Art of Rally: Monotones Rennspiel in wunderschöner Umgebung
Test 18,89 €
Mal wieder Lust auf ein arcadiges Rennspiel, das so gar nicht realistisch aussieht? Art of Rally verspricht auf den ersten Blick unkomplizierten, ansprechenden Fahrspaß in interessanter Optik. Obwohl das Spiel von der goldenen Ära der Rallye-Rennen inspiriert ist, sucht man aber leider dennoch verzweifelt das Rallye-Erlebnis und auch den Spielspaß im arcadigen Racer. Warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Test!
Rallye-Rennen in den Anfangsjahren des Sports zu fahren, also Ende der 1960er, war unglaublich gefährlich. Insbesondere die Gruppe-B-Fahrzeuge, die zwischen 1982 und 1986 für Rallye-Rennen zugelassen wurden, haben einen teils bitteren Nachgeschmack dagelassen. Gut geübte Rallye-Fahrer mit Boliden mit bis zu 600 PS rasten die Strecken entlang. Das Publikum wurde noch nicht hinter gesicherten Absperrungen untergebracht, wodurch gefährliche Situationen entstanden, die mitunter tödlich endeten.
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So starben während eines Rennens im März 1986 drei Menschen, nachdem ein Rennfahrer einer Gruppe Zuschauer auf der Strecke ausweichen musste und in eine Menschenmenge raste.
Das läutete das Ende der unter Rallye-Fans beliebten Fahrzeugklasse ein. Was wäre aber, wenn die Gruppe B nie abgeschafft worden wäre? Genau hier setzt Art of Rally des Entwicklers Funselektor Labs Inc. an. Seit Ende September kann das PC-Spiel bei Steam, Epic Games Store und GOG heruntergeladen werden und entpuppt sich trotz der spannenden Prämisse leider als Enttäuschung.
Wo Rallye draufsteht, ist nicht unbedingt Rallye drin
Quelle: PC Games
Was soll das? Die Story wird uns durch eine meditierende Buddha-Figur erläutert.
Die ersten Irritationen beginnen schon beim Start des Spiels. Neben der Sprache und Nationalität müssen wir auch eine Blutgruppe angeben. Wozu wir das brauchen, hat sich uns nicht erschlossen. Das ist jedoch nicht der einzige Punkt, bei dem wir mit Fragezeichen zurückgelassen werden. Wir erhalten eine kurze Erklärung der grundlegenden Story durch eine meditierende Buddha-Steinfigur (kein Witz). Während, wie eben ausgeführt, die Gruppe-B-Fahrzeuge in der Realität verboten wurden, weil sie viel zu gefährlich waren, befinden wir uns in Art of Rally in einem Paralleluniversum, in dem die Fahrzeuge immer weiter entwickelt wurden. Dadurch wurden Fahrzeuge der Gruppe S zugelassen, die in der Realität nie zum Einsatz kamen. Die Steinfigur vermittelt uns, dass es unser Ziel ist, Rallye-Meister zu werden. Der Buddha verschwindet nach der Erläuterung und lässt uns verwirrt zurück. Was hat eine Buddha-Figur mit Rallye-Rennen zu tun? Diese extrem merkwürdige Darstellung der Story ebenso wie die Angabe der Blutgruppe hätten sich die Entwickler sparen können.
Nach der kurzen Einleitung landen wir zunächst auf einer Map, wo wir uns mit der Steuerung vertraut machen . Zwar können wir unsere Fahrzeuge mit der Tastatur steuern, unserer Meinung nach ist es jedoch empfehlenswert, stattdessen ein Gamepad oder idealerweise ein Lenkrad zu verwenden. Mit dem Keyboard empfanden wir das Manövrieren unserer Gefährte als relativ unpräzise. Des Weiteren sollten wir beim Lenken und Beschleunigen ein wenig Feingefühl mitbringen, da die Fahrzeuge schnell zu Pirouetten neigen. Die PS-Monster steuern wir aus der Vogelperspektive, eine Cockpitansicht gibt es nicht.
Wer realistisches Gameplay à la Dirt Rally 2.0 erwartet, wird enttäuscht. Art of Rally (jetzt kaufen / 18,89 € ) ist ein arcadiges Rennspiel und hat weniger mit Rallye zu tun, als man denken würde. So erhalten wir etwa keine Anweisungen, wann und wo wir abbiegen müssen. Die Strecken sind vorgegeben und abgesteckt, wodurch wir den Beifahrer nicht brauchen. Eine Karte wird uns nicht im HUD angezeigt, wir sehen auf der linken Seite nur ein Balken, der uns den Rennfortschritt anzeigt.
Quelle: PC Games
Hoffentlich nutzen wir Winterreifen! Die Streckenumgebungen und Wetterbedingungen variieren und bieten etwas Abwechslung im sonst so monotonen Spiel.
