Apex Legends: Deshalb ist Apex Legends mein Battle Royale!

Special Alexander Grassmé
Apex Legends: Deshalb ist Apex Legends mein Battle Royale!
Quelle: PC Games

Warum ist Apex Legends so fesselnd? Die persönlichen Gründe für seine Faszination legt euch Alexander in einer Kolumne dar.

Ich bin ein Busch. Grün und starr verweile ich in der Landschaft, kein Blatt regt sich - und dann "Peng!" - aus die Maus, danke, ich bin raus. Dabei war meine Tarnung narrensicher - dachte ich zumindest - als besagter Busch, oder eher gesagt im Busch regungslos zu verweilen. Hat ja auch geklappt. Solange zumindest bis irgendwer meinen Charakter als Zielscheibe verwendet hat. "Was finden bloß alle an dem Spiel?", denke ich mir. Gut, Systemsteuerung geöffnet, Programme deinstallieren - und weg war Fortnite.

Mittlerweile ist auch das ein gutes Jahr her, Battle Royale aber immer noch der letzte Schrei. Nicht dass ich dem Konzept nichts abgewinnen könnte, aber im Vergleich zu anderen Multiplayerspielen gehen Aufwand und Ertrag mal sowas von gar nicht Hand in Hand. Das heißt nicht, dass Battle-Royale-Spiele komplett einfallslos sind. Ein bisschen mehr, als nur einen Haufen schießwütiger Spieler in eine generische Landschaft zu verfrachten, steckt da schon dahinter. Das richtige Kartenlayout, gutes Waffenbalancing, all das eben. Nur bislang war unter all den Genre-Vertretern kein Titel, der mich so richtig vom Hocker hauen konnte. Riesige Maps, aber generisches Shooter-Einerlei - für einen Fan von schnellen Shootern á la Unreal Tournament und Titanfall war da nie das passende dabei. Bis Apex Legends kam.

Der Preis ist heiß

"Moment,", würde hier manch einer einwerfen - "was ist mit Black Ops 4"? Berechtigter Einwand, nur hat das ein knackiges Preisschild - und seien wir ehrlich; gerade am PC ist die Chance immens hoch, dass die Server des aktuellen Teils bei Release des nächsten CoDs verwaist wie eine Eisdiele im Winter sind. Warum also 50-60 € lockermachen, wenn morgen eh kein Hahn danach kräht? Und da Pseudorealismus in Spielen wie etwa PUBG nie mein Fall war, blieben mir eigentlich nur die Free-to-Play-Titel übrig. Teamwork wird in <em>Apex Legends</em> großgeschrieben Quelle: PC Games Teamwork wird in Apex Legends großgeschrieben
Und dort kann ich mich ebenfalls lediglich auf einige wenige Titel beschränken, vor allem eben Fortnite oder besagtes Apex Legends; denn das ist die Krux von Battle Royale. Werden mindestens 60 bis 100 Spieler für eine Partie benötigt; kann man logischerweise nur auf Spiele zurückgreifen, deren Spielerzahlen konstant hoch bleiben.

Zeichensprache

Aber auch die vielen Mitspieler bringen mir nichts, wenn das Teamplay nicht existiert. Persönlich war allerdings ich nie ein großer Fan von Shootern die eine geschlossene Zusammenarbeit erfordern. Warum? Ganz einfach: ich bin unglaublich mundfaul. Statt, wie es in anderen Shootern der Fall ist, mich dafür gnadenlos zu bestrafen, dass ich mit meinen Kameraden kaum ein Wort wechsele, setzt Apex Legends hier auf ein alternatives, vermeintlich simples, aber doch äußerst durchdacht wirkendes Kommunikationsmittel - das Pingen. Mit der mittleren Maustaste kann ich Dinge markieren - und zwar so gut wie alles. Mögliche Landungsorte, gefundene Waffen, sich nähernden Gegner; auf all das können die eigenen Mitspieler aufmerksam gemacht. Will ich etwa zu einem bestimmten Punkt auf der Karte, öffne ich diese, bewege die Maus auf den entsprechenden Ort und drücke die mittlere Maustaste. Verblüffend, wie es das geniale Ping-System schafft, im Multiplayer vermeintlich unverzichtbare Dinge wie den Voice-Chat überflüssig wirken zu lassen.Den Kameraden wird das nicht nur auf deren Minimap angezeigt; sie hören meine Spielfigur auch entsprechendes sagen, hier etwa: "Lasst uns mal dort hin schauen". Auch von Begleitern gepingte Waffen kann ich für mich beanspruchen, einfach indem ich auf deren Ping pingen. Wer des Englischen übrigens nicht mächtig ist, sollte unbedingt Untertitel aktivieren, denn obwohl einem oftmals die Kugeln nur so um die Ohren fliegen, betreiben die Charaktere ausgesprochen viel Smalltalk. Passt man hier also nicht auf, entgehen einem unter Umständen wichtige Informationen.
Fairerweise sei gesagt, dass die Idee des Pingens nicht neu ist, die Art und Weise wie Respawn Entertainment sie hier implementiert sucht im gesamten Multiplayer-Shooter-Genre ihresgleichen. Natürlich kann ich mich auch auf altmodische Weise verständigen, es ist jedoch verblüffend, wie es das geniale Ping-System schafft, im kompetitiven Multiplayer vermeintlich unverzichtbare Dinge wie den Voice-Chat überflüssig wirken zu lassen.

Klasse statt Masse

Nicht viel weniger innovativ für das BR-Genre sind da die Klassen. Wie Overwatch gibt auch Apex Legends dem Spieler eine Handvoll Charaktere, jeder mit einzelnen Fähigkeiten, aber - und das ist der große Unterschied zu Blizzards' Shooter: die einzelnen Charaktere sind nicht an bestimmte Waffentypen oder Bewegungsmuster gebunden, wodurch die Kämpfe stets ausbalanciert bleiben. Damit einher geht dann auch die Sache mit dem Plot von Apex Legends. Der ist dann zwar so tief wie eine Pfütze - aber immerhin ist er da. Natürlich bringen mir die besten Charaktere nichts, wenn das Gameplay nicht stimmt, besonders im Shooter-Genre. Aber egal ob Overwatch, Rainbow Six: Siege oder jetzt eben Apex Legends - sie alle spielen sich gut, wenn nicht grandios und bieten mit den dazugehörigen Charakteren sogar noch das i-Tüpfelchen obendrein.
Vertonung und Gestaltung der Spielfiguren sind durch die Bank weg toll gelungen Quelle: PC Games Vertonung und Gestaltung der Spielfiguren sind durch die Bank weg toll gelungen
Gerade Apex Legends beinhaltet hier allerlei Dinge, wie die Ausgewogenheit der Figuren, ihre Fähigkeiten, ihre Sprüche, die ich einfach nicht mehr missen möchte. Sei es Wraiths coole Fähigkeit, die Dimension zu wechseln, Lifelines putziger jamaikanischer Akzent oder die gleichzeitig lustig-arrogant wie bescheuert klingenden Kommentare von Mirage. Dabei wiederholt sich das Gesagte kaum - den Unmengen an verschiedenen Dialogzeilen sei Dank - für mich persönlich in den meisten anderen Multiplayer-Shootern ein sträflich vernachlässigtes Feature.

Hut ab, Respawn Entertainment. Da hört man nach dem exzellenten, aber kommerziell leider nur bedingt erfolgreichen Titanfall 2 ewig lang kaum etwas von euch und dann sowas! Ein Spiel ohne große Ankündigung im wohl derzeit am heißest umkämpften Genre zu veröffentlichen, kann auch nach hinten losgehen.

Aber es hat sich ausgezahlt. Und das sei euch aber mal sowas von gegönnt. (jetzt kaufen 99,99 € )

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