Assassin's Creed: Origins: Wiedergeburt im Tal der Könige

Special Andreas Szedlak
Absolutes Highlight: Das Erklimmen der riesigen Pyramiden - und natürlich das Herunterrutschen. Yippieh! (PC)
Quelle: Ubisoft

In L.A. durften wir den neuesten Teil der Meuchelmörder-Reihe bereits eine Stunde spielen und entdeckten einige Parallelen zu The Witcher 3.

Leicht geschönt: Ganz so schön wie auf den von Ubisoft bearbeiteten Screenshots sieht Assassin's Creed: Origins auf der Xbox One X aktuell noch nicht aus. (PC) Quelle: Ubisoft Leicht geschönt: Ganz so schön wie auf den von Ubisoft bearbeiteten Screenshots sieht Assassin's Creed: Origins auf der Xbox One X aktuell noch nicht aus. (PC) Teil sieben der Assassinen-Reihe spielt in Ägypten rund um die Zeitenwende von Christi Geburt. Der dunkelhäutige Protagonist hört auf den Namen Bayek, er ist der letzte Angehörige eines Oasen­stammes namens Mejay, Elite­-Krieger aus dem Herzen der Wüste. Origins erzählt, der Name verrät es, die Entstehungsgeschichte des Assassinen-Ordens. 48 Jahre vor Christus (das sind 1.000 Jahre vor den Kreuzzügen aus dem ersten AC) befindet sich das ägyptische Reich kurz vor dem Kollaps: Die uralte ­Linie der Pharaonen hört auf zu existieren. Das Römische Reich erlangt immer mehr Einfluss in Nordafrika und selbst die ägyptischen Götter müssen einer neuen Weltordnung weichen. Hier haben auch Figuren wie Cleopatra ihren Auftritt auf der Bühne der Geschichte.
Überblick: Auf Barken und kleinen Seglern bereist ihr den Nil, das steuert sich simpel und geht schnell. Der Falke links unten dient euch als Aufklärer. (PC) Quelle: Ubisoft Überblick: Auf Barken und kleinen Seglern bereist ihr den Nil, das steuert sich simpel und geht schnell. Der Falke links unten dient euch als Aufklärer. (PC) Diese turbulente Phase der Historie will Ubisoft als Leinwand für interessante Missionen und einen packenden, persönlichen Plot nutzen. Ob es bei vollmundigen Versprechungen bleibt oder die Serie nach Jahren der Story-Trostlosigkeit tatsächlich mal wieder mit einer mitreißenden Kampagne und einem Helden mit dem Charme von Ezio Auditore glänzen kann, diese Frage wird Origins erst beim Release im Oktober und im Games-Aktuell-Test beantworten können. Sicher ist bisher nur: Die Kulte der ägyptischen Glaubenskultur stehen im Zentrum der Erzählung; ein Bösewicht trägt Anubis-Maske und scheint sich an dunklen Ritualen zu versuchen. Aber auch Einzelschicksale wie das einer Bayek bekannten Familie und deren kleiner Tochter sollen Aufmerksamkeit erfahren. Auf der E3 fehlte übrigens noch jede Spur von einer möglichen Gegenwarts-Geschichte um den Konflikt zwischen Templern und Assassinen; Bayek und seine Welt des Altertums standen im Fokus. Was ist das für eine prächtige, dicht besiedelte, wunderschöne Welt! Die E3-Demo führt uns ans Nil-Delta, wir können ans Ufer treten, reinspringen und rüber zur Stadt schwimmen. Die komplette Spielwelt lässt sich ohne Ladezeiten bereisen, nur beim Start und während Schnellreisen auf der riesigen Karte kommt es zu Unterbrechungen. NPCs drängeln sich in den Straßen, über Tiere wie die berüchtigten Nilkrokodile oder Löwen stolpert man gefühlt alle paar Meter. Boote ziehen ihre Kreise, Flamingos setzen zur Landung auf dem Wasser an. Nilpferde prusten, Bergziegen meckern, Hyänen suchen nach Aas, im Sumpf tropft das Wasser von Schilfpflanzen, in der Wüste zieht ein Sandsturm auf - es wimmelt vor Leben.