Was den Grafikstil angeht, ist der Arcade-Racer durchaus ansehnlich gestaltet. Während andere Spiele mit realistisch aussehenden Umgebungen und Strecken punkten wollen, präsentiert sich Art of Rally kunstvoll und bunt. Nett anzusehen sind insbesondere die unterschiedlichen Wetterbedingungen. Wenn die Sonne auf die Strecke fällt und uns blendet, meint man beinahe den warmen, orangenen Schein auf der Haut zu spüren. Keine Pluspunkte kann das Spiel jedoch im Bereich der Lizenzen aufweisen: Art of Rally verfügt über keine lizenzierten Fahrzeuge und Strecken. Das schadet dem Spielspaß zwar nicht, ist für eingefleischte Rallye-Fans aber schade. Dafür überzeugt der Arcade-Racer soundtechnisch. Neben den Motorengeräuschen unserer PS-Monster hören wir angenehme Elektro-Pop-Musik.
Karrieremodus sehr monoton
Quelle: PC Games
Im Karriere-Modus müssen wir mehrere Rallyes mit einer bestimmten Fahrzeugklasse fahren.
Insgesamt erwarten uns fünf unterschiedliche Spielmodi. Im Karrieremodus kämpfen wir uns Jahr für Jahr durch die unterschiedlichen Fahrzeugklassen. Wir beginnen 1967 mit Fahrzeugen der Gruppe 2. Eine Saison besteht immer aus mindestens einer Rallye, welche zwischen drei und fünf Etappen beinhaltet. Um die nächste Fahrzeugklasse freizuschalten, müssen wir einfach alle Saisons der jeweiligen Klasse absolvieren. Es ist nicht erforderlich, dass wir eine gute Platzierung erreichen, was in Art of Rally aber trotzdem nicht sonderlich schwer ist. Denn es ist nahezu unmöglich, eine extrem schlechte Performance abzuliefern und den letzten Platz zu belegen. Während wir mit vielen Fahrfehlern auf der schwierigsten Stufe 13 Minuten für eine Rallye brauchen und damit noch einen Podiumsplatz belegen, braucht der letztplatzierte KI-Gegner 43 (!) Minuten.
Unser Fahrzeug erleidet Schaden, wenn wir gegen Bäume, Steine und Co. fahren oder uns überschlagen. Die Schäden haben auch Auswirkungen auf unser Fahrverhalten. An unserer Karosserie erkennen wir jedoch nicht, wie lange unser Fahrzeug noch durchhält. Sollten aber schwarzer Rauch oder sogar Flammen aus dem Motorraum aufsteigen, sollte man lieber etwas vorsichtiger fahren. Bei einem Totalschaden können wir das Rennen nicht beenden und müssen wir schlimmstenfalls die gesamte Saison wiederholen. Das passiert aber so gut wie nie, da wir eine bestimmte Anzahl an Versuchen haben, die Strecken zu meistern.
Quelle: PC Games
Macht Platz! Die Menschen können wir zwar nicht überfahren, dennoch erwischen wir uns häufig dabei, wie wir abbremsen und ausweichen.
Ein schönes Detail sind die Menschenmassen, welche die Ränder der Strecken säumen und auch gerne mal im Weg rumstehen. Passend zur entspannten Natur des Rennspiels müssen wir uns aber keine Sorgen machen, aus Versehen für ein Massaker zu sorgen: Kommen wir ihnen zu nahe, so springen die NPCs aus dem Weg. Wir sind ganz froh, dass die Entwickler sich hier nicht vollends an der Realität orientiert haben!
Langzeitmotivierend bietet die Fahrerei leider nicht, der Karrieremodus sehr monoton gestaltet. Obwohl wir unter anderem im norwegischen Schnee, auf dem heißen Boden Sardiniens und auf deutschen Landstraßen (natürlich mit Panzern am Straßenrand) entlangdüsen, bietet das Spiel nicht sonderlich viel Abwechslung. Zwar können wir neue Fahrzeuge und Lackierungen freischalten, die Technik unserer Rennsemmeln lässt sich aber leider nicht modifizieren.
Freiheit kann extrem langweilig sein
Quelle: PC Games
Im freien Modus können wir Gegenstände sammeln, um weitere Karten freizuschalten.
Neben dem Karrieremodus bietet Art of Rally Zeitrennen, Online-Events, benutzerdefinierte Rallyes und die freie Fahrt an. Nur bei den Zeitrennen können wir uns eine der zahlreichen Strecken frei aussuchen, bei den benutzerdefinierten Rallyes können wir nur das Land auswählen, indem wir fahren wollen.
Die freie Fahrt ermöglicht das nahezu grenzenlose Fahren auf kleinen offenen Maps. Sonderlich abwechslungsreich ist aber auch dieser Modus nicht. Anfangs dürfen wir nur in Finnland rumdüsen, um weitere Karten freizuschalten, müssen wir bestimmte Gegenstände sammeln. Leider ist die Karte nur über das Menü aufrufbar, wo sich die Sammelgegenstände befinden, wird uns nicht angezeigt. Dafür eignet sich der freie Modus gut, um zu Verweilen und die hübsche Grafik auf sich wirken zu lassen. Ob das aber alle Rennspiel-Fans überzeugt, darf bezweifelt werden.
Was bleibt vom arcadigen Racer hängen? Auf jeden Fall nicht allzu viel Rallye-Spielspaß. Die Fahrerei mag eine Stunde lang unterhalten, wird dann jedoch schnell monoton. Etwas mehr Abwechslung hätte dem Spiel gut getan. Dafür sticht die tolle Optik positiv heraus und lädt zum Entspannen im freien Modus ein.
