Arboria: Unsere Vorschau zum vielversprechenden Rogue-lite-Rollenspiel von Dreamplant
Test 15,11 €
Das neue Projekt von Entwickler Dreamplant vereint gleich mehrere moderne Videospieltrends: Souls-like, Rogue-lite und Action-RPG, gewürzt mit einer Prise charmant-vorpubertärem Humor. Doch tanzt Arboria möglicherweise auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig, oder kann das Werk des kleinen Indie-Studios sogar mit den großen Vorbildern mithalten?
Seit dem 07. Mai 2020 ist die Early Access Version des Rogue-lite-Action-Rollenspiels Arboria auf Steam erhältlich. Da das Spiel sich momentan noch im Early Access befindet, stellt sich natürlich die Frage, ob es sich schon lohnt, es im aktuellen Zustand auszuprobieren. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns eine ganze Weile lang mit Arboria beschäftigt und die Antwort ist ein ganz klares: Jein.
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Fangen wir zur Erklärung am besten ganz von vorn an, noch bevor wir in die Welt von Durnar und ihre Troll-Bewohner abtauchen.
Optionen? Was soll das sein?
Quelle: PC Games
Wir beginnen unsere Reise in das Land von Durnar in der Haut des Trolls Gobbok - doch das soll nicht lange so bleiben.
Was bereits im Hauptmenü auffällt: das Spiel ist nicht fertig. Klar, es ist ja auch Early Access. Dennoch ist es ein wenig komisch in den Menüs beispielsweise eine Option zum Einstellen der Sprache oder Untertitel zu finden, doch bei einem Mausklick reagieren diese Buttons einfach nicht. Ähnlich sieht es auch in den Grafikoptionen aus, hier können wir zwar den allgemeinen Detailgrad anpassen, zusätzliche Optionen wie etwa das Deaktivieren der Bewegungsunschärfe sind jedoch noch nicht vorhanden. Bei den Soundoptionen wird es dann seltsam, denn den Sound können wir zwar voll und ganz einstellen, unsere gewählten Einstellungen scheint das Spiel aber stellenweise zu ignorieren. Infolgedessen werden manche Soundeffekte trotz Änderung mit voller Lautstärke abgefeuert. Für Headsetträger ist das eindeutig kein Genuss. Aber egal, wer hält sich denn schon lange in den Einstellungen auf?
Mein Hut, der hat drei Ecken...
Quelle: PC Games
Nachdem Gobbok seinen neuen Hut gefunden hat, dreht er im wahrsten Sinne des Wortes durch vor Freude.
Viel wichtiger ist bei so einem neuen und kreativen Titel doch die Story. Und die ist in der Tat, naja, kreativ. Wir schlüpfen in die Haut eines sogenannten Yotunz, einer Art Troll, der mit einer Fee auf der Mission ist, den erkrankten Vaterbaum, die Quelle des Lebens, zu retten. Der Troll Gobbok und die Fee erkunden dafür eine Art unterirdischer Mine, durch welche sich die korrumpierten Wurzeln des Baums ziehen. Sie stoßen dabei schnell auf die Leiche eines anderen Yotun, die einen seltsamen Hut trägt. Ohne lange darüber nachzudenken, greift sich Gobbok die Kopfbedeckung und wird durch das Aufsetzen dieses Hutes anscheinend wahnsinnig.
Er rennt kopflos tiefer in die Mine, da er meint, die Götter weiter unten zu finden. Er wird damit zum Antagonisten des Spiels und die Fee, die ihn zuvor noch begleitet hatte, beschwört nun andere Yotun, um ihn aufzuhalten. Und hier kommen auch schon wir ins Spiel. Bevor wir uns aber genauer auf das Gameplay stürzen, sei gesagt: Ja, die Welt von Arboria (jetzt kaufen 15,11 € ) wird kaum erklärt und die Story ist seltsam und konfus und das bleibt sie auch, zumindest während des im Early Access verfügbaren Abschnittes. Der gewöhnungsbedürftige Schreibstil trägt zu diesem Eindruck bei, denn alles ist in einer Art Slang verfasst. Die englischen Untertitel zu lesen ist von Zeit zu Zeit schon fast eine kleine Herausforderung. "All thankz to hiz hat. Hat iz a betta friend den a stupid fairy." Und nicht nur die Dialoge laufen so ab, auch die Lore-Texte unter Items und Ausrüstungsgegenständen sehen so aus. Zum Teil ist das eigenartige Writing sehr witzig und charmant, driftet jedoch auch schnell mal in fremdschamerregenden Teenager-Humor ab. So lautet etwa der Lore-Text zur Fähigkeit Schockwelle: "Da real shockwave comez out of my azz."
Einfältiger Troll, vielfältiges Kampfsystem
Quelle: PC Games
Arboria: Unsere Vorschau zum vielversprechenden Rogue-lite-Rollenspiel von Dreamplant. (2)
Apropos Fähigkeiten, wir wollten ja zum Gameplay kommen. Wir wählen uns zu Beginn einen von drei zufällig generierten Trollen mit unterschiedlichen Boni und Charakterwerten und steigen erneut in die Höhlen hinunter. Die zu erkundenden Level der Mine werden zufällig generiert und sind darum in jedem Spieldurchlauf anders strukturiert. Durch diese zufälligen Level kämpfen wir uns mit einem Souls-ähnlichen Kampfsystem, welches manchmal leider etwas ungenau und schwerfällig zu handhaben ist. Das Kämpfen wird zudem dadurch erschwert, dass unser Charakter über keinerlei Trefferfeedback verfügt. Er zuckt bei einem gegnerischen Angriff nicht, es gibt keinen Sound und auch keinen grafischen Hinweis.Gerade gegen eine Gruppe von Fernkämpfern verliert man dadurch schnell die Übersicht über das Geschehen und nimmt Schaden, ohne zu wissen, woher genau jetzt eigentlich der Angriff kam. Dafür wird das Kämpfen durch ein zusätzliches Feature aufgepeppt.
