Anno 1400: Eine Reise in den Orient - Retro Special
Special
Füllt die Lager und setzt die Segel! Wir reisen in der Zeit zurück und lassen unsere Metropole des Spätmittelalters aufblühen. Unser Retro-Special zu Anno 1404.
Nächster Halt: Bosporus!
Das müssen wir spätestens bei den Gewürzen, die es nur auf den orientalischen Inseln von Anno 1404 gibt. Also: Holz und Werkzeuge auf das Schiff geladen und auf zu neuen Ufern. Einmal angekommen wird wieder ein Markthaus errichtet und dann dürfen die ersten Bürger einziehen. Weil es im Orient aber keine Anbaufläche für Obst gibt, müssen wir den Most von unserer alten Insel importieren. Das löst zwar weiterhin nicht unser Gewürzproblem, weil die nur von Nomaden produziert werden können, aber da ist das Prinzip ähnlich. Die ziehen nämlich erst auf die Insel, nachdem wir eine Urkunde für den Großwesir Al Zahir bekommen haben. Worum es aber geht: Die Bewohner unseres Okzidents profitieren von den Produkten des Orients und umgekehrt. Zwischen diesen beiden Welten ein Gleichgewicht zu finden und die perfekten Handeslrouten zu planen ist eine Herausforderung, aber Befriedigung, wenn alles funktioniert.
Sobald die ersten Nomaden ihren Weg auf die orientalischen Inseln finden, fühlt es sich wie ein neuer Spielstand an. Wir fangen wieder von vorn an, aber eben mit einer neuen Bevölkerungsart.
Genauso wie die okzitanischen Bewohner, können auch die des Orients in Stufen aufsteigen. Zwar sind das nur zwei, aber die sind dafür auch etwas tricky. Für Datteln müssen beispielsweise erst einmal Grundlagen geschaffen werden, damit sie überhaupt angebaut werden können. Und die Bedürfnisse der Nomaden sind eben die Luxusbedürfnisse der Bürger. Es gilt einen Mittelweg zu finden, genug Waren herzustellen und unsere Schiffchen hin und her schippern zu lassen.
Bevölkerungsstufe 3
Wenn alle Handelsrouten funktionieren, wir nicht gerade in einem Krieg stecken und den Piraten Schutzgeld zugesteckt haben, kann die Reise weitergehen. Richtig fordernd wird Anno 1404 nämlich ab der dritten Bevölkerungsstufe. Ein paar Stunden Spielzeit sind mittlerweile sicherlich schon vergangen, also ist der Planungs-Flow ohnehin da. Was benötigen wir nun alles? Fisch und Gewürze sowie Most zum Überleben. Jetzt noch Klamotten und eine Schenke. Zack! Unsere Bürger werden zu Patriziern. Also zumindest die grobe Hälfte. Denn das wäre ja zu schön, wenn alle aufsteigen und die Kassen durch ihre Steuerabgaben füllen.
Aber für die umfangreichen Einnahmen, wollen sie auch einiges haben. Das ist wohl auch der Grund, warum viele Anno-Spieler hier eine Pause einlegen und zugegebenermaßen diesen Spielstand so lange nicht mehr anrühren, bis sie die Lust wieder überkommt. Nur um dann zu merken, dass man keine Ahnung mehr hat, wo man eigentlich war und welche Bereiche man gerade ausbauen wollte und stattdessen einfach einen neuen Spielstand anfängt.
Wer über diese Schwelle aber hinwegkommt oder genug Mut zeigt, um weiterzuspielen, darf sich auf Umstrukturierungen seiner Inseln freuen. Die Patrizier geben sich nicht mehr mit einfachem Fisch und Gewürzen zufrieden, sondern verlangen Brot von Euch. Auch der Most ist mittlerweile oll, das Volk möchte Bier! Olle Lumpen aus Hanf? Pah! Die Patrizier wollen Lederwämse. Und um alles noch abzurunden ein paar Bücher, Kerzenleuchter und Brillengläser. Je reicher man wird, desto schlechter kann man scheinbar sehen. Damit kommen mehr Bedürfnisse dazu, als wir bisher bewirtschaften mussten! Ein Glück kommen dann aber nur noch die Adligen. Da ist der Sprung nicht mehr allzu groß.
Besser als alles zuvor
Was Anno 1404 im Vergleich zu den Vorgängern aber besonders auszeichnet, sind einige Änderungen, die die Spiel-Reihe nachhaltig beeinflusst hat. Aus der Kampagne kennen wir die neuen Monumentalbauten. Das ist in der Story etwa der Dom.
Drei Stück sind es insgesamt im Spiel: der erwähnte Kaiserdom, die Sultansmoschee und die Speicherstadt. Das Besondere an denen ist, dass sie nicht wie die herkömmlichen Gebäude sofort gebaut sind, sobald man die entsprechenden Materialien hat. Ein exorbitant hoher Rohstoffbedarf, deutlich längere Bauzeiten und gleich mehrere Bauphasen machen sie zu besonderen Konstruktionen. Am Ende zahlt sich der Preis aber auch aus, denn die Insel glänzt nicht nur doch ein Meisterwerk seinesgleichen, sondern schaltet auch neue Funktionen frei.
