Animal Crossing: Pocket Camp im Test - Überraschend vollwertiger Serienableger mit guten neuen Ideen
Test
Animal Crossing: Pocket Camp im Test: Die putzigen Tiere aus der Animal Crossing-Welt verlassen erstmals die Nintendo-Hardware und betreten Smartphone- und Tablet-Neuland. Wie gut ist ihr Einstand auf den neuen Geräten gelungen - trotz Free2Play-Modell? Das verraten wir in unserem Review zu Animal Crossing: Pocket Camp!
Pokémon, die Miis, Super Mario und Fire Emblem - immer mehr Nintendo-Serien beziehungsweise Nintendo-Figuren machen es sich inzwischen auf Smartphones und Tablets gemütlich. Die Ergebnisse dieser Mobile-Bemühungen waren großteils gelungen, wenngleich keines der bisherigen Spiele das Original-Gameplay kompromisslos auf die Touch-Only-Geräte übertragen konnte. Technische Einschränkungen, vor allem bezüglich der fehlenden Steuerungsoptionen, standen hier im Weg. Wohl auch deswegen wurde Animal Crossing: Pocket Camp im Vorfeld der Veröffentlichung so gespannt beäugt, verheißt das sehr gemächliche, bar jeder Action aufgebaute Spielprinzip doch die Möglichkeit, hier eins zu eins das abzuliefern, was man auch von DS, 3DS, Wii und Co. kennt. Ganz erfüllt Pocket Camp diese Erwartung zwar dann doch nicht, es entpuppt sich aber nichtsdestoweniger als das bisher wohl kompletteste Nintendo-Mobile-Spiel - und bringt sogar einige gute Ideen mit sich, die wir hoffentlich so ähnlich auch im längst überfälligen Animal Crossing für die Switch sehen werden.
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Tierfreund
Quelle: PC Games
In den Gebieten stehen zufällig ausgewählte Pocket Camp-Spieler-Avatare herum, mit denen wir plaudern und deren Campingplätze wir besuchen können.
Los geht's wie eigentlich immer in der Serie: In Form eines wahlweise männlichen oder weiblichen, selbstgebauten und unfassbar knuddeligen Avatars stoßen wir als Neuankömmling in eine ansonsten ausschließlich von anthropomorphen Tieren bewohnte Welt. Wo wir in den Vorgängern allerdings das neueste Mitglied - beziehungsweise in New Leaf für den 3DS der Bürgermeister - eines idyllischen Dörfchens wurden, verschlägt es uns diesmal auf einen Campingplatz. Mehr noch sind wir als Zeltplatzchef auch gleich für die Leitung der kleinen Örtlichkeit zuständig - und hier greift das Spielprinzip des Titels auch schon. Unsere Aufgabe ist es nämlich, freundliche Häschen, Pinguine, Hunde, Eichhörnchen und andere Tierchen zu überreden, es sich auf unserem Gelände gemütlich zu machen. Wie gelingt uns das? Dank des neuen Freundschaftslevelsystems! In den Vorgängern hatten Gespräche mit und Geschenke an unsere Mittiere nur sehr oberflächliche Auswirkungen. In Pocket Camp hingegen wird die Beziehung zwischen uns und ihnen quantifiziert - plaudern wir mit einem potenziellen Camper, überreichen wir ihm von ihm gewünschte Präsente und bauen wir im letzten Schritt Möbel auf den Zeltplatz, die seinen Geschmack treffen, so steigt der Freundschaftslevel an und er zieht bei uns ein. Danach kann der Wert noch weiter gesteigert werden, um die Beziehung zu intensivieren. Wer sich um die Tierchen kümmert, kann schon bald auf eine stattliche Anzahl an Campern blicken, die dort ein- und ausgehen.
Möbelmacher
Quelle: PC Games
Haben wir den Freundschaftslevel eines Tieres erhöht und ihm einige Wünsche erfüllt, so macht er es sich auf dem Campingplatz gemütlich.