Wir können neben unserer normalen Nahkampfwaffe verschiedene Fähigkeiten zur Unterstützung ausrüsten, wie etwa einen Teleport oder die schon erwähnte Schockwelle. Diese Fähigkeiten besitzen jeweils einen alternativen Modus, was zunächst für eine gute Abwechslung in den Kämpfen sorgt. So können wir mit dem Teleport etwa nicht nur schnell kurze Strecken überwinden und geschickt Angriffen ausweichen, wir können uns auch für längere Zeit in Luft auflösen, um einer größeren Gruppe von Gegnern elegant zu entkommen.
Der graue Alltag der Yotun
Quelle: PC Games
Im Kampf geht man lieber auf Abstand.
Etwas mehr Abwechslung hätte Arboria in seiner momentanen Verfassung dennoch bitter nötig, denn leider wird das Spiel in allen Belangen ziemlich schnell eintönig. Die zufällig generierten Dungeons sehen im Grunde immer gleich aus und die überwiegend graugrünen Höhlen sind bei aller Liebe kein Augenschmaus. Waffentypen gibt es drei an der Zahl. Diese haben zwar immer wieder abweichende Modifikationen wie Fähigkeiten-Boni oder verursachen Elementarschaden wie Frost- oder Feuerschaden, an der Handhabung selbst ändert sich durch diese Perks aber nichts.
Gegnertypen sind uns auch bestenfalls vier oder fünf begegnet, vor allem auf den ersten zwei Etagen der Mine kämpft man größtenteils gegen die immer gleichen Wespen-Gegner, was schnell ermüdend wird. Am Ende des vierten Stockwerks lauert ein "Miniboss", dieser ist ebenfalls nur ein bereits bekannter Gegnertyp mit kaum feststellbaren Abwandlungen. Nicht einmal die zusätzlichen Fähigkeiten peppen das Geschehen noch nach mehreren Stunden auf, denn auch hiervon gibt es zurzeit nur etwa drei verschiedene Variationen, welche ebenfalls nur durch Elementarboni und dergleichen erweitert werden.
Im Veri liegt der Fortschritt
Quelle: PC Games
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Das Farmen in der Welt von Arboria wird wegen dieser Schwächen leider schnell träge. Schade, wo doch das eigentliche Spielprinzip genau darauf ausgelegt ist, sich immer und immer wieder durch die gleichen Levels zu grinden. Bei unseren Kämpfen im Untergrund sammeln wir nämlich, ähnlich den Seelen in Dark Souls, sogenanntes Veri. Dieses können wir nach jedem Level in einer Art Bank sichern. Das Sammeln von Veri ist essenziell für den Fortschritt, denn sind wir unachtsam und sterben mit unserem derzeitigen Charakter, so ist dieser mitsamt der erspielten Ausrüstung für immer verloren.
Das von ihm gesammelte Veri können wir dafür in unseren nächsten Anlauf investieren, zum Beispiel, indem wir in der Hubwelt Upgrades kaufen oder indem wir das Veri den Göttern opfern. Ist man großzügig mit seinen Ersparnissen, dann verschafft einem Letzteres bis zu zehn Bonuspunkte auf jedes Hauptattribut des Charakters. Opfert man den Göttern hingegen nicht genug, dann werden sie sauer und können dem nächsten Charakter sogar Skillpunkte abziehen. Nur durch das Sammeln von Veri kommt man also weiter im Dungeon voran und hat eine Chance, das Ende des Spiels zu sehen. Oder aber man ignoriert einfach alles und rennt an jedem Kampf vorbei. Ja, richtig gelesen, leider kann man das Ende der derzeitigen Early-Access-Version allein mit flinken Füßen erreichen, ohne auch nur einmal zu kämpfen. Das könnte man zum Beispiel durch unvermeidliche Bosskämpfe in Zukunft sehr einfach verhindern.
Käferfreie Dungeons ... fast!
Quelle: PC Games
In den Itembeschreibungen kommt unerwartet viel Humor zum Vorschein.
Lobend hervorheben wollen wir, dass wir außer den bereits genannten Macken während des Tests auf verhältnismäßig wenige Bugs oder Glitches gestoßen sind. Hier und da ist mal ein Gegner im Boden stecken geblieben, ein Feind konnte nicht anvisiert werden oder die Framerate brach ein bisschen ein, doch das alles ist für den momentanen Status des Spiels absolut verzeihlich. Es gab lediglich einen etwas gröberen Fehler, als wir plötzlich unsere ausgerüstete Fähigkeit nicht mehr einsetzen konnten. Auch das Wechseln der Fähigkeit konnte diesen Fehler nicht beheben, und so bissen wir schließlich ins Gras. Dafür, dass das Spiel erst seit ein paar Tagen auf dem Markt ist, ist der derzeitige technische Stand aber absolut akzeptabel. Da haben renommiertere Entwickler aus dem Triple-A-Bereich schon deutlich Schlechteres abgeliefert.
Die Frucht ist noch nicht reif
Arboria ist wirklich kein schlechtes Spiel, doch um ein richtig gutes Spiel und den Kaufpreis wert zu sein, ist es noch zu unausgereift und bietet zu wenig Abwechslung und Umfang. Im aktuellen Zustand kann man mit dem Spiel zwar kurzweilig eine Menge Spaß haben, uneingeschränkt zum Kauf empfehlen kann man den Titel aber nur denjenigen, die ein mutiges Indie-Studio bei einem engagierten Projekt unterstützen wollen.
