Das neue Kampf-System, Performance und Größe der Spielwelt

Special Andreas Szedlak
Absolutes Highlight: Das Erklimmen der riesigen Pyramiden - und natürlich das Herunterrutschen. Yippieh! (PC)
Quelle: Ubisoft

In L.A. durften wir den neuesten Teil der Meuchelmörder-Reihe bereits eine Stunde spielen und entdeckten einige Parallelen zu The Witcher 3.

Unter dem Meeresspiegel: In Origins kann der Held wieder tauchen. Unter Wasser warten manchmal grausige, manchmal lohnenswerte Funde. (PC) Quelle: Ubisoft Steppe: Die Spielwelt von Assassin's Creed: Origins ist nicht nur riesig, sondern auch sehr abwechslungsreich. (PC Quelle: Ubisoft

Das neue Kampf-System

In der Arena kämpft ihr abseits der Hauptstory gegen Wellen von Feinden, ab und an taucht auch ein Bossgegner auf. Der wird dann - typisch Action-RPG - genau wie draußen in der Open-World mit einem Symbol als besondere Gefahr markiert; die Chance, wertigere Ausrüstung bei seinem Leichnam zu finden, ist hoch. Doch bis es so weit ist, wartet erst mal ein harter Kampf auf euch. Dass sich der auch für Serienveteranen anders anfühlt als gewohnt, liegt an der neuen Art, wie euch Origins seine Gefechte steuern lässt. Am Xbox-Controller aktiviert ihr mit LB die Zielaufschaltung, wie in Dark Souls wechselt ihr per rechtem Analogstick den anvisierten Gegner. Leichte Angriffe von diesem Widersacher werden automatisch geblockt; die KI-Feinde können mit schweren Hieben eure Deckung durchbrechen. Das gleiche Schlagrepertoire steht auch euch zur Verfügung, dazu dienen RB und RT. Zudem weicht ihr mit der X-Taste unbegrenzt oft aus. Eine Ausdauerleiste wie in Elex gibt es nicht. LT bringt den Bogen in Stellung.
Ägyptischer Monster Truck: Neben Pferden und Streitwagen dürft ihr auch Kamele steuern. (PC) Quelle: Ubisoft Ägyptischer Monster Truck: Neben Pferden und Streitwagen dürft ihr auch Kamele steuern. (PC) Wer glaubt, er könne durch Ägypten spazieren und reihenweise Gegner umhauen, der täuscht sich, denn genau wie Held Bayek besitzen auch die Widersacher feste XP-Stufen, die nach Regionen und Spielfortschritt sortiert sind. Daher müsst ihr euch zu Beginn der Kampagne von Gebieten mit hochstufigen Feinden fernhalten, wollt ihr nicht Hyänenfutter werden. Freilich gibt es auch Wege, übermächtigen Widersachern trotz schwacher Ausrüstung und wenigen Talentpunkten die Hölle heiß zu machen. Wie in Far Cry 4 stehen etwa immer wieder Käfige mit gefährlichen Tieren herum. Einfach die Tür kaputthauen und schon stürzt sich ein Löwe auf arglose römische oder ägyptische Soldaten. Ebenfalls abgeguckt: die destruktive Wirkung von Feuer. Hält man die Pfeilspitze auf der gespannten Bogensehne in die offene Flamme, hat man einen Brandpfeil. Schießt man den in einen herumstehenden Tonkrug voller Öl, breitet sich im Feindeslager ein verheerender Flammenteppich aus.

Goldschatz: In Origins erkundet ihr wieder Grabkammern - wohl inklusive knackiger Rätsel und fieser Fallen. (PC) Quelle: Ubisoft Goldschatz: In Origins erkundet ihr wieder Grabkammern - wohl inklusive knackiger Rätsel und fieser Fallen. (PC) Wer seriengerecht lieber unauffällig vorgehen will, der drückt den rechten Analogstick nach unten und aktiviert den Schleichmodus. Geduckt stehlt ihr euch an Wachen vorbei, geht in Deckung und führt Attentate aus verdeckter Position durch. Die Leichen wirft sich Bayek über die Schulter und versteckt sie im hohen Gras. Ihr seht: Origins lässt sich auch als Schleichspiel erleben. Dabei hilft ein tierischer Begleiter: Der Falke übernimmt die Aufklärung und erinnert an die Eule aus Far Cry: Primal (minus Feuerbomben). Das Federvieh kann nahezu regungslos in der Luft stehen, während wir an Gegner heranzoomen und sie für Bayek markieren oder versteckte Missionsziele ausfindig machen. Das ist nicht allzu realistisch, passt aber zur Assassin's Creed-typischen Adlersicht - die gibt's in Origins nur noch als Puls, der in unmittelbarer Nähe befindliche Objekte sowie Gegner aufdeckt und mit dem Drücken des linken Analogsticks initiiert wird. Damit finden wir während der E3-Demo einen Informanten auf einem der großen Schiffe auf dem Nil. Selber steuern dürfen wir diese mächtigen Segler nicht. Wohl aber kapern, denn einige von ihnen dienen als mobile Gegner-Lagerstätte - inklusive Schatztruhe. Zur schnelleren Fortbewegung stehen euch zwei Klassen von Mini-Seglern zur Verfügung. Von befreundeten Fischern dürft ihr euch eine solche Schaluppe ausleihen; das klappt so wie beim rabiaten Autoklau in GTA 5. Nun zischt ihr mit hohem Tempo über den Nil oder durch die Küstenbereiche des Mittelmeeres. Abstecher ins kühle Nass sind gewollt: In Origins könnt ihr tauchen und am Boden den Vierbeiner: Tiere sollen einem geregelten Tagesablauf nachgehen, ihre KI handelt nach Vorgaben wie 'Du bist müde, geh schlafen' oder 'Lass uns Wildschweine jagen gehen!' (PC) Quelle: Ubisoft Vierbeiner: Tiere sollen einem geregelten Tagesablauf nachgehen, ihre KI handelt nach Vorgaben wie "Du bist müde, geh schlafen" oder "Lass uns Wildschweine jagen gehen!" (PC) einen oder anderen interessanten Fund machen - Black Flag lässt grüßen. In Origins sollen wohl auch die großen Schiffskämpfe da­raus in irgendeiner Form auftauchen. Während ihr im Wasser mit Krokodilen und um Luft ringt, birgt die Wüste ganz eigene Gefahren. Dort erleidet Bayek einen Hitzschlag, wenn ihr euch mit ihm zu lang in der Sonne aufhaltet. Also sucht ihr nach Schatten oder macht bei Oasen halt - oder ihr nutzt das Meditieren-Feature, um die Spielzeit zu beeinflussen und in der Nacht über den Sand zu reisen. Zur Durchquerung der Wüste eignet sich auch ein Vehikel, das perfekt ins neue Ägypten. Veröffentlichenn-Szenario passt: der Streitwagen. Dafür müsst ihr erst einmal den richtigen Skill freischalten, danach könnt ihr Gegner von den Wagen kicken, die Zügel selbst in die Hand nehmen und Pferd samt Gespann für die schnelle Überbrückung großer Distanzen oder den Angriff auf Fußsoldaten zweckentfremden. Das sieht nach einem sehr coolen Feature aus, wir durften es aber noch nicht ausprobieren.
Absolutes Highlight: Das Erklimmen der riesigen Pyramiden - und natürlich das Herunterrutschen. Yippieh! (PC) Quelle: Ubisoft Absolutes Highlight: Das Erklimmen der riesigen Pyramiden - und natürlich das Herunterrutschen. Yippieh! (PC)

Klettern und Performance

Nicht viel verändert hat sich derweil bei einem der Eckpfeiler des Assassin's Creed-Gameplays: Auch in Origins klettert ihr wieder nahezu automatisch Häuserfassaden hoch. Echte Herausforderungen für Parkour-Experten dürften wohl die in der Demo noch nicht besteigbaren Pyramiden darstellen; allzu viele andere hohe Gebäude waren in der ägyptischen Architektur noch nicht auffindbar. Fast schon angenehm vertraut wirkt der Umstand, dass die Steuerung bei diesen Klettereinlagen auch in Origins wieder minimal hakelig ist. Manchmal springt Bayek von einer Mauer weg, wenn er sich eigentlich hochziehen sollte, oder er hüpft über ein Hindernis statt in Deckung zu gehen. Aber das wirkt angesichts dramatischer Änderungen anderer Spielelemente auf Serienkenner nahezu beruhigend: Ja, auch Origins ist noch ein Assassin's Creed!

Multitaskingfähig: Vom Kamelrücken aus kann Bayek auch seinen Bogen einsetzen. (PC) Quelle: Ubisoft Multitaskingfähig: Vom Kamelrücken aus kann Bayek auch seinen Bogen einsetzen. (PC) Was uns dagegen enttäuscht hat (gemessen an den hohen Erwartungen), ist die grafische Qualität der gespielten Version. Die Xbox One X konnte Origins zwar in 4K-Auflösung rendern und dabei eine Framerate von 60 Bildern pro Sekunde aufrechterhalten. Doch trotz dieser zweifellos beeindruckenden Leistung hat uns die reine optische Pracht nicht komplett umgehauen. Gerade angesichts der hohen Auflösung überraschten uns einige unscharfe Kanten und verwaschene Texturen auf unangenehme Weise, zudem gab es vereinzelte Pop-up-Effekte. Das ist aufgrund der hohen Sichtweite und großen Detailtiefe aber zu verschmerzen, erst recht, weil sich Origins im Alpha-Stadium befindet und Ubisoft bis zum Release an praktisch allen Spielaspekten schraubt, inklusive Technik. Dennoch: Von der ­aktuell stärksten Konsole hatten wir uns mehr erhofft!

Ubisofts bisher größtes Spiel

Origins wird das aller Voraussicht nach größte Spiel von Ubisoft, selbst wenn man die riesigen leeren Meeresflächen von Black Flag einberechnet. Dem ersten Eindruck zufolge gelingt es den Origins-Machern sehr gut, die große Weite mit interessanten Örtlichkeiten, Aufgaben und Missionen anzureichern. Bisher nicht zu sehen waren etwa die eigentlich typischen Türme, die man bislang zum Aufdecken der Karte erklimmen musste. Dafür gibt es wie in Far Cry 5 feindliche Lager, die ihr nach Belieben ausräuchert. Und schließlich haben die Entwickler auch noch einen sehr ambitionierten Plan: In Assassin's Creed: Origins sollen alle NPCs - ja sogar alle Tiere - einen geregelten Tagesablauf besitzen. Sie gehen zum Markt, in die Taverne, lassen Wasser, legen sich schlafen, gehen jagen und so weiter und so fort. ­Origins hat einen glaubwürdigen Tag-Nacht-Wechsel; wer meditiert, kann die Tageszeit verändern, das kennt man so unter anderem aus Fallout 4. In einigen Nebenmissionen, die euch mit der Ermordung eines bestimmten ­virtuellen Ägypters betrauen, soll dieses System auf die Spitze getrieben werden. Dann müsst ihr die Zielperson eventuell gar über mehrere Regionen hinweg verfolgen und ausfindig machen - und je nachdem, welche anderen NPCs oder ­gefährlichen ­Tiere den Weg der Figur gekreuzt haben, kann es sein, dass ihr nur noch auf die ­sterblichen Überreste der Person stoßt. Ob dieser Simulationsaspekt wirklich so ­reibungslos funktioniert wie von Ubisoft behauptet? Aktuell sind wir diesbezüglich noch skeptisch, denn zu sehen war davon auf der E3 nur wenig. Sehr gut gefällt uns dagegen bereits jetzt der neue Rollenspiel-Ansatz von Assassin's Creed: Origins, eine Premiere für die Serie.
Entwickler: Ubisoft I Hersteller: Ubisoft

Meinungen

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