Und ja, wir haben gerade "Möbel bauen" gesagt: Der Kauf beziehungsweise das Finden von Tisch, Stuhl, Teppich und Co. ist diesmal nicht Teil des Gameplays. Stattdessen gilt es, Ressourcen zu ergattern, die wir als Gegenleistung für Geschenke an die Tiere erhalten. Diese wünschen sich zumeist Käfer oder Fische. Um an das entsprechende Tier zu gelangen, reisen wir zu den verschiedenen Gebieten des Spiels - an einen Strandabschnitt, an einen Bach und in ein Waldstück - und gehen dort mit Angel respektive Fangnetz auf die Jagd. Klingt jetzt alles ein wenig kompliziert, ist es aber in der Praxis nicht. Für gefangene Tierchen gibt's Ressourcen, für die gibt's Möbel - das hat man schnell verinnerlicht, zumal man an die verschiedenen Funktionen gemächlich herangeführt wird. Obgleich das System mit den verschiedenen Arealen gut funktioniert, vermissen wir doch die zusammenhängende Welt aus den Vorgängern etwas - das Gefühl, Teil einer kleinen Gemeinde mit festen Tagesabläufen zu sein, stellt sich diesmal nicht ein. Auch sonst fehlen viele Aspekte der Hauptreihe, etwa die Suche nach Fossilien, regelmäßige Auftritte von K. K. Rider (das musikalische Hündchen versteckt sich diesmal auch hinter der Bezahlschranke) und weitreichende Auswirkungen durch Tages- und Jahreszeit. Klingt jetzt schlimmer als es ist, da die neuen Spielelemente die alten gut ersetzen beziehungsweise ergänzen und Pocket Camp durchaus jede Menge Substanz verleihen. Wer ein völlig klassisches Animal Crossing-Erlebnis erwartet, könnte unter Umständen aber etwas enttäuscht sein.
Touchscreen-Baumeister
Quelle: PC Games
Diese drei Brüder leiten das Unternehmen OK Motors und bauen auf unseren Wunsch hin unseren Wohnwagen nach und nach aus – gegen Bezahlung, versteht sich.
Alle anderen freuen sich unter anderem über ein erweitertes und umfangreicheres Bausystem als jemals zuvor, bei dem es durch den Ressourcenfokus auch leichter als in den Vorgängern ist, gezielt an bestimmte Möbelstücke zu gelangen. Damit verschönern wir primär den Zeltplatz selbst. Wie erwähnt hat jeder Camper bestimmte Möbel-Wünsche, die erfüllt werden müssen, damit er sich wohl fühlt, was schnell dazu führt, dass man fünf, sechs verschiedene Sofas auf den eng bemessenen Raum pfercht. Regelmäßiges Umstellen, Arrangieren und Austauschen ist also Pflicht, damit sich alle wohlfühlen. Dieser sehr simple taktische Aspekt verleiht dem Bauen zusätzlichen Reiz. Deutlich freier eingerichtet werden darf im eigenen Wohnwagen, den wir schließlich nach Lust und Laune verschönern können - und, wie in den Vorgängern unser Eigenheim, auch in mehreren Stufen erweitern. Das alles macht viel Spaß und lässt sich, dank der vom Serien-Spin-off Animal Crossing: Happy Home Designer inspirierten Steuerung, sehr komfortabel erledigen. Das zu bestückende Gelände wird im Baumodus als Raster angezeigt, auf dem man die Objekte mühelos platzieren, entfernen und drehen kann. Aber auch sonst steuert sich Pocket Camp sehr komfortabel, auch mit einer Hand, vor allem, da niemals schnelle Reaktionen gefordert sind. Sogar das Fangen von Käfern - in den Vorgängern jene Tätigkeit, die noch am ehesten einer Herausforderung gleichkam - wurde sinnvollerweise vereinfacht und funktioniert nun als Reaktionstest. Die Bewegung durch die Welt klappt, indem wir einfach dort auf den Bildschirm tippen, wo unsere Figur hinrennen soll. lnsgesamt alles sehr durchdacht - fein!