Der Kaiserdom sorgt für kaiserliche Aufträge, die Moschee füllt sofort alle Bedürfnisse im Orient und die Speicherstadt beschleunigt die Schiffe und erweitert unser Lager.
Im Namen des Kaisers
Aufträge wie die aus dem Kaiserdom gab es auch schon in Anno 1701, aber im 1404er wurden sie noch einmal deutlich angezogen. Im Laufe des Spiels bekommen wir als Spieler kleine Aufgaben, die wir annehmen oder ablehnen können. Meist sind sie von Mitspielern, gerne auch von neutralen NPCs oder auch von Inselbewohnern oder Hexen. Je nachdem wie wir auf die Situation reagieren, wird uns Ehre und Ruhm zuteil oder unsere Anerkennung sinkt. Wird ein Auftrag erfolgreich beendet, warten Geld und manchmal mehr, manchmal weniger nützliche Items auf uns. Dabei kann jede Aktion auch schwerwiegende Folgen haben. Unterstützen wir die Hexen nicht bei ihrem Vorhaben, wird die Pest auf das Volk gejagt. Und wenn wir zu viele Bettler abweisen, die auf unserer Insel Schutz suchen, könnten sie eines Tages als Gesetzlose zurückkehren.
Quelle: PC Games
Besonders die Items sind dabei spannend. Gold ist in Anno 1404 nie wirklich knapp. Die Items aber können unsere Arbeit ... genauer gesagt, die Arbeit unserer Bewohner, deutlich erleichtern. Da kann beispielsweise die Produktivität gesteigert werden, indem eine große Lore ein Viertel mehr Kohle liefert. Oder passend dazu der kaiserliche Geologe, der die Arbeit in den Minen antreibt, wenn auch nur für 10 Minuten. Aber auch Kosten können verringert, die Lager ausgeweitet, Waren schneller transportiert oder Fruchtbarkeit hergestellt werden. Die Teile sind Gold wert, wenn es in Richtung Endspiel darum geht, seine Inseln zu optimieren.
Ein weiteres Feature, das aus Anno 1701 direkt übernommen und ad Extremum geführt wurde, sind die Katastrophen. Während sich diese bisher auf Feuer beschränkten, die gerne mal ganze Ortschaften verwüsten konnten, wurde in 1404 das Tor zur Hölle geöffnet.
Feuer, Pest, Gewitter, Sandstürme, Wirbelstürme und per Add-on sogar Vulkanausbrüche! Die können vor Spielbeginn zwar angepasst werden, also aus oder eingeschaltet, aber verpassen dem Spiel eine kräftige Schärfe. Entsprechend müssen die Städte ganz anders geplant werden. Feuerwachen gilt es zu errichten, der Medikus muss sich um die Kranken kümmern und ... na gut ... gegen Gewitter kann man nichts machen.
Kohle und Stahlindustrie
Aber was hilft im Zweifelsfall immer? Richtig - Militär! Das ging erstmals weg von einem Echtzeit-Strategie-Prinzip zu einem indirekten Militärsystem.
Das bedeutet, wir positionieren unsere Streit- und Abwehrkräfte strategisch rund um unsere Insel oder im Meer. Damit schaffen wir die perfekten Positionen, um zur rechten Zeit zuzuschlagen! Wenn sich der Feind nähert, agieren die Militärs von ganz allein. Auch hier wurde eine Grundlage für die weiteren Anno-Teile geschaffen. Das Militärsystem kam vielen Fans entgegen und macht besonders das Erobern befeindeter Inseln deutlich taktischer und spaßiger.
Abgerundet wird alles durch ein Erfolgssystem, dass uns durch das gesamte Spiel begleitet. Klar ist es schön sein Volk wachsen zu sehen und militärische Erfolge einzufahren, aber dafür anerkannt zu werden ist doch noch viel schöner. Darum tauchen immer die Gesichter unserer Mitspieler oder des Adels in der oberen rechten Ecke auf und sagen uns, wie großartig wir doch sind. Ist unser Dorf zu einer Stadt aufgestiegen, werden wir bejubelt und bekommen on top Edelsteine, die wir für Bonusinhalte nutzen können. Auch Porträts von Mitspielern, nützliche Items oder Titel wie "Schrecken der Meere" zählen dazu. Und für solch einen Titel lohnt es sich doch zu spielen.
Anno 1404 teilt sich bis heute zu Recht mit 1800 den Rang des besten Anno-Titels. Es hat ein gutes 1701 zu einem großartigen Spiel weiterentwickelt und soo viele Elemente geschaffen, die bis heute noch wichtige Bestandteile der Anno-Reihe sind. Und obendrauf lässt es sich auch heute noch, dank des fast schon zeitlosen Designs, problemlos für 2-3 Stunden spielen ... na ja, vielleicht auch Tage.
