Ankh Herz des Osiris

Test

Blinde Friseure, strunzdumme Auftragskiller, modrige Handlanger -- in Ägypten bricht bald die Hölle los, und alle Stars aus der Adventure-Überraschung Ankh sind wieder mit dabei.

Von der besseren Hälfte aus der Wohnung geschmissen, nachts mit einem Kater aufgewacht -- in einer dunklen Gasse. Das klingt so gar nicht nach Assil aus Ankh, dem Retter Ägyptens. Doch so beginnt der Nachfolger Herz des Osiris. Wäre alles halb so wild, doch Tollpatsch Assil hat sich auch das Ankh stehlen lassen. Und mit dessen Hilfe will sich Spießgeselle Osiris nun ins Reich der Lebenden zurückholen lassen. Der Schlamassel ist perfekt, und wir helfen gerne, ihn wieder zu beseitigen.

Traditionell

Herz des Osiris bleibt ein Point&Click-Adventure. Obwohl Charaktere und Umgebung in 3D gehalten sind, gibt es keine Sperenzchen wie Tastatursteuerung oder Geschicklichkeitseinlagen. Auch in einem anderen Bereich knüpft der Ankh-Nachfolger an so manchen Genre-Klassiker an: Bereits früh im Spiel füllt sich das Inventar so sehr, dass die Übersicht ein wenig leidet. Vor allem, weil diverse Gegenstände nur zum Spaß in den Taschen der Charaktere landen. Erfahrene Abenteurer stört das nicht weiter, Einsteiger dürften damit stellenweise ihre Probleme haben.

Zu Hause ist?s am schönsten

Die ersten Schritte in Herz des Osiris machen wir in vertrauter Umgebung. Wir tapsen über den Marktplatz in Kairo, treffen alte Bekannte und besuchen sogar noch einmal den Palast. Recht schnell wird dabei deutlich, dass sich die Entwickler die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen haben. Die Rätsel sind nämlich fordernder geworden. Größtenteils löblich logisch, aber weniger offensichtlich.

Um an ein Kistchen heranzukommen, das auf dem Dach eines Marktstandes liegt, müssen wir uns beispielsweise zunächst einen Papagei »ausleihen«. Kaum thront der auf dem Marktplatz, verarbeiten die umliegenden Katzen ihn zu Kleinholz -- den Marktstand und den Papagei. Jetzt müssen wir uns zwar eine Ausrede für den Besitzer des Federviehs einfallen lassen, können aber problemlos die Schatulle einsacken.

Details

Das Problem an diesem und an anderen Rätseln: Kleine Objekte -- etwa das Kistchen -- sind oftmals erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Immer wieder heißt es deshalb: Bildschirm absuchen. Dabei streift unser Blick über gewohnt liebevoll gestaltete Hintergründe im quietschbunten Comic-Look. Ob nun Grabkammer, Palastküche, Sklavenlager oder Fußballplatz -- überall finden wir viele kleine Details in stimmige Texturen eingebettet und schick beleuchtet.

Auch die Charaktere überzeugen wieder, vor allem durch ihr putziges Minenspiel. Professionelle Synchronsprecher vertonen vorbildlich die mitunter herrlich albernen Dialoge. Besonders gut gefallen hat uns, dass sich die Entwickler selbst nicht ernst nehmen. Bereits im ersten Akt witzelt Assil in einer dezent an Sam & Max erinnernden Szene über die kurze Spielzeit des ersten Teils.

Rätselfieber

Apropos Spielzeit: Herz des Osiris ist mit knapp elf knobligen Stunden zwar wieder kein Epos, nimmt aber mehr Zeit in Anspruch als Ankh. Sehr schön: für Abwechslung ist gesorgt. Sie steuern nämlich nicht nur Assil, sondern auch andere Charaktere, zum Beispiel seine bessere Hälfte Thara.

Mit Ankh: Herz des Osiris erscheint Ende Oktober ein weiteres sehr gutes Adventure. Über mangelnde Beschäftigung müssen sich Fans des Genres also nicht beschweren und sollten zugreifen. Oder sich (wenn Geheimakte Tunguska und Baphomets Fluch nicht durchgespielt sind) das Wüstenmärchen für den Weihnachtsbaum aufheben.

David Bergmann

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk