As Far As The Eye im Test: Knallhartes Ressourcen-Management im putzigen Gewand

Test Christian Volynskij Lukas Schmid
As Far As The Eye im Test: Knallhartes Ressourcen-Management im putzigen Gewand
Quelle: Goblinz Studio

Mit As Far As The Eye, welches Genres wie Simulation und Strategie in sich vereint, bleibt Goblinz Studio seiner bisherigen Linie treu. Auf den ersten Blick recht unscheinbar und süß, haben es die putzigen Wesen faustdick hinter den Ohren. Ob wir sie dennoch wohlbehalten bis an ihr Ziel geleiten konnten, erfahrt ihr im folgenden Test.

Am 10. September 2020 erschien auf Steam, GOG und Epic Games mit As Far As The Eye ein weiterer Titel aus dem Hause des Indie-Publisher Goblinz Studio, welcher sich gewohnt den Genres Simulation und Strategie verschreibt. Zwar kommt das Spiel in einem unscheinbaren Look daher, dahinter verbirgt sich aber ein knallharter Kampf ums Überleben. Dabei unterscheidet sich As Far As The Eye allerdings von seinen Genre-Kumpanen, denn hier wird sich nicht niedergelassen und ein Imperium aufgebaut, sondern vielmehr eine Flucht im Wettstreit gegen die Zeit organisiert.

Auf der Flucht

Die besonnene Atmosphäre, mit welcher uns das Spiel empfängt, schwindet in Anbetracht des Szenarios, mit dem wir uns kurz darauf konfrontiert sehen. So begleiten wir nämlich die als Zöglinge bezeichneten Nomaden auf ihrer Flucht vor einer bevorstehenden Flut.

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Dabei nehmen wir die Rolle des Windes ein, der die verschiedenen Stämme mitsamt ihren Karawanen ans Ziel, zum sogenannten Auge, geleitet. Der Weg dorthin ist jedoch schwer und langwierig, weshalb Rasten einen fundamentalen Teil unserer Reise darstellt. Diese Pausen dienen vor allem dem Aufstocken und Erweitern unserer Ressourcen, dem Nachfüllen der Vorräte sowie dem Wappnen unserer Zöglinge, die als Gestaltwandler verschiedenste Aufgaben übernehmen können. Hierfür bleibt uns pro Rast jedoch nur eine begrenzte Dauer an Zeit, bevor uns die Flut einholt. Deshalb gilt es, unsere Zöglinge schnellstmöglich mit allen Wassern zu waschen, um Rast für Rast wohlbehalten zu überstehen, bis schlussendlich das Auge erreicht wird.

Der niedliche Ersteindruck täuscht

Auch Heranzoomen ist möglich, was das Bewundern der niedlichen Figuren um einiges einfacher gestaltet. Quelle: PC Games Auch Heranzoomen ist möglich, was das Bewundern der niedlichen Figuren um einiges einfacher gestaltet. Erscheint alles auf den ersten Blick farbenfroh und entspannt, entpuppt sich As Far As The Eye (jetzt kaufen 19,59 € ) anschließend als eine echte Herausforderung. Damit man nicht direkt einer Niederlage nach der anderen ins Gesicht blicken muss, bietet sich die Kampagne mit ihren fünf Kapiteln gleichzeitig als eine Art Tutorial an. So erzählt jedes Kapitel eine kleine Geschichte, welche uns verschiedene Funktionen und Mechanismen näher bringen. Außerdem stehen meist Zöglinge mit bestimmten Fähigkeiten im Mittelpunkt, die uns auf unserer Reise tatkräftig unterstützen sollen.

Schon hier wird jedoch die bestrafende Natur des Spiel offenbar, denn obwohl man gewissen Beschränkungen unterworfen ist, besitzt man genug Freiheiten, um das Ding gegen die Wand zu fahren. Oft genügen schon die kleinsten Fehler, wie zum Beispiel das zu voreilige Bauen von Gebäuden, deren Ressourcen an anderer Stelle besser investiert gewesen wären. So kommt es also, dass man durchaus auch innerhalb der Tutorials die eine oder andere Niederlage erleben kann. Hat man die Tutorials irgendwann dennoch beendet, so darf man sich als halbwegs bereit für die übrigen Modi bezeichnen.

Die Qual der Wahl

Mit steigender Rundenzahl erhöhen sich auch die Anforderungen an euren Überblick. Quelle: PC Games Mit steigender Rundenzahl erhöhen sich auch die Anforderungen an euren Überblick. Hier bekommt man, neben der schon besprochenen Kampagne, die Auswahl zwischen "Spielen" und "Eigenes Spiel". In ersterem Modus erwartet euch die Auswahl zwischen verschiedenen Stämmen, die alle ihre ganz eigenen Startvoraussetzungen mit sich bringen. So erhaltet ihr bei Auswahl des Südstamms beispielsweise Zöglinge, die schon mit einem zufälligen Handwerk der Stufe 3 beginnen. Bei Auswahl des später freigeschalteten Oststamms wiederum habt ihr euch mit einer hohen Plagenintensität herumzuschlagen. Zu Beginn hat man lediglich Zugriff auf den ausgeglichenen Weststamm. Zur Wahl unseres Stammes gesellt sich außerdem die Frage, ob wir einen kurzen Trip zum Auge auf uns nehmen wollen, oder doch lieber ein längeres Spiel mit mehreren Rasten bevorzugen.

"Eigenes Spiel" tut sich lediglich durch den Unterschied hervor, mehr Gestaltungsfreiheit zu bieten. Somit entscheidet ihr hier nicht nur über die genaue Anzahl der Rasten, Zöglinge sowie der Menge eures Proviant zum Start, sondern ihr könnt auch den Look eurer Rasten anpassen. Hinzu kommt außerdem noch das Einstellen von Wahrscheinlichkeiten, also ob der Zufall es eher gut oder schlecht mit euch meinen soll. Damit lassen sich in diesem Modus interessante Szenarien erproben, wie zum Beispiel der Start mit nur einem einzigen Zögling, der dafür genügend Proviant besitzt, um die erste Zeit auch gut alleine über die Runden zu kommen. In alldem offenbart sich allerdings ein zentraler Aspekt des Spiels, welcher euch oft genug einen Strich durch die Rechnung macht: der Zufall.

Die Rast als Schachtel Pralinen

Eine so weite Distanz wie die zu eurem Ziel, dem Auge, lässt sich nur mit Hilfe von einigen Rasten überwinden. Quelle: PC Games Eine so weite Distanz wie die zu eurem Ziel, dem Auge, lässt sich nur mit Hilfe von einigen Rasten überwinden. Man weiß nie, was man bekommt. Oft ist es dabei, zumindest gefühlt, nicht das Glück, das einen verfolgt. Plagen oder negative Effekte von untersuchten Ruinen verursachen dabei nur einige eurer Rückschläge. Dadurch, dass schon die Zusammensetzung einer Rast vom Zufall abhängt, ergeben sich oft Horror-Szenarien. Ihr benötigt eine gewisse Anzahl an Erz, um zur nächsten Rast vorschreiten zu können? Too bad, dass eure aktuelle Rast nicht eine Quelle des heiß begehrten Erz aufweist und ihr somit auf den Markt und seinen Handel angewiesen seid. Der Handel jedoch geht mit einem meist nachteilhaften Kurs einher, der euch unnötig viel Zeit und Ressourcen kostet. Die Herrschaft des Zufalls geht teilweise so weit, dass ihr selbst bei einer bisher reibungslosen Strategie derart eingeschränkt werdet, dass ein Fehlschlag unausweichlich ist. Damit wird ein eigentlich schöner Aspekt des Spiels, nämlich die gegebene Entscheidungs- und Handlungsfreiheit, stark abgeschwächt.

Für manche Spieler könnte dies jedoch auch ein willkommener Teil der Herausforderung sein, welchem sie sich gerne stellen. Abgesehen von dieser Willkür präsentiert sich As Far As The Eye nämlich hervorragend. Es bietet einen charmanten Indie-Look mit passender Atmosphäre, die durch entspannende Klänge sowie eines sanften Soundtracks unterstrichen wird.

Die Zöglinge kommen, je nach ausgewähltem Handwerk, in verschiedensten Formen daher, die jedoch allesamt niedlich sind. Allerdings muss man aufpassen, dass man aufgrund der vielen kleinen Details nicht das Wesentliche wie den Überblick aus den Augen verliert. RPG-Elemente wie Erfahrungspunkte für die Zöglinge oder deren Fähigkeitenbäume fördern die strategische Tiefe. Diese kommt auch zum Vorschein, wenn es nicht nur darum geht, die Voraussetzungen für die nächste Rast zu erfüllen, sondern sich Gedanken darüber zu machen, welche Ressourcen man sicherheitshalber mit vorbereitet. Denn man kann ja nie wissen, was einen erwartet. Dass man nur begrenzten Platz für zusätzliche Ressourcen zur Verfügung hat, gestaltet das Ganze noch pikanter.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu As Far As The Eye (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Wunderschöner Indie-LookGelungene Atmosphäre durch sanfte Musik"Flucht vor Naturkatastrophe" als Szenario sorgt für AbwechslungAngenehm fordernder Schwierigkeitsgrad
Zufallsmechaniken oftmals deprimierendMehr Kapitel innerhalb der Kampagne wären wünschenswertSteile Lernkurve
Fazit

Eine knackige Aufbau-Simulation, die noch dazu schön anzusehen ist und zum Verweilen einlädt.

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