Astroneer ist das knuddeligste Survival-Spiel, das es zu kaufen gibt - Wir haben die Early-Access-Version angespielt
Special
Astroneer begeistert die Spieler auf Steam. Doch was steckt hinter dem Erfolg des Survival-Erkundungsspiels? Die Redaktion ist im Koop-Modus mit dem Buggy über prozedural generierte Planeten geflitzt und hat Ressourcen per Terraforming-Staubsauger geerntet. Unser Fazit: Dieser wunderschöne Mix aus Minecraft und No Man's Sky hat die Lobeshymnen wirklich verdient!
Nachdem No-Man's-Sky für viele Spieler nicht das Erlebnis bot, welches sie sich gewünscht hatten, machten der Vorfreude und dem Enthusiasmus schnell Ernüchterung und Enttäuschung Platz. Und es entstand eine Leere, die nicht gefüllt werden konnte, auch nicht mit all den anderen Survival-Sandbox-Spielen. Doch zu eben jener Zeit, als die Verzweiflung am größten war, veröffentlichte ein kleines Indie-Studio mit dem Namen System Era Softworks ein Weltraumabenteuer mit dem Namen Astroneer. Der Early-Access-Titel, welcher am 16. Dezember auf Steam und im Xbox-Store auftauchte, mauserte sich bald zu DEM Geheimtipp unter Survival-Fans und Weltraumenthusiasten. Einige Wochen lang war Astroneer auf den vorderen Plätzen der Steamcharts zu finden. Doch zu Recht? Wir haben den Test gemacht und liefern euch im Folgenden unseren Erlebnisbericht. So spielt sich Astroneer!
Astroneer: Erste Schritte auf fremden Welten
Quelle: PC Games
Achtet immer auf eure Sauerstoffanzeige, sonst droht der Tod durch Ersticken.
Haben wir das Spiel gestartet, können wir uns im Startbildschirm unseren Astronauten aussuchen. Diese Entscheidung hat keine Auswirkungen auf das spätere Spielgeschehen, doch es ist schön, einige Charaktermodelle zur Auswahl zu haben. Änderungen an Optik oder Ausrüstung sind nicht möglich. Haben wir uns entschieden, wird unser Shuttle gestartet und wir beginnen unseren Landeanflug auf einen prozedural generierten Planeten. Sofort fällt auf: Autsch, die Framerate fällt selbst auf einem potenten Rechner ganz schön in den Keller.
Haben wir den ersten Schock überwunden (und die Landschaft um uns tatsächlich Texturen generiert), verlassen wir unsere Landekapsel das erste Mal und bewundern die wunderschöne Grafik. Da sich unser Planet um eine Sonne dreht, erleben wir einen nahtlosen Tag-Nacht-Wechsel. Die Lichteffekte der aufgehenden und untergehenden Sonne lassen uns auch nach einigen Stunden Spielzeit immer noch kurz innehalten. Die Welten sind in einem wunderschönen Low-Poly-Stil designt, welcher Astroneer ein ganz eigenes Flair verleiht.
Haben wir uns an der Grafik satt gesehen, geht es daran, Rohstoffe abzubauen. Dazu nutzen wir unser Terraforming-Tool, welches es uns möglich macht, Materialien einfach aufzusaugen oder aufzutürmen. Wer jetzt auf einen ausgeklügelten Basenbau oder gar echte kreative Freiheit per Voxel-Technik wie in Minecraft hofft, wird jedoch enttäuscht werden. Alle Module der Basis sind vorgefertigt. Das Terraforming-Tool dient größtenteils nur dazu, Erze abzubauen. Wichtige Rohstoffe werden dabei in unserem Rucksack gespeichert, welcher jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen bietet. Haben wir unsere ersten Materialien gewonnen, machen wir uns daran, unsere Basis aufzubauen. Aus Harz entsteht die erste Erweiterung für unsere Basis, mit Gemisch errichten wir unsere ersten Sauerstoffleitungen. Diese verlegen wir für längere Entdeckungstouren fernab der Basis, denn ohne aktive Verbindung stockt unserer Spielfigur schnell der Atem.
Sobald wir die Grundlagen verinnerlicht haben, machen wir uns daran, in die überall auf dem Planeten verteilten Höhlen hinabzusteigen. Also füllen wir unseren Rucksack mit den lebenserhaltenden Leitungen und wagen uns in die Tiefe. Einmal in der Höhle angekommen, machen wir uns daran, die seltenen Rohstoffe wie Aluminium, Kupfer und Titan abzubauen. Später lassen sich diese Erze in unserer hauseigenen Schmelze in Metalle umwandeln, mit welchen wir unter anderem Fahrzeuge bauen. Doch aufgepasst: Nicht alle Fahrzeuge und andere hilfreiche Gegenstände lassen sich sofort herstellen.
Quelle: PC Games
Die Leitungen versorgen euch mit Energie und Sauerstoff.
