundung zu Fuß gestaltet sich nervig. Immerhin dürft ihr euch auch in Autos setzen und die Roboter auf dem Weg zum Ziel einfach plattfahren.

Atomic Heart Quelle: Mundfish Atomic Heart

Zu Fuß ist eure Spielfigur nicht besonders mobil: P-3 kann weder sprinten noch sonderlich hoch springen. Das Resultat: Ihr bleibt gerne mal an Umgebungsobjekten hängen oder werdet von Gegnergruppen in Ecken gedrängt, aus denen ihr dann kaum noch entkommen könnt. Außerdem wird P-3 ständig aus den Latschen gehauen, was wegen des kleinen Bildausschnitts und der Ego-Perspektive einigen Spielern mit der Zeit auf den Magen schlagen könnte.

Und apropos P-3: Der Held von Atomic Heart ist, im krassen Gegensatz zu seinen stoischen Kollegen aus Half-Life, Bioshock oder Prey, nicht nur ein Plappermaul, sondern auch ein begnadeter Schimpfwortnutzer und ganz allgemein ein zynischer Kotzbrocken. Das muss man mögen - während sich so mancher Kollege bei uns sofort mit dem Major identifizieren konnte, wollten andere sein ständiges Gefluche lieber stummschalten.

Im Verlauf der Geschichte bekommt die Figur aber Tiefe, zudem fungiert sie mit ihrem mangelnden Verständnis der Vorgänge als ideales Abbild des Spielers, den Atomic Heart ebenfalls häufig fragend zurücklässt.

Während die deutsche Vertonung handwerklich auf ganzer Linie überzeugt, wurde sie in vielen Szenen unsauber implementiert: Neue Sätze beginnen oft, bevor die vorherigen zu Ende gesprochen sind.

Besonders nervig: Einen Großteil der Geschichte erfahrt ihr bei im Hintergrund laufenden Gesprächen zwischen P-3 und Charles, die aber sofort abgebrochen werden, wenn ein neuer Dialog abgespielt wird. Das hat im Test teils dazu geführt, dass wir wichtige Story-Details verpasst haben, nur, weil wir über einen unsichtbaren Trigger gelaufen sind - bei der komplizierten Geschichte ein absolutes Unding.

Atomic Heart Quelle: Mundfish Atomic Heart

Das Fazit

Um das Ganze nun aber wieder zu einem versöhnlichen Ende zu führen, wollen wir noch über den herausragenden Soundtrack sprechen, der euch in beinahe jeder Sekunde begleiten wird. Euch erwartet ein wilder Mix aus russischer Popmusik, bekannten klassischen Stücken und Mick Gordons unverkennbarem Sound.

Brachiales Doom-Gekloppe hat es genauso ins Spiel geschafft wie das Hauptthema aus Tschaikowskis Schwanensee, und obwohl man erwartet, dass der irre Mix aus Motiven und Genres eigentlich jederzeit auseinanderfallen müsste, funktioniert er.

Und diese Erkenntnis lässt sich direkt auf den Rest des Spiels übertragen: Seiner frustrierenden Macken zum Trotz stecken jede Menge tolle Elemente und Szenen in Atomic Heart und es ist bemerkenswert, wie gekonnt die Entwickler den überwiegenden Großteil umgesetzt und miteinander verwoben haben.

Zum Meisterwerk reicht es noch nicht ganz, aber wenn Mundfish es schafft, sich in Zukunft noch mehr auf seine Stärken zu konzentrieren und stellenweise nachzupolieren, dann sollten Shooter-Fans dieses Studio definitiv im Auge behalten.

Wertung zu Atomic Heart (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Atomic Heart (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Mit enorm spaßigem, abwechslungsreichen Gameplay, großartigem Artstyle, interessanter Story und tollem Sound schafft es Atomic Heart, seine vielen kleinen Patzer zu überflügeln.

Atomic Heart erscheint am 21. Februar 2023 für PC (Steam), PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series. Die Last-Gen-Fassungen beinhalten jeweils ein kostenloses Upgrade auf die Current-Gen-Versionen. Auf Xbox und PC ist das Spiel darüber hinaus im Game Pass enthalten. Auf der Website des Publishers Focus Entertainment ist eine Limited Edition mit Metallposter, Steelbook und Artbook erhältlich. Der Preis liegt bei 99,99€, zusätzlich werden Versandkosten von etwa 20€ nach Deutschland fällig.

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