Challenge accepted
Abseits vom Bauen beziehungsweise Einrichten und dem Sammeln von Ressourcen können wir auch noch den kleinen Markt unsicher machen, auf dem wechselnde Händler ihre Waren feilbieten. Da können wir uns dann zum Beispiel neue Klamotten, besondere Items und mehr kaufen. Als weitere Freizeitbeschäftigung steht es uns frei, die Camps anderer Spieler zu besuchen: Zufällig ausgewählte Avatare können in den verschiedenen Arealen im Spiel auftauchen. Plaudern wir mit ihnen, können wir uns auf die Reise machen. Spielerischen Nutzen hat das zwar kaum, es macht aber Laune zu sehen, wie andere Spieler vollkommen anders bei ihrer Gestaltung des Zeltplatzes vorgehen. Wer will, kann die Zufallsbekanntschaften auch in seine Freundesliste aufnehmen und dann gezielt mit ihnen Kontakt aufnehmen. Zusätzlich erwarten uns allerlei Langzeit- sowie täglich wechselnde Herausforderungen, für die es als Belohnung Ressourcen, Sternis (die bewährte Animal Crossing-Währung) und mehr gibt. Da gilt es zum Beispiel, eine bestimmte Anzahl eines Gegenstandes zu finden, mit einer bestimmten Menge an Figuren zu reden, fünf Zeltplatzbewohner anzuwerben und mehr. Diese Aufgaben sorgen für zusätzliche Motivation, zumal es ab und an auch sogenannte Blatt-Bons zu gewinnen gibt - und an dieser Stelle kommt der Mikrotransaktionsfaktor des Titels ins Spiel.
Blatt-Bon-Werk
Quelle: PC Games
Während es auf dem Campingplatz gilt, die Gäste glücklich zu machen, können wir das Innere unseres Trailers nach Lust, Laune und eigenem Geschmack herrichten. '
Jedes Free2Play-Spiel steht und fällt natürlich damit, wie fair das System umgesetzt wurde. Dankenswerterweise haben die Entwickler hier sehr gute Arbeit geleistet. Genannte Blatt-Bons sind die Währung, die wir mit Echtgeld erstehen können. Mit diesen können wir uns etwa mehr Bauplätze kaufen, damit wir schneller Möbel anfertigen können, spezielle Items erstehen, die zahlreiche Fische und Käfer auf einmal in unsere Tasche wandern lassen, K. K. Rider an unsere Seite rufen, ein spezielles Areal voller wertvoller Ressourcen besuchen und mehr. Außerdem lassen sich die Wartezeiten, die beim Bau von Möbeln und anderen Gegenständen normalerweise abgesessen werden müssen, mit Blatt-Bon-Einsatz überspringen. Klar, wer Geld einsetzt, spielt eine Spur komfortabler - allerdings werden einem keine relevanten Inhalte vorenthalten, wenn man die Geldbörse nicht öffnet und die Machart des Spiels sorgt dafür, dass die Wartezeiten kaum jemals ein störender Faktor sind. Zudem erhält man durch das Erledigen von Aufgaben auch so Blatt-Bons - und nicht einmal in zu knapper Menge. Keine Frage, man kann Free2Play kritisch gegenüberstehen. Aber wenn es schon gemacht wird, dann bitte genauso unaufdringlich wie in diesem Fall!
Toll gemachter Zwischendurch-Snack
Ist Animal Crossing: Pocket Camp also so gut wie die Ableger der Hauptreihe? Nicht ganz - dafür wurden einige Aspekte dessen, was diese ausmacht, zugunsten der Touchscreen-Kompatibilität doch etwas zu arg beschnitten. Allerdings wurden mit den Ressourcen, dem Bau-Menü, den Herausforderungen, dem Freundschaftslevelsystem und anderen Neuerungen auch Elemente etabliert, die wir so in Zukunft nicht mehr missen wollen. Der Free2Play-Ansatz ist zudem nach wie vor Geschmackssache, aber echt fair - wir haben in gut 15 Stunden Spielzeit keinen einzigen Euro ausgegeben. Wir freuen uns zwar trotzdem darauf, wenn wir endlich auf der Switch mit Tieren plaudern können, bis dahin ist Pocket Camp aber ein toller Zeitvertreib. (Animal Crossing: Pocket Camp in der Wikipedia.)