Für besonders nützliche oder wertvolle Items benötigen wir Blaupausen. Diese gewinnen wir aus Artefakten, welche wir verteilt über die ganze Spielwelt finden. Schade: Derzeit stehen nur sehr wenige Bauoptionen zur Verfügung. Wie wäre es denn mit einem Modul, in dem der Astronaut wohnen könnte? Mit einem Gewächshaus und einer Hunger-Mechanik, welche uns dazu bringt, Essen anzubauen? Vielleicht sogar mit außerirdischen Pflanzen, deren Samen wir zuerst finden müssen, um sie dann bei uns anzubauen? Hier besteht ganz klar noch Nachholbedarf - das Szenario von Astroneer bietet eine Unmenge an Möglichkeiten, um den Umfang des Spieles zu erweitern.
Quelle: PC Games
Astroneers Fahrphysik ist noch verbesserungswürdig.
Wie umfangreich ist Astroneer?
Nach circa zehn Stunden Spielzeit hat man wirklich alles gesehen, das letzte nötige Modul für die Basis gebaut und hält die letzte Blaupause in den virtuellen Händen. Trotzdem kommt bei erkundungslustigen Entdeckern in Astroneer auf absehbare Zeit keine Langeweile auf. Haben wir genug von unserem Heimatplaneten, starten wir mit unserem Shuttle in die endlosen Weiten, um auf einem anderen Planeten einen Neuanfang zu wagen. Also Shuttle aufgetankt, Sicherheitsgurte festgezogen und Antrieb gestartet - nun können wir uns zu einer neuen Welt aufmachen, die von unserem Heimatplaneten aus erreichbar ist. Jeder Himmelskörper hat dabei seine eigenen Herausforderungen: Wüstenplaneten bieten wenig Harz, welches wir auf unserem Heimatplaneten im Überfluss sammeln konnten. Auf exotische Planeten hingegen wachsen giftige Pflanzen, welche uns an den Kragen wollen. Zum Zeitpunkt unseres Tests gab es sieben dieser Planetentypen.
Quelle: PC Games
Habt ihr mit eurem Shuttle euren Planeten verlassen, könnt ihr euch aussuchen, welchen Himmelskörper ihr als nächstes besuchen wollt.
Dass wir während unserer Erkundungstouren aus Versehen Aliens auf die Füße treten, weil wir ihr Hoheitsgebiet verletzten, ist jedoch ausgeschlossen. Astroneer hat (noch) kein außerirdisches (humanoides) Leben zu bieten. Dafür gibt es genug andere Gefahren, vor denen wir uns schützen müssen. Uns lauern giftige Pflanzen, wilde Sandstürme und stachelige Steppenläufer auf. Außerdem laufen wir auch noch ständig Gefahr, dass unserem Astronauten buchstäblich die Luft weg bleibt. Hat unser virtuelles Ich dann das Zeitliche gesegnet, starten wir wieder an unserem letzten Speicherpunkt. Unsere Materialien verlieren wir dabei - wir können sie jedoch unserem leblosen Alter Ego abknöpfen. Dass wir dabei wie bei Diablo 2 unser totes Ich looten, ist ein wenig zynisch, hat jedoch bei dem ersten Test des Spiels für einige Lacher gesorgt.
Wer nicht alleine in den Weltraum starten will, kann bei Astroneer im Koop-Modus mit bis zu drei Freunden auf Abenteuersuche gehen. Einen Serverbrowser gibt es dabei nicht - ihr könnt also nur direkt dem Spiel eines Freundes beitreten. Dazu muss der Ersteller des Spielstandes immer online sein, um das Spiel zu hosten. Achtet also dabei darauf, dass immer euer Freund mit der leistungsstärksten Maschine den Spielstand bereitstellt. Dass die Steuerung gerade beim Lenken von Fahrzeugen nicht sehr intuitiv ist und wir im Buggy sitzend an jedem kleinen Stein hängen bleiben, führt während des Spielens zu oftmals lustigen Szenen - gerade da jeder der Himmelskörper zum Großteil aus Geröll besteht. Trotzdem können nervige Bugs und Glitches wie das Festhängen an Gegenständen oder das spontane Überschlagen von Fahrzeugen den Spielspaß oft sehr einschränken.
Astroneer: Fazit zur Early-Access-Version
Quelle: PC Games
Am besten haltet ihr immer Abstand zu den Steppenläufern - diese mit Stacheln bewehrten Kugeln (rechts) kosten eurem Astronauten bei Kontakt schnell das Leben.
Framerate-Einbrüche, ein eher geringer Umfang mit einer Spielzeit von um die zehn Stunden, Bugs und Glitches, ein fehlender Serverbrowser und wenige Individualisierungsmöglichkeiten für den Astronauten oder die eigene Basis - und trotzdem ist Astroneer seine 20 Euro wert. Die wunderschöne Grafik, das Terraforming und der Koop-Modus bieten, auch wenn man schon alles gesehen hat, Anreize dafür, weiterzuspielen. Astroneer steht für eine Idee, ein Konzept. Das Early-Access-Projekt wird in den ein bis zwei Jahren Entwicklung wahrscheinlich noch eine Menge an Features und Leistungsverbesserungen spendiert bekommen, bis es tatsächlich als Vollversion erscheint. Wer sich Astroneer jetzt kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er kein vollwertiges Spiel erhalten wird. Sondern ein Projekt, welches sich mit der Zeit wandeln und weiterentwickeln wird. Wer damit kein Problem hat - oder wer es gerade auf so etwas abgesehen hat - der kann mit Astroneer nichts falsch machen.
