Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen - Kolumne von Lukas Schmid

Kolumne Lukas Schmid 53,99 €
Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen - Kolumne von Lukas Schmid
Quelle: Ubisoft

Zum Shitstorm hat's nicht gereicht, trotzdem sind viele Fans nach der Gameplay-Enthüllung von Assassin's Creed Valhalla im Rahmen des Xbox-Series-X-Showcase enttäuscht. Die Definition von "Gameplay" wurde dort nämlich sehr breit ausgelegt. Eine Unart, die jedoch nicht Valhalla-exklusiv ist, sondern seit Jahren für Ärger sorgt. Dabei schneiden die Publisher sich damit ins eigene Fleisch, findet Redakteur Lukas Schmid.

"Captured In Engine".

Es sind diese und ähnlich formulierte Sätze, welche seit einigen Jahren zum Standardrepertoire von Publishern gehören, wenn es um Trailer zu ihren Spielen geht. Meist sind diese Worte unter dem Video eingeblendet und sie sollen sagen "guckt mal her, wir brauchen kein CGI! Alles echt bei uns, Hand drauf!"

Allein, so ist's halt nicht, auch wenn die Hersteller dieser Welt uns noch so sehr weismachen wollen, dass In-Engine-Videos gleichzusetzen sind mit Gameplay-Trailern. Aktueller Übeltäter: Assassin's Creed Valhalla (jetzt kaufen / 53,99 € ).

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Nach einem klassischen CGI-Trailer vor einiger Zeit, der auch als solcher deklariert war, wurde für den ersten Game-Showcase zur Xbox Series X ein Gameplay-Trailer zum Meuchelmörder-Abenteuer versprochen. Der Hype war groß und als das Video dann als Finale nach einer Reihe unterschiedlicher Ankündigungsvideos gezeigt wurden, die ihrerseits ebenfalls alles zeigten, nur eben kein Gameplay, gab es einen knapp einminütigen Trailer - "Captured In Engine".

Gameplay not included

Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (2) Quelle: Ubisoft Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (2) Das Geschrei war groß, denn dieser war hübsch, aber inhaltlich nichtssagend und zeigte eben KEIN Gameplay. Ich will jetzt nicht, dass sich jemand ob der Wucht dieser Erkenntnis verschluckt oder vom Stuhl fällt, aber ein echter Gameplay-Trailer zeichnet sich dadurch aus, dass er Gameplay zeigt. In Engine heißt bedeutet, dass das gezeigte Material in der Engine des Spiels berechnet wurde. Ich weiß, die nächste schockierende Epiphanie.

Innerhalb dieser Beschränkung können die Entwickler in ihrem Video aber machen, was sie wollen: An Reglern herumspielen, Beleuchtung ändern, Szenen und Animationen erschaffen, die es so nie im Spiel zu sehen geben wird und die Kamera frei positionieren. Das hat ungefähr so viel mit dem echten Gameplay zu tun wie der McDonald's-Burger auf dem Werbeplakat mit dem Produkt im Pappkarton: Theoretisch ähnlich, nur, dass der Brater unseres Fleischbrötchens (dankenswerterweise) nicht mit Kleber, Zahnstochern, Styropor und dem Weichzeichner an unserem Burger herumgedoktert hat.

Ein Trailer wie damals

Der Trend hin zum In-Engine-Trailer war wohl eine direkte Reaktion auf die vor einigen Jahren immer stärker werdende Kritik an CGI-Videos, die noch einmal weiter weg sind von dem, was das finale Produkt sein wird; was keineswegs heißt, dass sie nicht trotzdem weiterhin genutzt werden. Aktuell prominentestes Beispiel: Eben auch Assassin's Creed: Valhalla.

Wir erinnern uns: Früher, also bis zum Ende der PS2-Ära, war ein solches Vorgehen noch nicht wirklich verbreitet, primär deswegen, weil derart aufwendige Wir-zeigen-nix-Trailer damals viel zu kostspielig gewesen wären. Klar, auch bei "wirklichen" Gameplay-Videos wird getrickst, um das Spiel ins bestmögliche Licht zu rücken, aber schlussendlich ist das, was wir in Gameplay-Videos zu sehen bekommen, meist das, was wir bekommen. Und ja, hier gibt es auch Übeltäter, man erinnere sich an das erste Material zu Watch Dogs oder Alien: Colonial Marines. Das sind aber eher Ausnahmen.

Ihr würdet die Wahrheit nicht vertragen!

Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (3) Quelle: PC Games Hardware Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (3) Die Frage ist: Warum? Warum zeigt man den Spielern nicht einfach das, was ist und was sie erwartet? Ich denke, es liegt daran, dass der Fokus heutzutage nicht mehr darauf liegt, den Leuten ein Spiel schmackhaft zu machen, sondern eine Idee: Seht her, so cool ist es, ein Wikinger zu sein! Seht her, all das könnt ihr als Wikinger machen, also mal abgesehen davon, dass ihr es, vielleicht, möglicherweise, wahrscheinlich nicht werdet machen können! Und jetzt: Die Collector's Edition.

Je bombastischer der Ersteindruck, desto leichter lässt es sich als Hersteller potenzielle Käufer gewinnen. Und ist erst einmal der Pre-order getätigt, ist die Chance auch hoch, dass schlussendlich gekauft wird, sogar dann, wenn das fertige Spiel dem ersten gezeigten Material nicht gerecht wird. Geht man gleich mit offenen Gameplay-Karten ins Gefecht, dann heißt es von Anfang an Hosen runter.

Ich bau mir einen schlechten Ruf

Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (4) Quelle: Ubisoft Gameplay versus CGI: Genug der falschen Versprechen! - Kolumne von Lukas Schmid (4) Allerdings: Ich bin überzeugt, schlussendlich schneiden sich die Hersteller mit einer solchen Strategie ins eigene Fleisch. Sie geben schließlich mit den in jahrelanger Entwicklung und unter extrem viel Fleiß und Mühe geschaffenen Werken ein Versprechen ab. Wird dieses Versprechen gebrochen, dann schadet das dem Ruf des Studios. Und fühlen sich Spieler einmal hinters Licht geführt, dann merken sie sich das.

Der unter vielen Gamern schlechte Ruf mancher Unternehmen ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie aus Prinzip immer nur die Hälfte dessen sagen und zeigen, was nötig wäre, in der steten Angst gefangen, dass man durch zu viel Offenheit mögliche Kunden abschrecken und somit die Aktionäre enttäuschen könnte.

Und vor einem Flop ist natürlich niemand gefeit. Das motivierteste Team aller Zeiten kann jahrelang an einem Projekt arbeiten und immer völlig transparent zeigen, was bei ihnen gerade geschieht - ist das Endergebnis schlecht oder findet keine Zielgruppe, dann wird die Mühe trotzdem nicht belohnt.

Ungesundes Misstrauen

Mit falschen Gameplay-Versprechungen aus Prinzip wird die Mühe aller an der Entwicklung Beteiligten aber ohne Not konterkariert. Denn egal, wie gut das Spiel schlussendlich auch ist, egal, wie viel Herzblut es gekostet hat - es wird niemals das Spiel sein, welches sich interessierte, aber nicht mit dem A bis Z der Ankündigungstrailer vertraute Spieler nach der Enthüllung erwartet haben. Somit wird man immer eine enttäuschte Gruppe zurücklassen, was wiederum für einen schlechten Ruf sorgen könnte.

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Ich hätte mir persönlich zwar eine etwas andere Richtung für Assassin's Creed Valhalla gewünscht, ich gehe aber stark davon aus, dass es ein sehr gutes Spiel wird. Ich spiele gerade Assassin's Creed Odyssey und wenn es dem Team gelingt, für Valhalla eine auch nur halb so wunderschöne Welt zu gestalten, werde ich schon alleine deswegen zufrieden sein. Damit ich weiß, ob ich mit dieser positiven Annahme recht habe, muss ich aber erst einmal das Spiel gesehen haben. Habe ich aber noch nicht und wenn ich dann den In-Engine-Trailer sehe, denke ich mit unweigerlich "was habt ihr zu verbergen?"

Es ginge auch anders!

Das ist schade, für die Entwickler, für alle Beteiligten, für die Spieler. Und es ist unnötig. Mein Appell an die Publisher dieser Welt: Habt Vertrauen in die Produkte eurer Studios, habt Vertrauen in die Menschen, die dahinterstecken. Wir nähern uns mit rasanten Schritten der bisher potentesten Konsolengeneration und die Spiele darauf werden sicherlich beeindruckend aussehen. Und habt Vertrauen in eure Fans; darauf, dass sie ein gutes Spiel auch dann erkennen, wenn ihr ihnen nicht CGI- und In-Engine-Honig ums Maul schmiert.

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