Neues Genre, gut abgeguckt

Es sind Dutzende kleine Details, die uns bei der Origins-Enthüllung in Los Angeles an The Witcher 3 und Horizon: Zero Dawn denken lassen. Etwa die Tatsache, dass sich euer Reittier (Pferd oder Kamel, je nach Wunsch) auf Knopfdruck automatisch an den Pfaden und Straßen zwischen Memphis und Alexandria zwischen Pyramiden und der Sphinx orientiert. Oder die Sache mit dem Kompass: Am oberen Bildrand tauchen Symbole und Distanzangaben auf, wenn ihr die Ansicht um euren Charakter dreht; Fragezeichen für noch nicht erforschte Örtlichkeiten, andere Icons für bestimmte Quests und wiederkehrende Aktivitäten, denen ihr nachgehen dürft. Und dann sind da noch zwei große RPG-Pfeiler, die Assassin's Creed mit Origins endgültig ins Spielprinzip übernimmt: XP-System und Inventar. Bayek sammelt Erfahrung, er steigt im Level auf und verbessert seine Werte wie Gesundheit, die erstmals mit absoluten Zahlenwerten angegeben werden. Ein umfangreicher Talentbaum gewährt Zugriff auf Skills in drei Schattierungen: Jäger, Krieger, Seher. Mit Talentpunkten erlernte Fähigkeiten erlauben euch Special Moves wie die automatische Aktivierung der Zeitlupe, wenn Bayek von einer Klippe springt und dabei den Bogen zückt - hat da jemand Horizon: Zero Dawn gehustet? Aber es gibt auch Verbesserungen im Kampf mit Hakenschwert und Schild, Speer oder den Handgelenk-Klingen des Assassinen-Ordens. Oder ihr macht ab sofort mehr Schaden durch Kopfschüsse, sammelt mehr Erfahrung mit versteckten Meuchelmorden, nutzt als Seher effektivere Werkzeuge wie Schlafpfeile oder beträufelt Leichen mit einer fleischfressenden Säure, die nahe Feinde behindert.
Große Weite: Die ägyptische Origins-Wüste ist wahrlich ­riesig. Hier droht Bayek auch der Hitzetod. Wer keinen Schatten sucht, hat ausgemeuchelt. (PC) Quelle: Ubisoft Große Weite: Die ägyptische Origins-Wüste ist wahrlich ­riesig. Hier droht Bayek auch der Hitzetod. Wer keinen Schatten sucht, hat ausgemeuchelt. (PC) Auffällig inszenierte Levelaufstiege lassen keinen Zweifel zu: Origins will sich als Action-Rollenspiel verstanden wissen. Das wird auch bei einem Blick ins aktuell noch nicht finale Inventar deutlich, wo das Interface Plätze für jeweils zwei Nah- und Fernwaffen bietet, zwischen denen ihr per Knopfdruck wechselt. Sogar der beidhändige Kampf mit zwei Schwertern ist möglich - cool! Im Inventar legt ihr auch Rüstungsgegenstände an, bestimmt das per Pfiff herbeigerufene Standard-Reittier eures Helden oder zieht Bayek ein neues Outfit an - die Kapuze wird dabei auf Wunsch abgelegt. Klingt gewöhnlich? Wir haben ja noch nicht die größte Neuerung verraten: Origins enthält ein Loot-System, vergleichbar mit The Division.

Im Dunkeln ist gut meucheln: Origins hat einen fließenden Tag-Nacht-Wechsel. Das Kampfsystem entleiht sich die Aufschalt-Mechanik aus der Dark Souls-Reihe. (PC) Quelle: Ubisoft Im Dunkeln ist gut meucheln: Origins hat einen fließenden Tag-Nacht-Wechsel. Das Kampfsystem entleiht sich die Aufschalt-Mechanik aus der Dark Souls-Reihe. (PC) Waffen und andere Gegenstände gibt es in unterschiedlichen Seltenheitsgraden, etwa legendär. Sie besitzen absolute Schadenswerte; der Speer macht 156 Schaden, der Bogen 132, die Rüstung gibt 65 extra Lebenspunkte. Dazu gibt's auch noch "magische" Talentboni bei besonders mächtigen Items oder Spezialattacken wie etwa ein Fünffach-Schuss mit dem Pfeil und Bogen. Neue Ausrüstung findet ihr bei besiegten (Standard-)Gegnern oder in Kisten, sie kommen mit Level-Beschränkungen daher und können im Spielverlauf obsolet werden, wenn ihr auf bessere Items gestoßen seid. Das alles fühlt sich haargenau an wie in The Witcher 3 oder gar Diablo 3. Es ist nichts Geringeres als eine Revolution für die Assassin's Creed-Serie, aber eine logische. So gab es in den Vorgängern genau wie in der Far Cry-Serie schon länger Crafting-Mechaniken. Auch im neuen Teil zieht ihr Tieren das Fell ab, sammelt insgesamt acht Ressourcen, wie Leder oder Edelsteine, und fertigt neue Upgrades, etwa um die Tragekapazität für eure fünf Pfeilarten zu erhöhen. Aber diesmal könnt ihr Ausrüstungsgegenstände in ihre Einzelteile zerlegen. Nur gänzlich neue Waffen lassen sich aus den so gewonnenen Rohstoffen nicht basteln.

Quests und Entscheidungen

Selbst abseits reiner Zahlenwerte und Upgrade-Mechaniken ist Assassin's Creeds Drang zum Rollenspiel-Genre hin unübersehbar. Stichwort: Quests. Für Origins hat Ubisofts Autoren-Team Überstunden geschoben, es soll viel mehr Aufträge mit eigenen Cut-Scenes, Figuren und in sich abgeschlossenen oder in die Haupthandlung übergehenden Geschichten geben. Die Entwickler wollen dabei Emotionen transportieren, in der E3-Demo gelang das allerdings noch nicht sonderlich gut. Nun verstaut der Held Quest-Gegenstände im Inventar, dazu gibt's Artefakte, die ihr bei Händlern verkauft. Viele davon sollt ihr in Gräbern unter Pyramiden finden; Origins wird euch unter Tage schicken, wo ihr möglicherweise ein Revival der mit Fallen und kniffligen Klettereinlagen gespickten Rätselgräber aus Assassin's Creed 2 und Brotherhood erlebt. In einer Hinsicht schreckt Origins dann doch davor zurück, sich dem Genre-Wechsel in Richtung Rollenspiel mit ganzer Seele zu verschreiben: Multiple-Choice-Dialoge sucht man vergeblich. Auch Entscheidungen spielen wohl nur eine nebensächliche Rolle. Wer auf weitreichende Konsequenzen der eigenen Taten wie in The Witcher 3 aus ist, wird wohl enttäuscht vom neuen Teil. Einzig in den Arenakämpfen, einer der neuen Beschäftigungen im alten Ägypten, dürft ihr am Ende eines Kampfes wählen: Zeigt ihr Mitleid mit dem verwundeten Gladiator oder öffnet ihr ihm unter dem Johlen der Zuschauer brutal die Kehl

  1. Seite 1 Ein neues Zeitalter für die Serie
  2. Seite 2 Das neue Kampf-System, Performance und Größe der Spielwelt
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